Produkt: Gitarre & Bass 5/2019 Digital
Gitarre & Bass 5/2019 Digital
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Deutsch-Amerikanische Freundschaft

Test: Sadowsky 21-Fret Standard J/J LTD 2020 – Masterbuilt 4-String & MetroLine 5-String

(Bild: Dieter Stork)

Es hat ordentlich Wellen geschlagen: Sadowskys kommen in Zukunft aus Deutschland! Natürlich nicht alle, Roger baut nach wie vor in New York seine Instrumente, aber neben dem Vertrieb und der Fertigung der MetroExpress-Reihe im chinesischen Warwick-Werk gibt es nun auch Sadowskys aus Deutschland, die bei Warwick in Markneukirchen gebaut werden. Wer die Details nachlesen möchte, wird in der März-Ausgabe fündig. Ich war jedenfalls gespannt wie ein Flitzebogen, was mir der freundliche UPS-Fahrer da Schönes zum Test bringt!

Aus Markneukirchen kommen die Bässe der MetroLine, die vorher auf höchstem Niveau in Japan gebaut wurden, und die der MasterBuilt-Serie, die preislich in der gleichen Liga spielen wie ihre US-Pendants. Wie fühlt sich das an? Kommt da echtes Sadowsky-Feeling auf? Wir werden sehen… !

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NEUE ORIGINALE

Auf den ersten Blick sind sich die beiden Bässe ziemlich ähnlich, die Unterschiede verbergen sich eher im Detail. Beide Instrumente gehören zu einer streng limitierten Auflage für 2020, und es wird sie als Vier- oder Fünfsaiter geben, vom MetroLine zusammengerechnet 100 Stück, vom MasterBuilt 25.

Basis für den Korpus ist Sumpfesche mit schöner Maserung, getoppt von einer spektakulären Quilted-Maple-Decke. Während der MasterBuilt die maritime, grün-blaue Burstlackierung in Hochglanz präsentiert, ist sie beim MetroLine matt. Bei beiden ist der Hals aus geröstetem Ahorn, mit einem ebenfalls gerösteten aufgeleimten Ahorngriffbrett. Während das Griffbrett und der Hals beim MetroLine relativ „plain“, wie man so schön sagt, daherkommen, sind diese beim Masterbuilt dagegen fantastisch intensiv gemasert. Die akkurat ausgeführte Bundierung zeigt ein nettes Detail: Warwicks Invisible Fretwork Technology sorgt dafür, dass die Bundenden auch ohne Binding unsichtbar im Griffbrett bleiben und die Maserung nicht unterbrochen wird.

Invisible Fretwork Technology (Bild: Dieter Stork)

Beide Hälse sind mit vier Schrauben in einzelnen Befestigungsmuffen im Korpus verankert, die Halstaschen lassen seitlich Platz für – nichts. Passgenauer kann man nicht arbeiten. Der Halsfuß ist beim Viersaiter minimal anders geformt, ein rein optisches Detail.

Beiden gemeinsam ist wiederum eine leichte Abrundung auf der Korpusrückseite am unteren Horn, die den Zugang zu den höchsten Lagen erleichtern soll. Alle anderen Shapings sind genau so, wie man es bei dieser Body-Form erwartet. Sadowsky-typisch ist der Korpus aber insgesamt etwas schmaler geschnitten, Sleek-Undersized-J-Style nennt sich das dann.

Die Brücke ist ein Eigengewächs von Sadowsky, basierend auf dem klassischen Blechwinkel, aber mit dickerer Grundplatte und fetten, walzenartigen und unten abgeflachten Saitenreitern, die mit je einer Nut gegen seitliches Verrutschen gefeit sind. Die auf den ersten Blick nicht ersichtliche Möglichkeit, die Saiten einfach einzuhängen, ist ein immer willkommenes Feature. Die Sadowsky-Mechaniken vereinen klassischen Look mit geringem Gewicht und sauberer Funktion.

