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Evolution

Test: Ibanez Steve Vai PIA3761

(Bild: Dieter Stork)

Steve hat zusammen mit der ihm schon seit Jahrzehnten eng verbundenen Firma Ibanez ein neues Signature-Model mit Namen „Paradise In Art“ – kurz PIA – erarbeitet. Wohl nicht ganz zufällig ist das auch der Name seiner Frau Pia Maiocco, deren Geburtsdatum im Übrigen die Zahlen erklären…  

Steve und Pia Maiocco kennen sich übrigens schon seit ihrer gemeinsamen Zeit am Berklee College of Music. Von 1984 bis 1986 war sie Bassistin der Hard-Rock Band Vixen. Später hat sie u.a. auch am Album ‚Flex-Able‘ ihres Gatten mitgewirkt.

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ERWEITERUNG DES TECHNISCHEN BEWUSSTSEINS

Natürlich orientiert sich die neue Ibanez Steve Vai PIA grundsätz­lich an der bewährten JEM, dem Klassiker unter den Signature-Modellen des japanischen Herstellers und bestes Beispiel für eine fruchtbare Zusammenarbeit von Künstlern und Gitarrenbauern. Die JEM kann inzwischen auf satte 35 Jahre erfolgreicher Markt­präsenz verweisen und bleibt natürlich weiterhin im Programm. Steve selbst spricht hinsichtlich der PIA von einer Evolution des auf seine Bedürfnisse abgestimmten Designs.

Die zum Test vorliegende Gitarre ist in Stallion White lackiert und kommt mit einem Erle-Korpus im bekannt großzügig geschnitte­nen Double-Cutaway-Format. Anstelle des berühmten Monkey Grip erhielt ihr Korpus nun den exklusiv für PIA neu gestalteten Petal Grip. Ein dem Yin/Yang ähnelndes Symbol für Einheit, Kame­radschaft und zwischenmenschliche Bindungen. Das neue Vai-Signature-Modell konnte im Vergleich mit der JEM in Sachen Haptik und Spielkomfort nochmals optimiert werden. Die Korpus­kanten zeigen eine weichere Abgleichung und das Cutaway unten erhielt innen einen Konturschnitt.

Der in Höhe des 18. Bundes in den Korpus geschraubte, fünfstreifige 2-Oktaven-Hals (eher dreiteilig Ahorn über dünne Streifen Walnuss gefügt) ist mit einem Griffbrett aus Palisander (17″ Griffbrettradius) kombiniert, das mit dem mehrfarbigen „PIA Blossom Inlay“ ver­ziert ist.

Breiter Hals mit PI-Blossom-Inlay (Bild: Dieter Stork)

Vom 21. bis zum 24. Bund wurde das Griffbrett wie bei der JEM „scalloped“ ausgeführt. 24 Jumbo-Bünde (Stainless Steel) erfuhren durch das Prestige Fret Edge Treatment optimale Bear­beitung mit perfekter Verrundung der Kanten. Luminlay Side Dots sollen die sichere Tonhöhennavigation auch auf dunklen Bühnen erleichtern. Der im Winkel über eine kleine Volute am Halsrücken herausgeführte Kopf von bekanntem Zuschnitt ist mit Mechaniken von Gotoh ausgestattet.

Vom mit dem Kopf verschraubten Klemmsattel aus laufen die Saiten mit 648mm-Mensur hinüber zur Edge-Tremolo-Bridge mit Ultralite-Tremolo-Arm aus Carbon/Fiber (ein Metall-Standardarm liegt zusätzlich bei). Das an drei Federn frei schwebend aufgehängte System ist mit justierbaren Einzelsätteln und den unerlässlichen Feinstimmern ausgerüstet. Neu ist die metallene Abdeckplatte der Kammer am Korpusboden, welche lediglich magnetisch in Position gehalten wird. Das erleichtert den Saitenwechsel und gewährt schnellen Zugriff für Korrekturen am Vibratosystem.

