(Bild: Dieter Stork)
Aus Fulda um die Welt: Ulrich Rodenberg ist schon seit 1990 dabei, seine Kreationen mit höchstem Anspruch zu entwickeln und dabei auf Komponenten, Bauqualität und vor allem Sound zu achten. Kein geringerer als Steve Lukather nutzt Rodenbergs Overdrive-Pedale schon seit geraumer Zeit.
Dabei ist es ja so, dass Luke und Kollegen seines Kalibers ständig Equipment angeboten bekommen. Die Tatsache, dass Luke seit Jahren seine Bogner-Amps mit dem SL-OD-DLX anfährt, zeugt von nachdrücklicher Konstanz und ist als Kompliment für den Entwickler zu verstehen.
Inzwischen hat sich auch eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen den beiden entwickelt, die sich in drei Signature-Produkten manifestiert hat. Zum einen das von Luke auf seinem Board genutzte Flaggschiff SL-OD DLX DRIVE mit Overdrive, Distortion und Clean Boost, dann das um den Clean Boost reduzierte SL-OD Deluxe und schließlich der SL Clean Boost als Stand-Alone-Pedal.
Es ist ein bisschen wie ein Baukasten: eins, zwei oder drei … Du musst dich entscheiden. Welche und wie viele Effekte bzw. Soundoptionen möchte man haben? Entsprechend wird man bei dem Dreiersortiment fündig.
Von außen verfügen alle drei über die gleiche „spacige”, blaue Optik. Abgesehen vom Clean Boost, dem kleinsten Pedal der drei, mit Namensaufdruck des Protagonisten. Da Luke bei der finalen Abstimmung dieser Signature-Serie beteiligt war, dürfte ein nahezu einmaliger Erfahrungshorizont aus über 50 Jahren Studio- und Tourleben eingeflossen sein.
Alle drei Kandidaten machen einen grundsoliden Eindruck, sind in Fulda von Ulrich Rodenberg handgefertigt und keine Produkte aus Großserienfertigung. Rodenbergs selbst proklamiertes Motto lautet: „Qualität vor Quantität”.
Das sieht und fühlt man direkt nach dem Auspacken. Die hochwertig anmutenden, pulverbeschichteten Metallgehäuse aus Aluminium und die stabilen Umschalter, die einen satten „Klack” beim Bedienen von sich geben, machen einen soliden Eindruck. Auch im Inneren sieht es fein säuberlich verarbeitet aus. Auf jeweils einer Platine der verschiedenen Ausführungen liegen die Komponenten gut zugänglich. Ein Batterieeinsatz ist nicht möglich, da sämtliche Pedale hier im Test 9 VDC bis 18 VDC aus externer Stromversorgung benötigen.
SL-OD DLX DRIVE CUSTOM SHOP
(Bild: Dieter Stork)
Das umfangreichste Pedal der drei ist zweifellos der „All-in-one”-Bolide SL-OD-DLX DRIVE. Dieser ist, wie gesagt, auch auf dem Pedalboard des Namensgebers zu finden, der damit um die Welt tourt. Luke nutzt es, um seinen Bogner Helios noch weiter in die Übersteuerung zu fahren.
Schon rein äußerlich tritt das Pedal dominant auf und nimmt recht viel Platz in Anspruch. Mit Clean Boost, Distortion und Overdrive (und deren Kombination) wird eine schier riesige Soundpalette an Verzerrungen und Boosts möglich. Einziger praktischer Nachteil ist, dass Ein- und Ausgang seitlich am Pedal positioniert sind. Man könnte Platz auf einem Board sparen, wenn diese oberseitig angelegt wären. Dafür kann man sich jedoch weitere Drive-Pedale mit dem Einsatz dieses Pedals einsparen. Denn in puncto Soundvariabilität wird hier abgeliefert.
Es stehen nicht nur die jeweils einzelnen Effekte Clean Boost, Distortion und Overdrive zur Verfügung. Man kann den Overdrive in den Distortion „stacken”, den Boost per Pre-/Post-Kippschalter variabel dahinter oder davor platzieren und mit Betätigung des „Locked”-Kippschalters mit einem einzigen Fußschalterdruck zwischen Distortion und Overdrive hin- und herwechseln. Das ist sehr praxisorientiert umgesetzt.
Beginnen wir mit dem Overdrive. Er steht mit einem Bein in der Tradition des berühmten Tube Screamers, ist jedoch um ein Vielfaches flexibler. Er bietet zwei unterschiedliche Gain-Stufen und einen Fat-Schalter, der zusätzliche Klangoptionen ermöglicht. So beginnt sein Spektrum bei milden und leicht crunchigen Zerrungen, die auf angenehme Weise diesen „Sag” liefern und somit im positiven Sinne „abgehangen” klingen. Dabei ist stets die typische Mittennase wahrnehmbar.
Es geht aber auch mit mehr Umdrehungen zu kräftigeren Overdrive-Klängen mit hinzugefügtem Fat und Gain. Das singt und schmatzt. Gerade mit Single-Coils scheint der Overdrive besonders gut zu harmonieren, wenn mit einem Hauch an zusätzlichem Drive an einen bereits im Breakup befindlichen Amp eingesetzt wird.
Der Distortion präsentiert sich als ganz anderes Kaliber. Er ist in den Bereichen Drive, Tone und Level regelbar und verfügt über einen zusätzlichen Fat-Schalter. Hier drücken die unteren Mitten, und es ist klar, wohin die Reise geht. „That’s Rock ‘n’ Roll …” Der Zerrcharakter ist signifikant aggressiver und die Gain-Reserven liegen eine satte Schippe höher. Das Voicing ist absolut stimmig. Vor meinen britisch kolorierten Amps passt es perfekt. Dabei ist das Spielgefühl, das der Distortion vermittelt, sehr authentisch und dynamisch. Das macht Spaß, und Lead-Passagen oder Riffs erhalten einen ordentlichen Schub.
