Frühlingserwachen

Test: GoldSuper SpringTime35 Combo

(Bild: Dieter Stork)

Die Amps von GoldSuper kennen noch nicht allzu viele Gitarristen. Dabei hält Jan Niesitka schon seit den frühen 2000er-Jahren den Lötkolben in der Hand, modifizierte damals zunächst für den privaten Gebrauch seine eigenen Verstärker und später dann auch Amps von Freunden und Bekannten.

In eben diesem Freundes- und auch Kundenkreis befinden sich jedoch ein paar echte Ausnahmegitarristen, wie zum Beispiel Roland Cabezas, Jörg Sander oder Mirko Michalzik, die im Verlauf des letzten Jahrzehnts ihre Lieblingsverstärker in Niesitkas Hände gaben, für seine mittlerweile überaus gefragten „GoldSuper“-Modifikationen.

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KONZEPT

Jan Niesitka baut Verstärker wie den SpringTime35-Combo stets im Kundenauftrag und daher gibt es zahlreiche Varianten seiner Verstärker. Der Dialog zwischen Musiker und Hersteller ist Teil seiner Philosophie, denn GoldSuper-Amps sind im Optimalfall ganz genau auf den Musiker zurechtgeschnitten, der den für ihn gebauten Verstärker spielt. Ein Stratocaster-Aficionado braucht nämlich einen anderen Amp als ein Telecaster-Player, wenn man es ganz genau nimmt.

Dass dieses exklusive Konzept für eine kleine Serienfertigung genau der richtige Ansatz sein kann, haben schon Howard Dumble, Jim Kelley oder auch Ken Fischer (Trainwreck) erfolgreich bewiesen. Der uns zum Test vorliegende SpringTime35 darf daher als Serviervorschlag verstanden werden und kann nach Absprache mit dem Hersteller genauso modifiziert werden, wie die Pizza beim Lieblingsitaliener.

TECHNIK

Die Basis des SpringTime35- Combos bildet ein altbekannter Fender-Schaltkreis, der um einen zweiten Kanal mit viel mehr Kompression und starker Betonung der Mitten, einen schaltbaren Boost für beide Kanäle, sowie einen Einschleifweg erweitert wurde. Bei den Bedienelementen auf der Vorderseite des Verstärkers verzichtete Jan Niesitka ganz bewusst auf kleine, fummelige Schalter oder wackelige Drucktaster, und neben der Eingangsbuchse befinden sich daher lediglich acht Potentiometer und eine grün leuchtende Status-LED.

(Bild: Dieter Stork)
Sowohl das Bedienfeld (oben) als auch das rückseitige Anschluss-Panel (unten) sind übersichtlich gestaltet. (Bild: Dieter Stork)

Mit nur zwei Gain-Reglern – einem pro Kanal –, einem separaten Volume für den zweiten Kanal, einem klassischen Drei-Regler-Tonestack im Stile alter Fender Amps sowie Mastervolume und Presence-Regler, ist die Front sehr übersichtlich und schnell bedienbar.

Im Push/Pull-Volume-Poti des Clean-Kanals versteckt sich ein Bright-Switch und zieht man am Treble-Poti des Equalizers, so lassen sich die Mitten des Verstärkers nochmals stärker betonen. Auf der Rückseite des Amps befinden sich neben der (leider sehr speziellen) fünf-poligen und verriegelbaren Anschlussbuchse für den Fußtaster, zwei kleine Kippschalter für die Aktivierung des pro Kanal zuschaltbaren Gain-Boosts und für die manuelle Kanalwahl ohne Fußschalter zudem ein Drehregler zum Einstellen von seriellem bzw. parallelem Betrieb des Einschleifwegs. Abgerundet wird das Bedien-Ensemble dann noch durch die Standby- und On/Off-Schalter sowie einen Impedanzwahlschalter für den Lautsprecherausgang.

(Bild: Dieter Stork)

Ein neugieriger Blick in das Innenleben des SpringTime35 offenbart, was schon zu vermuten war. Hier hat Jan Niesitka die unterschiedlichsten Techniken des Röhrenverstärker-Designs der vergangenen Jahrzehnte sinnvoll kombiniert. Ein paar kleine, von Hand bestückte Printed Circuit Boards mit sehr ausgewählten Kondensatoren und Widerständen von namenhaften Herstellern wurden sauber und räumlich getrennt voneinander im Chassis montiert, um ein Bauteilübersprechen zu minimieren; die Potis sind allesamt handverdrahtet und auch an den Röhrensockeln wurde durch eine ganz traditionelle Point-to-Point-Bauweise für extrem kurze Dienstwege gesorgt, sofern es zweckdienlich ist.

