Produkt: Eric Clapton Special for free
Eric Clapton Special for free
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2-in-1

Test: Redemption Guitars Little K

(Bild: Dieter Stork)

Mastermind Daniel Kuppels ist ein Gitarrenbau-Freigeist im positivsten Sinne. Konventionen und Standards kümmern ihn wenig – Qualität und eigener Stil um so mehr.

Auf dem Guitar Summit ist er ja praktisch schon eine feste Größe, mit seinem Stand im Musensaal, den man einfach nicht übersehen kann und will. Mit seiner Firma Redemption Guitars hat er sich auf Parlor-Acoustics mit allerhand verschiedenen Specs spezialisiert – die Little-K-Modelle – hat aber auch einige extra-coole E-Gitarren auf der Speisekarte.

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SOUTHERN ACCENT

Bei dieser Little K hier kommen mir unweigerlich die Südstaaten der USA in den Sinn – ich höre da Delta-Blues und Bluegrass, Folk-Songs und Hobo-Balladen. Schauen wir uns die Kleine mal an. Resonator-Gitarre, Holzkorpus, Pickup – das sind erst mal die Eckpfeiler der Redemption. Der Body besteht aus einer massiven Decke aus Alpenfichte und Zargen sowie Boden aus Palisander.

Letzterer ist zweiteilig und sehr schön aber dezent gespiegelt aufgeschnitten (bookmatched). Die Decke wird optisch natürlich von dem verchromten Resonator-Deckel dominiert. Darunter sitzt der Single-Cone, der maßgeblich für den signifikanten Dobro-Sound verantwortlich ist. Unter dem mittigen Metallbügel versteckt sich die Stegeinlage aus Maple und Snakewood.

Auch noch auffällig und Genre-typisch sind die kleinen mit Drahtgeflecht abgedeckten Schalllöcher beiderseits des Griffbretts. Zur Pickup-Bestückung: Direkt am Griffbrettende sitzt unübersehbar ein TV-Jones-Humbucker im typischen Gretsch-Design. Wesentlich besser getarnt ist der RG-03 Resonator Guitar Pickup von Schatten Design, der mittig unten am Cone klebt. Der PU ist eigentlich passiv ausgelegt, wird aber hier von einem aktiven Fishman-Preamp befeuert. Ja, und da wurde ich kurz stutzig – wo bitte ist denn dann die Batterie? Weit und breit kein Batteriefach …

Slotted Headstock (Bild: Dieter Stork)

Die Auflösung: Der 9-Volt-Block ist im rechten kleinen Schallloch unter der Abdeckung versteckt. Geregelt werden die beiden Tonabnehmer mit je einem Volume-Poti, was es ermöglicht, die beiden Signale ganz nach eigenem Gusto zu mischen. Am Klinke-Output auf der Zarge wird das Mischsignal herausgegeben.

Kommen wir zum Hals: Der ist dreiteilig aus Zeder gefertigt und am 12. Bund an den Korpus angesetzt. Das Griffbrett aus Snakewood beherbergt 21 Edelstahl-Bünde, die wirklich phantastisch poliert und an den Kanten verrundet wurden. Perlmutt-Punkteinlagen – auch in der Griffbrettkante – geben Orientierung in den Lagen.

Die Spezialität des Hauses ist dann der Sattel: Er ist aus Alu, und per beiliegendem Inbus-Schlüssel (mit schönem Holzgriff) in der Höhe verstellbar! Zwei Schrauben gehen von hinten durch den Hals zum Sattel. Da sprechen wir jetzt aber nicht nur über ein bisschen Feinjustierung, hier kann man massiv die Saiten hochstellen und hat so im Handumdrehen eine Resonator-Lapsteel auf dem Schoß. Clever! Für Lapsteel-Puristen gibt es die Little K übrigens auch in einer Squareneck-Ausführung.

Der Sattel lässt sich von hinten auf
Slide-Höhe justieren.
(Bild: Dieter Stork)

Bleibt noch die Redemption-typische, markante Fensterkopfplatte zu erwähnen, wo offene Schaller-Mechaniken präzise ihren Dienst tun. Der Headstock ist sehr fein ausgeformt und recht langgestreckt, was einerseits sicher nicht jeden Geschmack trifft, andererseits aber z.B. den Vorteil hat, dass die Saiten sehr gerade durch die Sattelkerben laufen. Das wird sich u.a. bei häufigem Umstimmen (Open Tunings) sicher positiv auswirken.

