Produkt: Gitarre & Bass 12/2019
Gitarre & Bass 12/2019
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Archtop mit Parlor-Charme

Test: Gris Gris Guitars Komet

(Bild: Dieter Stork)

Small is beautiful! In letzter Zeit immer häufiger zu sehen sind Gitarren mit annähernden Model-Maßen: superschlank und federleicht. Das Archtop-Modell Komet von Gris Gris ist ein gutes Beispiel für diese sehr spezielle Richtung, die offenbar bei vielen Spielern Interesse weckt und vermehrt Zuspruch findet.

Anregungen für seine Gris Gris Guitars findet Johannes Stuhl bei europäischen E-Gitarren-Designs der 50er- und 60er-Jahre. Seine Passion lebt er in Mudau – liegt auf halbem Weg zwischen Heidelberg und Würzburg – wo er in der eigenen Werkstatt 10 bis 15 Instrumente im Jahr fertigt. Neben dem Archtop-Modell Komet sind die ebenfalls schlank gestalteten Electrics Sputnik und Orbit zu haben, auch eine Resonatorgitarre gehört zum Programm.

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STIMMIG KONSTRUIERT – DETAILREICH GEBAUT

Nach einem lang anhaltenden Trend zu immer größeren Acoustics wie Dreadnoughts und Jumbos, oder auch zu ausladenden Archtops wie etwa den D’Angelico-Modellen der 40er-Jahre im Straßenkreuzerformat, wurde der Charme kleiner Designs nach und nach wiederentdeckt. Anlehnungen an frühe feingliedrige Bauweisen, wie sie etwa von Parlor-Gitarren repräsentiert werden, haben längst wieder Einzug ins Standard-Repertoire auch größerer Hersteller gehalten.

Greift man noch weiter zurück, sind schon im 17. Jahrhundert verbreitet schlanke kleine Kunstwerke mit Namen wie Chitara hispanica oder Chitarra battente zu finden und selbst Antonio Stradivari baute zierlich elegante fünfchörige Gitarren. Amtliche Jazzgitarren in kleinen Bauformen sind aber eher selten anzutreffen, eher findet man sie im Billig-Segment der 50er- und 60er-Jahre als abgespeckte Schlaggitarren.

(Bild: Dieter Stork)

Das Design von Gris Gris Guitars wiederum ist absolut ernst zu nehmen, steht mit seinen Beinen allerdings in durchaus verschiedenen Lagern. Die Komet ist einerseits Archtop von einigem Parlor-Charme und weckt andererseits mit ihrer traditionellen „Fiddleback“-Optik Assoziationen an klassische Streichinstrumente. Auf jeden Fall aber haben wir es mit einem gut konstruierten und sorgfältig von Hand gefertigten Einzelstück zu tun, das mit einer Fülle von beeindruckenden Aspekten aufwartet.

Die Details: Der an den Zargen gleichmäßig gut 5 cm tiefe Korpus der vorgelegten Komet ist aus laminierten Hölzern gefertigt, optional ist auch Massivbauweise mit von Hand geschnitzten Tonhölzern möglich. Das zur Verwendung gelangte Laminat der von einer Kreuzbeleistung unterbauten Decke ist selbstgefertigt und besteht aus dreischichtig in Längsrichtung laminierter Alpenfichte (quarter sawn), ist also keineswegs mit dem Sperrholz billiger Gitarrendecken zu verwechseln.

Der optisch attraktive Boden aus spiegelgleich gefügtem Riegelahorn und die Zargen bestehen ebenfalls aus laminiertem Material. Die Decke mit filigran gearbeiteten f-Löchern und der Boden wurden in leichte Wölbung gepresst, die Ränder sind von Bindings aus goldgelbem Perloid (echtes Celluloid) eingefasst.

Der in Höhe des 14. Bundes in den Korpus eingeleimte, zweiteilige Hals aus mittig gefügtem Riegelahorn bekam ein von nämlichem Perloid eingefasstes Griffbrett aus Ebenholz aufgesetzt. In dem finden wir 20 schlanke und recht hohe Bünde, die bis hart an die Griffbrettränder vorgezogen platziert wurden und sich demgemäß etwas scharfkantig anfühlen. Filigran gestaltete kreisförmige Inlays markieren die Lagen.

Die im Winkel über eine fein ausgearbeitete Volute herausgeführte und in Form einer Acht tailliert gestaltete Kopfplatte orientiert sich ebenfalls an klassischen Beispielen, wie sie etwa bei den Gitarren des 19. Jahrhunderts von Meisterbauern wie Stauffer oder Lacôte zu finden sind. Einzelne Mechaniken von Kluson – soviel Moderne darf sein – gewährleisten verlässliche Stimmung. Schöne Details sind noch die Einlage mit Firmenlogo in den Kopfplatten-Layer aus Ebenholz und die kleine Abdeckung des Halsstabes aus Perloid.

(Bild: Dieter Stork)

Die Saiten werden mit 62,2-cm-Mensur über einen kompensiert ausgearbeiteten Sattel aus Knochen zum handgearbeiteten traditionellen Aufsatzsteg aus Ebenholz geführt, der sich durch eine absolut präzise Anpassung an die gewölbte Decke auszeichnet. Eingehängt werden die Saiten in ein trapezförmiges Tailpiece aus Neusilber und Messing aus eigener Fertigung.

