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Thronfolger

Test: Music Man John Petrucci Majesty Tiger Eye Ltd. Edition

Music Man John Petrucci Majesty Tiger Eye(Bild: Dieter Stork)

Kürzlich präsentierten Music Man und der Prog-Metaller John Petrucci die bereits achte Signature-Gitarre, die vor gut fünf Jahren erstmals den Namen Majesty erhielt. Seit Beginn der Kooperation mit dem US-Hersteller vor ca. 20 Jahren besitzen alle Petrucci-Modelle eine ähnliche Ausstattung, soll heißen Vibtrato, zwei Humbucker und Piezo-Bridge. Ab dem Modell JP-15 wurde sogar ein Gain-Booster in die aktive Schaltung integriert. Was ist nun neu an der Majesty 2019?

Eine ganze Menge, denn immer wieder haben Music Man und John Petrucci mit diversen Tonhölzern, Finishes und Pick-ups experimentiert. So wurden eigens für die 2019 Majesty Tiger Eye neue DiMarzio-Humbucker entwickelt, und zwar der Rainmaker für die Hals- und der Dreamcatcher für die Stegposition. Wie gewohnt wird es auch die 2019 Majesty als 6- und 7-String Version geben, dieses Mal jedoch weltweit auf jeweils 300 Stück limitiert.

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basics

Der Hals der Majesty wurde aus Mahagoni und Ahorn dreifach gesperrt. Dabei hat man auf der Rückseite die Bursted-Flame-Lackierung der Decke übernommen, sodass der kontrastreich geflammte Mittelstreifen geschmackvoll in Szene gesetzt wird. Für die Korpusflügel findet erstmals Erle Verwendung. Premiere feiert auch der bookmatched-halbierte, ca. 15 mm dicke Riegelahorn, der sich über die gesamte Decke erstreckt und perfekt in das höchst ergonomische Design eingebunden wurde.

Drei der vier Kammern auf der Korpusrückseite, und zwar die von Elektrik, Mode-Schalter und Vibratofedern, werden von schwarz strukturierten aufliegenden Alublechen abgedeckt. Das E-Fach ist innen mittels Graphit-Acryl-Beschichtung abgeschirmt, ein zusätzlich als Abschirmung dienendes Alublech trägt die drei Hauptpotis. Quasi durch die Hintertüre bieten vier Bohrungen im E-Fachdeckel per Kreuzschlitzschraubendreher direkten Zugang zu den Trimmern von Pickup Boost (Humbuckers), Magnetic/Piezo Mix, Piezo Treble EQ und Bass EQ. Leider stehen keine Einstellskalen als Orientierungshilfe zur Verfügung.

Music Man John Petrucci Majesty Tiger Eye
Blick ins E-Fach: Mitten drin findet man die Trimm-Potis (Bild: Dieter Stork)

Im vierten Fach lagern drei 1,5 V AA-Batterien zur Speisung der Bordelektronik. Eine blaue LED im Deckelrahmen informiert über die aktuelle Output-Konfiguration (Mono/Stereo), sobald ein Stecker in die zargenseitig eingelassene Rohrklinkenbuchse eingeführt wird: Ein Mal blinken = Mono, zwei Mal = Stereo. Die Konfiguration wird mit Hilfe des im Piezo-Volume-Poti integrierten Tasters vorgenommen. Durch oranges Leuchten meldet dieselbe LED auch schwächelnde Batterien.

Neben 24 vorbildlich abgerichteten und polierten Edelstahlbünden trägt das Ebenholzgriffbrett neben weißen Sidedots wappenförmige Atlante-Majesty-Perlmutt-Inlays und im ersten Bund das Dream-Theater-Logo. Der Music-Man-Kunststoffsattel besitzt kompensierte Kerben für präzises Stimmen, die auf niedriges Saitenniveau abgerichtet wurden. Geschmeidig arbeitende Schaller Locking Tuner finden in gewohnter 4/2 Formation auf der um 11° geneigten Kopfplatte Platz. Wie bei MM üblich, gestaltet sich die Justierung der Halskrümmung mit Hilfe der zwischen Griffbrett und Hals-Pickup zugänglichen Scheibe höchst komfortabel.

Music Man John Petrucci Majesty Tiger Eye
Schaller Locking Tuner (Bild: Dieter Stork)

Inzwischen ist das an zwei Schraubbolzen aufgehängte Custom JP Floating Vibrato mit Piezo-Edelstahlreitern für die Petrucci-Modelle schon obligatorisch. Absolut wackelfrei sitzt der Steckhebel in seiner Führung, die hinsichtlich Gängigkeit justiert werden kann. Die stark verrundeten Kanten der Abdeckung bieten der Hand eine angenehme Auflage und gestatten ungehindertes Palm Muting.

