Produkt: Fender Stratocaster
Fender Stratocaster
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Dreckspatz

Test: GR Bass Dual 800

(Bild: Dieter Stork)

Hatte ich bislang nur Begegnungen mit Sauber-Amps aus dem Hause GR Bass, steht heute der Dual 800 an, der nicht nur mit gleich zwei cleanen Kanäle aufwartet, sondern auch mit der Zerreinheit aus dem Pure-Drive-Preamp.

CANALE GRANDE

Der Haupteingang ist Input 1, den ich per Minischalter je einem Kanal oder beiden gleichzeitig zuweisen kann. Der zweite Input ist fest Kanal 2 zugeordnet, wenn nur dieser genutzt werden soll, oder zwei Bässe (oder ein Bass und ein Keyboard, oder ein Bass mit doppeltem Ausgang) an je einen Kanal angeschlossen werden. Neben dem Aux-In verortet, finden sich diese, zunächst identischen, Klangregelungen: Gain stellt den Eingangspegel ein, Deep gibt einen Bass-Boost dazu, feiner geht es mit dem Bassregler. Der Regler für die tiefen Mitten kann mittels Mini-Schiebeschalter zwischen 185 Hz, 375 Hz und 800 Hz, der für die hohen Mitten zwischen 600 Hz, 1200 Hz und 1800 Hz umgeschaltet werden. Treble und ein Bright-Schalter schließen den EQ ab.

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(Bild: Dieter Stork)

Nach dem Line-Out-Pegel-Regler trennen sich die Wege und jeder Kanal bekommt seine Extraausstattung. Für Nummer 1 ist das der Pure-Schalter, der die Klangregelung abschaltet. Darauf folgt der Lautstärkeregler für den Kopfhörer mit danebenliegender Buchse, die in der vorliegenden Version tatsächlich ausschließlich diesen Kanal wiedergibt, egal was am Amp angewählt ist, selbst wenn über die Box Kanal 2 oder ein Mix zu hören ist.

Etwas seltsam und definitiv ein Punkt für ein Update … Ein weiterer Schalter aktiviert den Mute, schaltet also alle Ausgänge stumm und den integrierten Tuner an, den Abschluss macht der Master-Regler für Kanal 1. Etwas oberhalb davon liegt noch ein kleiner Taster, mit dem die Funktion der LED-Kette gewählt wird: Die 24 LEDs können als VU-Meter geschaltet werden, als permanent aktives Stimmgerät, oder – wenn einem die Lichtshow zu spektakulär ist – komplett aus, außer man mutet den Amp.

Die letzte Einstellung merkt sich das Top. Hält man den Taster länger gedrückt, wird der Lüfter ausgeschaltet. Der ist nicht allzu laut, temperaturgesteuert und damit eh nicht im Dauerlauf, in sensiblen Situationen, z. B. im Studio, kann der Einsatz damit aber deutlich verzögert werden. Diese Einstellung merkt sich der Amp nicht, er geht mit jedem Einschalten wieder in den Live-Modus. Die untere Reihe hält die Zerr-Einheit bereit. Zunächst ein Schalter, um Bässe aus dem verzerrten Ton zu filtern, dann der Drive-Regler für den Zerrgrad. Blend mischt den Drive-Sound dazu, der Mod-Schalter wählt die Zerrcharakteristik. Zu guter Letzt hat auch der Kanal 2 einen Master-Regler zu bieten.

Hinten gibt es neben Netzsteckeranschluss samt Netzschalter zwei Ausgänge zur Stromversorgung: 9 Volt mit 300mA für Effektgeräte und USB, gleichfalls mit 300mA zum Laden von Mobiltelefon oder Tablet. Nette Zugabe! Ein optionaler Vierfach-Fußschalter, der Mute und Kanalanwahl (1, 2, 1+2) fernbedient, kann ebenfalls angeschlossen werden. Der serielle Effektweg ist wieder ausschließlich Kanal 1 zugeordnet. Gleich zwei XLR-Buchsen geben ihr Signal an Interface oder Mischpult weiter, gemeinsam in Pre/Post-EQ und Ground-Lift schaltbar. Über einen weiteren Schalter können sie zusammengelegt (dann führen sie beide das gleiche Signal) oder getrennt werden (dann geht jeder Kanal auf seinen Ausgang).

(Bild: Dieter Stork)

Sehr praktisch, wenn man dem FoH das letzte Wort über den Mix beider Kanäle lassen möchte, oder wenn an jedem Kanal ein Instrument hängt, was dann auch über die PA getrennt bearbeitet werden soll. Ein nicht sichtbares, aber sehr praktisches Feature ist die Automatik, die die DIs knack- und knallfrei vom Pult trennt, wenn der Verstärker ausgeschaltet wird. Die beiden Speakon/Klinken-Kombibuchsen drücken immer die bunte Mischung in die Boxen, dabei geht es bis 2,7 Ohm runter. Damit können drei 8-Ohm-Boxen oder eine mit vier und eine mit acht Ohm kombiniert werden.

FORTE E DISTORTO

Ein kurzer Lüftereinsatz, eine Lichtshow der LED-Kette, dann zeigen die LEDs neben den Gain-Reglern in blau an, welcher Kanal aktiv und dass der Amp betriebsbereit ist. Eigentlich als chromatisch beschrieben, sind die LEDs fürs Stimmgerät in der Mitte mit BEADGC beschriftet, diese Töne kann er dann auch. Die Anzeige ist in Ordnung und es reicht zum Nachstimmen, ersetzt aber keinen dezidierten Tuner.