Ibanez-Edge-Tremolo-Bridge mit Ultralite-Tremolo-Arm (Bild: Dieter Stork)

Drei passive DiMarzio-UtoPIA-Pickups, entwickelt auf der Grundlage der Evolution-Pickups, sorgen für kraftvolle Tonwandlung. Hals- und Steg-Humbucker sind mit keramischen Magneten ausgestattet, der in der Mitte verbaute Singlecoil-Tonabnehmer arbeitet konser­vativ mit Alnico. Laut Pressetext basieren die DiMarzio-UtoPIA-Tonabnehmer auf Steves neuesten tonalen Präferenzen für wei­chere Höhen, schiebende Mitten und strammere Bässe. Die Tonab­nehmer sind von der optischen Ästhetik her mit ihren „Dual Layer Laser-etched“-Goldkappen dem kosmetischen Look der Gitarre angepasst. Wie alle Regel- und Steuerelemente auch – jeweils generell arbeitende Volume- und Tone-Regler plus 5-Weg-Pickup-Schalter – sind sie auf das Pickguard montiert. Über das Volume-Poti, das übrigens verglichen mit der JEM etwas tiefer vom Steg weg positioniert wurde, lässt sich per Push/Pull-Funktion noch ein High-Pass-Filter aktivieren.

Das in japanischer Perfektion detailgenau gefertigte Modell PIA ist neben Stallion White auch noch in den Farben Envy Green, Pan­ther Pink und Sun Dew Gold erhältlich (allerdings nur in diesem Jahr) und wird in einem Hardshell Case ausgeliefert.

VERFEINERUNG DER MUSIKALISCHEN MITTEL

Auch bei PIA hält Steve natürlich an den als richtig und gut erkann­ten Grundprinzipien fest, was die Bauweise, Handhabung und Ästhetik seiner Signature-Gitarre angeht. Allerdings schließt das die Spiegelung von über die Zeit gemachten Erfahrungen oder die Verfeinerung des musikalischen Standpunkts bei einer Neudefinition des persönlichen Instruments nicht aus. Das muss den Aficionado Vai’scher Spielweisen und Sounds wirklich nicht beunruhigen, denn die Veränderungen sind lediglich leichter Natur, präzisieren seine Vorstellungen im Detail.

 

Das mit einem .009er-Saitensatz bespannte Modell fügt sich perfekt und mit der bekannt guten Ausrichtung an seinen Spieler, alles fühlt sich einfach richtig an. Bei der vorgefundenen Sattelbreite von 43,9 mm und einem dazu eher flach gestalteten Halsprofil (knapp 1,9 cm) haben wir es fraglos mit einem für die artistische Arbeit am Griffbrett geschaffenen Hals mit viel Raum für die Fingerplatzierung, für Bendings und Tonmodulationen aller Art zu tun. Die Premium-Bundierung und das mustergültige Setup lassen keinen Zweifel an der High-End-Kategorie dieser Gitarre.

Sound: Die nach Steves Vorstellungen neu entwickelten UtoPIA-Pickups sind nach wie vor ausgangsstark, aber im Vergleich mit den Vai-Evolution-Modellen weniger aggressiv ausgelegt. Das ist vornehmlich ihrer etwas weicheren Höhenausstattung geschuldet, Höhen, die Steve selbst als „sweet“ beschreibt. Aber keine Sorge: Weichspüler sind das deshalb noch lange nicht.

DiMarzio-UtoPIA-Pickups mit kosmetisch angepassten Goldkappen. (Bild: Dieter Stork)

In der Abteilung Clean zeigen sich die beiden Ceramic-Pickups in der Hals- und Stegposition zunächst volltönend kraftvoll, aber durchaus aufgeräumt im Frequenzbild. Auf straff zeichnendem Bassfundament ergänzen sich gut gewichtete Mitten und offene Höhen zu einem breit aufgezogenem Akkordbild. Die perfekte Saitentrennung sorgt für Transparenz, lässt aber dennoch eine harmonische Verschränkung der Stimmen zu. Der Hals-Pickup spielt die Vorzüge eines Tonabnehmers mit keramischem Magneten voll aus, indem er die klarzeichnende Darstellung mit enormer Stringenz in Verbindung setzt. Das bringt Tiefe in die breitbandig umgesetzten Mehrklänge und enorme Stabilität in gehaltene Noten, die lang und atemreich ausschwingen. Dabei ist der gute Abgleich der Spitzen besonders bemerkenswert, Höhen, die es dennoch an Präzision und Frische nicht mangeln lassen. Das hat zwar wenig mit der Dezenz eines Vintage-Alnico-Pickups zu tun, dennoch: keine Spur von der dem Ceramic-Pickup gerne nachgesagten klinischen Kühle.

