Produkt: Gitarre & Bass 9/2019 Digital
Gitarre & Bass 9/2019 Digital
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Einer für die besondere Note

Test: Keeley Synth-1 Reverse Attack Fuzz Wave Generator

(Bild: Dieter Stork)

Darf es heute mal etwas Besonderes sein? Keeleys Synth-1 kombiniert außergewöhnliche Klänge von dezent bis völlig verschroben und eröffnet experimentierfreudigen Gitarristen ein weites Feld an Synthesizer-Sounds – und das mit viel Liebe zum Detail.

Gitarrensynthesizer haben Musiker und Fans schon immer gespalten. Optik und Sound der Aggregate waren und sind nicht jedermanns Sache. Heutzutage hat sich dieser Glaubenskrieg abgekühlt und auf das Pedalboard verlagert. Es heißt nicht mehr „entweder oder“ sondern „sowohl als auch“ – so man denn möchte.

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Für die aktuelle Generation von Bodentretern braucht man keine speziellen Instrumente oder aufmontierte hexaphonische Pickups mehr, man kann also seine normale Lieblingsgitarre ohne Einschränkungen verwenden, was den Übertritt in das einstige Paralleluniversum massiv erleichtert. US-Hersteller Keeley bezeichnet seinen Synth-1 auch als „Reverse Attack Fuzz Wave Generator“, was auf zusätzliche Funktionen schließen lässt. Das monophone Pedal kombiniert klassische Synthesizer-Sounds auf Basis von drei verschiedenen Wellenformen mit gröberen Klangverformungen im Chaos-Modus. Der Reihe nach:

Aufbau & Bedienung

Vier Potis steuern den Grund-Sound des Synth-1: Level kontrolliert die Ausgangslautstärke, Blend das Verhältnis von trockenem und Effektsignal, Attack regelt die Ansprache – und zwar in umgekehrter Richtung von lang nach kurz, daher die Bezeichnung „Reverse Attack“ in der Produktbeschreibung. Bei Linksanschlag wird das Signal über einen Zeitraum von 1.500 ms eingeblendet, voll aufgerissen braucht es nach Herstellerangaben gerade mal 4 Millisekunden, bis der Ton steht. Rechts oben sitzt der große Filter-Regler, der die Cut-Off Frequenz der Synth-Klänge im Bandpass-Betrieb zwischen 50 und 5.000 Hertz steuert. Seine Funktion kann auch ein an der entsprechenden Buchse rechts angeschlossenes Expression-Pedal übernehmen.

(Bild: Dieter Stork)

Unten am Panel platziert ist ein Dreifach-Schalter, der die Wellenform des Signals anwählt. Er ist so konzipiert, dass er auch während des Spielens per Fuß bedient werden kann – und entsprechend solide ausgeführt.

Von zart bis hart

Die Grundsounds der Synth-Abteilung reichen von sanften, runden Klängen im Sinus-Modus bis hin zum eckig-kantigen, aggressiv-expressiven Biss im Rechteck- Modus, mit dem mittig-nagenden Sägezahn irgendwo dazwischen. Für noch abgefahrenere Sounds sorgt der Chaos-Modus. Hier wird das Signal weniger akkurat getrackt, dazu kommt ein Clipping für einen Zerranteil im Effektsignal. Doch damit nicht genug: Im Sinus-Modus wird der effektierten Standard-Oktave unter dem Signal eine weitere, leicht verschobene hinzugefügt, die einen Flanger-artigen Klangeindruck erzeugt.

Bleibt im Überblick der Möglichkeiten noch ein dritte, deutlich weniger abgefahrene Option: Die oben erwähnte Attack-Option betrifft nicht nur das Effekt-, sondern auch das trockene Signal. Dreht man den Blend-Regler nach links, kann man mit der Gitarre Volume-Swells und Pedal-Steel-artige Sounds erzeugen, ganz abseits von Synth-Klängen. Mit diesen Möglichkeiten lädt der Synth-1 förmlich zum Experimentieren ein.

Will man sich sanft herantasten, bietet sich die dezent bis mittelstark eingeblendete Sinus-Welle im Standard-Betrieb an. Im Verbund mit einer cleanen Gitarre lassen sich damit Funklinien mit einem 70er-Jahre-artigen Filtersound aufpeppen. Auf der anderen Seite des Spektrums steht die voll eingeblendete Rechteck-Funktion, die vom ursprünglichen Gitarrensignal nichts übrig lässt und entweder kurzzeitig einen Keyboarder ersetzen oder für überraschende Call-and-Response-Spiele mit dem Tastenmann sorgen kann. Guter Nebeneffekt: Abgefahrene Sounds können auch immer das eigene Spiel inspirieren und für neue Lick-Ideen sorgen. Vor allem das Zusammenspiel mit dem Attack-Regler kann einen auf völlig neue Gedanken bringen.

Das Tracking im Standard-Modus gab im Betrieb mit einer Gitarre wenig bis keinen Grund zur Klage, wer Malmsteen-artige Highspeed-Licks darüber spielen will, bringt das Pedal zwar an die Grenze, hat den Sinn eines solchen Konzepts aber nicht recht verstanden.

Im Chaos-Modus hört sich das dann wieder ganz anders an. Hier wurde das Tracking bewusst vereinfacht, was je nach Setting zu unsauberen bis völlig bröseligen Resultaten führen kann und einen ganz speziellen Reiz mit sich bringt, den man sich allerdings ein Stück weit erarbeiten muss. Bei extremen Einstellungen muss man für optimale Resultate sehr akkurat und gleichmäßig anschlagen, um das Chaos im Zaum zu halten. Die oktavierten und mit Fuzz versehenen Effektsounds eröffnen eine weitere Klangebene, die bei den White Stripes anfängt und bis weit raus in den Noise-Kosmos reicht. Als sehr klug erweist sich generell die Option, die Filter-Funktion per Pedal steuern zu können, denn damit lassen sich die Sounds während des Spiels verändern und dynamisch in den Song einbringen. Wer nach neuen Ausdrucks- und Klangmöglichkeiten sucht, findet hier definitiv einen passenden Partner.

(Bild: Dieter Stork)

Resümee

Mit Bodentretern wie dem Synth-1 ist es heute sehr viel einfacher, Synthie-artige Sounds ohne großen Aufwand aus der Gitarre zu holen. Mit seinen Klangoptionen und den Zusatzfunktionen präsentiert sich Keeleys Kreation als wahre Inspirationsquelle für Freunde abgefahrener Sounds.

PLUS

  • Synthie-Sounds
  • Chaos-Option
  • Haptik & Bedienung

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2020)

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