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Raum-Zeit-Inspirator

Test: Seymour Duncan Dark Sun

Seymour Duncan Dark Sun(Bild: Dieter Stork)

Seymour Duncan hat die Welt der Tonabnehmer komplett verändert und einige Klassiker geschaffen, die heute nicht mehr wegzudenken sind. Mit seinen Pedalen ist der Hersteller auf dem besten Wege, sich einen ebenso eindrucksvollen Ruf zu erarbeiten. Mit dem Dark Sun stellt der Branchenriese nun ein für Periphery-Gitarrist Marc Holcomb entwickeltes Signature-Reverb-und-Delay-Pedal vor, welches auf allen Ebenen zu beeindrucken weiß.

Was inspiriert den schaffenden Künstler? Nun – diese Frage lässt sich natürlich nicht in ein paar Zeilen pauschal beantworten. Was jedoch außer Frage stehen dürfte, ist, dass uns Gitarristen ein neuer und spannender Sound oftmals zu Höhenflügen in ungeahnte Sphären verhilft. Genau hier liegt der Kern des Dark-Sun-Delay- und Reverbs.

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Marc Holcomb erwischte sich immer wieder dabei, wie er mit einem Silver-Lake-Pedal (Ein Hallgerät, ebenfalls von Seymour Duncan) durch spannende Sounds zu neuen Ideen inspiriert wurde. Sein Dark-Sun-Signature-Pedal soll diese Aufgabe nun übernehmen und kann dabei mit einer beeindruckenden Liste an Features aufwarten. Dabei ging es in der Entwicklung des Gerätes vor allem darum, Reverb- und Delay-Sounds in einem Gerät zu vereinen, ohne aber die Flexibilität zweier separater Pedale zu verlieren.

ALL BLACK EVERYTHING

Neun Regler, zehn LEDs, zwei Fußschalter, fünf kleine Taster und ein Display lassen sofort erahnen, das hier richtig Leistung unter der Haube ist. Gemessen an seinen Möglichkeiten, kommt das Pedal in einem recht kleinen Format, das in etwa vergleichbar mit den großen MXR-Pedalen ist. Das Gehäuse wurde in einem dunklen, schiefergrauen Farbton lackiert und schwarz beschriftet. Das sieht zwar ziemlich cool aus, macht das Ablesen der einzelnen Taster, LEDs und Regler aufgrund des geringen Kontrasts aber leider ziemlich schwierig.

Ganz grundsätzlich ist das Dark Sun in zwei Bereiche unterteilt. Da wäre zum einen die Delay-Sektion, die in „Time“, „Feedback“ und „Mix“ regelbar ist. Direkt darüber liegen die beiden Potis, welche für die Reverb-Abteilung zuständig sind und die Parameter „R.Size“ und „R.Mix“ regeln. Eines der Kern-Features, die Holcomb besonders wichtig waren, ist der Drehschalter mit der Beschriftung „Routing“. Hier kann bestimmt werden, in welcher Reihenfolge die beiden Effektsektionen arbeiten sollen – ein überaus sinnvolles Feature, wenn man bedenkt, wie sensibel die beiden Effekte miteinander interagieren. Neben der seriellen Reihenfolge können im Stereo-Betrieb auch zwei verschiedene Parallel-Modi angewählt werden.

Auf der linken Seite des Dark-Sun-Pedals findet sich ein zweiter Drehschalter, welcher die Bezeichnung „Delay Mode“ trägt. Hier können neben dem rhythmischen Wert der Delays (Viertel, Achtel, punktierte Achtel, Triolen) auch Reverse- oder Ping-Pong-Echos ausgewählt werden. Ein kleiner Taster unterhalb des Reverb-Bedienfeldes lässt wählen, ob man die Trails-Funktion des Dark Sun aktivieren möchte. Mit sechs unterschiedlichen Belegungen ist der „Tweak“-Regler ganz klar einer der entscheidenden Dreh- und Angelpunkte des Dark Sun. Hier können mittels zweier kleiner Taster dem Poti sechs unterschiedliche Parameter zugewiesen werden.

LPF Low-Pass-Filter

HPF High-Pass-Filter

SAT Saturation, also eine Art Bandsättigungseffekt

Depth bestimmt die Effekt-tiefe der Modulation

Rate regelt die Effektgeschwindigkeit der Modulation

Blend bestimmt stufenlos, ob entweder das Delay- oder das Reverb-Signal bearbeitet werden sollen

Features wie der Tap-Fußschalter oder der optionale Stereobetrieb verstehen sich ja in dieser Preisklasse fast schon von selbst, seien hier aber natürlich lobend erwähnt. Besagter Tap-Schalter dient gleichzeitig dazu, in den Preset-Modus zu wechseln und in der jeweiligen Bank die vier zur Verfügung stehenden Speicherplätze durchzuschalten. Alternativ kann dies auch durch die beiden kleinen Bank- und Preset-Taster direkt unterhalb der kleinen Displays geschehen.

Richtig gut ist auch, dass alle Anschlüsse zu Gunsten einer platzsparenden Verkabelung auf der Stirnseite des Dark-Sun-Pedals verbaut wurden. Neben den In- und Output-Buchsen findet sich zudem eine MIDI-Schnittstelle mit MIDI In und MIDI Thru. Seitlich befindet sich ein USB Anschluss für Firmware Updates.

