Produkt: Treble Booster im Test
Treble Booster im Test
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Bumms in a box

Test: One Control Hooker‘s Green Bass Machine & Sonic Silver Peg

(Bild: Dieter Stork)

Vollröhren-Sound und vor allem -Feeling im Hosentaschenformat? Nein, es geht hier nicht um digitale Simulationen in Form von Apps oder Multieffekten. Hundert Prozent analog und kompromisslos: Das verspricht der Hersteller One Control bei den von Björn Juhl entwickelten Miniatur-Bass-Pedalen Sonic Silver Peg und Hooker’s Green Bass Machine.

Die Vorstellung, einen 40 kg schweren Verstärker auf ca. 160 g herunter zu „schrumpfen“, ohne dabei auf Klang und Spielgefühl verzichten zu müssen, klingt für viele absurd. Doch genau das wollen Björn Juhl und One Control geschafft haben. Juhl ist vor allem durch seine hochwertigen Entwicklungen für BJFE und Mad Professor bekannt. Entsprechend hoch sind meine Erwartungen, als ich das Paket mit den beiden Pedalen öffne.

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BEDIENUNG

Nach Anheben des Deckels lächelt mich zunächst eine Karte mit dem Hinweis an, das Pedal online zu registrieren, um den Garantiezeitraum von vier Jahren in Anspruch zu nehmen. Das ist erstmal vielversprechend. Weniger erbaulich ist der Umstand, dass den Geräten lediglich ein Handbuch in Form eines gefalteten DINA4-Blattes in chinesischer Sprache beiliegt. Eine Anleitung und ausführliche Beschreibung der Pedals kann aber auf der Seite des Herstellers heruntergeladen werden. Ein Blick auf die Geräte lässt jedoch vermuten, dass das gar nicht notwendig sein dürfte.

Es sind jeweils nur drei Regler an der Oberseite vorhanden. Die Hooker’s Green Bass Machine bietet Einstellmöglichkeiten für Volume, Treble und Drive, während der Sonic Silver Peg mit Volume, Tone und einem Mittenregler aufwartet. Die Geräte kommen angenehm übersichtlich und eindeutig daher. Auf der linken Seite befindet sich bei beiden Geräten eine kleine Aussparung, die Zugriff auf eine Absenkung des Eingangspegels bzw., im Falle der Bass Machine, auf eine Anhebung der Bassanteile ermöglicht. Die Beschriftung hierfür ist, genau wie die der Anschlussbuchsen, auf die Unterseite gedruckt. Versorgt werden die Geräte entweder durch eine 9V-Batterie, für die Platz im Gehäuse reserviert ist, oder über einen 9V-DC-Anschluss im klassischen Format.

Etwas schade ist es, dass dieser sehr nah an der Eingangsbuchse sitzt. Bei bestimmten Steckertypen oder engen Pedalboard-Konstellationen könnte es hier etwas fummelig werden. Davon abgesehen macht die Verarbeitung einen sehr wertigen Anschein. Ich bin beeindruckt von den für diese Preisklasse recht aufwendig gefertigten Gehäusen. Hut ab! Die Potis drehen mit einem angenehmen Widerstand und auch die Kappen aus schwarzem Kunststoff fühlen sich wertig an.

CHARAKTERFORMUNG

Nach dem Anschließen der Geräte wird schnell klar, was mit der dynamischen Ansprache gemeint ist, die der Hersteller in seiner Beschreibung so betont. Sowohl der Silver Peg als auch die Bass Machine reagieren sehr dynamisch auf den Anschlag und das Volume-Poti am Instrument. Bei leichtem bis moderatem Anschlag sind beide Geräte nahezu clean, niedrige Einstellungen der Gain-Regler vorausgesetzt. Langt man jedoch stärker in die Saiten, wird aus einer leichten Sättigung ein deutliches Zerren.

Der Silver Peg besitzt quasi zwei Modi: „sauber“ und Overdrive, zwischen denen man mit einem kleinen Schiebeschalter wechseln kann. So richtig clean ist das Pedal aber nie, auch in niedrigen Einstellungen wird der Ton bereits gesättigt. Eben genau so, wie man es von einem aufgedrehten Vollröhren-Amp erwartet. Hier erfüllt das Gerät bereits einen Teil der Erwartungen, sehr gut. Der Grundcharakter geht tatsächlich sehr in die Richtung des Vorbildes und lässt sich am ehesten als voll und rund beschreiben. Dank der Mitten- und Höhenregler lässt sich der Klang sehr variabel beeinflussen. Sind Tone voll aufgedreht und die Mitten leicht zurückgenommen, stellt sich sofort ein runder, leicht rotziger Sound ein, der in fast allen Musikrichtungen passen dürfte.

