Produkt: Jazz Amp
Jazz Amp
Realität oder Illusion?
Budget-Spielspaß

Test: Mooer Hornet White

(Bild: Dieter Stork)

Mooer bietet seinen neuen Hornet Digital Modeling Combo in zwei Varianten an, schwarz und weiß. Die unterscheiden sich aber nicht nur in der Farbe, jeder der Hornets hat neun Amp Models an Bord, die ein breites Spektrum von Clean- bis Distortion-Sounds abdecken.

Während man die schwarze Hornisse mit neun Models populärer Clean- bis High-Gain-Amps erwartungsgemäß der Abteilung Metal zuordnen kann, ist die weiße eher im vintage-bluesigen Bereich unterwegs, kann aber auch heftig zerren und bietet neben sieben Amp Models auch je eines für Akustik-Gitarre und E-Bass.

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Schmuckkästchen

Der an ein schmuckes Retro-Radio erinnernde Hornet kommt im mit cremefarbenem Vinyl bezogenen Gehäuse aus 10 mm MDF. Die braun-weiße Frontbespannung und weiße Kedern verleihen ihm einen Hauch von Eleganz. Abgerundete Kanten, kleine Gummifüße, eine Griffschale für den Transport und Anschlüsse auf der Rückseite, das versenkte Bedienfeld auf der Oberseite, vorne der beleuchtete 9-stufige Wahlschalter für die Models bzw. Presets. Fürs Design ergattert das Leichtgewicht schon mal Pluspunkte.

(Bild: Dieter Stork)

Am Wahlschalter werden die Models mit Clean 1/2, Overdrive 1/2/3, Hi-Gain 1/2, Bass und Acoustic verallgemeinert, während das Manual mit Mooer Class A, Marshall JMC900 Clean, Orange AD30, Fender Deluxe Reverb, Orange Rockerverb 50, Divided by 13 JRT 9/15 und Marshall JCM800 Distortion präzisere Infos bereithält – zumindest die Models 1-7 betreffend. Über das Hauptbedienfeld, auf dem man auch den Instrumenteneingang findet, lässt sich jedes Model mit Hilfe der Regler Gain, Treble, Mid, Bass und Master-Volume umfassend bearbeiten. Drei weitere Regler, deren Skalen in jeweils drei Bereiche unterteilt sind, bilden die Effektsektionen Modulation (Chorus, Phaser, Vibrato), Delay (Analog, Tape Echo, Digital) und Reverb (Room, Hall, Church). Modulation Rate und Delay Time können über separate Taster eingetappt werden.

(Bild: Dieter Stork)

Der Taster BT aktiviert den internen Bluetooth-Empfänger für MP3-Audiowiedergabe per Smartphone, Tablet o. ä. Ein weiterer Taster wählt die Betriebsarten Live (Sound entspricht den aktuellen Regler-Settings und dem gewählten Model) und Preset (Klang der gespeicherten Presets). Hält man ihn gedrückt, werden die aktuellen Einstellungen im aktiven Preset gespeichert.

(Bild: Dieter Stork)

Soll der bordeigene Tuner zum Einsatz kommen, drückt man den gleichnamigen Taster, der das Ausgangsignal verstummen lässt. Das Matrix-Display, welches die auto-chromatische, nicht kalibrierbare Stimmfunktion, die Preset-Nummern (1-9) und die Master-Volume-Werte (0-9) anzeigt, besteht aus kleinen gut erkennbaren roten und blauen LEDs. Das globale Master-Volume kontrolliert den Gesamtausgangspegel und gleichzeitig den der Audiowiedergabe. Dazu muss der Tuner-Taster gedrückt gehalten werden bis er blinkt.

Auf der ebenso sauber wie das Bedienfeld eingelassenen rückseitigen Anschlussplatte stehen neben der Trageschale der Netzteilanschluss mit Kabelsicherung, der Power-Schalter sowie Kopfhörerausgang und Aux-Eingang – beide als 3,5 mm Stereoklinken – zur Verfügung. Der Mooer Hornet wurde sorgfältig und entsprechend seinem Einsatzzweck ausreichend robust gebaut.

Allrounder

Da Mooer den Amp nur mit den wichtigsten Features und gängigsten Effekten ausgestattet hat, lässt er sich einfach und intuitiv bedienen. Die Beschriftungen der Taster und Regler sind eindeutig, wenn auch mitunter schwer zu erkennen. Jedenfalls kann man das informative deutsche Manual erst mal beiseitelassen.

