Farbenfroh

Test: LTD by ESP M-4 Black Metal

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(Bild: Dieter Stork)

ESP wildert mal wieder in der eigenen Historie und in dem Jahrzehnt, welches das Fundament für den langanhaltenden Erfolg gelegt hat. Und warum auch nicht? Als in Korea gefertigtes LTD-Modell kommt unser Testbass mit auf das Wesentliche reduzierter Ausstattung. Unter dem Ober-Label „Black Metal“ gibt es drei Bässe, einen davon zusätzlich auch als Linkshändermodell.

Allen gemein ist die Ausstattung mit nur einem Pickup, einem Volume-Regler und einer Auswahl an Farben, die es dem Ford Model-T gleichtut: Jede Farbe ist möglich, solange es Schwarz ist.

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BÖSE OPTIK

In der konkreten Ausführung sind die Instrumente durchaus unterschiedlich. Der Korpus unseres Testmodells ist aus Erle und makellos mattschwarz lackiert. Die Korpusform erinnert vage an einen guten alten Precision und wurde von ESP schon in den 80ern genutzt, da hörte der entsprechende Bass auf den Namen M-IV. Im Vergleich zu beiden Vorlagen ist der Body kantiger geschnitten – ich mag das.

Wie beim alten ESP findet sich im unteren Cutaway ein Ausschnitt, der einen leichteren Zugang zu den hohen Lagen ermöglichen soll. Passend dazu ist auch der Halsfuß geformt, dessen Abschrägung beim gleichen Vorhaben helfen soll. Beides könnte aber noch extremer gelöst werden. Wo ich schon mal da bin, bewundern wir noch kurz das ausgeprägte Shaping für die Rippen und die Abdeckungen für E-Fach und Batterie. Letztere ist zwar geschraubt, aber immerhin mit Gewindeschrauben, und allzu große Gedanken über den Batterieverbrauch muss man sich nicht machen. Dafür sorgt der bewährte EMG-Pickup. 3000 Stunden Spielzeit sind für den Humbucker mit Keramik- und Stahlmagneten angegeben, damit kann man immerhin 125 Tage durchspielen.

Der satt drehende und fein agierende Volume-Regler hält keinerlei Überraschungen bereit, splitbar ist der Pickup eh nicht. Die Ausgangsbuchse sitzt auf einem soliden Metallschiffchen in der Zarge. Der Hals ist aus drei Teilen Ahorn verleimt, das Griffbrett ist aus Makassar-Ebenholz ohne weitere Markierungen. Die Rückseite des Halses und die Vorderseite des Headstocks sind – selbstverständlich – mattschwarz lackiert. Die angespitzte Kopfplatte entspricht zwar nicht exakt der 80er-Form, geht aber trotzdem locker als „period-correct“ durch. Sie ist leicht nach hinten abgewinkelt und mit einer Volute versehen, um den notorisch empfindlichen Übergang zu verstärken. Schließlich befindet sich hier auch der Zugang zum Stahlstab, den ein von einer einzelnen Schraube gehaltenes Plättchen abdeckt.

Passend zum düsteren Thema ist das erhabene Logo in Schwarz gehalten, wie auch die gesamte Hardware. Die Mechaniken kommen von Grover und funktionieren tadellos, während die Brücke aus dem Hause Gotoh stammt. Die 201B-4 hält sich als solide Interpretation des fender’schen Blechwinkels schon seit Jahrzehnten und macht auch hier einen guten, unauffälligen Job mit feinen Einstellmöglichkeiten in Saitenhöhe und Oktavjustierung.

(Bild: Dieter Stork)

GUTER TON

Manche spielen ja gerne einen Bass, mit dem man um jeden Ton kämpfen muss. Damit ist man beim M-4 an der falschen Adresse. Mit allerbester Werkeinstellung kommt er aus dem Karton, schnarrfrei bespielbar über alle Bünde, bei denen ich erst auf den zweiten Blick merke, dass die unsichtbaren Bundschlitze einem Binding ums Griffbrett geschuldet sind. Alles so schön schwarz hier! Okay, die großen, hellen Dots nicht, an denen man sich gut orientieren kann.

