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Taschengeldabrissbirnen?

Test: Harley Benton SolidBass 150C, 600H, 810

(Bild: Dieter Stork)

SolidBass nennt sich die neueste Bassverstärkungs-Reihe von Harley Benton, der Hausmarke von Thomann. Nicht mal 850 Euro müsste man für alle Testgeräte zusammen auf den Tisch legen und wäre für Proberaum und Bühne ausgestattet. Kann man für so kleines Geld große Performance erwarten?

Möglich wird die Preisgestaltung durch Abnahme großer Mengen, als Hausmarke steckt auch kein Vertrieb dazwischen, und die Fertigung geht in China vonstatten.

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ALLGEMEINES

Da die Vorstufe bei Tops und Combos gleich ist, fange ich mal damit an. Zwei Eingänge gibt es, Lo für normale Bässe, Hi für solche mit stärkerem Output. Die Clip-LED, die Übersteuerungen im Eingang anzeigen soll, ist gleichzeitig die Netzleuchte. Sobald der Amp eingeschaltet ist, leuchtet sie grün, bei zu viel Pegel soll sie zu rot wechseln.

Daneben findet sich – ungewöhnlich, aber sehr nützlich – ein chromatisches Stimmgerät. Groß wird der Notenname angezeigt, darüber zeigen zwei Pfeile links und rechts sowie eine LED in der Mitte die Stimmung an. Man hat die Wahl, das Stimmgerät immer laufen zu lassen, oder die Anzeige abzuschalten.

Die obere Reglerreihe in der Mitte ist der Klangregelung gewidmet, mit Bass, tiefen bzw. hohen Mitten, und Höhen kann man bei geschickter Wahl der Einsatzfrequenz schon viel anstellen. Darunter liegt zunächst der Input-Regler, an dem der Eingangspegel justiert werden kann, samt einem Mute-Knopf zum Stummschalten, um z. B. zu Stimmen oder das Instrument zu wechseln.

Der Ein-Knopf-Kompressor ist mit einem An-/Ausschalter gekoppelt, während der Regler für den Miniklinken-Line-In vorgibt, wie laut das Signal eines Handys oder Tablets wiedergegeben wird. Direkt daneben liegt die Kopfhörerbuchse, ebenfalls als Miniklinke, darüber der Master-Regler, der die Lautstärke am internen Lautsprecher, einer Box, oder eben im Kopfhörer regelt.

Zu guter Letzt gibt es noch einen seriellen Einschleifweg mit Send und Return sowie einen DI-Out als XLR, komplett mit Ground-Lift-Schalter zum Unterbrechen eventueller Brummschleifen und Pre/Post-Schalter, um das Signal hinter dem Input-Regler oder inklusive EQ, Kompressor und Line-In, aber vor dem Master abzugreifen. Auf der Rückseite unterscheiden sich das Top und der Combo dann: Netzschalter und Netzbuchse mit Sicherungsschalter haben noch beide, aber wo das Top zwei Speaker-Twist Buchsen (also keine originalen Neutrik) hat und zwei große Lüfter, zeigt sich der Combo lüfterlos und mit einer einsamen Klinkenbuchse, an der der interne Lautsprecher hängt.

150C COMBO

Besagter Speaker ist ein Zwölfzöller mit 4 Ohm, der damit die Endstufe voll auslastet. Dazu gibt es noch ein Horn, das über eine einfache Weiche angekoppelt ist, mit einem ordentlich großen Magneten, allerdings ohne Pegelsteller, das muss dann der EQ erledigen. Die Kammer für die Lautsprecher ist solide gebaut und komplett ungedämpft. Das kann zu Resonanzen führen, bringt aber mehr Lautstärke.

Befestigt ist der Zwölfer stabil mit Gewindeschrauben ausreichender Qualität, geschützt wird er von einem auf eine dämpfende Gummilage geschraubten Lautsprechergitter aus Metall. Die Schallwand hat noch einige Bearbeitungsspuren, die nach Leim und Holzstückchen aussehen, aber hinter dem Lochblech verschwinden. Ungewöhnlich bei einem Gitter ist der umlaufende Keder, also der weiße Plastikzierring, der hier Teil des Gehäuses ist.