Kommen wir zunächst zu den cleanen bis high-gain zerrenden Basis-Sounds. Klar ist das verlockend, wenn der Hersteller mit „echten“ Abbildungen z.T. legendärer Amps wirbt. Aber macht sowas in einer derart kleinen Kiste und mit einem 6,5″-Speaker überhaupt Sinn? Hier kommen die Relation aus Preis und Leistung und der Einsatzzweck ins Spiel. Also Tacheles: Obgleich der Hornet in den oberen Mitten etwas gewöhnungsbedürftig, sprich plärrig, klingt, zeigen die Gain- und Klangregler hinreichende Reserven zum Editieren. Es tut sich also einiges wenn man sie bewegt. In Anbetracht der vorliegenden Werks-Presets ist das auch vonnöten, denn während das Clean1- und sogar das leicht angecrunchte Clean2-Preset überzeugen können, dringen die Zerrsounds überwiegend recht harsch aus dem Lautsprecher. Viele Höhen, wenig Mitten.

Nachdem ich mich vor allem mit den Zerr-Models beschäftigt und diese modifiziert hatte, fand ich doch allmählich Gefallen an der kleinen Hornisse. Logischerweise fehlt ihr jegliches Fundament, aber schließlich möchte ich ja auch keinen Saal oder Probenraum beschallen, sondern auch ohne Kopfhörereinsatz mit meinen Nachbarn klarkommen. Üben oder Jammen zum per Aux In oder Bluetooth übertragenen Playback bereitet selbst bei geringen Ausgangspegeln Spaß. Dabei kann man dem Combo eine gewisse Wiedergabedynamik nicht absprechen.

Die Qualität der Bordeffekte ist indes über jeden Zweifel erhaben: Warme räumliche Modulationen, saubere Delays und dichte, recht natürlich klingende Reverb-Sachen. Bei allen drei Mod-Effekten erhöht der Regler die Effekttiefe (Depth/Intensity), bei den Delays jeweils Feedback und Level, bei den Reverbs jeweils Decay und Level gleichzeitig.

Sinn und Zweck des Bass-Models erschließt sich mir jedoch ebenso wenig wie der der Acoustic-Simulation. Vor allem bei Letzterem wird deutlich, dass kein Fullrange-Lautsprecher an Bord ist bzw. sein kann. Was modelliert denn jetzt das Bass-Preset? Einen Bass-Amp oder einen E-Bass? Schließe ich eine E-Gitarre an, höre ich auch eine solche. Vermutlich hat Mooer hier lediglich bestimmte EQ-Settings gespeichert. In jedem Fall aber wird mein E-Bass akzeptabel verstärkt und übertragen. Obwohl mir die Probleme einer Acoustic-Simulation durchaus bekannt sind, ist dieses Preset fragwürdig. Eine angeschlossene A-Gitarre klingt nach E-Gitarre, die dem User immerhin durch Chorus und Delay „schmackhaft“ gemacht werden soll. Um einen halbwegs akzeptablen Acoustic-Sound zu erzielen, drehe ich Treble und Bass voll auf und reduziere die Mitten ein gutes Stück. Ja, schon besser, auch wenn es immer noch eher nach E-Gitarre tönt. Da hilft auch der Einsatz des Chorus wenig. Über einen angeschlossenen Kopfhörer klingen die Zerrsounds ziemlich harsch und höhenreich. Aber die Kopfhörerklänge lassen sich dank der effizienten Klangreglung hinreichend nachbessern.

Resümee

Wer einen kleinen, einfach und intuitiv zu bedienenden Übungs-Amp mit überschaubarer aber dennoch praxisorientierter Ausstattung für den Einsatz daheim sucht, gleichzeitig aber über begrenzte finanzielle Möglichkeiten verfügt, dürfte beim Mooer Hornet White Combo fündig werden. Allerdings sollte er/sie ein wenig Kenntnisse und Geduld mitbringen, um die vorliegenden Zerr-Presets zu bearbeiten, aber danach kann man sich mit dem Kleinen durchaus anfreunden. Effekte und Effektangebot können ebenso überzeugen wie der tadellos arbeitende Tuner und die Audio-Wiedergabe via Bluetooth.

PLUS

  • Clean1- und Clean2- Sounds
  • Effektqualität
  • effiziente Klangreglung
  • Bluetooth-Empfänger
  • Bedienung
  • Design
  • Verarbeitung

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2020)

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