Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Die Yamaha SG1801PX Phil X Signature im Test von Gitarre & Bass!
Pedalboard Zweikanaler

Test: Hotone Nano Legacy Floor Mojo Attack

(Bild: Dieter Stork)

Kleine Amps im Pedalboard-Format liegen im Trend, soviel ist sicher. Natürlich möchte auch der preiswert in Fernost fertigende Hersteller Hotone ein Stück vom Kuchen abhaben und mischt den Markt im Budget-Segment mit einem portablen zweikanaligen 75-Watt-Verstärker ordentlich auf.

Eine völlige Neuentwicklung ist der Hotone Mojo Attack nicht. Pate standen zwei Verstärker aus der hauseigenen Nano-Legacy-Serie. Der Overdrive-Kanal entspricht weitgehend dem Heart Attack und bedient sich, laut Manual und Werbetext auf der Hersteller-Homepage, beim Klang eines Mesa Boogie Rectifiers. Der Clean-Kanal unseres Testgerätes stammt aus dem Mojo Diamond und möchte gerne ein Fender Tweed Amp sein.

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Na das ist ja wunderbar. Klein, leicht, kostet wenig und klingt „quasi“ wie ein Boogie-Fender. Dann wollen wir doch mal überprüfen, wie viel Wahrheit in dieser Werbeaussage steckt.

BEDIENELEMENTE

Beim Layout des Mojo Attack gibt es keine Überraschungen. Jeweils ein kompletter Kanalzug mit Volume- und Gain-Regler, sowie traditionellem dreibandigem Equalizer stehen uns pro Kanal zur Verfügung. Zudem ein Reverb-Mix-Regler, wie auch ein Lautstärke-Regler für den fußschaltbaren Boost. Drei Fußtaster für die Kanalwahl und zum Aktivieren und Deaktivieren des Halls, wie auch des Lautstärke-Boosts, runden die Bedienelemente ab.

Zwei Channel-Strips und drei Schalter für Kanalwahl, Boost und Reverb (Bild: Dieter Stork)

Haptisch macht der Mojo Attack zunächst einmal einen sehr guten Eindruck. Die Potiknöpfe sind gut ablesbar und griffig, die Potiachsen drehen sich angenehm schwergängig. Das wirkt tatsächlich erst einmal ausgesprochen „teuer“ und hat in dieser Preisklasse leider eher Seltenheitswert.

An der Stirnseite befinden sich, neben den Ein-/Ausgangsklinkenbuchsen, den Send/Return-Buchsen für den Einschleifweg und dem Anschluss für das externe Netzteil – nebst einem leider etwas wackeligen On/Off-Schalter – auch ein Line-Out und Balanced-Line-Out mitsamt Ground-Lift und Cabinet-Simulation-Schaltern.

Verfügbare Anschlüsse: Input, Output, FX Loop, Speaker Out, DI Out und Netzstrom (Bild: Dieter Stork)

Leider wird der Verstärker über ein relativ großes und spezielles 19-Volt-Netzteil versorgt, mit innen im Stecker liegendem Pluspol und einer maximalen Stromstärke von 4,7 Ampere. Auweia!

Das stellt den geneigten Pedalboard-Planer schon vor Probleme. Mir ist jedenfalls keine platzsparende Alternative zu eben diesem mitgelieferten Netzteil bekannt und falls das Originalnetzteil mal verloren geht oder gar durchbrennt, dann kommt man vermutlich nicht um einen Ersatz aus dem Hause Hotone herum.

SOUND

Eines gleich vorab, selbstverständlich klingt der Mojo Attack nicht wie ein Fender Tweed Amp oder Mesa Boogie Rectifier. Dennoch beeindruckt mich die grundsätzlich als gutmütig zu bezeichnende Klangfarbe des Clean-Kanals sofort. Mit wirklich angenehm geringem Grundrauschen und ausgesprochen tiefmittigem, fast schon belegtem Grundsound, stellt sich der aus dem Mojo Diamond entliehene Kanalzug als gute Basis für Verzerrerpedale dar. Die über eine mit Celestion Vintage 30 bestückte 4×12er-Box erreichbare Maximallautstärke ist für nahezu alle Proberaumbelange ausreichend. Mit Tube Screamer, OCD oder Bluesdriver lässt sich der Mojo Attack ganz wunderbar kombinieren, ohne dass das Signal zu sägig, dünn oder unnatürlich präsent wird.

