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Test: Ibanez BTB 605MS

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(Bild: Dieter Stork)

Für ein Instrument mit 37“ Fächermensur musste man bisher recht tief in die Tasche greifen. Mit dem neuen Zuwachs der BTB-Familie ist der Einstieg in die Welt der superlangen Mensuren nun deutlich erschwinglicher geworden.

Der Markt für 37“-Bässe wurde bisher nicht ohne Grund von Dingwall dominiert. Alternativen gibt es auch heute kaum, zumindest in der Preisklasse unter € 2000. Andere Multiscale-Bässe kommen meist auf 35,5“ für die H-Saite. ESP bietet eine ordentliche Alternative an, für die allerdings auch immer noch etwa € 1800 fällig werden. Mit „nur“ € 1200 ist der neue BTB 605MS also vergleichsweise preiswert. Außerdem hat man die sonst in dieser Preisklasse verbauten BH2-Tonabnehmer durch brandneue Modelle ersetzt. Ich bin sehr gespannt, wie sich der in Indonesien gefertigte Bass in der Praxis schlägt.

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ÜBERSICHT

Der aufgerufene Preis geht für die Ausstattung mehr als klar, umso überraschter war ich, dass der Bass nicht etwa in einem zierlichen Gigbag ausgeliefert wird, sondern direkt mit einem stabil wirkenden Koffer sowie dem obligatorischen Einstellwerkzeug. An einem Mangel passender Gigbags dürfte das aber wohl nicht liegen, denn mit ca. 120 cm Gesamtlänge passt das Instrument noch in die meisten Basstaschen. Bin ich vom Koffer schon recht angetan, so legt der Bass selbst noch eine ganze Schippe obendrauf.

Live macht das „Cerulean Aura Burst Matte“ getaufte Finish noch einmal viel mehr her als es die Bilder erahnen lassen. Der Verlauf vom dunkelblau-grauen Kern in das beinahe metallic-matte Türkis ist gelungen und ziemlich gleichmäßig. Auch die Oberfläche selbst ist unterm Strich wirklich gelungen. Von fiesen Tropfen oder Lacknasen keine Spur. Wer sich auf etwa 20 cm der Oberfläche nähert, wird hier und da kleinste Pusteln im Lack finden, die aber wirklich erst bei genauer Betrachtung überhaupt auffallen. Dieser Lackierung ist es zu verdanken, dass sich der gesamte Bass angenehm weich anfühlt, dabei nicht klebt und auch Fingerabdrücke nicht sofort sichtbar sind. Gepaart mit dem für einen BTB gefühlt schlanken Hals, entsteht so ein müheloses Spielgefühl.

Wohl aufgrund der verlängerten Mensur weist der Bass in allen Spielpositionen jedoch eine leichte Kopflastigkeit auf, die sich mit rutschhemmenden Gurten aber fast vollständig in den Griff bekommen lässt. Mit einem Gesamtgewicht von noch moderaten 4,3 kg kann der Korpus hier einfach keinen ausreichenden Hebel aufbringen. Wie bei vielen BTB ist an der Oberkante des Korpus auch beim 605MS keine Armauflage ausgefräst. Hierdurch macht sich beim Ausbalancieren des Instrumentes durch Druckausübung des rechten Unterarmes (anstatt den Hals mit der Greifhand oben zu halten) die Korpuskante unangenehm bemerkbar. Die Lösungsvariante mit einem geeigneten Gurt erscheint mir für diesen Bass deutlich praxistauglicher.

Von der durchgehenden Ahorn/Walnuss-Konstruktion des Halses sieht man, ob der deckenden Lackierung, zwar leider nichts und auch der Blick auf das Okume-Holz der Korpusflügel bleibt einem verwehrt, aber immerhin bietet das Griffbrett aus Panga Panga einen holzigen Anblick. Dank dessen Optik, irgendwo zwischen Palisander und Wenge, entsteht ein edler Eindruck. Abgerundet wird dieser durch die sauber eingelassenen Edelstahlbünde und elegante, schwarze Hardware.

Blickfänger dürften hierbei die neuen Tonabnehmer mit der Bezeichnung „T1“ sein, die erst seit kurzem von Ibanez verbaut werden. Aufgrund ihres Aufbaus aus je zwei schmalen, abgerundeten Einzelgehäusen muss ich sofort an Humbucker aus dem Hause Le Fay denken. Über den Klang sagt das zwar noch nichts, unterstreicht aber den modernen Anspruch des Basses. Auf alle Fälle heißt dies jedoch auch: mal eben Tonabnehmer tauschen wird nichts. Für dieses Format wäre wohl eine Sonderanfertigung fällig.

ENDLICH!

Dass das aber gar nicht schlimm ist, zeigt sich schon beim ersten verstärkten Ton. Der Output ist nicht nur ziemlich hoch, er ist auch klar und definiert. An die Brillanz moderner HiFi-Tonabnehmer kommt der BTB zwar nicht heran, liefert aber ein absolut ausreichendes und gefälliges Maß an Auflösung im Hochtonbereich. Im Vergleich zu den BH2 anderer Ibanez-Modelle bieten die T1 eine deutlich höhere Klanggüte. Über den per Kippschalter erreichbaren Passivmodus ist der Sound im Vergleich zum Aktivmodus einen Tick dunkler, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass die Aktivelektronik zwei Ausgänge besitzt. Einen mit leichter Höhenabsenkung und einen ohne.

