Produkt: Fender Stratocaster
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Supernova

Test: Kuhlo Guitars Nova 24 Driftwood

Kuhlo Guitars Nova 24 Driftwood(Bild: Dieter Stork)

Als ich die Nova 24 aus ihrem Softcase hebe, verliere ich beinahe mein Gleichgewicht, hatte ich doch eine erheblich schwerere Gitarre erwartet. Schwitz! Nochmal gut gegangen …

Etwas irritiert durchforsche ich das beiliegende Spec Sheet. Aha, extrem leichte Sumpfesche! Yep, kann ich bestätigen. Angesichts des gerade mal 36 mm dicken Bodys sinkt mein Adrenalinspiegel wieder auf NN = Normal Nordsee. Apropos: Die gesandstrahlte Decke erinnert in der Tat an Treibholz.

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Bereits seit 1987 gibt es Kuhlo Guitars. Damals noch in Berkeley, CA, seit 1993 in Berlin. Jörg Kuhlos Meisterbrief zum Gitarrenbauer ist auf Juni 2001 datiert. Er fertigt ausnahmslos Custom-Instrumente, elektrische wie auch akustische, auch wenn diese inzwischen in 5 Modellreihen katalogisiert sind. Auffallend sind seine überwiegend eigenständigen Designs, seine handwerklichen Fähigkeiten und sein Perfektionismus. Zudem betreibt er das plekHaus Berlin, in dem Gitarren auf den 100stel Millimeter abgerichtet und optimiert werden. CNC-gesteuert versteht sich.

Kuhlo Guitars Nova 24 Driftwood(Bild: Dieter Stork)

zutaten

Der Sumpfesche-Body fällt natürlich durch sein unkonventionelles aber dennoch gefälliges Design ins Auge: Teilweise leicht abfallende Decke zu den Rändern hin, dezente Armauflage, Ergofräsung für Bauch bzw. Rippen, facettierte Kanten in den Cutaways – hinten mehr, vorne weniger – sowie ein leicht angeschrägter Halsübergang. Die reliefartige Decke, der die raue Holzstruktur und unterschiedliche Grautöne Lebendigkeit verleihen, entstand durch Sandstrahlen. Eine Versiegelung aus Polyurethanlack schütz das Holz. In der Zarge hält ein verschraubter Deluxe Tele Buchsentopf von Göldo die stramm packende Klinkenbuchse, während der 5,3 mm dicke, präzise eingepasste Deckel aus (selbstverständlich leichter) Sumpfesche das hochwertig bestückte und penibel verdrahtete E-Fach verschließt.

Der einteilige Hals besteht aus kanadischem Sweet Leaf Maple, auch als Rock Maple bekannt. Dieser hier besitzt eine schöne Flammung und ein verrundetes V-Profil. In seiner großflächigen, präzise gefrästen Halstasche wird er von 5 Holzschrauben mit einzelnen U-Scheiben zuverlässig gehalten. Beim Griffbrett entschied sich Jörg Kuhlo für Katalox, ein mexikanisches Eisenholz, welches für seine extreme Härte und hohe Dichte bekannt ist und optisch an Ebenholz erinnert.

Kuhlo Guitars Nova 24 Driftwood(Bild: Dieter Stork)

Die Compound-Wölbung nimmt von 10″ am Sattel bis 13″ am 24. Bund zu. Kleine Perlmuttpunkte und Sidedots markieren die Lagen. Kuhlo Guitars verwendet Bunddrähte aus Edelstahl, hier sogar mit drei unterschiedlichen Breiten, um die zunehmende Enge der Bünde in hohen Lagen zu kompensieren. Warum ist nicht schon viel eher jemand darauf gekommen?!

Ein plek-abgerichteter, polierter Knochensattel führt die Saiten zu den präzise und sahnig weich arbeitenden Kluson MK6 Mechaniken. Die kleine eckige Kopfplatte, vorne mit einem Sumpfeschefurnier und einem Abdeckplättchen für den Trus-Rod-Zugang versehen, weist einen leichten Neigungswinkel auf. Ergo hält sich der Saitendruck auf den Sattel in Grenzen.

Als Steg kommt bei der Nova 24 Driftwood ein ABM 3255 Hardtail mit rückseitigen Strings-thru-body-Hülsen zum Einsatz. die Grundplatte besteht aus 3 mm Glockenmessing, die sechs Reiter aus Stahl, das String Spacing misst 53 mm. Vernickelte Rahmenbleche tragen die beiden Amber ‘59 Crosspoint Humbucker. Verwaltet werden diese per Master-Volume und Dreiweg-Toggle. Für Klangvarianten sorgen kleine Kippschalter, die die Spulen der jeweiligen Humbucker parallel verschalten.