Solch ein digitales Schlachtschiff braucht natürlich auch den entsprechenden Treibstoff und ist mit 300 mA durchaus durstig. Betrieben wird das Gerät mit einem Netzteil, welches 9 bis 18V liefern kann. Der Durchweg positive Eindruck des Dark-Sun-Pedals wird lediglich durch die etwas fragil wirkenden Poti-Achsen aus Kunststoff getrübt – in diesem Preissegment wären robustere Potis aus Metal durchaus angebracht.

Seymour Duncan Dark Sun(Bild: Dieter Stork)

DIE SONNE GEHT AUF

Um sich dem Dark-Sun-Pedal ein wenig anzunähern, habe ich mich zunächst einmal quer durch die 32 Speicherplätze geklickt. Hier bekommt man einen sehr guten Eindruck, für welchen Einsatzzweck dieses Pedal entworfen wurde. Sicher: dezente Hallräume und Echos sind mit dem Dark Sun durchaus möglich – die überragende Mehrheit der Factory Presets ghet jedoch in eine ganz andere Richtung. Hier wird ganz groß gedacht. Gigantische Reverbs werden kombiniert mit fein modulierenden und gefühlt ewig ausklingenden Delays und man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass hier mindestens das Universum als Maßstab für die gefühlte Größe des Sounds gewählt wurde.

Die Idee das Dark-Sun-Pedal als Inspirationsquelle für Songideen zu nutzen, geht tatsächlich auf. Immer wieder erwischte ich mich dabei, wie ich mich im herumprobieren unterschiedlicher Licks und neuer Melodien erwische. Natürlich ist dies alles nur bestenfalls ein sekundärer Einsatzzweck des Pedals – in erster Linie muss das Gerät durch Klangqualität und Bedienbarkeit überzeugen. Und genau hier liegt eine weitere große Stärke des Dark Sun: die Bedienbarkeit ist hervorragend intuitiv und es gelingt auf Anhieb, das Pedal in seiner Struktur zu verstehen.

Als absolut großartiges Feature stellt sich in der Benutzung der Routing-Drehschalter heraus. Der Einfluss auf den Klang ist erheblich. Wählt man beispielsweise einen Sound mit einem recht kurzen Reverb und einem modulierenden Delay mit langer Wiederholungszeit, kann sich der Klangcharakter mit dem Verändern der Reihenfolge drastisch wandeln. Auch der multifunktionale Tweak-Regler zeigt sich in der Praxis als echte Allzweckwaffe.

Der Effektsound kann nach Belieben mit den oben genannten Parametern verändert und verbogen werden. Mit dem Blend-Parameter wird bestimmt, ob der erstelle Tweak-Sound eher dem Reverb oder dem Delay zugeordnet werden soll, was sich als geniale Funktion herausstellt. So ist es beispielsweise möglich einen eher natürlich klingenden Hall mit einem extrem stark modulierenden Delay zu versehen. Alternativ ist es möglich, ein kurzes Delay mit einem extrem spacig klingenden Reverb zu erstellen.

Hinter dem stets beleuchteten Dynamic-Expression-Regler verbirgt sich eine Art regelbarer Ducking-Effekt, welcher bei einer Spielweise mit vielen schnellen Impulsen den Effekt solange unterdrückt, bis wieder Platz für ausgedehnte Hall- und Delay-Fahnen sind. Besonders bei einem Gitarrensolo ist dieser Effekt überaus gut anwendbar.

Alles in allem bleibt festzustellen, dass Seymour Duncan mit dem Dark Sun so dermaßen viel richtig gemacht haben, dass es eine wahre Freude ist, dieses Pedal zu benutzen. Es wurden an so viele kluge Features gedacht (Effekt-Routing, Ducking, Delay-Mode, Tweak-Feature, Blend-Parameter, Trails On/Off im User Interface statt wie so oft im Gehäuseinneren), dass dieses Pedal nicht nur im heimischen Übungssetup sondern auch in einem professionellen Live-Rig eine äußerst gute Figur machen wird.

Seymour Duncan Dark Sun(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Wer auf der Suche nach einem richtig umfassend ausgestatteten und hervorragend klingenden Reverb/Delay-Pedal ist, der sollte dem Dark Sun definitiv Gehör schenken. Der Hersteller hat hier keine halben Sachen gemacht: Neben der schier beeindruckenden Klangvielfalt bekommt man noch eine ganze Reihe sinnvoller Features, die den Umgang mit dem Gerät sehr angenehm gestalten. Toll ist, dass sich die Bedienbarkeit bei allem Umfang dem Nutzer relativ zügig und ohne stundenlanges Blättern in der Bedienungsanleitung erschließt.

Die große Stärke des Dark Sun liegt letztlich in seiner klanglichen Ausrichtung und der Spezialisierung auf sehr großflächige und moderne Reverb- und Delay-Sounds, wie es sie ja im modernen (Prog) Metal gerade häufig zu hören gibt. Angesichts der vielfältigen Möglichkeiten und der hohen Klangqualität geht der Preis an sich völlig in Ordnung.

PLUS

● Soundvielfalt
● Klangqualität
● Bedienbarkeit
● USB Port
● Routing-Drehschalter
● Tweak-Feature

MINUS

● Beschriftung schlecht lesbar
● Kunststoffachsen bei den Potis

Seymour Duncan Dark Sun

(erschienen in Gitarre & Bass 03/2020)

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