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Test: Ibanez EHB1265MS

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(Bild: Dieter Stork)

Mit dem EHB1265MS erhält die moderne Serie der beliebten Kopflosinstrumente erneut Zuwachs. Während die Ausstattung identisch zur 1000er-Serie ist, erinnern Auswahl und Optik der Hölzer eher an die Instrumente der edleren 1500er-Serie. Zeit, herauszufinden, wie sich der „Wandler zwischen Welten“ in der Praxis schlägt.

Bisher war edle Holzoptik den Instrumenten der teuersten EHB-Serie vorbehalten, andere Modelle gab es zunächst nur mit deckenden Buntlacken. Dies ändert sich nun, und wer ein paar Euro weniger ausgeben, aber nicht auf das edle Design verzichten möchte, könnte sich durch den neuen 1265MS angesprochen fühlen.

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IM VERGLEICH

Allerdings werden im Vergleich zum 1005MS immer noch etwa 200 Euro Aufpreis fällig, während die Differenz zum 1505MS „nur“ noch etwa 150 Euro beträgt. Umso spannender ist die Frage, ob diese 200 Euro einen echten Mehrwert erkaufen oder ob man lieber noch ein wenig mehr spart und zum 1505MS greift. Wie alle Instrumente der EHB-Baureihen bringt auch der 1265MS erfreulich wenig Gramm auf die Waage. Mit etwa 3,9kg ist er zwar nicht mehr der leichteste Vertreter dieser Bauart, aber für einen 5-Saiter immer noch angenehm leicht.

Sicherlich trägt der gekammerte Eschekorpus einen Teil zu dem recht geringen Gewicht bei, ebenso die Abwesenheit einer schweren Kopfplatte. An dieser werden die Saiten mittels Madenschraube fixiert. Sie besteht nur aus einer kleinen Verlängerung des 9-streifigen Halses aus Panga Panga und Walnuss. Das Resultat ist eine stimmige Ergänzung zur – durch ein zusätzliches Wurzelholzfunier – edel anmutenden Optik der Walnussdecke, sowie eine tolle Ausbalancierung in nahezu allen Spielpositionen. Insbesondere der Winkel zwischen den oberen und unteren Korpushälften sorgt für ein regelrechtes Anschmiegen an den Körper. Dass die Halsrückseite mit einem Satinlack überzogen ist, trägt zu einem mühelosen und ergonomischen Spielgefühl bei.

Korpus aus Esche mit Decke aus Walnussholz plus Wurzelfurnier (Bild: Dieter Stork)

Dank des schlanken Halsprofils und des tiefen Cutaways sind Lagenwechsel und schnelle Läufe ein Kinderspiel. Nur leider wird der grundsätzlich sehr gute Eindruck etwas getrübt: Bei meinem ersten Testexemplar gab es gleich zwei Probleme, wobei eins nur kosmetischer Natur, jedoch Resultat nicht komplett durchdachten Designs ist.

Im Lieferumfang des Basses befindet sich nämlich neben einer selbstklebenden Fingerramp noch ein Gitarren-Gigbag. Das ist für kopflose Bässe zunächst nichts Ungewöhnliches. Problematisch ist dabei jedoch, dass der Bass mit der obersten Kante des Kopfstückes das Gigbag komplett ausfüllt und es beim Transport so zu Abrieb des Lackes am Reißverschluss kommen kann. Da das Bag sowieso nicht sonderlich stabil ist, empfiehlt sich hier in jedem Fall die Anschaffung einer hochwertigeren Tasche.

Problematischer waren allerdings einige aus dem Holz gedrückten Bundenden entlang des Griffbrettes, was eine flache Saitenlage unmöglich macht. Sowas kann immer mal passieren, Holz arbeitet eben. Zudem ist hier die Lackierung, die die Walnussdecke vom Eschekorpus abhebt, nicht 100% sauber ausgeführt. Nach Rücksprache mit dem Vertrieb ist mir ein zweites Instrument zugeschickt worden, das beide Probleme nicht hat.

