Produkt: Fender Stratocaster
Fender Stratocaster
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Golden Girl

Test: Limitless Sonora

Limitless Sorona(Bild: Dieter Stork)

Modernes Offset-Design in Double-Cutaway-Bauweise, komfortable Formgebung, klassisch inspirierter Ton – Limitless Custom Guitars stellt mit der Sonora ein funktions- und klangstarkes Crossover-Design vor.

Passion wurde zur Profession – diesen Leitspruch stellt Carsten Reetz seiner gitarrebauerischen Tätigkeit voran. Die Werkstatt, in der Instrumente „aus Leidenschaft zur Musik und zum Handwerk“ unter dem Namen Limitless Custom Guitars entstehen, ist etwa 70 km westlich von Koblenz in der Ortschaft Daun im Vulkaneifelkreis zu finden.

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MIX IT UP

Alles an diesem Instrument erinnert uns an etwas und ist doch auch wieder anders. Der kalifornische Konstruktionsgedanke wird erst gar nicht geleugnet und doch ist der leichte Schritt zur Seite natürlich nötig, will man im nicht gerade kleinen Pool der eigenständig operierenden Gitarrenbauer seinen Platz finden. Auch wenn das eine oder andere Detail aus der Reihe tanzt, bewegen wir uns mit der Sonora im Prinzip auf vertrautem Terrain.

Der Korpus der Sonora aus einteiliger, thermobehandelter Sumpfesche verfügt über die bekannten Komfortkonturen dieses Modelltyps und ist mit einem offenporigen Nitrocellulose-Finish in der Farbe Satin Gold versiegelt. Der aufgeschraubte Hals aus prachtvoll gemasertem Vogelaugenahorn, ebenfalls mit Hitze vorbehandelt, wurde mit einem gebundenen Griffbrett aus Palisander mit 10″-14″-Griffbrettradius kombiniert, in dem 21 Medium Jumbo Bünde (Wagner 9662) Platz fanden.

Limitless Sorona
Toller Vogelaugenahornhals mit gebundenem Palisandergriffbrett (Bild: Dieter Stork)

Großzügige Blockeinlagen markieren die Lagen. Von den auf die schlank herausgeführte Kopfplatte montierten GotohSDS-510-Mechaniken aus werden die Saiten mit geradem Zug über einen schmalen Sattel aus poliertem Knochen hinüber zur Mastery-OMV-Bridge auf dem Korpus geführt. Die Mastery-Bridge mit Vibrato-Aufhängung bleibt optisch nah bei den Trem-Systemen der Fender-Offset-Modelle, konnte aber funktional deutlich verbessert werden.

Limitless Sorona
Funktionsstarke Mastery OMV Bridge (Bild: Dieter Stork)

In das 4-lagige Tortoise Pickguard ist in der Halsposition ein P-90- Singlecoil montiert; der Pickup am Steg komplettiert das verbaute P-90-1953er-Set (mit Alnico V-Magneten) von Harry Häussel. Zur elektrischen Verwaltung stehen generelle Volume- und Tone-Regler zur Verfügung, der Drei-Wege-Schalter dazwischen wählt die Pickups konventionell an. Das sauber konstruierte sowie rundum detailgenau gefertigte Instrument wird in einem Mono-Softcase geliefert.

STRAIGHT AHEAD

Die Limitless Sonora ähnelt vom Zuschnitt oben herum durchaus der Strat, konterkariert aber vom eher zackig gestalteten unteren Cutaway, das, unterstützt vom weich gerundeten Hals-/Korpusübergang, freien Zugriff auf die hohen Bünde gewährt. Das Instrument richtet sich am Körper des Spielers perfekt aus, bietet gute Griffbrettaufsicht und hängt ausgeglichen am Gurt. Der gefällig rundlich profilierte Hals fühlt sich mit sauber kantenrund verarbeiteter Bundierung und niedrig eingerichteter Saitenlage höchst komfortabel an.

Alle gängigen Spielweisen gehen auf ihm locker von der Hand. Bei einem Offset-Design mit angelehnt historischem Bezug, aber modernisierter Ausrichtung wie diesem, vermisse ich allerdings den 22. Bund, von Fender mit der Jaguar immerhin bereits 1962 eingeführt. Zumal es an Platz für ein etwas verlängertes Griffbrett bei diesem Konzept nicht gefehlt hätte. Nun, Custom-Fertigung erfüllt ja jeden Wunsch ganz nach dem jeweiligen Bedürfnis.