Für mehr Durchsetzungsfähigkeit können die Mitten auch betont werden, was in Verbindung mit dem Zurücknehmen der Höhen wunderbare Vintage-Sounds produziert. Für mehr Drive kann der Eingangspegel geboostet werden, was dem runden Sound eine dichte, aber dynamische Zerre hinzufügt, ohne dass dabei das Bassfundament leidet.

Alternativ kann die Bass Machine bemüht werden, denn dazu wurde das Pedal entwickelt. „Vintage“ beschreibt auch hier den Charakter akkurat. Der Sound ist mittig und recht höhenarm, für sich genommen fast schon dumpf, auch mit voll aufgedrehtem Höhenregler. Laut Hersteller soll der geneigte Bassist nur mit diesem Pedal jeden gewünschten Sound einstellen können. Das kann ich so definitiv nicht bestätigen, den Grund-Sound will das Pedal partout nicht verändern. Auch die Obertonstruktur der Zerre ist über alle Intensitäten gleichbleibend.

Je weiter der Drive aufgedreht wird, desto voller und dichter wird der Klang. Der Bassbereich wird dabei etwas ausgedünnt, was sich auch mit dem Trimpoti an der Seite leider nicht kontern lässt. Als eigenständigen Preamp, wie vom Hersteller beworben, kann ich mir das Gerät nur schwer vorstellen, es sei denn, man sucht den Sound eines aufgerissenes Gitarren-Amps. In Kombination mit dem Silver Peg sieht die Sache jedoch wieder ganz anders aus. Der fette Grundsound des Silver Pegs dickt den Overdrive gut an.

Die Kombination aus einer leicht gescoopten Einstellung mit offener Tonblende und der Bass Machine bietet einen fetten „Clean“-Sound, der bei Bedarf in einen drückenden, dichten Overdrive umschwenken kann. Durch die offene Höhenblende und die zurückgenommenen Mitten am Silver Peg gewinnt der Klang der Bass Machine an Definition und Punch zurück. Insbesondere die Regelung der Mitten kommt dieser Kombination wirklich zugute, denn davon hat die Bass Machine tendenziell einen Hauch zuviel.

Beide Geräte haben mehr als genug Lautstärkereserven, um verschiedenste Amps oder Konsolen ausreichend mit Signal zu versorgen. One Control schlägt die Verwendung als Preamp in Verbindung mit einer DI-Box sogar ausdrücklich vor. Im Falle des Silver Pegs kann ich mir gut vorstellen, dass das Ergebnis vielen Bassisten gut gefallen wird, ebenso die beschriebene Kombination aus Silver Peg und Bass Machine.

RESÜMEE

„Amp in a box“-Pedale erfreuen sich wachsender Beliebtheit, insbesondere solche mit kompaktem Formfaktor. Wo andere Hersteller versuchen, möglichst viele Funktionen und Regler oder sogar aufwendige digitale Emulationen mit vielen Parametern und Effekten in einem Gerät unterzubringen, liegt das Augenmerk bei der BJF-Serie von One Control auf intuitiver Bedienung ohne Schnickschnack, die mit wenigen Handgriffen gute Ergebnisse ermöglicht.

Egal, ob man eine kompakte und unkomplizierte Lösung für einen mischfertigen Sound sucht, oder sein Pedalboard einfach mit mehr Klangvielfalt bestücken möchte: Die kleinen Kisten sind durchdacht und konsequent umgesetzt. Sie bieten, insbesondere zu dem Preis, eine großartige Erweiterung für die meisten Setups. Fühlen sie sich an wie ein aufgedrehtes Röhrentopteil? Mit einer entsprechend starken Verstärkung im Rücken machen sie auf jeden Fall genauso viel Spaß und lassen sich bei Bedarf sogar im Gigbag verstauen. Für Liebhaber alter Ampegs ist der Sonic Silver Peg auf jeden Fall ein Anspielen wert, und wer gern mit dem Stacken und der Reihenfolge verschiedener Overdrives experimentiert, wird auch mit Hooker’s Green Bass Machine seine Freude haben.

PLUS

● kompakt
● hochwertig verarbeitet
● dynamische Ansprache
● eindeutige Beschriftung
● preiswert

MINUS

● Bass Machine: etwas dünner Bassbereich und nicht so flexibel, wie angepriesen

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2020)

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