Produkt: Treble Booster im Test
Treble Booster im Test
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Laut? Stark?

Test: Quilter Interblock 45

(Bild: Dieter Stork)

Man möchte es ja kaum glauben, seinen Specs nach kommt dieses kleine Pedalgerät einem Verstärker-Topteil gleich – dieser Winzling, ist das irre?! Wäre die Lösung für ein in sich autarkes Pedalboard, nur noch vorne die Axt einpluggen, hinten ´ne Box dran, ab geht die Lucy. Wenn denn Ton und Leistung stimmen.

In kompakte Abmessungen viel Leistung zu packen, darauf hat Quilter sein ganzes Programm ausgerichtet. Boxen, Combos, Heads usw. – alles folgt der Vorgabe, leicht transportiert werden zu können. Wir hatten schon einmal das Vergnügen: Vier Topteile mussten in der G&B-Ausgabe 09/2018 zeigen, was sie auf dem Kasten haben. Haben sich sehr wacker geschlagen.

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komplett

Kollegen, die ihre Sounds primär mit dem Pedalboard formen, setzen meist eher schlicht konzipierte Amps ein. Einleuchtend, im Grunde reicht ja dann auch ein (Clean-) Kanal. Der klassische Ansatz, genau so ist ehedem Fenders Blackface Deluxe Reverb zu seinen Ehren gekommen. Und nach ihm so viele puristische Boutique-Combos/-Heads. In diesem Fahrwasser bewegt sich der Interblock 45 konzeptionell. Gain (Vorverstärkung am Eingang) und Master (-Volume), die übliche Dreibandklangregelung, hier aber mit aktivem Boost/Cut und in der Funktion umschaltbar (FullQ/Vintage). Fertig. Ende der Tonformung.

Daneben sorgen sinnvolle Extras doch für einen gewissen Luxus. Vor dem Master-Volume ist ein serieller Einschleifweg angeordnet, der Klangcharakter am Speaker-Out ist umschaltbar FR (Fullrange) oder Cab (Speaker-Simulation). Mit abgeschwächtem Pegel gelangt das Speaker-Signal an die Buchse Bal Line Out/H-Phone. Der diesem Anschluss zugeordnete Schalter dient lediglich dazu, die (monofonen) Signale bei Nutzung eines Kopfhörers auf beide Hörsysteme zu legen.

So weit so gut, so wenig spektakulär. Die Leistungsangabe allerdings kann einen schon ins Staunen bringen. Quilter spezifiziert für 4 Ohm satte 45 Watt! Bei 8 Ohm verringert sich der Wert nominal auf 33 Watt, an 16 Ohm sind es nur noch 17 Watt. Solche Werte zu erreichen, verlangt nach einer kräftigen Stromversorgung. Der Interblock 45 wird mit einem speziellen Netzteil geliefert, das bei 24Volt/Gleichstrom drei Ampere leistet.

Die Bauweise des Miniatur-Amps gleicht ansonsten den Standards bei FX-Pedalen. Platinenbauweise, alles solide gemacht, zuverlässig. Funktional unbedeutend, aber in der Handhabung ein bisschen schwächlich, sind die Potis, weil ihre wackelnden Achsen und die kleinen glatten Knöpfe haptisch nur bedingt zufriedenstellen.

bullig

Ein wesentlicher Unterschied zum Gros der Gitarrenverstärker liegt im technischen Konzept der Klangregelung. Gewöhnt sind wir von traditionellen Amps passiv arbeitende Regelbereiche, die sich gegenseitig mehr oder weniger intensiv beeinflussen.

Im Interblock 45 dagegen formt ein allem Anschein nach aktiver Equalizer –wie man ihn im Prinzip auch in einem Mischpult vorfinden könnte – das Frequenzbild. Low, Mid und High überkreuzen sich nicht. Ihre Effizienz, die Intensität ihrer Wirkung, liegt dafür ungleich höher. Das kann entscheidend von Vorteil sein, denn mit dem Boost/Anheben von Bassanteilen zum Beispiel kann die vielleicht etwas flache Wiedergabe der verwendeten (kleinen?) Box erheblich aufgepäppelt werden. In dem Kontext muss man aber bedenken, dass Bassanhebungen die Endstufe stärker fordern und dadurch der effektive Headroom geringer wird. In Richtung Vollaussteuerung können somit unschöne Verzerrungen auftreten.

Womit wir schon im Thema Leistungsausbeute sind. Klar war ich neugierig, ob der Interblock 45 die versprochene Leistung auch wirklich abliefert. Mal kurz messen, mit einem 1kHz-Signal bei Klangregler auf Mitte. Siehe da, alles im grünen Bereich, an vier Ohm drückt der kleine Amp ohne Verzerrungen sogar ein klein wenig mehr als den nominalen Wert ab. Bei der Gelegenheit „durfte“ er dann auch gleich unter Volllast den Dauertest absolvieren – keine negativen Vorkommnisse, wunderbar.

Klanglich lässt der Mini-Amp ebenfalls nichts anbrennen. Es ist beeindruckend, welche Kraft und Fülle aus diesem kleinen Kästchen dringt, sprich: Es kann ganz schön laut zugehen, jedenfalls laut genug um damit in einer nicht zu heftigen Band zu bestehen. Maximale Tonkultur darf man natürlich nicht erwarten, in Sachen Dynamik, Transparenz und Obertonfrische muss man (absolut gesehen) einige Abstriche hinnehmen, wie z. B., dass die Höhen und die oberen Mitten eine anstrengende Note in sich bergen (vorgeschaltete Distortion-Pedale z. B. decken das auf). Oder bei (schon) leicht bassbetonten Einstellungen die hohen Saiten bereits in den unteren Lagen im Vergleich zu den tiefen Noten unterbelichtet, leiser wirken.

