Produkt: Treble Booster im Test
Treble Booster im Test
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Neue Dekade, neue Parade

Test: Morley 20/20 Lead Wah, Wah Boost & Wah Lock

(Bild: Dieter Stork)

Kleine Revolution im Hause Morley: Mit den Kompakt-Wahs der Bezeichnung 20/20 bringt die US-Company nicht nur eine neue Serie auf den Markt – die Formel steht vielmehr für einen Paradigmenwechsel. Ab sofort heißt es: Mini ist das neue Standard. Wir haben uns drei der aktuellen Modelle näher angeschaut.

Wie bitte, nur noch Baby-Treter? Was ist mit den guten alten Boliden? Ich will Masse unter dem Fuß.“ Nehmen wir derartigen Bedenken gleich zu Beginn den Wind aus den Segeln: Morley hat sein Sortiment zwar konsequent umgebaut, doch mit dem Bad Horsie und dem Power Fuzz Wah gibt es auch zwei Exemplare in der jetzt „Classic Size“ betitelten Ur-Version. Es ist also nicht alles neu und anders. Aber natürlich finden sich beide Modelle auch im 20/20-Portfolio – es sind schließlich zwei der beliebtesten Pedale des Brands.

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Zum neuen Jahrzehnt und Konzept haben sich die US-Amerikaner einige Gedanken gemacht. Neben den Pedalboard-freundlichen Abmessungen warten sie auch mit einer extremen Bandbreite an Wah-Versionen auf. Vom Schnickschnack-losen Classic Switchless Wah (nicht zu verwechseln mit der neuen, alten Serie), das vergangenen Sommer als Vorbote auf den Markt geschickt wurde, bis zur komplett neu erdachten und jüngst ausgelieferten Distortion-Version dürfte Morley dabei für so gut wie jeden Anwender eine für ihn und seine Anforderungen optimierte Ausführung in petto haben.

Das Gros der Serie liegt im Preisbereich zwischen 185 und 239 Euro, das Classic Switchless geht gar für empfohlene 159 Euro über den Tresen. Laut Hersteller werden alle Pedale in den USA gefertigt. Und dazu auch gleich eine wichtige Anmerkung: Aktuell werden die beiden Modelle Power Wah Volume und Volume Plus nicht in der EU verkauft, der deutsche Vertrieb Warwick führt das Classic Switchless zudem als eigenständiges Produkt neben der 20/20-Linie. Wir folgen diesem Ansatz und reden ab dieser Stelle somit von sieben Varianten statt von zehn, die Morley auf seiner Website auflistet.

VERSCHLEISS- & SCHALTERFREI

Gemeinsam haben die lieferbaren Exemplare zahlreiche Konstruktionsmerkmale: Abgesehen vom Power Wah sind alle als Switchless-Konzept ausgeführt, schalten sich also beim Betreten geräuschlos selbst an – und beim Loslassen entsprechend selbst aus. Eine Power-LED zeigt dabei den aktivierten Zustand an.

Gesteuert werden die Pedale über eine elektro-optische Schaltung, wodurch für Potentiometer typische Verschleißerscheinungen wie Kratzen eliminiert werden. Dazu sind sie mit einer Buffer-Schaltung ausgestattet, was Pegel- und Sound-Einbußen bei langen Kabelwegen und größeren Setups verhindern und laut Hersteller damit auch das Spielgefühl optimieren soll.

Die massiven Metallgehäuse bestehen aus einer Bodenplatte, die über vier Schrauben mit dem Oberteil verbunden ist. Versorgt werden sie entweder über eine 9-Volt-Batterie oder ein externes Netzteil. Ein kluges Feature für dunkle Bühnen sind die „Glow in the Dark“-Leuchtaufkleber auf dem Pedal selbst und auch auf der Stirnseite.

LEAD/BOOST/LOCK

„Shred Red“, „Industrial Silver“ und „Halloween Orange“ – Morleys Farbbezeichnungen für unsere drei Probanden sind ebenso kreativ wie die Idee, eine Serie mit sieben verschiedenen Ausstattungsvarianten ins Leben zu rufen. In Sachen Features kann man sie – von Basis nach Komfort – in folgende Reihe stellen: Lead Wah, Wah Boost, Wah Lock.

Beginnen wir mit dem Lead Wah und schauen ihm dabei direkt unter die Haube. Das Ergebnis: Außen ist zwar nichts dran, innen gibt es dafür gleich zwei Optionen. Die eine wird von Morley erwähnt, die andere bleibt bei den Produkterläuterungen außen vor, löste im Test aber bald ein Problem.

(Bild: Dieter Stork)

Doch der Reihe nach: Das Lead Wah ist optisch minimalistisch gehalten, es gibt kein Bedienelement, abgesehen vom Pedal selbst. Doch Morley hat ihm ein Feature eingepflanzt, mit dem auch die anderen beiden Testteile aufwarten können: die Möglichkeit nämlich, den Ausgangspegel zu beeinflussen. Beim Lead Wah spricht Morley nicht von einem Boost, sondern von einer Level-Regelung.

Generell ist das Pedal für den Einsatz mit reichlich Verzerrung konzipiert und bietet dazu einen erweiterten Sweep-Bereich sowie eine Anhebung im unteren Frequenzbereich für ausreichend Low-End auch im High-Gain-Betrieb.