Insgesamt muss man sagen: Die Little K ist ein Meisterwerk. Die Optik besticht durch das Tobacco-Finish, die Satin-Lackierung, die Chrom-Parts, den Gretsch-style Pickup usw. Die Verarbeitung ist blitzsauber, die Bundierung perfekt, dazu dann noch der maßgeschneiderte Form-Koffer mit Case-Candies wie Inbus-Werkzeug und Messing-Slide. Jetzt checken wir die Sounds.

TIME TO SLIDE

Diese Parlor-Size-Gitarre liegt angenehm ausgewogen auf dem Schoß – sowohl in normaler Spielhaltung, wie auch als Lapsteel mit der Frontseite nach oben. Der Sattel ist zunächst mal auf flache Saitenlage eingestellt und die Spielhand kommt in den Genuss des satten Hals-C-Profils und der komfortablen, erwachsenen Griffbrettbreite von gut 46 mm am 1. Bund. Die Bespielbarkeit ist super, hat aber wegen des Halsansatzes am 12. Bund und des nicht vorhandenen Cutaways ihre Grenzen. Das spielt natürlich beim Sliden in Lapsteel-Position mittels Steelbar keine Rolle – da stellt ja dann selbst der 21. Bund keine Grenze dar.

Der unverstärkte Klang der Little K kommt mir eher leise aber sehr kultiviert vor, mit einer deutlichen Holznote. Zum Vergleich ziehe ich meine Metal-Body-Budget-Dobro heran … stimmt: die ist doppelt so laut, aber auch doppelt so schwer und hat bei Weitem nicht diesen feinen Charakter-Sound. Jetzt Kabel rein und ab in den Acoustic-Amp. Man kapiert sofort: die beiden Pickups leben in perfekter Symbiose, und ich würde wohl fast nie nur einen benutzen.

Ein TV-Jones-Humbucker sitzt direkt am Hals (Bild: Dieter Stork)

Der Humbucker am Hals bringt pfundige Wärme, und – auf sich allein gestellt – sehr wollige Mitten und wenig Höhen. Von ihm kommt der Blues im Klangbild. Der Kontakt-Pickup von Schatten Design bringt klirrende Höhen, betont den Saitenanschlag und das Attack, kommt allein sehr schlank und spitz daher. Dreht man aber den TV-Jones voll auf, kann man das Volume-Poti des RG-03 praktisch wie einen Presence-Regler benutzen und so viel Licht ins Fundament bringen, wie es einem gefällt. So kommt man zu einem überzeugenden Resonator-Sound mit allen Details, die man sich nur wünschen kann.

Jetzt ist meine Neugier geweckt. Also her mit dem Fender-Amp und einem Verzerrer. OK, da geht was, diesmal aber nur über den Humbucker, sonst wird es zu garstig. Da kommen richtig reudige Blues-Rock-LoFi-Sounds zustande – ich denke an Eric Sardinas oder Roy Rogers (der Blueser, nicht der singende Cowboy). Also: Unverstärkt, über Acoustic-Amp/PA oder durch einen E-Gitarren-Amp gejagt, mit Fingern, Bottleneck oder Steelbar gespielt – die Little K hält einen riesigen Fundus an Klängen bereit, der einen bei Folk, Blues, Country, Indie, Roots-Rock usw. nicht im Stich lässt.

RESUMEE

Qualität, Eigenständigkeit, Design, geniale Details, großartige Sounds, Vielseitigkeit. All das vereinigt dieses tolle kleine Instrument in sich. Ganz billig ist das natürlich nicht, aber … einfach ab „Qualität“ nochmal lesen.

(Bild: Dieter Stork)

PLUS

● eigenständiges Design
● Hölzer, Hardware
● höhenverstellbarer Sattel
● Verarbeitung
● 2-in-1 Gitarre/Lapsteel
● authentischer, kultivierter Resonator-Sound
● vielseitig (auch über E-Git-Amp) einsetzbar

(erschienen in Gitarre & Bass 03/2020)

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