Produkt: Marshall Sonderausgabe
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6-Achser #2

Test: Mooer Black Truck

Mooer Black Truck(Bild: Dieter Stork)

Nach dem Red Truck fährt der chinesische Effekthersteller Mooer Audio einen zweiten Sattelschlepper aus seiner Garage. Nein, der Black Truck ist keineswegs ein Bestattungsfahrzeug, sondern liefert neben anderen praxisorientiert gewählten Effekten schlichtweg heftigere Zerre.

Wie bereits das rote Pendant, so lässt sich auch der Black Truck leicht und intuitiv bedienen. Neben dem Einzelbetrieb der Effekte muss nur für die fünf frei kombinierbaren Patches programmiert werden. Lediglich die Reihenfolge der Hi-Gain- und EQ-Module kann vertauscht werden, der Signalweg aller anderen wurde dagegen praxisgerecht festgelegt.

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Selbstverständlich hat Mooer das an einen 30-Tonner angelehnte pfiffige Design beibehalten: So bildet das LED-Display das Fenster der Fahrerkabine, die von farbig leuchtenden Ringen umgebenen Fußschalter die sechs Achsen. Deren pilzköpfigen transparenten Plastikaufsätze könnte man als Schmutzabweiser interpretieren. Bei Nichtbedarf lassen sie sich einfach nach oben abziehen. Insgesamt 18 im aktiven Zustand grün leuchtende kleine Potiknöpfe, fünf verschraubte Kipp-, ein Dreh- und die sechs Fußschalter bilden das Bedienfeld. Letztere betätigen über Druckfedern die darunter auf einer Platine angeordneten Taster, was einen Schalterverschleiß nahezu ausschließt.

Das hell leuchtende Display gibt Auskunft über die Betriebs-Modi „Live“ und „Preset“ und den autochromatischen Stimmvorgang. Trotz der Menge an Bedienelementen ist das Layout übersichtlich. Aktiviert man einen Effekt, leuchten dessen Reglerkappen ebenso wie der Fußschalterring grün.

Praxisorientiert gibt sich auch das stirnseitige aus verschraubten Klinkenbuchsen bestehende Anschlussfeld: Input, serielle FX-Loop mit Send und Return, Speaker-simulierender Phones/Line Out (jetzt sogar mit separatem Level-Regler), Stereoausgänge Left/Mono und Right, DC9V/1A-Netzteilanschluss plus Kabelsicherung. Die Beschriftung des DC-Anschlusses deutet schon darauf hin, dass der Black Truck erheblich mehr Strom benötigt als das Red Truck (300 mA). Beibehalten wurde das robuste Pultgehäuse aus Aluprofil mit verschraubter Stahlblechbodenwanne, an der sechs Gummi-Pads den Stand sichern.

Drinnen werden die Platinen von Distanzstücken, Profilschienen und den Buchsen und Schaltern gehalten. Mechanisch also alles im grünen Bereich.

Mooer Black Truck
Farblich sehr informativ (Bild: Dieter Stork)

neun effekte + tuner + fx loop

Die Zielgruppe stets im Blick, packt Mooer in die fünf Module natürlich gerne Effekte aus seiner eigenen Micro-Series-Palette: Comp(ressor)/Overdrive, Hi-Gain-(Overdrive, Noise Gate, Mid Boost), 5-Band Graphic EQ, Modulation (Phaser, Tremolo, Flanger) und Space (Delay, Reverb, Delay + Reverb). Während die Pegel-, EQ- und Zerreffekte auf analogen Schaltungen basieren, kommen Modulation, Delay und Reverb digital daher.

Modulation Rate, Delay Time oder beides zugleich können manuell eingestellt oder per Tap-Funktion synchronisiert werden. Welcher Effekt „getappt“ werden soll, entscheidet ein gleichzeitiger Tritt auf die Fußtaster-Paare 1/2, 2/3 oder 3/4. Im Modulation-Modul steht ein 7-stufiger Sub-Division-Drehschalter zur Verfügung, der bei getapptem Tempo die Wahl unterschiedlicher Notenwerte ermöglicht (1/1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/8T, 1/16 und Random). Für jede dieser drei Einstellmöglichkeiten leuchtet der Ring des Tap-Schalters in unterschiedlicher Farbe. Alles schön bunt hier…