Music Man John Petrucci Majesty Tiger Eye
Custom JP Floating Vibrato mit Piezos (Bild: Dieter Stork)

Die beiden exklusiv für die Majesty Tiger Eye entwickelten DiMarzio Humbucker – ein Rainmaker in der Halsposition und ein Dreamcatcher am Steg – hat man in ihren Fräsungen fest montiert, sodass Höhenjustierungen nur über die Polschrauben oder durch Tausch der Abstandhalter vorgenommen werden können. Werksseitig besitzen die Polschrauben erstaunlich große Abstände zu den Saiten (Hals = 5,5 mm, Steg = 3,5 mm).

Während der untere Dreiwegschalter die Humbucker auf gewohnte Weise anwählt, aktiviert der im oberen Cutaway-Horn angebrachte Mode Switch die Piezo Bridge, Piezo Bridge + Magnet-Pickups oder die Magnet-Pickups. Da die Klinkenbuchse dreipolig ausgelegt ist, können die verschiedenen Tonabnehmersysteme auch stereophon über zwei Verstärker übertragen werden.
Die Reglerknöpfe der butterweich rotierenden Potis sind von Gummiringen umgeben, die sicheren Grip bieten und damit präzise Kontrolle ermöglichen.

Drückt man auf Master-Volume, hebt sich der Knopf und aktiviert den Onboard-Booster, der das Ausgangssignal um bis zu 20 dB verstärkt. Auf die gleiche Weise deaktiviert Master-Tone die Halsspule des Hals- und die Stegspule Steg-Pickups, jedoch nur dann, wenn beide Humbucker simultan in Betrieb sind. Daher lassen sich diese im Einzelbetrieb nicht splitten. Das dritte Poti, dessen Tastfunktion die Mono/Stereokonfiguration der Klinkenbuchse vornimmt, kontrolliert den Gesamtausgangspegel der Piezo Bridge.

Music Man John Petrucci Majesty Tiger Eye
Fließender Halsübergang (Bild: Dieter Stork)

vollbedienung

Ergonomie und Handhabung der Majesty Tiger Eye sind wirklich vom Allerfeinsten. Mit 3,22 kg hängt das Leichtgewicht dank des langen oberen Cutaway-Horns ausgewogen am Gurt und bewegt sich auch nicht die Bohne, wenn sie losgelassen auf dem Bein liegt. Am eigenen Körper ist sie kaum zu spüren, und der fließende Halsfuß gestattet ungehinderten Zugang bis zum 24. Bund. Hinderlich wäre allein eine füllige Statur des Users.

Die hochwertigen Regler und Schalter lassen sich ebenso traumhaft leicht handhaben, wie das schwebend aufgehängte Vibrato, welches trotz werkzeugfreien Saitenwechsels auch nach Dive Bombs beeindruckende Stimmstabilität zeigt. Der mittelkräftige Hals liegt angenehm in der Hand und bietet, trotz High Gloss Polyester Finish, dessen Verarbeitungsqualität übrigens an der gesamten Gitarre keine Fragen aufkommen lässt, einen angenehmen Grip. Gekrönt wird der hohe Spielkomfort überdies durch die perfekt verrundeten und polierten Kanten der Bunddrähte, die schnelle flüssige Lagenwechsel gestatten.

Gerne hätte ich einen direkten A/B-Vergleich zwischen der ersten Majesty von vor etwa fünf Jahren und diesem 2019er Modell gemacht. Ich erinnere mich, dass schon die 2014er sensationell leichtfüßig und schwingfreudig daherkam, habe jedoch den Eindruck, dass die Tiger Eye dies noch toppen kann.

Wunderbar gleichmäßig und extrem intensiv schwingt sie nach jedem Saitenanschlag deutlich spürbar bis in die letzten Ecken der Konstruktion, unabhängig davon, ob ich Akkorde oder Einzeltöne spiele. Sie spricht sehr direkt an, lässt jeden Ton blitzschnell und lebendig aufblühen und extrem langsam und kontinuierlich abklingen. Dynamik und Sustain par excellence!

Klanglich gibt sie sich eher schüchtern zurückhaltend, nicht sonderlich kraftvoll aber perfekt ausbalanciert, zeigt saubere Saitentrennung, liefert klare, drahtige, obertonreiche Klangbilder und bleibt auch unabhängig von den gespielten Lagen in den Bässen straff und definiert.