Eingepackt ist das keilförmige Holzgehäuse, das man ebenso stabil als Monitor nach hinten gekippt aufstellen kann, in schwarzes Vinyl. Das ist sauber gemacht, kleine Spuren am Boden des Combos legen aber nahe, dass es dünn und mit Vorsicht zu behandeln ist, wobei vier Metallecken vorne etwas Schutz bieten und acht Gummifüße selbiges bei den beiden Standflächen tun. Obenauf gibt es einen Riemengriff, der ausreichend groß und recht bequem ist.

Der Combo ist nicht der kleinste, ich fand ihn aber gut tragbar, solange man damit keine Langstrecken laufen muss. Für kleine Anfängerinnen und Anfänger sähe das natürlich anders aus, da müssten Mama oder Papa ran.

Hinten rum gegriffen erwecke ich den Combo zum Leben – der grünen Netz-LED zur optischen Kontrolle hätte es gar nicht bedurft, um zu merken, dass der Combo jetzt an ist. Selbst gemutet und mit zugedrehtem Master rauscht es schon extremst vernehmlich. Wenn‘s so bleibt, mag es gerade gehen.

Erstmal stimme ich den Bass, was gut geht. Die Anzeige ist groß und ruhig, die roten Pfeile blinken immer langsamer, je näher man dem Zielton kommt. Damit kann man wirklich was anfangen. Ist der Tuner eingeschaltet, bekommt aber kein Signal, blinkt die blaue LED, die sonst die korrekte Stimmung anzeigt. Korrektes Einpegeln geht mit dem Input-Regler, der wie alle Potis angenehm dreht und mit der Frontplatte verschraubt ist, allerdings springt die Clip-LED nicht an …

Die Klangregelung ist gut abgestimmt. Mittenrastungen gibt es nicht, was ich nicht weiter problematisch finde. Der Bass setzt bei 60 Hz an, bringt schönen Punch und füllt den Ton, leise gespielt, sehr gut auf. Die tiefen Mitten mit 200 Hz packen den knurrigen Bereich, während die hohen bei 1 kHz liegen und aufgedreht Durchsetzungsfähigkeit zugeben oder zurückgedreht den Sound glatter und edler machen. Die Höhen selbst setzen bei 4 kHz an, nicht irre hoch, aber so, dass der Ton schön aufklart oder mollig abgerundet wird.

Macht einen richtig guten Eindruck … der dann ziemlich zunichte gemacht wird, wenn der Master weiter aufgedreht wird. Herrje, rauscht das. Da kann ich machen was ich will, es wird nicht weniger. Was dazu noch auffällt und auch nicht über die Nebengeräusche hinwegtröstet, ist einsetzende Verzerrung. Des Rätsels Lösung ist auch nicht der Eingang, sondern der Lautsprecher, der schon ziemlich früh überfordert ist. Jetzt leuchtet auch die Clip-LED, die ungewöhnlicherweise nicht an den Input, sondern an den Output gekoppelt ist.

An eine andere Box angeschlossen ist alles noch klar und deutlich – der Speaker, der den Amp voll auslasten sollte, kann das Potential der Endstufe nicht ausspielen. Mit dem Kompressor, der schön einfach zu bedienen ist, den Ton gut verdichtet und erstaunlich gut klingt, geht noch etwas mehr, aber auch dann kapituliert der Speaker bald wieder.

Unangenehme Resonanzen sind bei der erreichten Lautstärke nicht zu hören, gut möglich allerdings, dass das daran liegt, dass ich einfach nicht in Bereiche vordringen konnte, wo sie zum Tragen kämen. Nach kurzer Rücksprache bezüglich des Rauschens mit dem Vertrieb steht molto rapido ein zweiter 150C vor mir, und siehe da: Hier ist das Rauschen im völlig normalen, nicht störenden Rahmen. Der Lautsprecher ist allerdings leider genauso früh überfordert.

