Klassiker mit einem Twist

Test: Paul Belgrado NaNo B4 Shortscale

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(Bild: Dieter Stork)

Viele Begegnungen mit neuen Instrumenten finden mittlerweile wahrscheinlich online statt. Daran ist nichts falsch, im Gegenteil, kann man doch Bassbauer:innen aus den entlegensten Winkeln dieses Planeten entdecken, die man sonst nie wahrgenommen hätte. Aber es liegt einfach etwas Besonderes darin, einem Bass persönlich gegenüberzustehen, und rein vom Anblick hingerissen zu sein.

Diese Momente bescherte mir der Guitar Summit 2022 gleich mehrfach. Zum Beispiel am Stand von Paul Belgrado aus Belgien, der uns freundlicherweise diesen überaus handlichen Shortscale zum Test überließ.

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SCHMUCKES ARBEITSGERÄT

Der Name NaNo passt wirklich gut, denn selbst im Vergleich zu meinen anderen Shorties wirkt er noch mal deutlich kompakter. So sehr, dass ich erst mal die Mensur nachmesse: Tatsächlich ist sie sogar etwas länger als gewohnt, nämlich 30,29 Zoll, als würde man bei einem Longscale einen Capo auf den ersten Bund setzen. Der asymmetrische Korpus orientiert sich in seiner Ergonomie an einem Jazz Bass, seine Form ist aber durchaus eigen und sehr gelungen. Er besteht aus Obeche, einem afrikanischen Holz, das leider ökologisch fragwürdig ist, da beim Abbau der schnellwachsenden Bäume oft wenig Rücksicht auf die Umwelt genommen wird. Da Paul ein offenes Ohr für die Wünsche seiner Kundschaft hat, dürfte eine Alternative kein Problem sein.

Der Body ist in einem Nitro-Hybrid-Finish lackiert: Auf eine PU-Lack-Basis wird, in mehreren Deckschichten, Nitrolack in sanftem Perlmutt aufgetragen. Das leichte Aging zeigt feine Risse, die das sogenannte „Weather Checking“ alter Instrumente geschmackvoll nachstellen. Der Body ist vor allem auf geringes Gewicht und gute Resonanzfähigkeit ausgelegt, die Halskonstruktion zielt auf maximale Stabilität. Drei Streifen Felsahorn werden durch unter dem Griffbrett eingelegte Graphitstäbe und einen modernen Zwei-Wege-Halsstab aus Stahl zusätzlich stabilisiert. Auch die Halsbefestigung ist mit gleich sechs Schrauben und einer dicken, teilweise in den Body eingelassenen Aluplatte besonders solide ausgeführt. Da bewegt sich nichts, die passgenau gearbeitete Halstasche tut ihr Übriges.

Solide ausgeführte Hals/Korpus-Verschraubung (Bild: Dieter Stork)

Das Griffbrett ist aus indischem Palisander und mit einem ABS-Binding eingefasst, sauber eingepasste Block-Inlays weisen den Weg durch die Lagen. Beim Griffbrettradius fiel die Wahl auf einen Compound-Radius, der von vintagemäßigen 7,25 Zoll am Sattel zu 12 Zoll am Griffbrettende hin flacher wird. Die Mechaniken, zu denen die Saiten mit schön gleichmäßigem Zug streben, sind ultraleichte von Hipshot mit Clover-Flügeln, die der kompakten Kopfplatte sehr gut stehen und Kopflastigkeit entgegenwirken.

Von der gleichen Firma kommen auch der Saitenniederhalter, unter den die A- und D-Saite einfach untergehakt werden, sowie die Brücke. In Letztere können die Ball-Ends eingehängt werden, ohne zuvor die Saiten ganz durchziehen zu müssen, was einen Saitenwechsel immens vereinfacht. Die einzigen Hardware-Elemente, die nicht von Hipshot stammen, sind die Gurtpins von D’Addario. Mit ihrer elliptischen Form erinnern sie mich an alte Ibanez-Lösungen und verhindern auch ohne Lock-System, dass der Gurt vom Pin rutscht.

Der Saitenabstand hängt davon ab, in welche Rille der Reiter die Saite gelegt wird. Paul stellt die Abstände ab Werk auf 18 mm ein, was auch perfekt zu den Pickups passt. TV-Jones-Tonabnehmer sieht man relativ selten auf Bässen, hier sind Thundermags mit AlNiCo-Magneten verbaut, auf Wunsch sind aber auch andere Typen zu haben sowie eigens handgewickelte. Geregelt wird mit satt drehenden CTS-Potis, zweimal Volume und einmal Tone, die, ohne Control-Plate, direkt in der Decke montiert sind. Streng genommen könnte der Bass ganz ohne Pickguard gebaut werden, da auch die Pickups direkt ins Holz geschraubt werden.

Aber neben dem Schutz vor Kratzern bei deftigem Plektrumeinsatz geht es nicht zuletzt ja auch um Optik – und die gewinnt beim NaNo für meinen Geschmack deutlich! Das zweigeteilte Brown-Swirl-Schlagbrett auf der Decke und der Zierbelag auf der Kopfplatte sind aus sehr schön ausgesuchtem Material und sauberst zugeschnitten. Ein nettes Detail ist auch die Electrosocket-Klinkenbuchse im Tele-Style, die unkonventionell in der Decke statt in der Zarge versenkt wurde. In puncto Sorgfalt und Verarbeitung kann ich schon mal eine glatte Eins mit Sternchen vergeben.