(Bild: Dieter Stork)

PRAXIS

Davon ab spielt es sich wirklich angenehm auf dem Bass. Einschränkungen bei Spieltechniken gibt es keine, das Instrument macht alles mit, ohne dass es in irgendeiner Form anstrengend wäre. Klanglich sieht es da etwas anders aus. Nicht zuletzt auch wegen der verlängerten Mensur der H-Saite werden die Bässe trocken und druckvoll von den passiven BH2-Tonabnehmern übertragen. Gepaart mit knurrigen Mitten liefert der EHB so ein solides Fundament für so gut wie jede Lebenslage.

Nur leider, und ich weiß, dass ich es bei fast jedem Bass mit diesen Tonabnehmern schreibe, reichen deren Auflösung und Brillanz nicht an das sonst tolle Bass- und Mittenbild heran. Insbesondere im passiven Modus lassen sich die Attack bestimmenden Hochmitten zwar ausmachen, sonderlich präsent sind sie allerdings nicht.

Interessehalber habe ich die Tonabnehmer mittels induziertem Frequenzsweep ausgemessen und mit anderen verglichen, die ich gerade zur Hand hatte. Im Grunde ist der Verlauf vergleichbar mit einem Fender Split Coil, nur mit weniger stark ausgeprägter, charaktergebender Resonanz. Zwar ist der Grundsound „kernig“, aber etwas wie mit der sprichwörtlichen Decke vorm Lautsprecher. Wer sich sowieso nichts aus übermäßig präsenten Sounds macht und sich lieber zurückhaltender im Mix platziert, wird sich daran aber wohl gar nicht so sehr stören.

Frequenzkurven: Bartolini BH2 (grün), Bartolini MK1 (lila), Fender Splitcoil (blau)

Tatsächlich kann der Klang mittels passiver Tonblende sogar noch weiter entschärft werden. Ich persönlich nehme am Amp oder EQ lieber etwas Schärfe raus, als dass ich fehlende Höhen per EQ reindrehen muss. Ein DI-Signal sollte bei einem Allrounder alle Bereiche gut genug ausleuchten. Zum einen ist das einfach persönliche Präferenz und zum anderen sorgt ein Anheben der Höhen immer auch für verstärktes Grundrauschen und Nebengeräusche.

Für Spieltechniken, die von markantem Attack profitieren, wie Slapping oder Tapping, empfiehlt sich das Umschalten in den Aktivmodus per Kippschalter. In diesem Modus wird die Tonblende zum aktiven Höhenregler umfunktioniert, der bei etwa 75% des Regelwegs für ein deutliches Plus im Durchsetzungsvermögen sorgt, während das Rauschen zwar zunimmt, aber noch im Rahmen bleibt. Nun kommt die Bissigkeit in den Hochmitten richtig zur Geltung und sorgt zusammen mit dem leicht komprimierten Charakter der Tonabnehmer für prägnante, artikulierte Sounds.

Für die Feinabstimmung kann der semi-parametrische Mittenregler zur Hilfe genommen werden, entweder um statt eines breiten Höhenbandes nur gezielte Hochmitten zu featuren oder aber um Dröhnfrequenzen beizukommen. Die recht große Bandbreite der Mittenreglung machts möglich. Der Bassregler besitzt reichlich Reserven und ist entsprechend mit Bedacht zu verwenden, eignet sich jedoch gut, um einem allein gespielten Bridge-PU zu mehr Schub zu verhelfen.

 

RESÜMEE

Genau wie die EHB der 1000er-Serie ist auch der 1265MS durch die Tonabnehmerbestückung eher der „runde“ Typ Klanggerät als die erste Wahl für offene, hochauflösende Sounds. Diese Disziplin ist nach wie vor den 150 Euro teureren Bässen der 1500er-Serie vorbehalten. Lohnt sich also der Aufpreis von etwa 200 Euro gegenüber den Basismodellen? Für die edle Optik auf jeden Fall, einen dramatisch anderen Klang gegenüber den weniger teuren Modellen erkauft man sich damit jedoch nicht.

Davon ausgehend, dass es sich bei unserem ersten Test-Gerät um einen Ausreißer im Bezug auf die Endkontrolle handelt, bekommt man hier ein solides Arbeitsgerät in stimmiger Optik. Im Zweifelsfall – aber das gilt ja eigentlich immer – guckt man beim Test im Laden einmal genauer hin.

PLUS

● Bespielbarkeit
● Ergonomie
● Haptik
● vielseitige Elektronik

MINUS

● Endkontrolle
● Gigbag

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2022)

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