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Test: Fortin Zuul+

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(Bild: Dieter Stork)

Der Torwächter „Zuul“ – ein Halbgott aus der Ghostbusters-Verfilmung von 1984 – ist uns Gitarristen seit einigen Jahren als das schlichtweg schnellste Noisegate in Pedalform bekannt. Nun gibt es göttlichen Nachwuchs.

Schon beim regulären Zuul und später auch beim Zuul-Mini-Pedal in moderner Kleinstbauweise überschlugen sich die positiven Reviews in Internet-Foren und auf Social-Media-Plattformen. Tatsächlich hatte es Mike Fortin mit diesen beiden Pedalen geschafft, echte Referenzprodukte auf den Markt zu bringen, und damals beobachtete man, dass auf etlichen Pedalboards von Rock- und Metal-Gitarristen das bis dato etablierte, silberne ISP-Noisegate-Pedal gegen eben jenes Fortin Zuul, mit ebenfalls nur einem Regler für die Einsatzschwelle, getauscht wurde. Mit dem neuen Zuul+ verabschiedet sich Fortin allerdings von diesem markanten „One-Knob-Look“.

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BEDIENELEMENTE

Gate-, Hold- und Release-Regler greifen beim Zuul+ in die Einsatzschwelle, die Reaktionsgeschwindigkeit des Gates in Spielpausen, und in die Geschwindigkeit der Reduktion des Signalpegels ein und erlauben dem Gitarristen dadurch, auch sehr defensive Einstellungen, die sich nicht nur für modernen Metal und Djent eignen, einzustellen.

Zudem hat das Zuul+ (im Gegensatz zu den beiden regulären Zuul-Pedalen) nicht nur eine Key-Input-Buchse, sondern ebenfalls eine Key-Output-Buchse mitsamt Groundlift-Schalter – ein zusätzlicher Signalsplitter um das Pedal mit der 4-Kabel-Methode nutzen zu können, ist damit überflüssig geworden.

Auch bei der Stromversorgung des Zuul+ gab es eine kleine Veränderung im Vergleich zum regulären Pedal. Das neue Zuul+ kann mit 9 Volt bis 12 Volt DC (Minus-Pol innen) versorgt werden und tatsächlich ändert sich hierdurch der Klang des Gerätes marginal. Hierzu gleich mehr.

4-KABEL-METHODE

Die strategisch cleverste Variante, ein Noisegate zu benutzen, ist oftmals die eben genannte 4-Kabel-Methode, um das Signal erst nach der Vorstufe des Verstärkers zu bearbeiten.

Das an der Key-In-Buchse ankommende, trockene Signal der Gitarre wird beim Zuul+ hierzu einfach über die Thru-Buchse an Overdrive-Pedale und dann die Vorstufe des Verstärkers weitergeleitet. Der Send des seriellen Einschleifwegs des Amps sendet dann das gegebenenfalls voll verzerrte Signal an die stirnseitige Input-Buchse des Fortin-Pedals und dieses schließt genau an diesem Punkt in der Signalkette das Noisegate in Spielpausen und sorgt für absolute Ruhe. Die Ausgangsbuchse des Noisegates kann dann das Signal an Hall- und Delay-Pedale weitergeben, deren Effekte somit nicht abrupt abgeschnitten werden, und dann führt der Weg des Signals zurück zum Verstärker über die Return-Buchse des seriellen Einschleifwegs.

Mit etwas Pech hat man sich nun eine Brummschleife gebaut und in diesem Fall betätigt man den kleinen Groundlift-Schiebeschalter an der Seite des Zuul+, und es kehrt wieder Ruhe ein.

SOUNDS

Bei Nutzung der 4-Kabel-Methode glänzt das Zuul+ Noisegate und leistet genau das, was Mike Fortin verspricht. Von schnellen Einsatzgeschwindigkeiten, die für Modern-Metal- und Djent-Spielarten gefragt sind, bis zu sehr leichter Rauschunterdrückung in den Spielpausen, ist hier über die drei Regler des Zuul+ alles einstellbar. Stellt man Hold- und Release-Regler auf ihr Minimum ein, ergibt sich eine, dem regulären Zuul-Noisegate ähnliche Arbeitsweise, und mit weiter aufgedrehten Potis wird das Zuul+ absolut studiotauglich für Spielarten, die etwas getragener sind und nach mehr Dynamik im Gitarrensignal verlangen.

Auffällig beim Zuul+ ist die Klangveränderung in der 2-KabelMethode vor der Vorstufe eines Verstärkers. Vor klassischen Marshall-, Hiwatt- oder Vox-Vorstufen gibt es leider beim Betrieb mit 9 Volt DC eine nicht unerhebliche Signalverfälschung. Das trockene Gitarrensignal bekommt einen dunkleren und weicheren Anstrich als beim regulären Zuul Pedal, das wiederum durch seinen tatsächlich leicht offensiven, fast aggressiven Eigenklang schon zu einem kleinen Teil, das erledigt, was ein Tube Screamer, Fortin 33 oder Grind für moderne Metal-Sounds leisten.

Mit 12 Volt betrieben, rückt das Zuul+ in dieser Disziplin etwas näher an das reguläre Zuul heran, bleibt aber in sich dunkler. In einem lauten, seriellen Einschleifweg nach einer Vorstufe hat dieses gelassenere und bei 12-Volt-Speisung auch übersteuerungsfestere Klangbild des Zuul+ aber tatsächlich Vorteile und bietet den gewünschten Mehrwert im Vergleich zum Zuul- und Zuul-Mini-Pedal.

(Bild: Dieter Stork)

ALTERNATIVEN

Für eine einfache 2-Kabel-Methode und zum Bearbeiten von Singlecoil-Brummen vor Overdrive-Pedalen oder der Verstärkervorstufe, empfiehlt sich nach wie vor das reguläre Zuul und auch das Zuul-Mini-Pedal. Beide Pedale klingen in sich knackiger und brillanter und beeinflussen das trockene Gitarrensignal durch diesen leichten Eigenklang ihrer Schaltkreise im Vergleich zum Zuul+ zweckdienlicher.

Auch das ISP-Decimator-G-String-II-Pedal ist, obwohl es etwas in die Jahre gekommen ist, eine echte Alternative zum Zuul+, denn auch das ISP ist prädestiniert für eine Nutzung im seriellen Einschleifweg. Bei den ISP-Produkten bemerkt man allerdings eine etwas stärkere Verfärbung des Originalsignals, als bei den Zuul Noisegates und dieser leicht unterkühlte ISP-Eigenklang ist tatsächlich nicht für jeden Gitarristen tolerierbar.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Das Zuul+ ist eine sehr sinnvolle Ergänzung im Fortin-Amplification-Pedalsortiment und bietet sich vor allem dann an, wenn man Noisegates generell eher per 4-Kabel-Methode in das eigene Rig intergiert und mit dem Gate gerne etwas behutsamer arbeitet. Auch eine Stromversorgung mit 12 Volt statt 9 Volt ist in dieser Situation absolut empfehlenswert und sorgt beim Zuul+ für ein offeneres, dynamische Klangbild.

PLUS

● Key-Thru-Buchse
● Ground Lift
● variabel

MINUS

● nicht vollkommen klangneutral

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2021)

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