Schalten wir auf den UtoPia-Pickup am Steg, so erweist der sich als absolut angemessener Partner der etwas offensiveren Art. Tatsächlich ist aber auch bei diesem Pickup schon im klaren Betrieb die Höhenrundung zu loben. Wunderbar geschlossen und klangfarblich dicht rollen Akkorde ab. Leicht in der Ansprache und ebenmäßig im Abklang fühlt man sich von der Tonübertragung dieses Pickups bestens unterstützt. Bei härterem Attack bleibt der Ton fest und griffig, die dynamische Spannweite der in Hab-Acht-Stellung lauernden Reserven fordert nun förmlich: Gimme more Gain!

Sobald wir in den höheren Zerrmodus wechseln wecken wir denn auch den zähnefletschenden Tiger, der sich da zuvor noch so angenehm schnurrend in Deckung gehalten hat. Mit diesen ausgangsstarken Pickups lässt sich der Amp auch bestens anblasen. Die leichte Reizbarkeit der Saiten ist nun mehr als bemerkenswert. Der Ton löst sich schnell, federt nach schnalzend herausgestelltem Anschlag spontan in Position, steht weit vorn und entfaltet fette Obertöne im satten Sustain. Schnell gespielte Linien erscheinen durch die markante Perkussion geradezu aufreizend körperhaft – große Klasse. Bindungen, Legato-Spiel, Verzierungen und vor allem Tappings kommen unter diesen Bedingungen einfach wie von selbst – ein Fest für die Finger! Alles da also, was man an Ansprache, Tonsubstanz und operativen Möglichkeiten für die virtuose Saitenartistik braucht.

Der Singlecoil in der Mittelposition spricht im Übrigen dann noch eine ganz andere Sprache. Er kommt mit stark entschlackten, Sounds an den Start, ein hohlwangiger Charakter, der auch die besonders crispen Zwischenpositionen (Mittel-Pickup plus jeweils innere Spule des Humbuckers) beherrscht. Wir können hier von einer wirklich alternativen Tonebene sprechen. Abgesehen von der höhenreichen Darstellung mit straffen, schlanken Bässen und kehligem Ausdruck, fällt dieses tonale Hochland aber nicht zu stark ab im Verhältnis zu den Humbuckern, dennoch wechseln wir in eine vollkommen andere Klangästhetik, was für eine tolle Beweglichkeit der Gitarre sorgt.

Option für differenziertere Spielweisen: Per Push/Pull im Volume-Knob lässt sich ein High-Pass-Filter aktivieren, um den Ton beim Abregeln klar zu halten. Tatsächlich ist der Effekt deutlich, da der Sound mit herausgefilterten tiefen Frequenzen wie entwölkt wirkt und immer superklar bleibt.

Coda: Die Edge-Tremolo-Bridge erlaubt mit freier Aufhängung in der „Lion’s Claw Tremolo Cavity“ das verstimmungsfreie Modulieren der Tonhöhe in maximalem Tonumfang wie gehabt. Nur der ultraleichte Tremolo-Arm mit Carbon/Fiber-Ummantelung fühlt sich etwas anders an. Schläge auf ihn, um all die wunderbar japsenden und schwirrenden Töne aus der tonalen Zwischenwelt hervorzukitzeln, sind übrigens deutlich angenehmer ins Werk zu setzen, als auf einem herkömmlichen Metallarm. Manch einer mag auch Flöhe husten hören und sogar Klangunterschiede im Resonanzverhalten bei diesem Aspekt der forcierten Vibratohandhabung vermuten. Besser, schlechter? Man hat die Wahl, denn der gewohnte Tremolo-Arm aus Metall liegt ja ebenfalls bei.

