Tonangeber

Test: Good Tone Pickups

Oha – beliebig austauschbare Pickups in einer Gitarre. Ist das nun die Lösung aller Probleme, oder verwässert das lediglich die klare Linie? Interessante Fragestellung. Um die Gitarre geht es hier aber gar nicht, sondern um die eingesetzten und zack-zack auszuwechselnden „Swiss Handmade Pickups“. Good Tone bietet sein umfassendes Sortiment von Tonabnehmern aller Art mittlerweile auch in Deutschland an und wir wollen einfach einmal wissen, ob die Produkte ihrem Namen gerecht werden.

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Gitarrenbauer und Soultool-Designer Egon Rauscher ist Eidgenosse und denen eilt ja ein gewisser Ruf voraus. Dem akribischen Image entsprachen tatsächlich auch die uns schon zuvor von Egon vorgelegten Arbeiten. Good Tone, die von Ralf Schönberger ebenfalls in der Schweiz gegründete Firma, konnte sich als unabhängiger Hersteller von Pickups einen Namen machen. Soultool und Good Tone sind zwei getrennte Unternehmungen, welche aber eng zusammenarbeiten. Die gute Nachricht für den deutschen Markt: ABM Hardware (abm-guitarpartsshop.com) hat Good Tone Pickups seit dem letzten Oktober neu ins Online-Sortiment aufgenommen.

mannigfaltige klangwandler

Die Soultool SwitchBitch, Egon Rauschers Interpretation des Single-Cutaway-Designs, dient mit ihrer wandelbaren Elektrik an dieser Stelle nur als Mittel zum Zweck, also als Träger der Good Tone Pickups, deren Qualität es zu prüfen gilt. Die Gitarre muss aber ja dennoch zuerst einmal qualifizierte Schwingungen anliefern, die sich dann in unterschiedliche Klangfarben elektrisch wandeln lassen. Deshalb zuvor ein kurzer Abriss der zugrunde liegenden SwitchBitch-Konstruktion: Korpus aus Erle; geschraubter Ahornhals mit speziellem Soultool Bolt-in Neck Attachment; Griffbrett aus Pau Ferro mit 12″-Radius; 22 Bünde in „Special Light Steel Quality“; 2-Zone-Fretting; Mechaniken in 4 + 2-Anordnung; Hipshot Hardtail Bridge.

Die Elektrik: Die SwitchBitch ist mit Halterungen ausgestattet, in die sich die auf Kunststoffträger montierten Good Tone Pickups vom Korpusboden aus leicht und schnell einstecken lassen. In den drei Positionen Hals, Mitte und Steg ist der Wechsel auf beliebige Tonabnehmer also quasi spontan möglich, der Kontakt wird durch das Prinzip des Bananensteckers gewährleistet. Über einen Fünfwege-Kippschalter lassen sich die Pickups konventionell anwählen, der Mittel-Pickup ist dabei allerdings nicht allein, sondern nur in Kombination schaltbar (Mittelstellung des Schalters Hals- + Steg-PU); Kontrolle geben generelle Volume- und Tone-Regler. Sage und schreibe zwölf verschiedene Pickups stehen uns nun für diesen vergleichenden Test zur Verfügung:

  • Humbucker Mr. Brown (schwarz ohne Cover) Alnico 5, AWG42 Polywire
  • Humbucker Set Vintage 59 Neck und Bridge, mattierte Nickelsilber-Cover, Alnico 2, AWG42 Plain Enamel Wire
  • Humbucker Set Goodtron Filtertron Replikas, Neck und Bridge, Alnico 5, AWG42 Plain Enamel Wire
  • P90 Set mit Hot P90 Bridge, Alnico 5, und Classic P90 Neck, Alnico 2, AWG42 Polywire
  • Strat Singlecoil Set Classic 50 Strat, Alnico 5, AWG42 Formvar Wire
  • Tele Singlecoil Set Blues Tele, Alnico 3, AWG42 Polywire