(Bild: Dieter Stork)

THUNDERHEART

Gerade mal 3,4 kg hat man mit dem NaNo auf dem Schoß oder am Gurt, und das bei geradezu aggressiv guter Balance – da wird langes Spielen zum reinen Spaß! Dazu kommen die kompakte Form, die satt schwingfreudige Ansprache und die wirklich exzellente Einstellung des Basses. Ich fühle mich zu bewegtem und beweglichem Spiel mit raumgreifenden Lagenwechseln eingeladen, die schon dadurch leicht von der Hand gehen, dass ich mit dem Zeigefinger auf dem tiefen F eine Duodezime mit dem kleinen Finger greifen kann – dank der kurzen Mensur und des schlanken, griffigen Halsschnitts.

Am Sattel hat der NaNo Jazz-Bass-ähnliche Maße, fühlt sich aber durch die sorgfältig gesetzten Sattelkerben noch schmaler an. Relativ schmal bleibt der Hals auch bis in die problemlos erreichbaren hohen Lagen. Der nicht zu enge Saitenabstand an der Brücke sorgt für entspanntes Zupfen, Plektrumspiel, oder was einem sonst so einfällt.

Auch bei einem perfekt eingestellten Instrument fühle ich mich natürlich verpflichtet, die Einstellmöglichkeiten zu prüfen. Oktave und Saitenlage sind gewohnt leicht und präzise justierbar, beim Stahlstab gibt es Extrapunkte für den gut dimensionierten Zugang in Korpus und Pickguard – nicht zu schmal und lang genug, um den Inbusschlüssel sauber ansetzen und drehen zu können. Wie viele Gedanken sich Paul zu seinen Bässen macht, zeigt sich auch darin, dass er die aufgezogenen Ernie-Ball-Saiten schon eingespielt hat, um den Bass tonal korrekt zu präsentieren (ein frischer Satz Saiten liegt im Koffer bei).

Entsprechend kommt der Sound am Amp bereits dezent abgerundet rüber, aber immer noch mit reichlich offenen Höhen. Die gehen auf das Konto der Thundermags, die mit ihren AlNiCo-Stiftmagneten in Reverse-P-Anordnung das definierteste Top-End der TV-Jones-Palette haben. Je nach gewählter Verstärkung und musikalischem Umfeld kann das fast ein bisschen viel werden, aber dafür gibt es ja eine sehr gut abgestimmte Höhenblende. Höhen und Hochmitten werden fein dosierbar zurückgenommen und der Fokus auf das satte Mittenspektrum gelegt, das auf dem warmen Bassfundament aufbaut. Das Resultat ist ein kompakter, die Band schön tragender Ton.

So nützlich der Tone-Regler agiert, so verbesserungswürdig finde ich die Volume-Regler. Gleichmäßiges Ausblenden findet nur auf den allerersten Millimetern statt, und statt die beiden Pickups zu mischen, wirkt jedes Runterdrehen eines Abnehmers wie ein (Aus-)Schalter – ein Drei-Wege-Toggle-Switch wäre genauso effektiv gewesen. Überzeugen können alle drei Sounds: Brummfrei in jeder Einstellung bieten auch die Einzelabnehmer dynamische, in den Mitten leicht ruppige Klänge mit perfekter Retro/Old-School-Attitüde. Ich kann mir gut vorstellen, dass der NaNo auch mit geschliffenen Saiten eine sehr gute Figur machen würde.

 

RESÜMEE

Was für ein feiner Bass! Klanglich wie optisch bietet der NaNo B4 von Paul Belgrado klassische Anleihen, die aber zu einem ganz individuellen und charakterstarken Instrument zusammenkommen. Handwerklich über jeden Tadel erhaben, hätte ich nur die Auswahl des Korpusholzes und die Regelcharakteristik der Volume-Potis zu bemängeln. Aber da Belgrado Stringed Instruments ein Ein-Mann-Betrieb ist, ist es Paul sicherlich ein Leichtes, solche Wünsche zu erfüllen.

Auch andere Abnehmer und Lackierungen sind problemlos möglich, wobei ich persönlich sowohl die leicht gealterte hybride Nitrolackierung als auch die TV Jones Thundermags sehr mag. Wer ein Faible für originelle und gut gemachte Shortscale-Bässe hat, sollte Belgrado unbedingt auf dem Zettel haben! Wer diese Vorliebe nicht teilt allerdings auch, denn Paul baut natürlich auch „normale“ Longscale-Bässe.

PLUS

● Sound
● Optik
● Balance/Gewicht
● Bespielbarkeit
● Verarbeitung
● Lackierung
● Hardware
● Tonabnehmer
● Werkseinstellung

MINUS

● Ökologie Korpusholz
● Regelcharakteristik Volume-Potis

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2023)

Produkt: Gitarre & Bass 7/2023
Gitarre & Bass 7/2023
IM TEST: Magneto Guitars Eric Gales Signature RD3 +++ Lenz Hot Chili Tube-Head +++ Marshall Guv’nor, Drivemaster, Bluesbreaker, Shredmaster Reissue Pedals +++ Glockenklang Blue Bird Bass-Amp +++ Fender Gold Foil Jazz Bass +++ Walrus Audio Fundamental Reverb und Delay +++ Blackstar Debut 50R Gitarren-Combo +++ Epiphone Adam Jones Les Paul Custom Art Collection +++ Boss Waza-Air Bass Headphones

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