Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Die Yamaha SG1801PX Phil X Signature im Test von Gitarre & Bass!
Masterpiece!

Test: Petrek Drug

Petrek Drug(Bild: Dieter Stork)

Die Natur in ihrer gesamten Schönheit als Inspirationsquelle nutzen, Instrumente aus besonderen Tonhölzern fertigen, Holz von oftmals selbstgefällten Bäumen verwenden, diese Materialien dann mit höchster Sensibilität und Präzision weiterverarbeiten. Hoch gesteckte Ziele. Schauen wir mal, ob das beispielhafte Modell Drug auch zu Bewusstseinserweiterung führt.

Nikola Petrek geht dem Gewerbe des Zupfinstrumentenmachers in Frankfurt am Main nach. Die Ausbildung dazu absolvierte er an der berühmten Geigenbauschule in Mittenwald. „Ich arbeite in Liebe zu alten Handwerkskünsten. Als Gitarrenbauer nehme ich mir daher seit 25 Jahren die Freiheit, meine Instrumente mit Muße und mit alten Techniken herzustellen. Und mit der Leidenschaft, die in mir mit meiner ersten Gitarre geweckt wurde.“

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ALTE HÖLZER – NEUES LEBEN

Die Konstruktion der Drug fußt einerseits auf altem, langfristig abgelagertem Holz, folgt aber andererseits den ergonomischen Ansprüchen an ein modernes Instrument. Das ist kein Widerspruch, sondern verspricht die stimmige Verbindung von Ton und Funktion.

Technische Details: Der einteilige Korpus aus kroatischem Walnussholz zeigt stark ausgearbeitete Konturen am Boden im Bereich der Taillen und im Cutaway unten. Die darauf gesetzte, plan belassene Decke aus zweiteilig gefügtem Ahorn von ca. 7 mm Stärke ist mit einem Binding aus Walnuss eingefasst. Beide Hölzer sind ca. 25 Jahre alt.

Der Hals aus Ahorn (U.S. Hard Maple) ist mit höchster Präzision in die Halstasche eingepasst und mit sechs in Hülsen geführten Schrauben bombenfest im Korpus verankert. Das Griffbrett stammt von einem 30 Jahre alten Walnussbaum aus Frankreich. 22 mittelstarke Bünde (Wagner 9662) erweisen sich als sauber abgeglichen und kantenglatt verarbeitet. Cremefarbene Side Dots kennzeichnen die Lagen.

Die elegant geformte, mit leichtem Winkel nach hinten versetzte Kopfplatte ist mit Kluson-Style-Mechniken von Gotoh ausgestattet. Von deren Wickelzylindern aus werden die Saiten mit geradem Zug über den Sattel aus poliertem Knochen mit 648 mm Mensurlänge hinüber zur Gotoh „In Tune Bridge“ mit drei einzeln justierbaren Messingreitern und Strings-thru-Body-Saitenkonterung geführt. Auf einen Saitenniederhalter am Kopf wurde verzichtet.

Die Elektrik: In Halsposition ist ein TV Jones Classic Neck Pickup mit Alnico-5-Magnet und beweglichen Schraubpolen positioniert; am Steg finden wir den Lollar Special T Single Coil Pickup (Alnico 5, flache „non staggered“ Pole Pieces) in die vorne rahmenlose Stegplatte montiert. Der auf das obere Horn vorne platzierte Dreiwegschalter schaltet die Pickups konventionell; generelle Volume- und Tone-Regler mit griffig geriffelten Knöpfen stehen für die elektrische Verwaltung bereit.

Noch ein Blick ins Elektrikfach – oh, es gibt ja gar keines. Die elektrischen Komponenten wurden allesamt vor Aufsetzen der Decke installiert. Die Elektrik bleibt allerdings über die Fräsung des Steg-Pickups zugänglich. Ein 4-lagiges Pickguard in Tortoise-Optik schützt die Decke. Korpus und Hals des rundum detailgenau verarbeiteten Instruments sind mit Nitrolack seidenmatt versiegelt.