Korpus mit neuem Petal Grip. (Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Die seit langem erfolgreiche Kooperation von Ibanez mit Steve Vai findet im aktuellen Signature-Modell PIA zu einer erfreulichen Entwicklung, die allerdings mehr Variation als Alternative sein will. Im Prinzip bleibt Steve sich durchaus treu, gewinnt seinem altvertrauten, aber keinesfalls überflüssig gewordenen JEM-Konzept in der PIA-Auslegung neue Aspekte ab. Die sind mit weicheren Korpuskanten und einem Kehlschnitt im Cutaway auf Verfeinerung der eh schon komfortablen Handhabung gerichtet, vor allem aber überzeugen die überarbeiteten Pickups mit absolut souveräner Umsetzung. Das stimmige Basistonverhalten der PIA wird durch das DiMarzio-UtoPIA-Set souverän mit leicht versetztem Akzent elektrisch gewandelt. Der verdiente Erfolg der JEM findet somit in der PIA eine erfreuliche Verfeinerung. Spieler mit virtuosen Ansätzen in Verwandtschaft zu Steves Saitenartistik sollten sich allerdings nur bei finanzieller Unabhängigkeit der drohenden Suchtgefahr durch dieses fabelhafte neue Vai-Signature-Modell aussetzen. In Summe: rundum großartiges Genre-Instrument das keine Fragen mehr offen lässt – Danke Steve!

PLUS

  • oberfektioniertes Signature-Design
  • Schwingverhalten, Sustain
  • DiMarzio-UtoPIA-Pickups
  • kraftvoll runde Sounds
  • schalttechnische Flexibilität
  • Hals, Spieleigenschaften
  • Bundierung, Setup
  • Edge-Tremolo, ultraleichter Carbon/Fiber-Arm
  • minutiöse Verarbeitung

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2020)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. geiler Preis, war zu erwarten…

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  2. Ibanez scheint jetzt völlig abzudrehen.Für satte 3.500,-€uro würde ich mir lieber eine Gitarre nach meinen ganz persönlichen Wünschen von meinem Gitarrenbauer im Landkreis Oberhavel/bei Berlin anfertigen lassen!
    Einzig die extra-vaganten Pickupkappen dieser überteuerten Ibanez finde ich interessant.
    Von Ibanez bin ich letztlich seit etlichen Jahren total enttäuscht.Fehlerhafte Lackierungen (Roadcore-Serie) schwere Hölzer (Artist-Serie,Darkstone und Iceman),unsaubere Verarbeitung,Set-up mangelhaft und nervig klappernde Batteriefächer (Ibanez Acoustic Gitarren mit Preamp-Systemen) sind sehr auffällige Qualitätsmängel,die mich persönlich einen riesigen Bogen um eben diesen besagten Gitarrenfabrikanten mit Hauptsitz in Japan machen lassen.
    Desweiteren nimmt Ibanez fast alljährlich immer häufiger Gitarrenmodelle aus dem Programm und ersetzt das Sortiment mit unzähligen Neuheiten,die dann nächstes Jahr wieder verschwinden um darauffolgend wieder durch andere kurzlebige Modelltypen ausgetauscht werden.
    Die Modellpalette ist speziell bei Ibanez derzeit fast unüberschaubar geworden,weshalb es so gar keinen Spaß mehr macht sich zukünftig weiter auf dieses Label zu konzentrieren.
    Schade,dabei fing ich damals mit einer schlichten Ibanez Saber 450 an,die noch heute in meinem Besitz ist.
    Die damalige Verarbeitung und die Preise waren einfach top.
    Leider alles Vergangenheit.

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  3. Die Zahlen erklären wohl eher nicht das Geburtsdatum. Da hätte ein Blick in Wikipedia genügt, um das wahre Geburtsdatum zu erfahren. Das zu eruieren war dem Schreiber dieses Artikels wohl zu viel Arbeit.
    Wie schon im Beitrag oben von Haseppio beschrieben, hat Ibanez stark nachgelassen und ich mache mittlerweile auch einen großen Bogen um diese Marke.

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