600H TOP

Das SoildBass 600H Topteil kommt ebenfalls sauber in Vinyl gehüllt, wiederum schon mit leichten Druckspuren hier und da, aber nichts Dramatisches. Wie beim Combo hängt das Verstärkerchassis an vier Schrauben im Holzgehäuse. Es ist nach oben offen, um Abschirmung zu gewährleisten, gibt es auch hier leitende Metallfolie an den Seiten und an der Decke des Gehäuses.

Ein großer Riemengriff an der Seite macht das Top mit seinen 11 kg gut tragbar, wünschen würde ich mir auf der anderen Seite noch einen Satz Gummifüße zum Abstellen, statt der Schrauben der Metallecken. Dafür gibt es hier noch Lüftungsschlitze, die mit den beiden Lüftern, ordentlichen Kühlkörpern und weiteren Schlitzen im Boden dafür sorgen, dass das Top nicht überhitzt. 600 Watt sind ja kein Pappenstiel.

Um die überhaupt erzeugen zu können, ist ein großer Ringkerntrafo montiert, der einen vertrauenserweckenden Eindruck macht. Alsdann – ein Griff um den Amp, den Netzschalter betätigt, und … aufatmen. Nicht, dass es ein völliger Leisetreter wäre, aber das ist schon wieder normales Niveau, was nach zwei Songs in der Probe nicht mehr wahrnehmbar ist. Die Lüfter bleiben auch zunächst mal aus, gut so.

(Bild: Dieter Stork)

Einpegeln geht wieder nicht mit optischer Hilfe, auch hier hängt die LED an der nun aber deutlich stärkeren Endstufe. Das ohnehin schwächere Rauschen wird beim Aufdrehen des Masters nur wenig lauter, auch Zugaben im Höhenbereich addieren da nicht übermäßig. Das Top kann die recht gute Klangregelung mit der entsprechenden Box auch ausspielen. Interessante Erkenntnisse liefert das Anschließen eines Kopfhörers. Auch hier gibt es ein deutliches Rauschen schon bei zugedrehtem Master.

Aus reiner Neugier stecke ich den Bass mal in den Effects-Return – und bin erstaunt, dass der Ton nochmal an Tiefe und Detailreichtum zulegt, da verschluckt der EQ doch etwas. Mit Treble auf etwa zwei Uhr kommt man dem nahe, aber so ganz kriegt man das nicht hin. Derselbe Effekt stellt sich auch ein, wenn ich den DI-Out auf Pre schalte, wobei etwas kontraintuitiv der Schalter für Pre gedrückt ist, bei Post draußen. Nachdem ich das Wort „Rauschen“ schon so oft erwähnt habe, kommt hier jetzt was Neues: Der DI-Ausgang ist Pre wie Post rauscharm! Damit kann jede PA befeuert werden, ohne dass sich der Mischer oder die Mischerin beschweren wird.

810 BOX

(Bild: Dieter Stork)

Eine gute Wahl, um die Power des 600H auf die Bühne oder in den Proberaum zu bringen, wäre bestimmt eine große, leistungsstarke Box, wie zum Beispiel die SolidBass 810, oder? Die verkraftet 900 Watt – sagt das Datenblatt. Ich vermute mal 100 Watt pro Speaker und 100 Watt obendrauf für die reine Großartigkeit? Ebenso schräg ist die Angabe des Frequenzgangs für alle Boxen der Reihe mit 60 Hz bis 20 kHz, egal ob ein 15er, acht 10er, Hochton oder nicht …

Das Bauprinzip kennt man von der klassischen Ampeg-Box: acht Zehnzoll-Lautsprecher in vier geschlossenen Kammern, kein Hochtöner. Dem Rotstift zum Opfer gefallen sind allerdings Rollen und der Handtuchhalter oder andere Griffe auf der Rückseite. Tragen kann man die Box nur an den beiden Metallgriffschalen links und rechts. Die sind solide mit dem Gehäuse verschraubt, die Gewindeschrauben greifen innen in Metallrahmen.