Comp

Hier kommt der Mooer Yellow Comp zum Einsatz, der sich manuell per Kippschalter oder im Rahmen eines gespeicherten Patches aktivieren lässt. Er bietet die Regler Volume (Ausgangspegel hinter der Kompression), EQ (Klangcharakter) und Comp, der gleichzeitig die Parameter Ratio, Threshold und Release variiert. Bei hohen Volume-Settings lässt sich Comp auch als Booster einsetzen. Technisch handelt es sich um einen optischen Kompressor, der für die Regelung des Audiosignals Fotowiderstände und LEDs verwendet und daher mit Attack-Zeiten knapp oberhalb von 10 ms etwas langsamer arbeitet als beispielsweise FET- oder Röhrenkompressoren.

Der Black Truck Comp gibt sich effizient aber unauffällig (ohne nennenswerte Pumpeffekte), liefert reichlich Sustain, ist klanglich variabel und leicht zu bedienen, da Ratio, Treshold und Release mit einem einzigen Poti kontrolliert werden. Einzeln betrieben gibt sich der Kompressor sehr nebengeräuscharm. Aktiviert man Overdrive oder Hi-Gain simultan, steigt der Rauschpegel schaltungsbedingt leicht an.

OD

Die etwas abgespeckte Version des analogen Mooer Green Mile verzichtet auf den Hot/Warm-Schalter des hellgrünen Micro-Pedals. Variabel mithilfe der traditionellen Regler Gain, Tone und Volume, liefert OD homogen klingende röhrenähnliche Overdrive-Sounds mit Vintage-Attitüde. Dreht man Gain vollständig zu, bleibt der Klang clean. Etwa bei Reglerposition 8 Uhr ist erstes Anzerren zu vernehmen. Nahezu kontinuierlich lässt sich die Zerre bis zu fettem Rhythmusbrett bzw. sahnigem Lead steigern. Tone arbeitet als Höhen-EQ sehr effizient und liefert warme bis bissige aber stets sauber artikulierende Sounds. Niedrige Gain-Settings bieten sich auch zum Boosten des Hi-Gain-Moduls an.

Hi-Gain

Der Name ist Programm. Exklusiv für den Black Truck entwickelt, liefert der Effekt analoge Zerre bis zum Abwinken. Neben den gewohnten Reglern Gain, Tone und Volume stehen ein Tweak-Poti sowie die on/off-schaltbaren Funktionen Mid (Boost) und Noise Gate zur Verfügung. Während Tweak die Bässe von tight und fokussiert bis zu warm und fett variiert, hebt Tone nach rechts gedreht die Höhen, nach links die Mitten an. Bereits in der Gain-Ausgangsposition (7 Uhr) dringt heftige Crunch-Zerre an mein Ohr, die sich relativ kontinuierlich bis zu Sustain-reich singendem Hi-Gain-Lead steigern lässt.

Mid Boost, Tone und Tweak gestatten umfangreiche Klangbearbeitung, die primär Durchsetzungsvermögen und Differenziertheit optimiert. Derweil hält das Noise Gate bei hohen Gain-Settings nicht nur in Spielpausen unerwünschte Störgeräusche unauffällig aber effizient in Schach.

EQ

Mangels beleuchteter Faderknöpfe zeigt eine separate LED den Betrieb des grafischen 5-Band-Equalizers an, der auf der analogen Schaltung des Mooer Graphic G basiert. Mit seiner Hilfe lassen sich die Frequenzbereiche um 100, 250, 630, 1400 und 4000 Hz sowie das Masterlevel jeweils um 18 dB anheben und absenken. Zusätzlich kann das EQ-Modul im Signalweg vor oder hinter den Hi-Gain-Effekt geschaltet werden, was klanglich und in puncto Durchsetzungsvermögen erhebliche Unterschiede ausmacht.

Im Post-Hi-Gain-Mode agiert der EQ nämlich wesentlich effizienter, während er im Pre-Betrieb nuancierter ans Werk geht. Für einen typischen Metal-Sound mit fetten Bässen und aggressiven Höhen bietet sich das klassische V-Setting der fünf Fader an, soll heißen Mitten runter, Bässe und Höhen rauf, 250 und 1400 Hz auf halbe Höhe dazwischen. Abschließend passt man den Ausgangspegel per Master-Fader an.

