YES, IT DJENTS!

Test: Jackson HT6 & HT7FM Pro Serie

Die neuen Signature-Gitarren von Periphery-Gitarrist Misha Mansoor dürften bei so manchem Metal-Gitarristen für Entzücken sorgen – schließlich handelt es sich dabei nun um die deutlich erschwinglicheren Versionen der bis jetzt nur aus US-Fertigung erhältlichen Juggernaut-Reihe von Jackson.

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Nachdem wir ja bereits die wirklich tolle, aber auch nicht ganz billige, Juggernaut „Bulb“ HT7 aus dem Jackson Custom Shop im Test hatten, bringt der Hersteller nun eine Version für den etwas kleineren Geldbeutel auf den Markt. Klar, dass wir wissen wollen, ob es sich hier um eine schnöde Budget-Version oder möglicherweise eine richtig gute Alternative zur US-Juggernaut handelt. Wir erinnern uns: Die Juggernaut „Bulb“ HT7 (siehe Ausgabe 07/2016) wusste mit einem wirklich tollen Sound, einer super Verarbeitung und einer überragend guten Werkseinstellung zu punkten. Mit der HT6 und der HT7 aus der Pro Serie gibt es nun also eine Sechs- sowie eine Siebensaiter aus indonesischer Produktion.

schön & funktional

Das Grundrezept unserer beiden Testgitarren unterscheidet sich kaum von der bereits getesteten Juggernaut „Bulb“ HT7. Ein Linde-Korpus (im Falle der HT7 mit einem Flame-Maple-Funier versehen) und ein einteiliger, mit zusätzlichen Graphitstäben verstärkter Ahornhals bilden die Basis für das Juggernaut-Model. Während der Body komplett lackiert ist – je nach Farbe matt oder im Hochglanz-Finish – ist der Hals lediglich mit einer hauchdünnen Lackschicht versehen. Bei beiden Instrumenten ist die AT-1 Kopfplatte übrigens passend zum Korpus lackiert – ganz wie bei der teuren US-Version. Das recht dunkle Ebenholzgriffbrett ist mit kleinen Off-Center-Dots, die den cleanen und schlichten Look unterstreichen, ausgestattet. Ähnlich wie bei der Bulb-Version der Juggernaut, finden wir hier eine Hipshot-Style-Brücke, hauseigene Locking-Mechaniken sowie zwei Humbucker – natürlich alles in Schwarz.

Wo bei der US-Version Mansoors Signature-Tonabnehmer vom englischen EdelHersteller Bareknuckle Verwendung finden, sind in der Pro Serie hauseigene Pickups von Jackson verbaut worden – angesichts der vergleichsweise moderaten Preisgestaltung finde ich das vollkommen in Ordnung. Schließlich reden wir hier von etwa einem Drittel des Preises der großen Ami-Schwester. Gut finde ich, dass auch bei der Fernost-Version der Juggernaut eines der interessantesten Features – die 26.5″ Mensur – der Siebensaiter übernommen wurde. Das Halsprofil würde ich mal als ein flaches C beschreiben, wobei wir es hier keineswegs mit den ja zum Teil extrem flachen Shapings der 80er oder frühen 90er zu tun haben – gerade das Profil der HT7 fühlt sich für meine Begriffe sehr gesund an. Die schnittige Korpusform weist sauber gearbeitete Shapings auf, welche dem Spielkomfort absolut entgegenkommen und die Gitarre bis in die höchsten Lagen vollkommen problemfrei bespielbar machen. Ziemlich überraschend finde ich die generelle Verarbeitung der HT6 und HT7FM.

Um ehrlich zu sein war ich ob der überragenden Qualität der Juggernaut „Bulb“ HT7 schon etwas voreingenommen und skeptisch – schließlich hatte ich es in diesem Falle mit einer der besten Siebensaiter, die ich je in den Händen hielt, zu tun. Unsere beiden Test-Gitarren aus Fernost müssen sich allerdings keinesfalls im Schatten der großen Schwester verstecken. Ganz im Gegenteil – ich bin absolut positiv überrascht, was Jackson da für eine vergleichsweise schmale Mark anbieten. Die gesamte Verarbeitung der Instrumente ist absolut vorbildlich und durchweg auf hohem Niveau. Sicher – an die Finesse einer US-Custom-Shop-Gitarre kommen beide Gitarren nicht ganz heran, was ich angesichts des Preises aber auch kein bisschen erwarten würde. Ich finde es beachtlich, dass Details wie die in der Decke versenkten Potis oder der super ergonomische Hals/Korpus-Übergang absolut perfekt ausgeführt wurden. Übrigens: auf Misha Mansoors Wunsch hin, wurden sogar die Luminlay-Side-Dots des USModels übernommen.

Schnittig: Die Jackson AT-1 Kopfplatte der Juggernaut HT6

moderne metal maschine

Schauen wir uns doch zunächst einmal die HT6an. Der schlanke Hals und der ergonomische Korpus sorgen dafür, dass das Instrument sich sowohl im Sitzen als auch im Stehen, absolut komfortabel handhaben lässt. Der schlanke Hals lässt sich bis in die höchsten Lagen wunderbar bespielen – hier stört einfach gar nichts. Auch klanglich weiß die Juggernaut HT6 mit einem wunderschönen, brillanten Klang und einem kerngesunden Sustain zu überzeugen. Der Ton schwingt absolut gleichmäßig aus und kippt nach und nach in seine Obertöne um, ohne dass Attack oder Grundton übermäßig verdrängt werden. Dieser Eindruck setzt sich am Verstärker fort – auch hier zeigt sich die Juggernaut von ihrer Schokoladenseite.

