Konservativ und modern?

Test: RedSeven Duality 100

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(Bild: Dieter Stork)

Der ganz große Boutique-Amp-Hype der Neunziger und Zweitausender ist in den letzten Jahren spürbar abgeflaut und dennoch sieht man – vorrangig auf Social-Media-Plattformen – immer wieder neue Marken, die sich der Herstellung mehrkanaliger Gitarrenverstärker der 100-Watt-Klasse verschrieben haben. RedSeven aus Italien ist eine davon.

Gitarrenverstärker aus Italien sind derzeit hip und die Italiener wissen das. Mit einem Design, das durchaus von roten Sportwagen, Dolce & Gabbana und Prada beeinflusst zu sein scheint, glänzt unser Testkandidat durch seinen ausgesprochen modischen Look. Der Duality 100 fällt auf. Das Design dieser schwarzen Kiste, mit ihren weißen Chickenhead-Potis, der zweiteiligen Frontblende aus Metall und Holz und dem zweifarbigen RedSeven-Logo bleibt aber dennoch massenkompatibel und der Gitarrenverstärker ist als solcher auch für ungeschulte Augen sofort erkennbar.

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KONZEPT

Mit drei Kanälen, von denen die beiden Overdrive-Kanäle jeweils einen schaltbaren Gain-Boost haben, einem schaltbaren seriellen Einschleifweg und einer umfangreichen MIDI-Steuerung, reiht sich der Duality 100 in die lange Reihe der modernen, mehrkanaligen Gitarrenverstärker ein und scheint zunächst nicht wirklich innovativ zu sein.

Die Frontseite ist übersichtlich. Links neben dem Gitarreneingang ist der Standby-Schalter, auf der anderen Seite befinden sich die Kanalzüge für die Clean-, Crunch- und Modern-Kanäle, gefolgt von fünf Drucktastern zur manuellen Kanalwahl, Aktivierung des Lead-Boosts für die Kanäle Zwei und Drei, sowie zur Aktivierung des Einschleifwegs.

Dem Clean-Kanal hat RedSeven einen eigenen dreibandigen Equalizer sowie einen dreistufigen Bright-Switch spendiert, die beiden Overdrive-Kanäle teilen sich einen Equalizer, können aber mit jeweils eigenen Gain-, Volume-Reglern und Bright-Switches passend zueinander eingestellt werden. Die Wirkung der Bright-Switches kennt man von Bogner- und Friedman-Verstärkern. Man wählt zwischen einer leichten Anhebung bei 4000 Hertz in der Bright-1-Position, einer Anhebung des Signals ab etwa 1000 Hertz in der Bright-2-Position oder keinerlei Beeinflussung des Sounds.

(Bild: Dieter Stork)

Rückseitig finden wir, neben zwei Master-Volume-Reglern und dem seriellen Einschleifweg mit pedalfreundlicher Signallautstärke, den Presence-Regler zur Regulierung der negativen Gegenkopplung sowie fünf Lautsprecherausgänge – zwei mit 4 Ohm, zwei 8 Ohm und einmal 16 Ohm.

Zudem befinden sich hier der Power-Schalter, ein regelbarer LineOut, die MIDI-Input- und -Thru-Buchsen und der Fußschalteranschluss. Der Duality 100 ist nicht nur mit dem RedSeven-D100FFootswitch, der leider zum Test nicht vorlag, sondern auch umfangreich via MIDI-PCs und -CCs schaltbar und lässt sich somit problemlos in moderne Rigs integrieren. Die Verarbeitung und generelle Qualität macht einen guten Eindruck, wir haben hier einen modern gebauten Amp mit stylischem, schwarzen PCB und relativ gängigen Bauteilen auf dem Board.

(Bild: Dieter Stork)

SOUNDS

Laut Hersteller soll der Clean-Kanal typische Fender-Clean-Sounds der 50er-Jahre und Marshall-Sounds der späten Sechziger abbilden können. Der Duality hält dieses Versprechen tatsächlich zu großen Teilen ein. Etwas knackiger als ein echter, alter Marshall ertönt es dennoch aus dem angeschlossenen Cabinet mit Vintage-30-Lautsprechern. Vor allem mit Single-Coils bemerkt man sofort eine straffe Bassabbildung und das darf auch nicht verwundern, denn schließlich muss die Endstufe des Duality 100 auch die anderen beiden Kanäle mit ihren Gain-Reserven sauber abbilden können.

Man darf also keine genaue Kopie der Bassman- und Plexi-Sounds erwarten, aber der erste Kanal zeigt vergleichbare Qualitäten. Mit lauten Humbuckern lässt sich somit auch schon der ‚Back in Black‘-Sound aus dem ersten Kanal zaubern – allerdings der von der remasterten Aufnahme, auf der alles etwas frischer klingt als früher.

Der zweite Kanal schließt mit seinen Gain-Reserven nahtlos an den ersten an und bietet typisch britische Crunch-Sounds in fast allen Varianten, die sehr einfach nutzbar sind, im Band-Kontext plausibel klingen werden und mit dem Volume-Poti der Gitarre nahezu perfekt aufklaren. So richtig spektakulär wirken weder die beiden Bright-Switch-Optionen noch der zuschaltbare Lead-Boost, aber genau hier liegt die Stärke dieses Kanals. Die Entwickler bei RedSeven haben diesem Vintage-Kanal einen feinfühlig abgestimmten, wirklich pragmatischen Grund-Sound spendiert, der fast alle Stilistiken, von Blues über Blues-Rock bis Hair-Metal und Metallica-Rhythmusgitarren, bedient. Allein dieser Vintage-Kanal und ein Pedalboard mit einem Tube Screamer oder einem ähnlichen Booster würde vielen Profis vermutlich bereits für die gesamte Show reichen.

Natürlich gehört es sich, auch einen unvernünftig stark komprimierten und brutal verzerrenden dritten Kanal anzubieten. Der Duality 100 liefert eben jene Sounds in seinem Modern-Kanal. Hier darf nach Herzenslust geshredded werden und auch Freunde von sehr aggressiven, schon an Hardcore-Metal-Produktionen der Neunziger erinnernden Sounds, werden voll auf ihre Kosten kommen. Sehr schön knurrige, bröselige und dicke High-Gain-Rhythmen schieben gut und auch Lichtgeschwindigkeits-Licks im Stil von Jeff Loomis funktionieren, sobald man den Lead-Boost betätigt hat.

Das Nebengeräuschverhalten hält sich für diese ausgesprochen hohen Zerrgrade in Grenzen und auch mit sehr hohen Presence-Einstellungen bleibt der Modern-Kanal eher fett statt bissig. Der sehr dynamische, gebufferte, serielle Effekt-Einschleifweg funktioniert sowohl mit Instrument-Level-, als auch mit Line-Level-Effektgeräten und bleibt, abhängig vom Kanal-Volume der Vorstufe, sehr neutral und sauber, wie man es in der Preisklasse auch erwarten darf.

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