Im sonst unspektakulären Elektronikfach kann mittels des rot markierten Steckverbinders einfach einer der beiden ausgewählt werden. So lassen sich Aktiv- und Passivmodus, falls gewünscht, besser angleichen. Mir gefällt die Ausrichtung der neuen Tonabnehmer gut. Sie reagieren äußerst dynamisch und bieten ein Spielgefühl, das an Singlecoils erinnert und weniger an klassische Humbucker. Im Passivbetrieb funktioniert der Höhenregler als klassische Tonblende und so liefert der 605MS auch eher traditionelle Sounds. Während der Klang mit beiden Pickups kernig und durchsetzungsfähig ist, zeigt sich das typische Bild bei isoliertem Anwählen der T1-Pickups.

In der Bridge-Position verliert das Klangbild massiv an Bassdruck, gewinnt dafür aber stark im Mitteltonbereich, was unter Zuhilfenahme der Tonblende sogar in nasalen oder knorzigen Oldschool-Sounds resultiert. Am anderen Ende des Spektrums steht natürlich der Hals-PU mit vollen Bässen und einem offeneren Klang. Hier werden die Stärken der langen Mensur voll ausgespielt. Die E- und insbesondere die H-Saite stehen voll aber keinesfalls wummerig im Raum. Der BTB bietet einen aufgeräumten, druckvollen Tieftonbereich mit tollem Sustain, was bei einer gegriffenen, auf A gestimmten H-Saite absolut keine Selbstverständlichkeit darstellt. Dank des großen Dynamikumfangs der Tonabnehmer wird jede Nuance im Spiel direkt an den Amp übertragen. Aber natürlich auch jede Unregelmäßigkeit …

Sanft gespielt, tönt der Bass rund bis sogar weich, wo er bei hartem Anschlag oder mit Plektrum gespielt auch richtig „bellen“ kann. Selbst rein passiv deckt das Instrument so eine immense Klangvielfalt ab, die von Vintage bis voll auf die Zwölf reicht. Spätestens beim Zuschalten eines Verzerrers kann die Frage „does it djent?“ mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet werden. Und wenn das nicht reicht? Dann wird der Bass in den Aktivmodus versetzt und so die 3-Band-Elektronik ins Spiel gebracht. Hier gibt es eigentlich nichts Neues zu berichten, schließlich wird genau diese Klangregelung seit einer gefühlten Ewigkeit von Ibanez verbaut.

Die Ibanez-T1-Tonabnehmer in speziell geformten Gehäusen (Bild: Dieter Stork)

EINMAL DAS ÜBLICHE, BITTE

Der Bass-Regler ist in meinen Augen am ehesten am Bridge-PU noch sinnvoll einzusetzen und verleiht dem Sound mehr Druck. Sobald aber der Neck-PU ins Spiel kommt, liefert das Instrument auch ohne EQ ausreichend Fundament und der Regler bleibt besser in der Mittenrastung. Zumal das Low-End dank der langen Mensur wunderbar definiert ist und ein grobschlächtiger Kuhschwanzfilter hier etwas kontraproduktiv wirken kann. Aus der passiven Höhenblende wird nun ein aktiver Höhenregler, das sollte beim Umschalten nicht vergessen werden. Je nach Kontext kann eine dezente Anhebung zu etwas mehr Brillanz verhelfen, ohne dabei für störende Nebengeräusche zu sorgen.

Eine Absenkung würde ich eher mittels Tonblende realisieren, das klingt in meinen Ohren natürlicher. Über das mittlere Poti werden zuletzt noch die Mitten geregelt, deren Einsatzfrequenz per Kippschalter aus drei Werten gewählt werden kann. Die beiden tiefsten eignen sich gut, um anderen Instrumenten im Mix etwas mehr Platz zu machen oder für das Einstellen mittenärmerer Slap-Sounds. Eine Anhebung dieser Frequenzen kann je nach Kontext sicher auch funktionieren, sollte jedoch vorsichtig geschehen, da die Mitten sonst sehr schnell das Klangbild dominieren und es quakig oder matschig werden lassen. Anders sieht es bei der höchsten Einsatzfrequenz aus. Hier macht sich eine dezente Anhebung ganz gut, um in rockigeren Gangarten mehr Durchsetzungsfähigkeit zu erlangen, ohne dabei Klirren zu verursachen.

RESÜMEE

Insgesamt liefert Ibanez mit dem BTB605MS einen tollen Bass, der sich dank extralanger Mensur natürlich im harten Metal wohlfühlt, aber auch als stimmiger Allrounder eine tolle Figur macht. Gepaart mit einer guten Bespielbarkeit und dem sehr konkurrenzfähigen Preis ergibt sich ein mehr als stimmiges Gesamtpaket, das Dingwall wohl den einen oder anderen verkauften Bass weniger bescheren dürfte.

PLUS

● straffes Low-End
● vielseitiger Klang
● Bespielbarkeit
● derzeit günstigster 37“-Serienbass

MINUS

● leichte Kopflastigkeit

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2022)

Produkt: Gitarre & Bass 5/2022
Gitarre & Bass 5/2022
IM TEST: Zoom B6 +++ Framus Wolf Hoffmann WH-1+++ Valco FX KGB Fuzz, Bloodbuzz und Five-O +++ Sandberg California Central +++ Origin Effects Bassrig +++ Lava ME 2 Freeboost & ME 3 +++ One Control Strawberry Red +++ Fender Player Plus Meteora HH & Active Meteora Bass +++ Marshall 2525H & JVMC212 Black Snakeskin LTD

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