Ein klassischer JMP- oder JCM-Sound kann sich in Kombination mit dem Distortion in einen stimmigen Hi-Gain-Hammer verwandeln. Wie bereits erwähnt, sind gerade die unteren Mitten perfekt ausbalanciert. Wenn man zusätzlich den Tight-Kippschalter aktiviert, wird der Bassbereich gestrafft und Riffing jenseits des Toto-Katalogs gelingt mühelos. Kurzum: Das Voicing, die Dynamik und die Saitentrennung, die selbst bei höherer Zerre artikuliert bleibt, sind beeindruckend.
Kommen wir nun zum Clean Boost. Er kann vor oder hinter den beiden anderen im Signalweg positioniert werden, was wiederum weitere Nuancen zulässt. Er ist regelbar in Level und Tone und verfügt über die Optionen +20 dB und FAT. Sofort fällt auf, wie kraftvoll und knackig der Clean Boost daherkommt. Neutral und mit Wucht. Schon dieser allein kann leicht crunchigen Amps eine enorme Durchsetzungsstärke hinzufügen, sei es an Ton und/oder Volumen. Neben „lauter” gelingt auch ein leichtes „Andicken” des Grundtons perfekt. Dabei wird der Grundsound des empfangenden Verstärkers nicht wesentlich verändert, er klingt einfach nur „größer”.
Die möglichen Kraftreserven sind dank der +20-dB-Umschaltung und des FAT-Switches enorm. Es ist erstaunlich, wie viel Headroom gefühlt im Sound dazukommt. Mit der Tone-Regelung lässt sich der Boost auch hervorragend an die jeweilige Gitarre anpassen. Im 18-Volt-Betrieb habe ich den Eindruck, dass es noch einen Tick „fester” klingt. Ich will keinen Hehl daraus machen. In puncto transparente Boosts gehört dieser hier zu den besten, die ich bisher hatte.
Schaltet man den Clean Boost nun in Kombination mit einem der beiden anderen zusammen, ergeben sich weitere Möglichkeiten, die eine Vielzahl tonaler Färbungen erlauben. Der rote Faden ist die Soundqualität dieses Pedals, das das gesamte Spektrum an Zerr-Sounds mit den Overdrive-, Distortion- und Boost-Einheiten vereint: von kraftvollem Boost über mittigen Crunch und singende Overdrives in bester TS-Manier bis hin zu kreischenden, artikulierten Lead- oder Riffing-Sounds.
SL-OD DELUXE CUSTOM SHOP
(Bild: Dieter Stork)
Wer keinen Clean-Boost benötigt, aber eine Kombination aus Overdrive und Distortion sucht, kann die entsprechenden Sounds in der reduzierten SL-OD-Deluxe-Version bekommen. Soundmäßig sind die beiden Effekte mit dem DLX DRIVE identisch. Wer auf jeden Zentimeter auf seinem Board bedacht ist, erhält diese in einer platzsparenden Variante. Auch hier können die beiden Effekte in Reihe geschaltet werden. Mit dem Locked-Kippschalter können die Fußschalter zudem in den alternativen Betriebsmodus versetzt werden (Overdrive/Distortion und True Bypass).
SL CLEAN BOOST CUSTOM SHOP
(Bild: Dieter Stork)
Als Stand-Alone ist der Clean-Boost der heimliche Favorit. Wie schon erwähnt, sind die Transparenz und die Durchsetzungskraft hier wahrlich „groß” und der Headroom immens. Und der Clean-Boost funktioniert erwartungsgemäß auch in Kombination mit anderen Drive-Effekten, die ich aus meinem Arsenal hinzu gezogen habe. Das Pedal liefert einen musikalisch anmutenden, neutralen Boost, der einen spürbaren Sprung in der Dynamik und im Spielgefühl mit sich bringt. Kompliment, Ulrich Rodenberg!
RESÜMEE
Die Zusammenarbeit von Ulrich Rodenberg mit Steve Lukather bringt uns drei Signature-Pedale in einer Art Baukasten. Im Kern sind das ein Clean-Boost, ein Overdrive und ein Distortion, die je nach Modell in Kombination oder einzeln erhältlich sind. Das Flaggschiff-Modell SL-OD DLX DRIVE Custom Shop, das Steve Lukather schon seit einiger Zeit selbst nutzt, beinhaltet die größtmögliche Flexibilität an Boost-, Drive- und Distortion-Sounds (und deren Kombination). Wer weniger benötigt, wird mit den kleineren Modellen entsprechend fündig.
Made in Germany, in Fulda als Kleinserie hergestellt, überzeugen die Rodenberg-Pedale durch beste Verarbeitung und liefern treffsicher außerordentlich hochwertige Zerr-Sounds. Highlight sind der Distortion mit feiner Dynamik, „amp-like”-Spielgefühl und exzellenter tonaler Abstimmung und vor allem der Clean-Boost, der aufgrund seiner Flexibilität und seines außerordentlichen Headrooms auf ganzer Linie überzeugt. Auch als Stand-alone-Lösung ist es ein echter Tipp. Und man bekommt Boutique-Qualität zu einem mehr als akzeptablen Preis. Denn die Pedale sind in Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu vielen Konkurrenten sogar als hoch attraktiv einzuschätzen.
Plus
● Verarbeitung
● Sounds & Spielgefühl
● durchdachte Features und Optionen in der Signalführung (beim SL-OD DLX DRIVE)
● herausragender Clean Boost
● Attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis
Minus
● Position der Anschlüsse beim großen SL-OD DLX DRIVE

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2026)