Sadowsky Tuner (Bild: Dieter Stork)

In der klassischen 60er-Position finden sich brummfreie Sadowsky-J-Abnehmer mit gestackten Spulen und gestaggerten Magneten, die ihr Signal an die allseits bekannte und beliebte Sadowsky-Elektronik weitergeben. Die besteht aus einem Volume-Regler, Balance und dem konzentrischen 2-Band-EQ mit Höhen und Bässen. Dazu kommt der VTC-Regler. Das steht für Vintage-Tone-Control, also ein klassisch-passiver Höhenregler, der immer im Signalweg ist, während das Poti per Push/Pull den aktiven EQ an- und ausschaltet.

An den Amp geht alles über eine Switchcraft-Buchse in einem soliden Buchsentopf, wie er eigentlich als Ersatz für Tele-Buchsen gedacht ist. Wenig überraschend, dass die Verarbeitung im E-Fach vom Feinsten ist, etwas überraschend, dass es kein separates Batteriefach gibt. Allerdings ist der Verbrauch gering, sodass ein Wechsel nicht oft vonnöten ist. Immerhin ist der E-Fach-Deckel mit feingängigen Maschinenschrauben befestigt, die in entsprechende Gewindehülsen greifen. Die Deckel sind so präzise eingepasst, dass nirgends Platz ist, um zum Aufmachen unterzuhaken – muss aber auch nicht. Neben jeder Schraube sitzt ein kleiner, gefederter Bolzen, der die Abdeckung hochdrückt, exzellente Lösung!

Apropos exzellente Lösung: Das gilt auch für die mitgelieferten Gigbags. Roger bevorzugt Taschen vor Koffern, weil der New Yorker in der Subway, im Taxi, oder auf belebten Bürgersteigen seinen Bass so am effektivsten mitbekommt. Und wie Roger so schön zitiert: „If you can make it there…“ Natürlich ist das kein Täschchen.

Der MetroLine kommt im PortaBag-Express mit 30mm Polsterung, drei Griffen, abnehmbaren Rucksackgurten, großen Taschen, eingenähten Schutzzonen über Headstock und Brücke sowie zusätzlichen Polstern, die den Korpus fixieren. Beim MasterBuilt ist es das Professional-Road-Bag, mit grundsätzlich gleicher Ausstattung, aber mit Plüsch gefüttert und scheinbar dünner gepolstert, tatsächlich aber durch eingenähte Platten noch stabiler als das schon solide PortaBag.

Sadowsky-Brücke und Stacked-J-PUs (Bild: Dieter Stork)

ALLES ROGER?

Im Interview in unserer März-Ausgabe sagt Roger Sadowsky, „dass Solidbody-Instrumente immer noch akustische Instrumente sind. Und je besser sie klingen, zumindest für meine Ohren, desto besser klingen sie verstärkt.“ Auch wenn manche Forscher sagen mögen, das wäre messtechnisch nicht nachvollziehbar, deckt es sich mit meiner Erfahrung. Also auf zum Trockentest!

Der MetroLine-Fünfer aus ausgesucht leichten Hölzern bringt nur knapp 3,6 kg auf die Waage, da lässt sich selbst mit leichten Mechaniken eine gewisse Kopflastigkeit kaum vermeiden. Die ist aber mit dezentem Auflegen des Unterarms und/oder einem guten Gurt schon vergessen. Der zusätzlich gechamberte MasterBuilt kommt gar nur auf 3,1 kg und ist dabei erstaunlich gut balanciert.

Bei den Bässen kann ich für meinen zarten Anschlag die Saiten noch etwas tieferlegen, wofür die Brücke genug Spielraum hat, und den Hals etwas gerader einstellen, was mit dem Lochrädchen am Halsende problemlos geht. Resultat ist eine spitzenmäßige Bespielbarkeit ohne Schnarren – perfekt abgerichtete Bünde also.