Kuhlo Guitars Nova 24 Driftwood(Bild: Dieter Stork)

in betrieb

Ich hatte es befürchtet: Ein dermaßen leichter Body hat bei einem relativ normal beschaffenen Hals stets das Nachsehen, erst Recht wenn gekapselte Mechaniken die Kopfplatte beschweren. Fazit: Kopflastigkeit, und zwar nicht von schlechten Eltern. Sowohl am Gurt als auch auf dem Bein empfiehlt es sich, den Body stets mit dem rechten Unterarm zu sichern. Ein rutschiger Gurt wäre zudem eher kontraproduktiv. Ansonsten bietet die Nova 24, hat man die Kopflastigkeit erst einmal im Griff, hohen Tragekomfort, vom Fliegengewicht ganz abgesehen. Die höchsten Lagen lassen sich ohne Anstrengung bespielen, der schlanke softe V-Hals liegt ausgesprochen wohlig in der Hand, die gewachste griffige Oberfläche tut ihr Übriges, das Compound-Griffbrett sowieso.

Die Konstruktion aus Sumpfesche, Rockmaple und Katalox schwingt extrem intensiv und lebendig und liefert stabiles, langsam ausschwingendes Sustain. An alldem haben die großflächige stramme Halsverbindung, der hochwertige ABM-Steg und die durchgehende Saitenführung sicherlich einen nicht unerheblichen Anteil. Dank ausgezeichneter Dynamik spricht die Nova 24 sehr direkt und konkret an und zeigt schnelle Tonentfaltung. Unverstärkt entwickelt sie ein nicht sonderlich kraftvolles Klangbild, das neben angenehmer Wärme eine präzise Saitendarstellung und ein breites reichhaltiges Obertonspektrum zeigt.

Kuhlo Guitars Nova 24 Driftwood(Bild: Dieter Stork)

Die Amber ‘59 CrossPoint Humbucker wurden in PAF-Tradition konzipiert und klanglich perfekt aufeinander abgestimmt. Das Set besteht aus einem Hals-PU mit authentischem Alnico-II- und einem heißeren (overwound) Steg-HB mit Alnico-V-Magnet. Letzterer beeindruckt durch seinen direkten, spritzigen und knackigen Ton mit straffem, definiertem Bass und reichem Obertongehalt und gibt das breite Klangspektrum der Gitarre uneingeschränkt wieder.

Der Steg-Pickup kann richtig zupacken, den Amp satt übersteuern und verliert dabei nichts von seiner Dynamik und Transparenz. Deutlich wärmer und samtiger präsentiert sich der Hals-HB. Mit seinem Ton ganz nahe am echten PAF reagiert er höchst sensibel auf Anschlag und Saitenschwingung, zeigt ein ebenso ausgewogenes Klangbild wie der Stegnachbar und glänzt mit einem ebenso breiten Obertonspektrum. Überhaupt tönen beide Cross-Points sehr klar, zeichnen fein, besitzen eine perfekte Saitentrennung und bleiben selbst bei intensiver Amp-Zerre klar und definiert. Obwohl die Spulen nicht gewachst wurden, erweisen sie sich als resistent gegen Mikrofonie.

Ein wenig irritiert hat mich die Wirkung der kleinen Seriell/Parallel-Schalter. Wechselt man nämlich von der gewohnten Serienverdrahtung der Humbucker-Spulen zur parallelen, verliert der Sound an Pegel und erscheint zugleich ein wenig blasser und höhenärmer. Der nahezu gleiche Effekt lässt sich auch durch Herunterdrehen des Master-Volumes erzielen. Besäße der Regler eine Skala, entspräche das etwa einer Volume-Reduzierung von 10 auf 8. Ihre größte Wirkung entwickelt die Schaltung beim Paarbetrieb der Humbucker. Hier lassen sich Parallel- und Seriell-Mode zu nuancierten Sound-Varianten mischen, die sich am stark zerrenden Amp wieder nahezu verlieren und somit primär im Clean-Betrieb praktikabel sind.

Kuhlo Guitars Nova 24 Driftwood
Reliefartig: Sumpfesche gesandstrahlt (Bild: Dieter Stork)

resümee

Immer wieder erfrischend, was abseits vom Mainstream so alles von innovativen Gitarrenbauern ans Tageslicht gebracht wird. Berlin scheint ein gutes Pflaster dafür zu sein. Mit der Nova 24 Driftwood ist Jörg Kuhlo wieder ein erstklassiges Instrument gelungen, das nicht nur seine Design-Handschrift trägt, sondern auch seine handwerklichen Fähigkeiten und sein Näschen für erstklassige unkonventionelle Holzauswahl beweist. So passt die vernickelte Hardware zur in verschiedenen Grautönen schimmernden rauen Deckenstruktur quasi wie die Faust aufs Auge.

Die Gitarre schwingt wie der Teufel, zeigt exzellente Dynamikeigenschaften, allerbestes Sustain und liefert nicht zuletzt dank der Amber CrossPoint ‘59 Humbucker vitale, dynamische und durchsetzungsstarke Sounds, wenngleich die Effizienz der Parallel-Schaltungen zu wünschen übrig lässt. Wer eine dermaßen leichte Gitarre designt, muss zwangsläufig mit deren Kopflastigkeit rechnen. Nichtsdestotrotz ein phantastisches Rock-Brett.

PLUS
• Klangvermögen
• Dynamik & Sustain
• Design & Optik
• Edelstahlbünde (in variierenden Breiten)
• Pickups & Hardware
• Spielbarkeit
• geringes Gewicht
• Verarbeitung
MINUS
• Kopflastigkeit

Kuhlo Guitars Nova 24 Driftwood

Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
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