Petrek Drug(Bild: Dieter Stork)

PRÄZISION, FUNKTION, KLANGVISION

Die leicht asymmetrische Formgebung der Petrek Drug ist den Haltungs- und Bewegungsmustern des Gitarristen bestens angepasst, was sie zu einem ungemein komfortabel handhabbaren Instrument macht. Eigen bleibt sie aber dennoch mit ihrem offensiven Cut an der Korpusunterseite hinten, der eine aufrechte Sitzhaltung fordert, und – der schönen Optik ist’s geschuldet – eine Deckenkontur für die Armauflage würde den Spielkomfort noch weiter erhöhen.

Die Schrauben, mit denen der Hals der Drug montiert wurde, sind unten vorne etwas seitlich gesetzt, sodass der Hals-Part im Cutaway leicht freigestellt ist, um der greifenden Hand den Zugang zu den oberen Lagen zu erleichtern. Dem Hals wurde von kundiger Hand ein griffiges, leicht asymmetrisch gestaltetes Profil verschafft. Das wandelt sich aufsteigend vom mittleren C-Format zu einem leicht ausflachenden D, haptisch bestens austariert und samtig im Griff.

Der akustische Basiston der Gitarre ist von klarer stimmlicher Auflösung im Akkord und harmonisch stimmigem Ausdruck geprägt. Mit knackig strammen Bässen, perfekt daran angepassten, plastisch zeichnenden Mitten und Höhen von glockenhellem Schmiss überzeugt das Instrument mit schönem Timbre und besten Schwingeigenschaften.

Beim beliebten TV-Jones-Classic-Neck-Pickup in der Halsposition handelt es sich um ein Reissue des legendären Gretsch „Pat. Applied For“ Filter’Tron-Pickup der späten 50er-Jahre. Der TV Classic ist der Pickup, den sich auch Stars wie John Mayer oder Brian Setzer in ihre Gitarren setzen lassen. Ihm wird die authentische Nachbildung des charakteristischen Vintage-Twang und -Growl der damaligen Zeit nachgesagt. Der höhenreiche Klang dieses Tonabnehmer-Typs kommt in erster Linie durch geringe Induktivität und die daraus folgende hohe Resonanzfrequenz zustande.

Petrek Drug
Effektiver Pickup-Mix: TV Jones Classic und Lollar Special T (Bild: Dieter Stork)

In der Drug hält der TV Classic, was sein Name verspricht. Präsent, aber nicht zu vordergründig plakativ wandelt der Pickup die vitalen Klangeigenschaften der Drug in springlebendige elektrische Sounds. Transparent, wie von Schlacke befreit, aber doch mit Volumen und Tiefgang tönt es bei klar eingestelltem Amp. Sehr schön offen und transparent rollen Akkorde aus den Speakern, lassen den berühmten Gretsch-Sparkle aufleben.

Clean-Sounds sind ein Gedicht, aber große Klasse zeigt die Gitarre mit diesem Pickup dann auch in Zerrpositionen. Behände abfedernd und mit atmendem Growl lassen sich knurrige Powerchords abschießen, Solospiel profitiert von der perkussiven Ansprache und vitalen Tonentfaltung. Das Ambiente ist intensiv, konzentriert, sensitiv elektrisch – ein klassisches Kolorit wird hier leichtfüßig in die Gegenwart teleportiert. Eine elegante Transformation, die Bewährtes erhält, aber das Filter’Tron-Klischee von Country und Rockabilly auch weit hinter sich lässt und in der Drug eher die Verbindung zu modernen Ausdrucksformen sucht.

Der Lollar-Special-T-Single-Coil-Pickup in der Stegposition verfügt über etwas mehr Output als ein klassischer Tele-Pickup. Stringent, knackig und kühl im Bass und mit einem Höhentop, das mit wohldosierter Schärfe daherkommt, gibt sich die Gitarre über diesen T-Style-Pickup gespielt ausgesprochen funky. Sehr präzise lässt sich damit rhythmisch operieren, und akzentuiertes Spiel ist auch wegen der leichten, vital vorspringenden Tonentfaltung eine Wucht.