Von Hand gelötete Point-To-Point-Verdrahtung (Bild: Dieter Stork)

Nicht nur sprichwörtlich, setzt GoldSuper dem Chassis die Krone auf – nein – es gibt auch einen echten Chassis-Deckel, der die Oberseite des Combos abschirmt. Das hat man selten so gesehen. Beim SpringTime35 wurde gar nichts dem Zufall überlassen und frei von jeglichen Point-to-Point-Dogmen ausschließlich das getan, was dem Sound des Verstärkers schmeichelt und zudem langlebig ist, selbst bei der Auswahl der Vorstufenröhren lässt es sich der Hersteller nicht nehmen, den Combo mit selektierten „new old stock“ ECC83 anzubieten. Vorbildlich!

Lediglich einen Federhall sucht man im SpringTime35 vergeblich und das ist zumindest irritierend, denn nicht nur der Name des Verstärkers weckt hier Begehrlichkeiten, auch die Abstammung des GoldSuper von klassischen Fender-Verstärkern schreit geradezu nach der großen Accutronics-Hallspriale.

SOUNDS

Sowohl die Formensprache als auch der Aufbau des Verstärkers, lassen erahnen, dass beim GoldSuper SpringTime35 in vielerlei Hinsicht ein Dumble Overdrive Special Modell zitiert wird. Auffällig ähnlich klingen vor allem die ausgesprochen musikalischen, durchsetzungsstarken, aber dennoch vornehmen Mitten des SpringTime35.

Der Clean-Kanal bewegt sich mit seinem speziellen Timbre auf den Spuren eines 63er Brown Face Princeton und trötet dabei glücklicherweise nicht wie ein Mesa Boogie Mark I. Dieses Voicing passt wunderbar zu typischen 60er- bis 62er-Stratocaster-Singlecoils und bedient auch die Bedürfnisse einer Thinline Telecaster ganz hervorragend. Der subtile, fußschaltbare Boost im Clean-Kanal sorgt für gerade eben genügend Kompression, um auch relativ unverzerrte Gitarrensoli mit diesen transientenreichen Instrumententypen spielen zu können.

Mit einer Gibson ES-330 und P-90s oder gar einer ES-335 mit PAF-Humbuckern harmoniert der SpringTime35 immer noch auf recht hohem Niveau, man merkt aber bei diesem Testmodell, dass die klangliche Ausrichtung des Verstärkers plausibler und selbstverständlicher mit der Leichtigkeit im Ton von Fender-Instrumenten funktioniert, und dass der eingebaute Rola-Celestion-G12-65-12″-Lautsprecher mit eben diesem klassischen Singlecoil-Timbre die passenden Bassfrequenzen betont.

Auch im Overdrive setzt sich dieser Eindruck nahtlos fort. Selten habe ich einen traditionellen High-Gain-Kanal gehört, der mit einer Stratocaster derartig viele nutzbare Sounds anbietet. Von SRV über Hendrix bis zu Fusion-Jazz klingt alles aus einem Guss, sofern man die Gitarre mit ihren Volume- und Tonepotis beherrschen gelernt hat, und mit dem eingebauten Boost rücken sogar Blackmore-Riffs und Malmsteen-Licks in Schlagweite.

ALTERNATIVEN

Der Fuchs Amplification OD-100 oder der alte, leider nur noch als Second-Hand-Verstärker erhältliche OD-30 sind tatsächlich vergleichbar klingende Amps, die technisch allerdings sehr viel einfacher in einer kleinen Serienproduktion gebaut werden und wurden.

Auch der ebenfalls eher auf Stratocaster-Sounds spezialisierte Hook Captain EL34 könnte durchaus eine Alternative zum GoldSuper SpringTime35 darstellen, sofern man sich nicht auf den Spuren von Howard Dumble bewegen möchte, sondern eher marshallesque Klänge bevorzugt.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Der GoldSuper SpringTime35 überzeugt mit hoher Verarbeitungsqualität, seinem geringen Gewicht und klassischen Sounds und ist somit nicht nur, aber vor allem für Stratocaster-Liebhaber ein echter Geheimtipp.

PLUS

  • sehr genaues Mitten-Timbre
  • extrem musikalisch und ausdrucksstark spielbar
  • klingt auch leise gut
  • Road-tauglich verarbeitet
  • geringes Gewicht

MINUS

  • kein Reverb

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2021)

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Warum über 3000 € ausgeben, wenn man Bausätze mit gleichen Verstärker-Eigenschaften für ein Drittel des Preises bekommen kann ? Da kann man sogar selbst noch nach seinen Vorstellungen modifizieren, während ein Eingriff in ein so teures Gerät eher mit Skepsis zu betrachten ist. Dieser hier beworbene Verstärker Gold Super ist wohl nur für eine gut betuchte Spezies von Gitarristen gedacht. Nicht mal ein Federhall ist dabei…

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  2. So speziell ist die rückwärtige Buchse gar nicht.
    DMX Standard.

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  3. Kaltgerätekabel ,….?

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