Die Sound-Ergebnisse sind letztlich aber doch gefällig, recht musikalisch und detailreich. Die Klangregelung trägt ein Übriges dazu bei, dass der Interblock 45 einen respektablen Gebrauchswert erreicht; weil man den Frequenzgang massiv verbiegen kann und die drei Regelbereiche an günstigen Stellen zupacken.

Der EQ-Voice-Schalter allerdings macht sich nur subtil bemerkbar. Beim Umschalten auf Vintage nimmt lediglich vordergründig die Durchsichtigkeit ein wenig zu, ganz ähnlich wie bei einem Bright-Schalter.

Als Feature mit erst recht eigenwilligen Eigenschaften entpuppt sich die Option zwischen den Modi Fullrange und Cab wechseln zu können. Anstatt einer Dämpfung der hohen Frequenzen, wie man es von Speaker-Simulationen gemeinhin gewohnt ist und erwartet, nimmt die Brillanz im Cab-Status zu. Das wirkt sich auf das Speaker-Signal aus und macht da als belebende, die Frische fördernde SoundAlternative sogar durchaus noch Sinn. Am Line Out bzw. für die Nutzung von Kopfhörern sorgt das Höhenplus jedoch für einen eher zweifelhaften „Genuss“. Immerhin ist aber die Klangregelung in der Lage, in etwa passende Angleichungen für die D.I.-Abnahme zu bewirken. Völlig unauffällig zeigt sich dagegen der Einschleifweg. Tut was er tun soll und verrichtet insofern seinen Dienst völlig zufriedenstellend.

Zum guten Schluss muss noch ein wichtiger Aspekt der Tonformung zur Sprache kommen. Hauptsächlich liegen in der cleanen Verstärkung die Vorzüge des Interblock 45. Er ist aber durchaus auch in der Lage, eine Art Sättigungsverzerrungen zu erzeugen. Am Maximum harsch und fordernd, nicht allzu dicht in der Textur, im Charakter dennoch recht harmonisch, kommt man damit zumindest zu resoluten Rock-Chords. Was ich aber eher als gewissen Vorteil anführen möchte, ist, dass der Interblock 45 im Grenzbereich zwischen Clean und deutlicher wahrnehmbarem Overdrive ansprechend agiert. Quasi mit softem Clipping, für manchen Anwender vermutlich ein wesentlicher Punkt.

Quilter Interblock 45(Bild: Dieter Stork)

alternativen

Die Auswahl an solchen sehr kleinen Verstärkern ist aktuell nicht groß. Electro-Harmonix hat den sehr karg ausgestatteten 44 Magnum Poweramp (ca. € 154) im Programm, von Foxgear gibt es den Kult 45 (mit Dreibandklangregelung, ca. € 119). Beide sind angesichts der geringeren Ausstattung nur bedingt mit dem Interblock 45 vergleichbar. Die wohlklingenden MV50-Modelle von Vox kämen grundsätzlich auch in Frage.

resümee

Respektable Tonkultur und viel Druck für wenig Geld. Beeindruckend – in seiner primären Eigenschaft als Vollwertverstärker erreicht Quilters Interblock 45 Seltenes, nämlich ein tendenziell günstiges Preis-/Leistungsverhältnis. Ein noch positiveres Fazit verhindert die sonderbare FR/Cab-Sound-Umschaltung, die für die D.I.-Abnahme und den Kopfhörergebrauch kaum taugliche Voraussetzungen schafft.

PLUS
• Klangqualität, Variabilität
• hohe Leistungsausbeute
• Verarbeitung, Qualität der Bauteile
MINUS
• Qualität des D.I.-/Phones-Signals

Quilter Interblock 45


Hinweise zu den Soundfiles:

Für die Aufnahmen kam ein Kondensatormikrofon mit Großflächen-membran zum Einsatz, das C414 von AKG, nahe platziert vor einem Celestion Vintage30 in einer konventionellen 4×12-Box.

Die Clips wurden pur, ohne Kompressor und EQ-Bearbeitung über das Audio-Interface Pro-24DSP von Focusrite in Logic Pro eingespielt und abgemischt. Das Plug-In „Platinum-Reverb“ steuert die Raumsimulationen bei.

Die Instrumente sind eine Fender-CS-Mike-Landau-Strat-1968 (m. JB-Humbucker v. Seymour Duncan am Steg) und eine Steinberger GL4T (EMG-aktiv, aber m. passivem Humbucker v. Seymour Duncan am Steg).

Clip 7 präsentiert mein „Referenz-Riff“ (RefRiff), das ich einspiele, damit man den Charakter (die Verzerrungen selbst sind hier gemeint, nicht die Frequenzkurve) der von uns getesteten Produkte quasi auf einer neutralen Ebene vergleichen kann.

Ich wünsche viel Vergnügen, und…, wenn möglich, bitte laut anhören, über Boxen, nicht Kopfhörer! 😉

Fragen, Anregungen  und  ja, auch Kritik sind wie stets willkommen. Nachrichten bitte an frag.ebo@gitarrebass.de. Es klappt nicht immer, aber ich werde mich bemühen möglichst kurzfristig zu antworten.

Text + Musik: Ebo Wagner (GEMA)

Produkt: Gitarre & Bass Digital 06/2018
Gitarre & Bass Digital 06/2018
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