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Test: Fender George Harrison Telecaster

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(Bild: Dieter Stork)

Fender bringt George Harrison zu Ehren ein Reissue der berühmten ‚Rooftop Telecaster‘ an den Markt. Das Projekt dieser komplett aus Palisander gefertigten Gitarre steht zwar gegen den aktuellen Trend „weg vom Tropenholz“, die auf weltweit 1000 Einheiten limitierte Auflage wird aber dennoch nicht lange greifbar sein.

George Harrison ist mit seiner 1968er Rosewood Telecaster im ‚Let It Be‘-Film und besonders prominent beim letzten dokumentierten Auftritt der Beatles auf dem Dach des Apple Buildings am 30. Januar 1969 in London zu sehen, was ihr den berühmten Spitznamen verschaffte. Zum Einsatz kam die Gitarre ebenfalls bei den Aufnahmen zum ‚Abbey Road‘- Album. George erhielt das erste Modell überhaupt von Fender als Geschenk. Der deutsche Gitarrenbauer Roger Rossmeisl hatte zu der Zeit gerade zwei Telecaster-Modellvarianten für Fender entworfen, die Thinline Tele und eben die Rosewood Telecaster. Zusammen mit Philip Kubicki baute er zwei Prototypen, das beste Modell davon bekam George.

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Historische Vorlage – aktuelle Umsetzung

Mit der George Harrison Telecaster liegt die Neuauflage dieses so speziellen, wie berühmten Instruments vor. 2014 gab es einen, da preisgünstig, schnell vergriffenen Special Run der Rosewood Telecaster aus Fenders Japan Produktion, allerdings ohne direkten Bezug auf Harrison. Es folgte 2015 ein detailgenaues und entsprechend teures Remake der Harrison Rosewood Tele aus dem Fender Custom Shop, für das Master Builder Paul Waller das originale Instrument minutiös untersuchte und vermaß, um es dann 1 zu 1 nachzubauen.

Bei der aktuellen Ausgabe handelt es sich nun eher um eine Hommage, eine Anlehnung mit aktualisierten Aspekten ohne absolute Detailtreue.

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Korpus in Sandwich-Bauweise (Bild: Dieter Stork)

Konstruktion: Der zweiteilig gefügte Korpus erhielt Hohlkammern, um das Gewicht zu reduzieren und die Resonanzen zu verstärken. Wie beim Original ist die Planke mittig von einem Ahornfurnier geteilt, die Maserung läuft also darüber hinaus weiter. So konnte man problemlos die Hohlkammern setzen. Der einteilige (!) Hals aus Palisander – beim Original zweiteilig gefügt – mit Mid-‘60s-C-Profil bekam ein Griffbrett aus ebenfalls Palisander aufgeleimt (moderner 9,5″ Radius – das Custom-Shop-Reissue-Modell hatte den originalen Vintage-Radius von 7,25″). 21 Bünde im Medium Jumbo-Format zeigen bestes Verarbeitungsniveau. Pearl Dot Inlays markieren die Lagen.

Der parallel herausgeführte Kopf ist mit Fender Vintage „F“ Stamped Tuners und einem Sattel aus Synthetic Bone bestückt. Befestigt ist der Hals spielfrei und wie üblich mit vier Schrauben perfekt in den Korpus eingepasst, aber in die Halsplatte wurde neben dem Schriftzug unseres Protagonisten auch noch die mantrische Silbe „Om“ graviert, das Symbol für den Urklang in der hinduistischen Metaphysik, welcher George bekanntlich anhing. Am Korpus finden wir eine zeitgerechte 3-Saddle Vintage Style Tele Bridge mit Slotted Steel Saddles. Der Steg-Pickup sitzt auf deren Grundplatte, der Hals-Pickup ist auf ein 3-Ply Black Pickguard montiert. Es handelt sich um American Vintage ‘64 Gray-Bottom Singlecoil Tele Pickups, geschaltet von einem 3-Position-Blade-Switch: Position 1. Bridge Pickup, Position 2. Bridge and Neck Pickups, Position 3. Neck Pickup, kontrolliert mit Master Volume und Master Tone – alles also, wie man das kennt.

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Namensgravur und Om-Symbol (Bild: Dieter Stork)

Der „Aschenbecher“ liegt im Fender Case mit zeitgerechtem orangefarbenem Interieur bei, falls den noch jemand brauchen sollte. Die klaglos sauber gefertigte Gitarre ist rundum mit Satin-Polyurethane-Lack versiegelt.

https://www.musik-media-shop.de/catalog/product/view/id/5844?utm_source=gitarrebass_website&utm_medium=buttonlink&utm_campaign=MEGB1712_gitarre__bass_122017

Der Sound von Palisander

Die George Harrison Telecaster wiegt angenehme 3,4 kg, den Hohlkammern sei Dank. Mit Mid-‘60s-C-Shaping bei 42,2 mm Sattelbreite plus modernem 9,5″-Griffbrettradius spielt sich dieser moderat rundlich gestaltete Hals absolut angenehm und komfortabel. Sofort und schon bei akustischem Abhören auffällig ist die stringente, resonanzstarke Tonentfaltung der Gitarre, eine sehr präsente und trennscharfe, ja plastisch aufgelöste Darstellung von Akkorden und das leicht kühle, aber durchaus auch nach Holz schmeckende Timbre.