Elektrische Kompetenz erwirbt die Komet durch einen von Hand gewickelten Singlecoil-Pickup mit viereckigen Polepieces, der in Halsposition vorn in die Decke gesetzt wurde. Zur Kontrolle des Tonabnehmers stehen einzelne Volume- und Tone-Regler mit hübschen Knöpfen bereit. Bleibt noch das lange Pickguard aus Perloid zu erwähnen. Das mit großer Detailgenauigkeit gefertigte Instrument ist in Vintage Sunburst mit dünn aufgetragenem Nitrolack versiegelt.

(Bild: Dieter Stork)

AKUSTISCH HOMOGEN – ELEKTRISCH FOKUSSIERT

Mit Halsansatz am 14. Bund und einer Mensur von immerhin 62,2 cm fällt uns ein Instrument in die neugierige Hand, das trotz leichter Einschränkungen seiner kompakten Bauweise wegen mit ausgesprochen komfortablen Spieleigenschaften und souveräner Klangausstattung aufwartet. Natürlich sind die letzten Bünde baubedingt nur schwer zu erreichen und die für eine optimale Saitenauflage bis an die Griffbrettkanten vorgezogenen Bünde fühlen sich bei manchen Handhaltungen etwas kantig an, davon abgesehen aber schmeichelt der sehr schön rundlich mit leichtem V auf die Mittelachse zu profilierte Hals der greifenden Hand ganz außerordentlich.

Bei tief gehaltener Saitenlage schwingen die geschliffenen Saiten bei mittlerem Anschlag in allen Positionen nebengeräuscharm und gleichmäßig aus. Von der Tonlänge her kann die Komet zwar nicht mit der Ausdauer einer Solidbody konkurrieren, aber dafür ist die Ansprache schnell und direkt, der Anschlag wird mit perkussiv markantem Akzent herausgestellt. Eigenschaften also, die der anvisierten Spielweise angepasst erscheinen und die ist eindeutig dem Jazz zugewandt.

Als akustisches Instrument geht natürlich auch mehr, aber sobald wir einstöpseln erweist sich der Singlecoil eindeutig als Jazz-affin, ist also weniger für etwa honkend dampfenden Blues geeignet. Kein Problem, denn ein spezielles Instrument wie dieses muss und will kein Allrounder sein. Das tonale Ambiente erscheint über den Verstärker gehört also auf gewisse Weise ebenfalls eingeschränkt, was aber durch die Klasse der Darstellung wettgemacht wird.

(Bild: Dieter Stork)

Der Ton kommt klar, rund und smooth, hat also samtenen Glanz und auf den geschliffenen Basssaiten wohl eine nicht sehr tief reichende, leicht stumpfe Artikulation, die aber schlicht und ergreifend dem berühmten Handschuhton zuzuordnen ist. Dieser ausgesprochen holzige Ton ist wie ein dunkles Raunen und genau das verleiht Linien eine markante Definition. Ansonsten sind Akkorde mit bester tonaler Öffnung und plastischer Auflösung zu haben, Melodiespiel wird griffig und perlrund umgesetzt.

Dieses spezielle Ambiente ist ausdrucksstark in einem kleineren Sinne, aber auf seine Art auch harmonisch perfekt geschlossen. Sehr feinfühlig lassen sich im Übrigen die elektrischen Sounds auch noch über die Volume- und Tone-Regler abstimmen. Auch bei etwas heruntergeregeltem Output oder mit leichten Bedämpfungen sind hier facettenreiche Klangabstufungen zu finden, die es an dynamisch-flexiblem Ausdruck dann immer noch nicht mangeln lassen.

Von Hand gewickelter Singlecoil-Pickup (Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Mit dem Modell Komet hat Johannes Stuhl von Gris Gris Guitars ein höchst eigenes, ganz dezidiert auf Jazz-Spielweisen ausgerichtetes Modell entwickelt, das Aspekte aus dem historischen Gitarrenbau nur zitiert, um sie dann auf originelle Art und Weise wieder neu zusammenzufügen. Im Ergebnis muss diese feine kleine Archtop keinen Vergleich scheuen, so man denn überhaupt ein angemessenes Objekt findet.

Das stimmig konstruierte und sorgfältig von Hand gebaute unikale Instrument vermittelt ein eng gefasstes, besser gesagt zugespitzt definiertes Klangerlebnis für das spezialisierte Ohr. Akustisch gespielt kann sie dem Jazzgitarristen die nette, überaus leichte und leicht zu handhabende Sofagitarre sein, aber dank ihres sauber elektrisch übersetzenden Singlecoil-Pickups dann durchaus auch das perfekte kleine Besteck für eine lässige Bühnenpräsenz. In Summe: Rundum schöne Arbeit, die den Liebhaber sucht, aber fraglos auch finden wird!

PLUS

● originelles Design
● stimmige Konstruktion
● Schwingverhalten
● handgewickelter Pickup
● organische Sounds
● Halsprofil
● Spielgefühl
● Verarbeitung, Widmung für das Detail

MINUS

● etwas scharfkantige Bundenden

Produkt: Fender Stratocaster
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