Ein wenig überrascht bin ich über die Sounds der neuen DiMarzio-Humbucker Rainmaker und Dreamcatcher am cleanen Verstärker. Hier klingen beide recht belegt, soll heißen sehr mittig und tiefmittig – wenig Höhen trotz guter Übertragung des Obertonspektrums, wenig konkrete Bässe. Irgendwie fehlt es an Transparenz, Spritzigkeit und Vitalität. Wohlwollend könnte man vielleicht noch von „warmen Klangbildern“ sprechen. Beim Vergleich mit handelsüblichen PAFs (keine Boutique-Pickups!) tönen selbige deutlich frischer, offener, prägnanter und lebendiger.

Der 20-dB-Booster, dessen Full-Gain-Pegelanstieg im Clean-Betrieb fast die Lautsprecher aus dem Gehäuse treibt, kann das Klangbild nur unwesentlich „aufhübschen“ da er nahezu linear verstärkt. Für frischen Wind sorgen indes die Paarung beider Humbucker und deren Coil Splits, die mit ausgewogenen, glockig perlenden, transparenten Klangbildern eine gute Basis für Rhythmusarbeit und Arpeggien liefern.

Völlig anders als am zerrfreien Amp präsentieren sich die DiMarzio Humbucker bei High-Gain-Sounds. Plötzlich sind Mitten und Höhen klar und akzentuiert, bei Bedarf auch bissig und aggressiv, die Bässe deutlich straffer und zupackender. Allerbeste Vorrausetzungen für tieffrequente Riffs, Power Chords, Shredding, Tapping und Solo-Arien. Hier kommt dann auch das enorme Sustain der Majesty zum Tragen, und trotz hoher Kompression bleibt noch genügend Luft für Dynamik.

Jedoch: Erwartungsgemäß belässt es der voll aufgedrehte 20-dB-Booster jetzt bei leichtem Anfetten des Sounds, von Pegelanhebung fürs Solieren kann also keine Rede mehr sein. Auch die Pickup-Kombi inklusive Coil Splits macht im Zerrbetrieb mit eigenständigen Leadsounds eine gute Figur.

Die Piezo-Bridge liefert transparente obertonreiche Klänge mit Steelstring-Touch, die sich im Band-Kontext bewähren, sich jedoch weniger für Solo-Performances eignen. Pegelmäßig optimal abgestimmt, garantieren die einzelnen Elemente ein ausgewogenes breites Klangspektrum. Werksseitig zeigt der Treble EQ Höchsteinstellung (10), der Bass EQ ist etwa bei 8 angesiedelt. Bei entsprechender Mischung bzw. Abstimmung bieten sich die Piezos zum Auffrischen der Humbucker im Clean-Modus an.

Music Man John Petrucci Majesty Tiger Eye
Mode Switch für Humbucker und/oder Piezos (Bild: Dieter Stork)

resümee

Zugegeben, ich bin mit einiger Erwartung, wenn nicht sogar mit einer gewissen Euphorie an diesen Test gegangen. Und meine Erwartungen wurden hinsichtlich Schwingeigenschaften, Dynamik, Spielbarkeit und Verarbeitung sogar noch übertroffen. Die neuen DiMarzio Humbucker sind im Clean-Betrieb allerdings wenig überzeugend, wobei die Pickup-Paarung und deren Coil Splits dem Instrument angemessen erscheinen. Ganz anders im High-Gain-Betrieb:

Hier liefern die DiMarzios mit Durchsetzungskraft, Vitalität und Spritzigkeit angemessen ab! Die Piezo-Bridge bringt genau das ein, was man von ihr erwartet: Lebendige, transparente Steel-String-Klänge ohne Feedback-Probleme für den Band-Einsatz.

Plus
• Konzept & Design
• High-Gain-Sounds
• Piezo-Sounds
• Dynamik & Sustain
• 20-dB-Booster
• Mono/Stereo-Betrieb
• Edelstahlbünde
• Funktion und Stimmstabilität des Vibratos
• Spielbarkeit & Handhabung
• geringes Gewicht
• Verarbeitung
Minus
• Cleansounds der Humbucker

Music Man John Petrucci Majesty Tiger Eye

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2019)

Produkt: Gitarre & Bass 5/2019
Gitarre & Bass 5/2019
INTERVIEWS: Slash, Phil Campbell, J.J. Cale, Bill Frisell, Kreator +++ VINTAGE-SPECIAL: Fender Princeton

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