Mod

Diese Sektion hält mit Phaser, Tremolo und Flanger drei digitale Modulationseffekte bereit, die per Dreiweg-Kippschalter angewählt und jeweils via Colour, Range und Rate kontrolliert werden. Ein 7-fach Drehschalter bestimmt die Mod-Geschwindigkeit des jeweiligen Effektes in Relation zur Eingabe des Tap-Fußschalters, wobei der Wert 1/4 mit der Tap-Eingabe identisch ist: 1/1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/8 Triolen, 1/16 und – (Random). Letzteres erzeugt ein zufälliges Rhythmus-Pattern.

Abhängig vom gewählten Modulationstyp bearbeiten Colour und Range unterschiedliche Parameter. So kontrolliert Ersteres die Phaser-Tiefe, die Wellenform des Tremolos (Sinus bis Rechteck) bzw. die Flanger-Intensität, während Range das Frequenzspektrum des Phasers, den Mix aus Tremolo-Direkt- und -Effektsignal bzw. die Verzögerung der Flanger-Wellenform variiert. Neben der Tap-Eingabe der Modulation-Rate kann diese auch per Rate-Poti eingestellt werden. Inwiefern der fehlende Chorus-Effekt eine etwaige Kaufentscheidung beeinflusst, bleibt abzuwarten. Ohne Frage liefert der Mooer Black Truck sehr ansprechende nebengeräuscharme Modulationen.

Space

Mit Delay und Reverb stehen hier zwei einzeln oder auch simultan betreibbare, sehr gut klingende Digitaleffekte mit unabhängigen Regeleinheiten zur Verfügung, die per Dreiwegschalter angewählt werden. Das Delay hält die Regler Level, Feedback und Time bereit, das Reverb die Parameter Mix und Decay. Die Verzögerungszeit lässt sich sowohl per Tap-Fußtaster als auch per Time-Poti einstellen, in beiden Fällen beträgt die maximale Verzögerung ca. 1100 ms.

Dreht man Feedback voll auf, wird das Echo bei minimal abnehmendem Effektpegel aber unverändertem Effektsignal nahezu unendlich wiederholt, ohne sich aufzuschaukeln. Reverb Mix blendet von 100% Direkt- bis zu 100% Effektsignal, Decay von kleiner Halle bis Arena. Eine Tap-Eingabe der Decay Time ist nicht möglich.

Tuner

Hält man den Tap-Taster ca. zwei Sekunden gedrückt, verstummt das Ausgangssignal und der Onboard-Tuner tritt in Aktion. Offenbar hat Mooer die beim Red-Truck-Test ob ihrer Präzision schwächelnde Stimmfunktion optimiert. Wenngleich diese nun präzise arbeitet, bleibt die Stimmlage von A=440 Hz nach wie vor nicht veränderbar. Das Display zeigt mittels roter LED-Punkte die Ganz- und Halbtöne gut sichtbar an. An kryptische Symbole wie 8 statt „B“, 6 statt „G“, 0 statt „D“ und einem 4-Punkte-Quadrat statt „#“ muss man sich jedoch gewöhnen. Allerdings bilden die sensiblen roten horizontalen Höher/Tiefer-LEDs und zwei blaue Pfeile eine recht hektische Anzeige, zumal die Pfeile lediglich die erreichte perfekte Stimmung signalisieren.

FX Loop

Mit Ausnahme des pre/post Hi-Gain schaltbaren Equalizers hat Mooer die Reihenfolge der Effektmodule praxisgerecht festgelegt, dabei aber berücksichtigt, dass man bestimmte Effekttypen auch vor einen Verstärker, andere wiederum in dessen (vorzugsweise parallelen) FX Loop einschleifen kann. Zu diesem Zweck wurden die Effektmodule des Black Truck per gepufferter FX Loop in zwei Gruppen aufgeteilt, und zwar in Comp/OD/HiGain/EQ und Modulation/Space. Somit könnte das Multipedal nach der 4-KabelMethode folgendermaßen an einen mit FX Loop ausgestatteten Amp angeschlossen werden:

1. Gitarrenkabel > Input Black Truck
2. FX Send Black Truck > Input Amp
3. FX Send Amp > FX Return Black Truck
4. Output Black Truck > FX Return Amp