linguistik der tonfarben

Die SwitchBitch ist als Träger ein grundsätzlich gut klingendes Instrument mit allerbesten Schwingeigenschaften. Auf dieser guten Grundlage haben sich also die verschiedenen Good Tone Pickups zu bewähren. Das zum Test anstehende Sortiment umfasst die wesentlichen Pickup-Typen, allesamt auf Modulen installiert. Drei davon sind bereits montiert, die anderen stehen im Koffer für fliegende Wechsel bereit. Die Probanden treten natürlich nicht wirklich gegeneinander an, sondern werden eher auf ihre jeweiligen Stärken hin geprüft.

Wir eröffnen das Spiel mit dem Vintage 59 Humbucker Set, das mit Alnico-2Magneten und mattierten NickelsilberKappen ausgestattet ist. Dieses Pärchen stellt in schönem Ausgleich zueinander gut gewichtete PAF-like Sounds zur Verfügung. Die Darstellung im Akkord ist bemerkenswert transparent, die Trennung der Stimmen perfekt. Der Vintage 59 am Hals tönt voll und harmonisch rund. Er zeigt trotz des guten Volumens eine seidige Auflösung mit warmen Mitten und glänzenden Höhen. Im Overdrive lassen sich damit weich gerundete Linien mit markant klaren Konturen erzielen. Der innerlich gefestigte und ungemein standfeste Ton ist überdies von eleganter Obertonentfaltung geprägt. Als hervorragend muss auch die sensible Ansprache und das Dynamikverhalten eingestuft werden. Wechseln wir auf den Steg-Humbucker, so entschlackt sich der zuvor so tief schürfende Klang vor allem deutlich um Tiefmitten und Bässe. Auch er zeigt diese wunderbar seidig offenen Höhen, die nun aber mit dem effektiv ausgekämmten Klangbild der unteren Frequenzen einhergehen. Das ist absolut kein Schaden, denn es formiert sich ein höher angelegter, aber ebenfalls ausdruckstarker Klang von einiger Delikatesse. In Zerrpositionen gibt eine nur leicht herausgehobene Nase dem Ton Charakter und die trockene Wiedergabe von Zwei- oder Mehrklängen lässt diese schöne leichte Kehligkeit aufleuchten, welche wir mit guten alten Pickups verbinden. Je nach Spielanlage ist damit feine Eleganz oder auch zupackender Biss zu haben. Toll auch bei ihm das dynamische Potential mit dem sich der vokale Ton höchst differenziert formen lässt.

Tauschen wir denVintage-Humbucker am Steg gegen den etwas stärker gewickelten Mr. Brown Humbucker (Alnico 5), so verdichten sich die Mitten nicht zu
stark, aber doch mit wirkungsvoller Fokussierung. Erfreulich ist dabei aber vor allem der gute Ausgleich in den Frequenzen. Die Bässe bleiben stramm, die Mitten erscheinen dicht, ja kompakt und ein immer noch sehr kraftvoll leuchtendes Höhen-Top rundet das Klangbild stimmig ab. Natürlich kommt bei kraftvollem Anschlag etwas mehr Mitten-Quack als beim Vintage 59 ans Ohr. In Zerre gibt uns das aber guten Schub und drückende Mittenfarben, die man in einer bestimmten Terminologie tatsächlich sogar ‚braun‘ nennen könnte. Das geht aber keineswegs auf Kosten der Bassdarstellung, die griffig und konturstark bleibt. Bemerkenswert ist auch der feste Biss in den Höhen und die allgemeine Präsenz. Der Ton entfaltet sich gutwillig und schnell, offensive Perkussion und sattes Obertonverhalten sind als weitere Pluspunkte dem Konto von Mr. Brown gutzuschreiben!