Beide Bässe haben einen trockenen, ausgewogenen Ton mit transparenter, schmatzender Ansprache. Der Viersaiter ist dabei minimal knackiger und schneller im Attack. Gemeinsam ist dann beiden wieder das lange Sustain und die Abwesenheit von Deadspots – ein Resultat aus dem gerösteten Hals und den dort eingelegten Grafitstäben, würde ich mal vermuten. Die dank je zweier Madenschrauben absolut rund drehenden Potiknöpfe zeigen beim Auspacken alle die gleiche Stellung an. Tatsächlich heißt das: Volume voll auf, Balance in Mittelstellung, Tone-Poti voll auf, und auch der 2-Band-EQ ist voll aufgedreht.

Da der Sadowsky-Preamp boost-only ist, bedeutet das eine Anhebung von satten 18 dB bei 40 Hz und 4 kHz … Also lieber etwas neutraler anfangen, die beiden konzentrischen Regler ganz zurück auf null setzen und den passiven Modus ziehen. So wie das gesamte Spielgefühl jedem bekannt vorkommen dürfte, der sich schon mal länger mit Jazz-Bässen auseinandergesetzt hat – wenn auch in Tonentfaltung und Bespielbarkeit aufs höchste Niveau verfeinert – ist auch der Klang aus dem Verstärker wenig überraschend. Oder doch?

Es klingt nach Jazz Bass, aber eben kombiniert mit gleichmäßiger Ansprache über alle Saiten – auch beim Fünfer – und über alle Lagen, ohne den Vintage-Charakter zu verlieren. Auf aktiv gedrückt wird der Ton minimal lauter, da die tiefen Bässe und die strahlenden Höhen zulegen. Die Klangregelung hat ordentlichen Hub – fette, aber nie schwammige Bässe und viel Biss können abgerufen werden. Je weiter aufgedreht wird, desto mehr treten die Mitten zurück.

Meine Lieblingseinstellung: EQ leicht aufgedreht, Höhen je nach Song mit der passiven Höhenblende abschmecken, die dankenswerterweise im aktiven Betrieb nicht aus dem Signal weg genommen wird – fertig! Deckt von punchigem Palm-Mute bis zum Weltklasse-Slap-Ton alles ab.

Auch hier zeigt sich nochmal ein kleiner Unterschied von MasterBuilt zu MetroLine. Die passive Blende macht beim Metro ganz am Ende etwas zu dumpf für meinen Geschmack, während ich sie beim MasterBuilt auch komplett zudrehen mag. Binsenweisheit zum Schluss: Wenn‘s irgend geht, sollte man einen Bass im Band-Kontext, oder zumindest im (Heim-)Studio zu einer Aufnahme ausprobieren. Da spielen die Sadowskys ihr volles Potential aus: So perfekt sitzt kaum ein anderer Bass im Mix, auffällig unauffällig im allerbesten Sinn!

Wahlweise passive und aktive Elektronik (Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Nach ausgiebigem Testen und wiederholtem Absuchen mit der Lupe – Haptik, Optik und Sound – bleibt mir nur der Schluss: Ja, das sind echte Sadowsky-Bässe mit allen Qualitäten, die sie so populär machen. Der im Interview im März beschriebene enge Kontakt zwischen Roger und Warwick trägt Früchte, Rogers präzise Vorgaben bis in die kleinsten Details wurden in Markneukirchen 1a umgesetzt. Ich stelle mir das als große Herausforderung vor – als Hersteller eigener Bässe mit eigenem Charakter, für eine andere, noch dazu über die Maßen renommierte Marke zu bauen.

Dabei nicht einfach nur Kopien zu erzeugen, sondern tatsächlich den Spirit einzufangen – das hat Warwick meiner Meinung nach geschafft. Hut ab! Am Ende gefällt mir der MasterBuilt ein kleines bisschen besser, akustisch mit einem Hauch mehr Snap und Growl, optisch stellt die makellose Hochglanzlackierung die Maserung der Decke mehr heraus und das Griffbrett ist einfach umwerfend. Bei beiden Instrumenten finde ich den Preis angesichts dessen, was man geboten bekommt, gerechtfertigt, zumal die Auflage limitiert ist.

MetroLine 5-String ...
... und MasterBuilt 4-String

PLUS

● Sound
● Bespielbarkeit
● Hölzer
● Verarbeitung
● Gewicht

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2020)

Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
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