Selbstverständlich lassen sich an die Black Truck Loop auch externe Effektgeräte oder Preamps anschließen. Mithilfe einer ABY-Box kann sogar ein sogenanntes Wet/Dry/Wet-Setup realisiert werden: Ein zentraler Amp für die trockenen Basis-Sounds, zwei Amps (Stereo L/R) für Modulation, Delay und Stereo Reverb. Da der Truck jedoch nur einen einzigen Stereoeffekt bietet, nämlich Reverb, würde diese (aufwendige) Variante nicht wirklich Sinn machen.

Mooer Black Truck(Bild: Dieter Stork)

praxis

Einige Funktionen lassen sich durch gleichzeitiges Betätigen zweier benachbarter Fußtaster während des Live-Einsatzes aufrufen. Tritt man z. B. simultan auf die Schalter Tap und 1, wechselt der Black Truck vom Live- in den Preset-Mode und umgekehrt, was das Display mit „L“ bzw. „P“ signalisiert. Auf gleiche Weise kann auch bestimmt werden, auf welchen Effekt der Tap-Taster Zugriff nehmen soll:

Taster 1+2: Tap-Ring rot = Delay Time

Taster 2+3: Tap-Ring blau = Modulation Rate

Taster 3+4: Tap-Ring violett = Mod Rate + Delay Time

Taster 4+5: FX Loop On/Off

Meist gelingt das simultane Betätigen problemlos und stressfrei. Allerdings empfiehlt es sich, die Fußtaster präzise gleichzeitig zu betätigen. Andernfalls aktiviert bzw. deaktiviert man unabsichtlich einen der Effekte. Die fünf Presets speichern lediglich die gewählten Kombinationen der Effektmodule, nicht jedoch die Regler-Settings. Sollen beim Truck-Start bestimmte Delay-Time-, Decay-Time- und Modulation-Rate-Werte zur Verfügung stehen, empfiehlt sich das entsprechende Einstellen der jeweiligen Regler.

Nach erneutem Einschalten des schwarzen 30-Tonners werden der Live Mode, FX Loop On und der vor dem Ausschalten zuletzt gewählte Tap Mode aufgerufen. Da es sich bei den Fußschaltern technisch ja um Taster handelt, werden die einzelnen Effektmodule erst mit Loslassen derselben aktiviert.

Der Phones/Line Out liefert ein praxisgerecht abgestimmtes Speaker-simulierendes Signal für Direktabnahme, Recordings und nicht zuletzt zum Üben unterm Kopfhörer. Lobenswert, dass nach meiner Anmerkung im Red-Truck-Test nun auch ein Output-Level-Regler installiert wurde.

resümee

Der Mooer Black Truck ergänzt den roten Kollegen mit einem (noch) umfangreicheren Effekt- und Features-Angebot. Erweitert um Kompressor, Hi-Gain-Verzerrung, 5-Band-EQ und Reverb soll auch die Metallfraktion bedient werden. Erneut standen bei der Entwicklung gute Sounds, umfangreiche Ausstattung bei kompakten Abmessungen und intuitive Bedienung auf der Mooer-Agenda.

Die Modulation- und Delay/Reverb-Effekte sind qualitativ wiederum eine feste Bank, aber auch die Zerrsachen überzeugen, ein Vergleich mit teuren Boutique-Pedalen wäre jedoch unfair. Leider lässt sich der tadellos arbeitende Kompressor nur manuell oder bei Preset-Einbindung aktivieren. Nach wie vor zählt das erforderliche Netzteil nicht zum Lieferumfang, dafür jedoch ein praktisches Softcase für den Transport. Angesichts des konstant gebliebenen Preises kann ich dem schwarzen Sattelschlepper ein gutes Preis-Leistungsverhältnis attestieren.

PLUS
• Konzept & Design
• Sounds & SoundAngebot
• Ausstattung
• Bedienung
• Verarbeitung
• Preis/Leistung
MINUS
• Comp im Live-Mode nicht fußschaltbar
• kein Chorus-Effekt
• kein Netzteil im Lieferumfang

Mooer Black Truck

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2018)

Produkt: Effekt Pedale ABC – Alles über Effektpedale
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