Produkt: Gitarre & Bass 5/2019
Gitarre & Bass 5/2019
INTERVIEWS: Slash, Phil Campbell, J.J. Cale, Bill Frisell, Kreator +++ VINTAGE-SPECIAL: Fender Princeton
Duo Potente

Test: Keeley Aria

Keeley Aria

Kompressor und Booster/Distortion, zwei separate FX-Einheiten in einem Gerät. Die Anordnung/Reihenfolge umschaltbar: Kompressor füttert Booster, Booster füttert Kompressor. Ein variables Mehrwertpaket, wie wir gleich sehen werden.

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Robert Keeley ist bekannt für seine elegant funktionierenden Kompressoren. Sein 2-Knob-Compressor ist fast schon legendär. In das Aria hat er einen ähnlichen Schaltkreis implantiert, der um einen (Höhen-) Tone-Regler erweitert wurde, sowie ein Blend-Poti, das erlaubt, das unbearbeitete Originalsignal hinzuzumischen (die Release-Zeit kann innen umgeschaltet werden!).

Bei der Drive-Sektion handelt es sich um einen alten Bekannten. Die Technik des allseits bekannten und weit verbreiteten „Red Dirt“-Pedals findet hier Verwendung. Klassisches Layout, Drive (Verzerrungsintensität), Tone, Level. Der Low/High-Schalter wechselt laut Info zwischen Clean-Booster und Overdrive.

Was aber nicht wirklich zutrifft. Unterschwellige Anzerrungen mit Fuzz-Charakter in den oberen Frequenzen prägen das voluminöse, ansonsten unprätentiöse Klangbild. Sowas macht sich meist sehr gut vor einem Pedal oder Amp, der selbst schon verzerrt. Viel eindrucksvoller benimmt sich der High-Modus. Hier kredenzt das Aria einen betörend authentischen Röhren-Sound mit defensiv britischem Timbre und organischem Ausklang. Toll. Auch weil die Ansprache sehr lebendig auf die Spielweise eingeht und feinfühlig mit dem Guitar-Volume interagiert. Am Maximum bildet sich heißer Overdrive aus, keine wirklich fette Distortion.

Was sich schlagartig ändern kann, wenn man vor dem Drive angeordnet den Kompressor benutzt. Er kann zusätzlich das Signal boosten, sprich die Verzerrungen hochtreiben, und mit seiner weich einsetzenden Pegelregulierung massiv das Sustain unterstützen. Was da plötzlich aus der Vintage-Strat heraus singt und schreit, ist tonale Hochkultur. Während man gleichzeitig spieltechnisch gestützt wird und Komfort erfährt.

Für sich genommen, erfüllt der Kompressor das typische Anforderungsprofil mit Bravour. Rhythmuspassagen konkreter und stabiler machen, Pegelspitzen kappen, Töne/Akkorde verlängern usw. Als willkommenes Extra erweist sich dabei der Tone-Regler. Kompression zieht in der Regel nach sich, dass die Höhen bedeckt klingen, erst recht in extremeren Einstellungen. Das lässt sich hier wunderbar ausgleichen.

Abgesehen von den Einstellmöglichkeiten lauert versteckt, von außen nicht erkennbar, noch ein weiteres, äußerst zweckmäßiges Feature auf den Anwender. Die In- und Out-Anschlüsse sind stereo ausgelegt und erlauben, mit Y-Kabeln beide Effekte in separaten Signalschleifen zu verwenden (In und Out über je eine Klinkenbuchse). Noch besser: Beim Umschalten der „FX Order“/Reihenfolge wechseln Drive und Kompressor in die andere Signalschleife. Wie nennt man sowas, optimierte Wertschöpfung? Variabler kann so ein Pedal jedenfalls kaum sein.

Bleibt am Ende eigentlich nur ein Wunsch offen: Weg mit der schwachen, noch dazu nur in Englisch vorliegenden Bedienungsanleitung, hin zu einer richtigen Anleitung, die mit Einstellvorschlägen dem User hilft, das Aria optimal auszunutzen.

resümee

Keeleys Aria unterstreicht den Status der Marke mit absolut hochklassigen Sound-Ergebnissen. Die Drive-Sektion mit lebendigen Röhrensounds, der Compressor geschmeidig und variabel in der Funktion, dank Tone-Regler ohne Höhen-Cut, einzeln wie im Team weit vorne bis schwer schlagbar. Für das, was hier alles geboten wird, ist der Preis absolut angemessen. Sehr empfehlenswert.

PLUS
• Drive: starke Sounds, sehr ausdrucksstark, variabel
• sehr harmonische Verzerrungen, „Tube-Sound“
• Compressor: große Range, effizient ohne Störanteile, Höhenregulierung
• Insgesamt: Dynamik, Transparenz
• Verarbeitung/Qualität der Bauteile

Keeley Aria


Hinweise zu den Soundfiles

Für die Aufnahmen kamen zwei Kondensatormikrofone mit Großflächen-membran zum Einsatz, ein AM11 von Groove-Tubes/Alesis und ein C414 von AKG, beide nahe platziert vor einer konventionellen 4×12-Box bestückt mit Celestion Vintage 30. Der verwendete Amp ist ein Diezel VH2, respektive sein Clean-/Channel 1.

Die Clips wurden pur, ohne Kompressor und EQ-Bearbeitung über das Audio-Interface Pro-24DSP von Focusrite in Logic Pro eingespielt und abgemischt. Das Plug-In  „Platinum-Reverb“ steuert die Raumsimulationen bei.

Die Instrumente sind eine Steinberger GL4T und eine Fender-Relic-Strat-1956 (m. JB-Humbucker v. Seymour Duncan am Steg) aus dem Custom Shop.

Ich wünsche viel Vergnügen, und…,  wenn möglich, bitte laut anhören, über Boxen, nicht Kopfhörer! ;-).








Fragen, Anregungen  und  ja, auch Kritik sind wie stets willkommen. Nachrichten bitte an frag.ebo@gitarrebass.de.  Es klappt nicht immer,  aber ich werde mich bemühen möglichst kurzfristig zu antworten.

Text + Musik: Ebo Wagner (GEMA)

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