Mit dem Goodtron Humbucker Set liegen nun Filtertron Replikas an, die mit Alnico-5-Magneten ausgestattet sind. Diese Tonabnehmer sind die mit dem niedrigsten Output im Kreis der Testkandidaten. Die bautypisch geringen Widerstände (4,0/4,7 kOhm) sorgen natürlich für eine hohe Transparenz, die aber, zumindest in dieser Gitarre, zu tendenziell mageren Klangbildern führt, was aber natürlich auch eine Frage des Geschmacks bleibt. Wer nageligen Twang sucht, der ist hier auf jeden Fall richtig. Die Goodtrons differenzieren sich klanglich positionsbedingt, liefern mit den demgemäß verschiedenen Betonungen den Gretschtypischen Jingle Jangle, also feine, glasig abrollende Akkorde mit viel Silber in der Klanggestalt und einen bissig schneidigen Solo-Sound. Da diese Pickups nach meinem Empfinden aber nicht so recht zur Gitarre passen wollen, halte ich mich mit der Beurteilung zurück.

Classic P90 Neck, Alnico 5 – mit diesem Pickup haben wir einen sehr authentisch klingenden Vertreter seiner Art in der Halsposition. Sehr schön trocken, dabei rund und differenziert stellt er Akkorde heraus. Ein kraftvoller Ton mit viel Vintage-Vibe, der Mehrklänge offen und harmonisch verzahnt abrollen lässt. Toll klingt er im Crunch- und Overdrive-Modus, Einstellungen auf die er leichtfüßig abspringend reagiert. Mit einem satten Growl, sozusagen von dunklem Holz getragen, liefert er knochige Bässe, warm schmelzende Mitten und wunderbar körnige Höhen – das tönt im besten Sinne Vintage, ohne auch nur ein Körnchen Staub angesetzt zu haben.

Der Hot P90 in der Bridge-Position stellt sich bei klar eingestelltem Verstärker, verglichen mit dem P-90-Kollegen vom Hals, deutlich schlanker und weniger dunkel raunend vor. Dafür liefert er sehr dezidierte trockene Bässe, fokussierte Mitten und deutlich mehr Snap in den Höhen. In Zerre packt er dann mit gehöriger Aggression kraftvoll zu, markant drückend in den oberen Mitten und recht „picky“ in den Höhen. In Verbindung mit dem Classic P90 am Hals ein wirklich starkes Pärchen, das mit immensem Ausdruckspotential auftritt.

Kommen wir zum Singlecoil Set Classic 50 Strat mit Alnico-5-Magneten, das die Pickups einer 1954er Strat zum Vorbild hat. In der SoulTool kommen damit entsprechend klassische Singlecoil-Sounds an unser Ohr, die von guter Rundung gekennzeichnet sind. Knackig und präzise im Bass, vergleichsweise warm in den Mitten und von guter Öffnung in den Höhen kommt der Singlecoil am Hals dem begehrten alten Klangbild nahe. Bemerkenswert ist dabei besonders diese tolle leichte Hohlkehle, die uns vor allem im Overdrive mit einem fabelhaften Growl entzückt. Nicht zu vergessen die präzise Steuerbarkeit des Tons in Verdichtung und Tonfarbe mit dem Plektrum – eine traumhafte Dynamik.

Den Steg-Pickup zeichnet dann eine enorme Präsenz ohne harsche Spitzen aus. Er überträgt dennoch relativ schmallippig und pointiert, stattet das Spiel mit viel Biss aus, macht die Gitarre zum präzise operierenden Skalpell. Sehr schön auch die tendenziell knochig trockenen Bässe, mit denen sich schönster 50s Twang vermitteln lässt.

Den Singlecoil in der Mitte können wir allein nicht bewerten, da diese Position schaltungsbedingt nur für Kombinationen zur Verfügung steht. Verbauen wir ihn in die Halsposition, so erweist er sich dem dafür vorgesehenen Pickup gegenüber als so gut wie identisch. Das spricht für den guten Ausgleich dieses authentisch klingenden Sets. In Kombination sind dann auch noch elegant perlende Sounds zu erzielen, die man irgendwo zwischen Mark Knopfler und Robert Cray verorten könnte.