Der zweite Kanal des Mojo Attack klingt gelinde gesagt „speziell“. Sofern man komprimierte, dunkle Overdrive-Sounds mag, ist man hier völlig richtig. Mit einem Rectifier hat dieser Klangcharakter aber nur den Zerrgrad gemeinsam. Vom Spielgefühl erinnert der Kanal an einen Randall-Hybridverstärker aus der Zeit, bevor Mike Fortin das Randall-Sortiment um seine Schaltkreise erweitert hat. Der dumpfe Grundsound lädt mit P90 oder Singlecoils zu Roots-Punk oder Stoner-Rock ein.

Mit P.A.F.-artigen Humbuckern lässt sich sowohl ein dunkler, wandiger und dichter Gothic-Rock-Sound für genretypische Powerchord-Begleitungen realisieren, als auch ein typischer, wenngleich dunkler Tom-Scholz-„Rockman“-Hardrock-Sound. Aber der Meshuggah-Fan wird hier ganz sicher nicht bedient. Es fehlt einfach an Höhen, Attack und präzisen Bässen.

Der Reverb des Mojo Attack ist ein einfacher digitaler Hall und ähnlich pauschal abgestimmt, wie der integrierte Digitalhall in den Marshall-JVM-Verstärkern. Er klingt eher nach Plate-Reverb, als nach Federhall und daran gibt es nichts auszusetzen, denn wer es gerne anders klingen lassen möchte, dem steht der tadellos funktionierende serielle Einschleifweg zur Verfügung. Hier lassen sich ohne Probleme typische Effektgeräte in den Signalweg bringen, ohne dass man das eigentliche Gitarrensignal verfälschen müsste. Der Einschleifweg des Mojo Attack klingt tatsächlich vorbildlich neutral und verhält sich auch bei sehr laut eingestellten Effektgeräten weitgehend übersteuerungsfest.

Der fußschaltbare Boost verrichtet seinen Dienst ebenfalls wie versprochen und hebt das Signal verzerrungsfrei und nahezu linear um bis zu 12dB in der Lautstärke an.

Beim schnellen Test am Studiomischpult zeigt sich eine weitere Stärke des Hotone. Die Cabinet-Simulation am D.I.-Out klingt ordentlich und passt gut zum Klangcharakter des Mojo Attack.

ALTERNATIVEN

Hotone selbst bietet als Alternative den „Britwind“-Verstärker an, der Vox-AC30- und Marshall-Plexi-artige Sounds produzieren soll. Bei recht ähnlichem Endverbraucherpreis ist der Orange Terror Stamp sicherlich eine naheliegende Alternative, sofern man keinen zweiten Kanal braucht und mit dem britischen Klangcharakter des Stamp glücklich wird.

Zudem könnte man als Gitarrist durchaus einen Trace Elliot ELF Bassverstärker zweckentfremden, sofern man die Verzerrung ohnehin aus Pedalen generieren möchte. Der ELF kann tatsächlich noch etwas höhere Lautstärken erzielen als der Hotone Mojo Attack.

Falls es das Budget zulässt, lohnt sich ein Blick über den Tellerrand. In Preisklassen ab ca. € 650, bietet BluGuitar mit dem Amp1 Mercury und dem Amp1 Iridium die derzeit marktführenden Produkte im Bereich der Pedalboard-Verstärker an.

RESÜMEE

Hotone bietet mit dem Nano Legacy Floor Mojo Attack eine interessante Alternative zu herkömmlichen Gitarrenverstärkern an, die sich klanglich jedoch etwas abseits vom Mainstream-Rock- und Blues-Sound bewegt.

Wer lediglich einen Clean-Kanal als Pedalboard-Plattform sucht und seine Effekte einschleifen möchte, ist mit dem Hotone wirklich gut bedient, der Overdrive-Kanal weiß leider nicht vollends zu überzeugen. Trotzdem geht das Verhältnis von Preis und Leistung beim Hotone Mojo Attack absolut in Ordnung.

PLUS

  • geringes Gewicht
  • hohe Lautstärke
  • pedalfreundlicher Clean-Kanal
  • geringe Nebengeräusche
  • Cabinet-Sim.-D.I.-Signal

MINUS

  • sehr komprimierter Drive-Kanal
  • spezielles Netzteil erforderlich

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2020)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Kleiner Tipp: Wenn das Netzteil abraucht, ist kein teures Original nötig. Ein stinknormales Notebooknetzteil 19V/4,7A tut hier klaglos seinen Dienst und hat auch den Pluspol am Stecker innen. Das kriegt man schon für ca. 12 €.

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