Das Wah Boost zeichnet sich durch den namensgebenden 20dB-Boost aus, der über ein entsprechendes Poti links neben dem Pedal stufenlos hinzugeregelt werden kann. Morley bezeichnet seinen Charakter als „klassischer Schaltkreis auf Steroiden“. Sein Soundfokus liegt im Mittenbereich, wodurch er sich im Mix und in der Band gut durchsetzen soll.

(Bild: Dieter Stork)

Das Wah Lock ist mit Abstand das am üppigsten ausgestattete Pedal in unserer Test-Mannschaft. Zum regelbaren Boost kommt mit „Notch“ ein weiteres Poti, außerdem verfügt es über zwei zusätzliche Fußschalter, die zusammen vier Sound-Optionen bereitstellen, ohne dass man dafür die Hände von der Gitarre nehmen muss. Der rechte Schalter namens „Wah Lock“ aktiviert ein Fixed-Wah, dessen Peak-Frequenz man über „Notch“ anwählen kann. In der Praxis bedeutet das etwa, dass man ‚Money For Nothing‘ und gleich darauf ‚Sweet Child O̓ Mine‘ ohne Eingriffe und Komforteinbußen spielen kann – Wah Lock für Mark, Wippe für Slash.

(Bild: Dieter Stork)

Die zweite Besonderheit ist die „Whoa“- Schaltung, die eine weitere, ausladendere Sweep-Option anbietet, die sich in ihrem Frequenzverlauf für High-Gain-Sounds und auch Bässe anbieten soll. Dabei erstrahlt eine entsprechende LED, sodass man immer weiß, in welchem Modus das Pedal gerade arbeitet. Hier entscheidet natürlich wieder vor allem der persönliche Geschmack. So oder so ändern sich damit auch die Frequenzen, an denen das „Notch“-Poti zugreift, wodurch es zu den vier verschiedenen Sounds kommt.

Blicken wir zum Ende der Vorstellungsrunde noch einmal auf die erwähnte zweite Minischraube im Inneren des Lead Wah. Bei den ersten Tests mit dem Wah Lock fiel auf, dass das Pedal erst rund zwei Sekunden nach dem Absteigen den Wah-Dienst quittierte, was im Normalbetrieb absolut für Einschränkungen sorgen würde. Montagsgerät oder ein Fehler in der Abstimmung? Die Antwort war: weder noch.

Beim Öffnen des Lead Wah zur Suche nach dem Regler für den Ausgangpegel fiel mir eine zweite Schraube mit der Bezeichnung „Wah Off Delay“ auf. Diese findet sich auch auf den Platinen der beiden anderen Probanden (und wahrscheinlich dem Rest der Serie) und steuert die Zeit zwischen Loslassen und Aufhören. Man kann sie auch gegen null regeln, sollte dabei aber beachten, dass das Wah dann sofort abschaltet, wenn man beim Solieren unabsichtlich fersenseitig mit dem Pedal das Gehäuse berührt.

An die kompakten Abmessungen gewöhnt man sich schnell, viele Anwender dürften es begrüßen, dass sie ein Wah auch auf einem kleinen Effektboard dauerhaft montieren können, anstatt es separat auf den Boden legen zu müssen. Für alle anderen hat Morley ja die erwähnte „Classic Size“-Linie im Programm.

Die Pedale sind dabei groß genug, um ausreichend Komfort zu bieten. Mit seiner enormen Bandbreite liefert die Linie weitere Argumente. Einziger wirklicher Kritikpunkt des Test-Trios war das Rauschverhalten im Betrieb mit nachgeschalteten Zerr-Einheiten, die deutlich über dem zum Vergleich herangezogener Pedale anderer Brands lag. Durch ihr selbstabschaltendes Konzept und beim Einsatz im Bandkontext dürfte dieser Umstand weniger stark ins Gewicht fallen, im Stand-Alone-Test trübt er den ansonsten sehr guten Eindruck der drei Pedale.

RESÜMEE

Mit der 20/20-Linie bietet Morley ein breites Portfolio, in dem fast jeder Gitarrist ein passendes Wah-Modell finden dürfte. Da die Preisunterschiede innerhalb der Serie kaum mehr als maximal fünfzig Euro betragen, kann man sich bei der Wahl auf den persönlichen Bedarf konzentrieren. Die kompakten Abmessungen sind natürlich auch Geschmackssache, tragen aber dem Trend zur Miniaturisierung Rechnung.

Von den drei Probanden kann das Wah Lock besonders mit seinen Optionen punkten, wer Specs wie eine Fixed-Wah-Option oder eine zweite Frequenzkurve nicht braucht, kann sich rund 30 Euro sparen und die anderen beiden Ausführungen unter die Lupe nehmen – oder eine der vier weiteren 20/20er.

PLUS

● Kompaktes Design
● Massive Bauweise
● Große Auswahl (Serie)
● Ausstattung (Wah Lock)

MINUS

● Rauschverhalten bei höheren Gain-Settings

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2020)

Produkt: Treble Booster im Test
Treble Booster im Test
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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Alles ganz toll,aber ich vertraue seit Jahrzehnten auf mein altes Original Dunlop Cry Baby Wah Wah Pedal mit roter Faselspule! Was sonst?!? Es gibt ja immer wieder was Neues in Sachen Wah Pedal Bodentreter auf dem Markt,jedoch empfinde ich das besagte alte „Dunlop Cry Baby Classic GCB 95 F Pedal“ als das Non Plus ultra.Es besitzt die originale Italian-Made Fasel Inductor Spule,den HotPotz Potentiometer,und einen True Bypass.Mehr Technik braucht man nicht.

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