Den Soundcheck fange ich doch mal mit Kanal 1 an. Gain eingepegelt, Klangregelung neutral in Mittenraste, Volume-Regler langsam hochgedreht … das funktioniert schon mal gut, kein Sprung am Anfang des Regelweges, und es klingt auch direkt! Griffig, detailliert, plastisch, das sind die ersten Adjektive die mir in den Sinn kommen. Als nächstes kommt noch „rauscharm“ dazu, und je weiter ich den Master aufdrehe, desto mehr kommt mir „laut“ in den Sinn: Die 800 Watt RMS sind absolut glaubwürdig. Der Basssound wird sehr sauber aufgelöst. Wenn ich den EQ per Pure-Schalter deaktiviere, höre ich keinen Unterschied! Reaktiviert darf die Klangregelung zeigen, was sie kann. Und das ist beachtlich.

Die schaltbaren Boosts für Bässe und Höhen sind sauber abgestimmt, ohne den Ton aus dem Lot zu bringen. Feinere Einstellungen gehen mit den satt drehenden EQ-Reglern, die wie alle Potis am Amp verschraubt sind. Der wichtige Mittenbereich ist mit den beiden, je dreifach zentrierbaren Bändern bestens aufgestellt, alle Regler agieren gleichermaßen effektiv. Bei gleicher Einstellung klingt Kanal 2 auch exakt gleich – sofern der Blend-Regler ganz zugedreht ist, ausschaltbar ist die Zerre sonst nicht.

Wer einem Instrument zwei verschiedene cleane Einstellungen verpassen möchte, ist so schon bedient, die Anpassung der Lautstärke erfolgt über den eigenen Master. Verzerrung am Bass (so man sie denn überhaupt möchte) ist ja sehr geschmacksabhängig – diese hier gefällt mir! Mit Blend voll auf Zerre horche ich rein, und es geht von dezentem Knurren über fetzigen Overdrive bis zu feinkörniger Distortion. Dabei bleibt der Ton angenehm stabil, und es klingt immer noch nach Bass. Der zwischen softem und hartem Clipping wählende Mod-Schalter gibt mir dagegen nicht viel. Weder die Verzerrung an sich noch das Gain ändern sich, gedrückt klingt es fetter und lebendiger, also bleibt der Schalter da. Wird der Bassfilter betätigt, reduziert sich – oh Wunder – das Fundament ganz erheblich. Aber dafür sind ja Blend und EQ am Start, womit man wunderbar eine cleane Basis unterfüttern kann.

(Bild: Dieter Stork)

Noch extremere Möglichkeiten ergeben sich beim Betrieb beider Kanäle parallel. Dann kann Kanal 2 den Zerrsound maßschneidern ohne Rücksicht darauf, wie er solo klingt. Alles was dann fehlt, kann mit Kanal 1 dazugeregelt werden, der zudem noch per Effektweg „verziert“ werden kann. Schreiend verzerrte Höhen, Rest clean? Angezerrt knurrende Bässe? Oder die Zerre durch die Mitte mit sauberen Bässen und perlenden Höhen? Alles machbar. Ein Umschalten von Kanal 1 auf beide ergibt allerdings unter Umständen einen ordentlichen Lautstärkesprung, mehr als man als Boost haben möchte. Da fehlt sowas wie ein Master nur für die Kombi, der allerdings auf der ohnehin schon gut gefüllten Front, die auch die Ablesbarkeit der Beschriftung erschwert, kaum Platz hätte.

Die rückseitigen DI-Ausgänge funktionieren sauber, sowohl die Pre/ Post-Umschaltung als auch der Ground-Lift arbeiten wie sie sollen, der gute Ton kommt Post-EQ exakt so und per Line-Out-Regler perfekt eingepegelt beim Interface oder Mischer an. Eine Einschränkung gibt es trotzdem: Per Schalter ist wählbar, ob das Signal jedes Kanals auf den eigenen DI-Ausgang geht, oder ob sie zusammengelegt werden. Letzteres würde ich mir so vorstellen, dass ich live einmal ans Pult gehe und einmal mit dem gleichen Signal zum In-Ear, um so selbst die Kontrolle zu haben. Stattdessen wird aber Line-Out-2 schlicht abgeschaltet … Auch den Pure-Schalter würde ich mir für beide Kanäle wünschen, um EQ-Einstellungen schnell mit dem unbeeinflussten Ton abgleichen zu können.

RESÜMEE

Nach den betörend klaren Amps, die ich bislang von GR Bass testen durfte, entpuppt sich der Dual 800 als feiner Dreckspatz. Das Saubere hat er dabei nicht verlernt, druckvolle, laute Cleansounds sind weiterhin abrufbar, und das gleich doppelt. Die Erweiterung um Zerre und Kanalmischungen macht das Top aber noch flexibler und auch für Rocker spannend. Nur beim Kopfhörer und bei der DI-Lösung würde ich mir ein Update wünschen, dann wäre der Dual 800 perfekt!

PLUS

  • Zerr- & Clean-Sounds
  • Konzept & Optionen
  • Verarbeitung
  • Leistung

MINUS

  • Kopfhörerausgang immer Kanal 1
  • DI-Mix nur auf Ausgang 1

(erschienen in Gitarre & Bass 03/2021)

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