Die Platzierung ist auch gut gewählt, zu zweit lässt sich das Viech gut bewegen. Alleine geht das, trotz für die Größe moderatem Gewicht, nur auf Kurzstrecke. Ebenfalls klassisch ist die Abdeckung der Schallwand mit einem auf einen Rahmen gezogenen Frontbespannstoff, der mit Klett an der Box hält. Hier ist der Keder denn auch sauber um den Rahmen getackert. Der Stoff nennt sich „British Style“, ist optisch aber mit der modernen Ampeg-Box vergleichbar, wenn auch dünner und weniger strapazierfähig.

Auch hier ist die Schallwand nicht die sauberste (wenn man denn die Front mal abnimmt), und das Vinyl ist sauber geklebt, aber wieder von eher dünnerer Qualität. Man sollte also eine gewisse Vorsicht walten lassen, wenn die 810 bewegt werden soll, einfach in den Kombi oder den Transporter schubsen sollte man sie nicht. Die Lautsprecher haben einen Pressblechkorb und konventionelle Magnete in ordentlicher Größe, die Kabel sind recht dick gewählt.

Wie die Mutter aller Bass-Kühlschränke braucht auch die Harley Benton etwas mehr Input, um adäquaten Output rauszutun. Sprich: Der Amp darf und muss aufgedreht werden! Dann kommt die geslappte leere E-Saite aber auch wie der Dicke Pitter. Meine Fresse! Sie benimmt sich exakt so, wie von einer Box dieser Art erwartet. Der ganz tiefe Bass wird weggelassen, was im immensen, gleichmäßigen Punch-Bereich gar nicht auffällt, außer dass nichts wummert oder dröhnt.

Die geschlossene Konstruktion sorgt auch dafür, dass die Auslenkungen der Speaker kontrolliert werden und eine natürliche Kompression einsetzt, die den Ton noch fetter macht. Dabei kommen die Höhen erstaunlich klar rüber, der nicht vorhandene Hochtöner fällt nicht wirklich ins Gewicht, wenn man nicht gerade einen expliziten Hifi-Sound haben will. Dafür gibt es sicher passendere Boxen. Genau der klassische Ton einer Old-School-Achtmalzehn wird hier abgeliefert, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Hut ab!

RESÜMEE

Am Ende meines Tests stehen Licht und Schatten. Die SolidBass 810 glänzt, vielleicht nicht mit vielseitigem Sound, aber genau DEN Sound bringt sie Eins-A rüber, mit Power und ohne in die Knie zu gehen. Dafür zahlt man einundvierzig Euro und zwölfeinhalb Cent pro Lautsprecher in der Box, wenn wir die Tatsache mal außen vor lassen, dass man ja auch noch ein Gehäuse dazubekommt, und auch Verpackung und Versand nicht umsonst sind. Wie geht das?

Vielleicht wäre sie noch besser, wenn sie einen Hunderter mehr kosten würde (und damit immer noch unschlagbar günstig wäre), dafür aber Rollen, rückseitige Griffe und Kufen hätte. Der SolidBass-150C-Combo würde von einem stärkeren Speaker profitieren, die Grundidee (Ausstattung der Vorstufe, Gehäuse normal oder als Monitor nutzbar) ist gut. Mein Erlebnis mit dem Rauschgenerator, den ich zuerst zum Test bekommen hatte, zeigt, dass man in dieser Preisklasse auch schon mal mit Montagsmodellen rechnen muss, die dann natürlich umgetauscht werden.

Das SolidBass-600H-Top hätte sicherlich auch noch mehr Potential. Mit Vorstufe klingt es ein wenig verhangener als direkt in den Return gespielt, dafür ist die Vorstufe über den DI-Out rauscharm, was man von der Endstufe wiederum nicht behaupten kann. Dennoch klingt es ordentlich, liefert eine glaubwürdige Leistung, und verdient ebenso wie die Harley-Benton-810-Box das Prädikat „gut fürs Geld“.

PLUS

● Wiedergabe, Leistung und Lüfter (600H)
● Sound (810)
● Preis/Leistung (810)

MINUS

● zerrender Speaker (150C)

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2020)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ich finde es bedauerlich, das immer mehr Made in China auf den Markt kommt. Angesichts der Menschenrechtsverletzungen in China ist der Kauf solcher Produkte nicht akzeptabel.

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