Im Overdrive bekommt der Sound einen schmissigen, aggressiven Ausdruck. Maßvolle Kompression sorgt für die tonale Zuspitzung, für gestochen klare Definition der perkussiv hervorgehobenen Noten. Mit diesem knochentrockenen Super-Twang lässt sich richtig Druck machen und die angehobenen Mitten ziehen da ausdrücklich mit. Der Ton beißt – Präsenz ist Trumpf!

In der Kombination beider Tonabnehmer ist dann auch noch ein origineller weiterer Sound angelegt, der ausgesprochen hohlwangig und eher scharfkantig daherkommt. Eine gute Alternative auf jeden Fall zu den recht unterschiedlich eingefärbten Klangoptionen der Einzelschaltungen.

 

RESÜMEE

Petrek Guitars legt mit seinem Modell Drug (nicht Droge, sondern serbo-kroatisch für Kumpel) ein Instrument vor, dem die Liebe zum Material und die handwerkliche Widmung für jedes Detail förmlich anzuspüren ist. Ausgesuchte alte Tonhölzer dienten als Grundlage für dieses vollkommen von Hand gefertigten Unikats, das der Kunsthandwerker Nikola Petrek ganz nach seinen ureigenen, höchst dezidierten Vorstellungen erstellt hat.

Petrek-Gitarren gleichen damit eher Kunstwerken, die nur wie angeboten zu erwerben sind. Welcher Künstler würde sich darauf einlassen, auf Kundenwunsch dem Werk hier noch etwas Gelb und da noch ein paar mehr Pinselstriche zuzufügen? Das unterscheidet Nikola, der vornehmlich von Reparaturen lebt und sich diesen mit Hingabe widmet, durchaus von den vielen Custom-Fertigern, die gerne jeden Kundenwunsch erfüllen. Beide Standpunkte sind gut zu vertreten und wenn das unikale, wegen der vielen investierten Stunden natürlich auch teurere Instrument, so klang- und funktionsstark daherkommt wie die Drug, dann findet sich fraglos auch der eine Kunde und Liebhaber, den es braucht. Welch interessante Ausprägungen es im Bereich des individuellen Gitarrenbaus doch gibt – toll!

PLUS

● abgelagerte Hölzer
● unikale Handfertigung
● ergonomisches Design
● Schwingverhalten
● effektiver Pickup-Mix
● charaktervolle Sounds
● Halsprofil, Bundierung
● Handhabung
● minutiöse Verarbeitung

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2021)

Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Die Yamaha SG1801PX Phil X Signature im Test von Gitarre & Bass!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ich frag mich was soll der Scheiß?
    Auch wenn die Klampfe noch so toll ist – das Auto, das ich mir leisten konnte, hat nur ein Drittel gekostet!!!

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    1. Moin erstmal!
      Endlich mal eine tolle Gitarre für Alle, die sich einen guten Ton auch leisten können. Und um dieses exklusive Erlebnis wird der stolze Besitzer sicher von allen Kennern der Materie beneidet werden. Wenn man gut genug Gitarre spielt, verdient man auch das nötige Kleingeld. Das ist mal klar!

      Bemerkenswert ist allenfalls, daß es für besagte Bewunderer des offen zur Schau gestellten Wohlstands keinen Widerspruch darstellt, daß aus abgelagerten Hölzern ergonomisch geformte Instrumente entstehen können, wo doch jeder weiß, daß das nur mit nassem Bauholz funktioniert! ( 3. Absatz unter der Überschrift: “ALTE HÖLZER – NEUES LEBEN”)

      Wer sich eine solche Gitarre nicht leisten kann hat ganz einfach den falschen Beruf mein lieber K.Blues.B!! Werd doch Taxifahrer, dann fährst Du zumindest ein teures Auto! Oder Du machst die falsche Musik! Blues ist doch sowieso arme Leute Musik, da reicht auch ´ne Epiphone!

      Aber vielleicht sind solche Instrumente gar nicht für Musiker gedacht, sondern für Leute, die glauben, man könne Musikalität einfach kaufen!
      Bitte nenne mir jemand einen bekannten Song, der auf einer 8800.-€ Neupreis teuren Gitarre gespielt wurde, den spiel ich dann auch!

      Beste Grüße,
      Peter W. Greiert

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