Der erste Klangeindruck ist gerprägt von schöner Offenheit und einer ausgesprochenen Schwingfreude der Gitarre. Alles tönt luftig und frei, die Tonsubstanz kann sich sehen lassen und das Sustain überrascht mit richtig guter Länge. Erfreulich auch die saubere Saitenseparation. Akkorde erscheinen harmonisch bestens ausgeleuchtet, die Darstellung ist transparent und plastisch. Die Elektrifizierung fenderischer Konstruktionen mit P-90-Pickups kann inzwischen als gängige Crossover-Variante zeitgemäßen Gitarrenbaus gelten.

In Halspositon der Sonora lässt der Häussel-Soapbar keinen Zweifel an seiner traditionellen Orientierung und bietet feinstoffliche Klangauflösungen mit dezidiert geordneten Frequenzen. Rund, ja weich in den Höhen und volltönend, aber auch drahtig und definiert gefällt der Ton mit seiner klassischen Note. Toll sowieso bei klar eingestelltem Amp, weist uns dieser P-90-Pickup im Overdrive dann aber auch noch einen alternativen Weg in die elektrisch offensive Welt.

Wunderbar fest artikulierend und schiebend haut er im High-Gain-Modus knurrige Powerchords raus. Lead-Spiel profitiert von der guten inneren Festigkeit des Tons mit sanft gerundeten Höhen. Markantes Attack-Verhalten sorgt für Kontur, Zweiklänge schmelzen elegant ineinander. Unterstützt wird das alles von der famosen Schwingintensität der Gitarre. Auch in Sachen Dynamik kann sich die Sonora sehen lassen, bestens formbar mit dem Plektrum lassen sich saftige Linien ins Leben rufen, deren vokaler Charakter nur zu loben ist.

Wechseln wir auf den Soapbar-Pickup am Steg, so gibt der sich deutlich enger, heller und hohlwangiger, die oberen Mitten treten hervor, ein Sound wie eingeschrumpft. Das aber gibt uns nicht nur funky Rhythmusakkorde an die Hand, sondern erweist sich in härteren Gangarten als bestens zentrierter Sound mit bissigem Snap. Die Bässe agieren trocken und holzig, fast schon spröde, hier spricht die Sumpfesche, aber das hat was. Kein Vergleich mit einem P-90 auf Mahagonibrett, wo er durchaus wärmer und wohl auch nicht so scharfkantig klingt, aber das ist keine Klage, sondern beschreibt lediglich eine tonale Eigenart, die recht eigenständig daherkommt und schon deshalb erfreulich ist.

Alles was frech und angriffslustig nach vorn will, wird hier jedenfalls prächtig bedient. In Kombination geben die Häussel-Pickups in dieser Gitarre auch noch einen tollen dritten Sound frei. Aus Richtung des Halstonabnehmers geschaltet, nimmt die Hohlkehle im Ton leicht zu und eine Extraportion helles Licht wird beigeschaltet. Sehr schön frei klingelt es in dieser Schaltposition, toll nicht nur für arpeggierte Panorama-Sounds. Das spezielle Glitzern sorgt dann aber in höheren Gain-Positionen des Amps mit seinem Crunchy-Effekt ebenfalls für reichlich Freude.

Am Ende lässt sich mit der Mastery Bridge, dem funktional verbesserten Floating Tremolo, auch noch höchst angenehm weich Vibrieren und so gut wie verstimmungsfrei arbeiten.

Limitless Sorona(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Die Sonora Satin Gold von Limitless Custom Guitars ist ein gutes Beispiel für die Leistungsfähigkeit des individuellen heimischen Gitarrenbaus. Das Instrument wartet mit souveräner Gestaltung auf Grundlage ausgesuchter Tonhölzer bester Qualität auf und bietet neben optimaler Handhabung auch noch ein elektrisches Vermögen, das selbst den Ton-Gourmet zu überzeugen vermag. Das fängt mit dem richtig erwachsen auftretenden, rundlich fest gestalteten Hals an, setzt sich in den hervorragenden Schwingeigenschaften der Konstruktion fort und endet erst bei den bestens ins Konzept passenden Häussel-P90-Pickups, die mit einer Klangumsetzung voller Präsenz und tonaler Griffigkeit die Sahne auf die Torte bringen.

Lediglich den 22. Bund könnte man in einem modernen Offset Design vermissen, aber das dürfte in der „built to order“ Custom-Fertigung bei entsprechendem Wunsch ja problemlos möglich sein. Was soll man sagen: Gold in seiner nützlichsten Form!

PLUS

● flottes Design
● Top-Tonhölzer
● Schwingverhalten
● Häussel P-90 1953 Pickups
● kraftvolle, klare Sounds
● Hals, Bundierung
● Handhabung
● Verarbeitung

MINUS

● Platz für einen 22. Bund nicht genutzt

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2021)

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