Der als „Thin U“ betitelte Hals liegt ausnehmend gut in der Hand, die Balance im Sitzen und am Gurt ist schlicht perfekt. Wer sich wie ich beim Zupfen gerne mit dem Daumen auf einem Pickup abstützt, muss hier logischerweise damit klarkommen, dass es nur den einen gibt, und der sitzt eher Richtung Brücke. Gewöhnt man sich aber schnell dran, und für alle anderen Techniken wie Slap oder Plek-Einsatz ist es eh unerheblich. Reicht ein Pickup überhaupt? Historisch gesehen gibt es da das eine oder andere nicht unerfolgreiche Modell…

Konsequenzen für den Ton hat die Position natürlich: Der ganz fette Bass kommt von alleine nicht zustande, da müsste mit der Klangregelung am Amp nachgeholfen werden. Dünn klingt es trotzdem keineswegs, dafür sorgt schon der fette EMG. Der liefert ein überaus reichhaltiges Mitten-Buffet ab, mit dem der Band-Sound ordentlich gefüllt werden kann. Sorgen um mangelnde Durchsetzungsfähigkeit muss man sich da nicht machen. Die Höhen erinnern, wohl auch durch die Einbauposition des Abnehmers, ganz leicht an den klassischen Stingray – das aber eher entfernt.

(Bild: Dieter Stork)

Den 35CS zu nehmen, der die Höhen nicht ganz so präsent darstellt, ist ein guter Schachzug. Unterbelichtet sind sie nämlich trotzdem nicht, und kommen gerade bei härterer Gangart mit genau der richtigen Aggressivität um die Ecke. Der M-4 gibt dabei unterschiedliche Anschlagpositionen und -dynamiken sensibel wieder, auch mehr oder weniger „Fleisch“ im Fingerstyle nimmt der Bass dankbar auf. Beim Spiel mit dem Pick ist der einzelne Regler, der übrigens sauber arbeitet und sich mit angenehmem Widerstand dreht, schön weit weg und kommt auch bei enthusiastischem Anschlag nicht in die Quere. Wie schon angedeutet, kann sich auch der Slap-Ton mehr als hören lassen.

Dank seines fokussierten Sounds ist der M-4 auch ein dankbarer Partner für den Einsatz von grob verzerrten Tönen. Mit Pick und einem ordentlichen Pedal sägt es, dass es die reine Freude ist! Ebenfalls sehr dankbar reagiert der LTD auf tiefere Stimmungen mit entsprechend dickeren Saiten. Auch hier macht sich der konkrete Ton wieder positiv bemerkbar. Genauso gut funktioniert die Klangbearbeitung ohne Verzerrung. Dass keine Höhenblende am Bass vorhanden ist, kann ich nicht als Minuspunkt sehen. Mit entsprechenden Pedalen, Preamps oder Verstärkern ist da bestes Material am Start, das klanglich zurechtgebogen werden kann.

RESÜMEE

Muss man umgedrehte Kreuze aufhängen, um den LTD Black Metal M-IV angemessen zu spielen? Oder gar erst Corpsepaint auftragen? Definitiv nicht. Wer mit Black Metal nichts anfangen kann, sollte sich von dem plakativen Namen nicht abschrecken lassen: Der Bass kann sich in vielen Kontexten entfalten, selbst wenn die gänzlich un-metallisch sind. Sicher kein Bass für Leute, die gerne mehr als einen Pickup und vielleicht eine aktive Klangregelung direkt am Instrument haben wollen, dafür aber ein Instrument mit einem auf den Punkt gebrachten, konkreten Ton mit sauber abgerundeten Höhen.

In Wiedergabe, Bespielbarkeit und Verarbeitung gibt es keine Schwachpunkte zu vermelden. Die Optik ist wie immer Geschmackssache, gefällt mir aber für Mattschwarz, an dem ich mich sonst schnell satt sehe, sehr gut. Ein Blick auf die anderen beiden Modelle lohnt sich, wenn entweder eine etwas traditionellere Korpusform (AP-4 mit Babicz-Brücke und reversed Headstock) oder eine noch metal-mäßigere Form (F-4 mit durchgehendem Hals, 35“-Mensur und Fishman-Fluence-PU) mehr lockt.

PLUS

● Sound
● Tonabnehmer
● Bespielbarkeit
● Verarbeitung
● Optik
● Werkseinstellung

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2022)

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