Das Singlecoil Set Blues Telekommt mit Alnico-3-Magneten und erweist sich als tendenziell kernig und durchsetzungsstark.

Über den Hals-Pickup erzielen wir kraftvolle Sounds von ausgesprochen kehligem Ausdruck. Das klingt schon frei und rund in der Abteilung Clean, kommt aber in etwas höheren Betriebsarten des Amps mit leicht rauer, aber herzlicher Attitüde besonders gut. Dieser Blues-TeleHals-Pickup zeigt mit markant herausgestelltem Anschlag und kraftvollem Aufriss, aber nicht zuletzt auch mit seiner dichten Tonfarbe einfach einen tollen Charakter.

Der Blues-Tele-Steg-Pickup, in dieser Gitarre natürlich nicht auf Stahlplatte montiert, ist dennoch mit ebenfalls kraftvoller Darstellung und guter Bissigkeit ein perfekter Partner für den bereits gerühmten Hals-Pickup. Toll übrigens nicht nur für kernig-offensiven Blues, sondern auch für etwas frechere Spielarten mit Rock-Attitüde. Warum fällt mir neben Stevie Ray Vaughan jetzt besonders Eddy Shaver ein? Wohl weil der viel zu früh verstorbene Country-Rocker Eddy Shaver immer dieses Quäntchen Dreck am Schuh hatte, das auch mit diesen Pickups aufzurufen locker gelingt, was zu dermaßen offensiv kickenden Ergebnissen führt.

resümee

Die uns von der Schweizer Firma Good Tone Pickups zur Verfügung gestellten Tonabnehmer erfüllen die in sie gesetzten hohen Erwartungen mit Bravour. In der Trägergitarre SwitchBitch von Soultool sind durch schnellen Austausch vergleichbare Sounds zu erzielen, aber natürlich passt nicht jeder Pickup zu jeder Gitarre. In dieser Konzeption erweisen sich die Goodtron Filtertron Replika-Modelle als durchaus ordentlich, aber nicht besonders ausdrucksstark, da sie wohl nicht auf dem für sie besten Boden stehen. Alle anderen Good Tone Pickups präsentieren sich in Bestform und zeigen uns wieder einmal, was eidgenössische Präzision und Wertarbeit vermag. Mit den leistungs- und farbstarken Tonwandlern kommen wir jedenfalls zu schlicht tollen Ergebnissen. Das bezieht sich auf möglichst authentische Nachbildungen in Sachen Vintage Sounds (Vintage 59 Humbucker Set, 50 Strat Set) ebenso, wie auf kraftvolle moderne Updates (Mr. Brown HB, Hot P90, Blues Tele Set). Letztere gefallen mir persönlich sogar am besten, aber das soll Good Tones Verdienste um fabelhafte Nachschöpfungen von Vintage Sounds keinesfalls mindern. Good Tone ist also eine unbedingte Empfehlung für die Suche nach dem ganz persönlichen, nach dem großen individuellen Sound. Neben den eh schon famosen Standards bietet Ralf Schönberger seine Dienste übrigens auch immer noch als Custom Shop an, der alle Wünsche wahr zu machen verspricht. Nimm ihn nur beim Wort!

 

PLUS:

  • Authentische Retro-Pickups
  • großartige Aktualisierungen
  • klangfarbliche Souveränität
  • Obertonentfaltung
  • Dynamik
  • Verarbeitung

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Ein Kommentar zu “Test: Good Tone Pickups”
  1. peter mur mauerhofer

    Ich verwende goodtone-pu seit 2 jahren auf verschiedenen gitarren (strats & paulas) sowie in verschiedenen bands. Haben sowohl live, im proberaum und studios voll überzeugt und mich nie im stich gelassen! Feinste qualität wie auch ralf schönbergers custom-service! Hammersache!

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