Am Amp gehen die ’64 Gray-Bottom Tele Pickups mit diesen brillanten Grundeigenschaften souverän um, lassen in den klaren Verstärkereinstellungen zunächst ein kraftvoll durchzeichnetes Tonspektrum aufleuchten. Der Singlecoil in der Halsposition vermittelt Mehrklänge breitbandig sauber aufgelöst: straff und konturstark im Bass, rund und tragend in den Mitten und gekrönt von einem voll und frei tönenden Höhen-Top. Bemerkenswert ist wiederum die Trennschärfe in der stimmlichen Darstellung, aber auch die substanzielle Tonentfaltung mit farbsattem Obertonspektrum bei gehaltenen Noten.

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(Bild: Dieter Stork)

Im Overdrive kommt der Ton dann volltönend und glatt zum Zuge, ein überraschend fetter Strahl mit einer inneren Spitze, die markante Kontur gibt und schnell gespielten Linien ausgeprägte Definition gibt. Das funktioniert in gewissem Sinne auch noch bei zurückgenommenem Tone-Regler. Der Ton wird dann süßlicher, bewahrt sich aber immer noch eine beachtliche Klarheit.

Der Steg-Pickup liefert den in dieser Position spontan reagierenden und satt anreißenden Ton mit enormer Präsenz. Der Anschlag wird pointiert herausgestellt, der Ton artikuliert fest und definiert. Nicht nur Country Chops springen reflexartig vom Griffbrett, Linien beißen gut, sind griffig und irgendwie immer ganz vorn. Noch effektiver als beim Hals-Pickup zeigt der Ton des Singlecoils am Steg eine bissige Spitze. Mit rasiermesserscharfem Anriss springt er vor, ja schneidet effektiv ins Ohr und natürlich durch jeden Mix. Diese nagelige Aggression ist vor allem dann in Zerre beeindruckend. Wiederum drückt quasi eine Nadel auch bei bedämpftem Ton noch von innen nach vorn durch. Das starke Impulsverhalten, der Tanz auf Rasiermessers Schneide, ist fast schon zuviel des Guten, verlangt nach Kontrolle.

Die gute Nachricht aber ist: mit dem Tone-Regler lassen sich Abstufungen in der Präsenz fein kalibrieren und als schönen Bonus gibt es dann oben drauf noch die Möglichkeit, dank seines kurzen Regelwegs Wah-ähnliche Sounds ins Werk zu setzen. Die schmissige Darstellung mit starker Anschlagsperkussion, dieser Schub durch Über-Twang im Solospiel und ein bemerkenswert standfestes Sustain bei gehaltenen Noten machen es dann leicht, diesem Pickup in dieser Gitarre beste Noten zu geben. Am Ende unserer Betrachtungen sorgt bei Zusammenschaltung der Singlecoils der stark agierende und leicht dominierende Steg-Pickup auch noch für viel perlend hellen Klingklang, der das erfreulich souveräne Klangrepertoire der Harrison Tele um einen dritten Charakter-Sound stimmig ergänzt.

resümee

Die George Harrison Telecaster wird schon wegen ihrer limitierten Verfügbarkeit nicht lange zu haben sein. Dem ein oder anderen mag sich zwar die Stirn in missbilligende Falten legen angesichts der eben erst erfolgten Verschärfung der Artenschutzbestimmungen für Palisander, aber wir wollen hier nicht den Moralapostel geben und die Klanggüte und Funktionalität, deren Prüfung unsere vornehmlichste Aufgabe ist, bleibt davon natürlich sowieso unbeeindruckt.

Schreiten wir also fürbass und preisen in diesem Sinne ein beeindruckend plastisch tönendes Instrument von erstaunlicher Artikulationskraft. Nicht, dass ich meine zum Vergleich herangezogene 67er Tele sofort dagegen eintauschen würde, aber vom Potential her ist die klanglich natürlich etwas anders strukturierte Harrison Rosewood Tele mit ihren plastischen, höchst präsenten Sounds schon sehr begehrenswert. Dieses außergewöhnliche Modell ist also keineswegs nur ein Sammelobjekt, sondern auf jeden Fall ein Instrument mit starker eigener Stimme. [1633]

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Fehlt noch der passende Namen für die Geige…wie wär es mit 7ender Trumpocaster ..
    Made in the United Snakes…

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  2. Gut, dass Ihr “hier nicht den Moralapostel” geben wollt, denn mit Moral hat das Thema Palisander auch nichts zu tun. Schon gar nicht bei einer auf 1000 Stück limitierten Gitarre aus einem Holz, das für unsere Mengen ausreichend – jetzt und zukünftig – vorhanden ist!
    Oder ist die Gitarre aus einem der ganz wenigen wirklich gefährdeten Palisanderarten gefertigt?

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  3. Leider war der Gitarre keinerlei Zertifikat beigefügt. Es gibt auch keinen Hinweis auf die beschränkte Verfügbarkeit (1000). Trotzdem schon jetzt meine Lieblings-Tele.

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