Der Hals-Tonabnehmer liefert einen warmen und ohrenfreundlichen Sound mit knackigem Attack und ordentlich Fundament. Schon hier wird deutlich, wie gut die tonale Auflösung unserer Test-Gitarre ist – auch harmonisch komplexere oder dissonante Akkorde werden wunderbar dargestellt. Der Steg-Pickup liefert natürlich eine deutlich heftigere Portion Mitten und ist in den Bässen wesentlich agiler – schon mit einem leichten CrunchSound macht die HT6 hier richtig Druck. Ein wesentlicher Charakterzug der teuren US-Juggernaut war im Test ihr absolut drahtiger und extrem hoch auflösender Ton, was selbst tiefere Tunings vollkommen problemlos möglich machte. Obwohl in unserem Test-Instrument ja nicht die Signature-Pickups von Bareknuckle verbaut sind, sondern die gemeinsam mit Misha Mansoor entwickelten MM1-Tonabnehmer von Jackson, ist der Sound ähnlich präzise und detailliert wie bei der US-Schwester. Schon toll, wie Jackson das hinbekommen hat. Die Zwischenpositionen sind wie zu erwarten in den Mitten deutlich zurückgenommen und dürften sich in erster Linie für brillante Clean-Sounds eignen. Richtig interessant finde ich das Push/Pull-Feature des Ton-Reglers, mit welchem das Poti erst aktiviert wird. Ja, richtig gelesen, im normalen Betrieb ist der Regler ohne Funktion, was für einen etwas direkteren bzw. drahtigeren Sound sorgt.

Die 7saitige Juggernaut HT7FM ist ihrer sechssaitigen Schwester natürlich schon sehr ähnlich und unterscheidet sich in erster Linie durch ihre zusätzliche Saite und die etwas längere Mensur. Gerade dieses Feature hat mir im Test der Juggernaut „Bulb“ sehr gefallen, weil die 26.5″ Mensur meiner Meinung nach einen guten Kompromiss zwischen dem traditionellen Spielgefühl und den Vorzügen einer Baritone-Gitarre darstellt – auch bei unserer Juggernaut HT7FM gefällt mir diese Lösung wieder ausgesprochen gut. Gerade die tiefe H-Saite profitiert schon enorm von der zusätzlichen Länge des Schwingungsbereiches, wobei ich mir bei der Werksbesaitung eine etwas dickere, tiefe Saite gewünscht hätte. Der Ton ist ebenso knackig und detailliert wie bei der HT6 und lässt selbst heftige Drop-Tunings wie A ausgewogen und präzise erklingen. Am Verstärker zeigt sich, dass auch hier die MM1-Tonabnehmer zu überzeugen wissen – im Vergleich mit den Pickups von Bareknuckle würde ich sagen, dass die hauseigenen Gewächse von Jackson schon merklich mehr Output haben und insgesamt etwas „bulliger“ daherkommen. Ohnehin hat der Hersteller ja bereits in den 80er-Jahren bewiesen, dass die hauseigenen Pickups absolut mit den Produkten der großen Aftermarket-Hersteller mithalten können. Auch die Juggernaut HT7FM zeigt sich in ihrer Bespielbarkeit absolut vorbildlich.

Beide Gitarren können im High-Gain-Betrieb vollkommen überzeugen – ich vermisse hier rein gar nichts. Besonders der ausgeprägte Mitten-Bereich und der agile Klangcharakter der MM1-Tonabnehmer dürfte im Bandkontext dafür sorgen, dass sich die Juggernaut mühelos durchsetzt.

Die HT7FM kommt mit einem schönen Riegelahorn-Furnie

alternativen

Tja, bei Signature-Gitarren ist das mit den Alternativen ja nie so ganz einfach –
immerhin haben wir es ja mit den spezifischen Vorstellungen eines einzelnen Künstlers zu tun. Im Falle der Juggernaut-Reihe würde mir als Alternative die Schecter KM7 einfallen, welche aber ein wenig teurer, dafür aber mit Pickups von Seymour Duncan ausgestattet ist. Ansonsten könnte man sich die Ibanez-Iron-Label-Serie einmal anschauen; auch hier bekommt man richtig viel moderne Metal-Gitarre zu einem vergleichbaren Preis. Auch die ebenfalls von Jackson hergestellte Signature-Gitarre von Chris Broderick könnte man in Betracht ziehen.

resümee

Nachdem Jackson mit der Juggernaut „Bulb“ ja eine wirklich extrem gute, aber leider auch nicht ganz billige, Gitarre auf den Markt gebracht hat, kommt mit den Juggernauts aus der Pro Serie nun die günstigere Version auf den Markt. Mit einem billigen Asia-Abklatsch haben diese Instrumente Gott sei Dank nichts gemein – vielmehr haben wir es hier mit absolut vollwertigen und wirklich toll gefertigten Instrumenten zu tun. Was Jackson hier zu einem wirklich moderaten Preis anbietet, dürfte die meisten modernen Metal-Gitarristen schlichtweg begeistern.

PLUS:

  • Verarbeitung
  • Bespielbarkeit
  • moderner Klang
  • Push/Pull-Poti
  • 26.4” Mensur (HT7FM
  • Preis/Leistung

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