Auf der Höhe der Zeit

Test: Fender 70th Anniversary American Professional II Stratocaster

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(Bild: Dieter Stork)

Hätte Leo Fender wohl selbst nicht erwartet, dass nach 70 Jahren sein Stratocaster-Design immer noch absolut on top ist. Klar, dass die Fender Company so ein historisch bedeutsames Datum nicht ohne Würdigung verstreichen lässt.

Und hier wird direkt klar, dass es sich bei der 70th Anniversary American Professional II Stratocaster keineswegs um ein Remake des Originals handelt. Eher haben wir es mit einem modernen, geradezu hippen Enkel zu tun, der zwar seine Herkunft nicht leugnen kann und will, aber die alten ausgelatschten Schlappen längst gegen moderne Sneaker getauscht hat.

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Gehen wir ins Detail: Vor 70 Jahren wurde die Stratocaster mit einem Korpus aus Esche gebaut. Das vorliegende Jubiläumsmodell hat einen aus Erle (wurde 1956 aus Kostengründen eingeführt, da Erle sich besser lackieren ließ). Hm, obendrauf sitzt eine gemaserte Flame-Maple-Decke. Nicht ganz neu, kann man auch hübsch finden, aber klanglichen Zuwachs sollte man von einem knapp 2 mm starken Furnier nicht erwarten. Das Comet Burst Finish macht aber wieder durchaus was her.

Der Hals der Anniversary Strat ist kein aufgeschraubter Einteiler aus Ahorn wie 1954, sondern einer mit Griffbrett. Dafür nahm man Palisander (kam mit Einführung der Jazzmaster erst ab 1958 bei allen Fender-Gitarren zur Verwendung). Tatsächlich hat es auch Slabboard-Format, ist also dick wie die frühen Palisandergriffbretter (’59 – ‘62). Auf dem leichten Überhang vorn findet der 22. Bund Platz (one more). Weich abgeglichene Griffbrettkanten und die perfekt angepasste Bundierung im Narrow-Tall-Format sind im Übrigen lobenswert sauber ausgeführte Arbeiten. Weitere moderne Aspekte finden wir dann noch im weich gestalteten Hals-Korpus-Übergang mit daran angepasster Anniversary Neckplate, im griffigen Satin-Urethane-Finish des Halsrückens, dem Zugriff auf den Halsstab vom Kopf her und in den Locking-Mechaniken.

Abgeflachter Halsfuß mit 70th Anniversary Neckplate (Bild: Dieter Stork)

Am Korpus sind die Saiten (648-mmMensur) in ein modernes 2-Point Synchronized Tremolo mit Bent Steel Saddles, Pop-In Tremolo Arm und Cold-Rolled Steel Block eingehängt. Elektrik: verbaut sind auf Tortoise-Pickguard drei 70th Anniversary V-Mod II Single-Coil Strat Pickups in cremefarbenen Kappen. Die in unveränderter Manier platzierte Regel- und Schaltmimik umfasst die Regler Master Volume, Tone 1 (Neck/Middle PUs) und Tone 2 (Bridge PU). Über den bekannten 5-Wege-Schalter lassen sich die Pickups in üblicher Weise einzeln und in Kombination aufrufen. Bonus ist dann noch die im unteren Tone-Regler angelegte Push-Push-Funktion, mit der sich der Neck-Pickup zuschalten lässt.

(Bild: Dieter Stork)

Das vorliegende Anniversary-Modell ist in jeder Hinsicht sauber verarbeitet und kam bestens eingestellt zum Test. Es wird in einem Deluxe Molded Hardshell Case in Inca Silver mit blauem Interieur geliefert. Alle Instrumente der 70th Anniversary Stratocaster Collection sind in limitierter Auflage nur 2024 erhältlich.

Feeling und Sound auf Seite 2

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Das ist mal wieder eine typische F. Holzheimer Besprechung!
    Was bitte ist ein “Deep-C Profil” und eine “ungemein seriöser Hals”?
    Wegen solchemn und ähnlichem Quatsch hab ich mein Abo gekündigt.
    Weiter so Herr Holtmann.

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    1. Also ich kann mit “Deep-C-Profil” etwas anfangen. Dies vorausgesetzt in der Folge dann auch mit der Begrifflichkeit “ungemein seriöser Hals”. So ein Spielbericht soll ja nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch ein Gefühl vermitteln und da wird’s im Ausdruck eben manchmal etwas blumig.

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    2. @Klaus: Du ersparst mir weitere Worte. Gibt es eigentlich einen speziellen Katalog von Begriffen für Redakteure von Musiknahen Zeitschriften? Klingt in meinem Ohr wie “etwas topfig in den Mitten” aus den Hi-Fi Magazinen. Nasal, Kehlig OMG.

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      1. Wer bezüglich dieser doch sehr speziellen Begriffserklärungen einfach mal im Internet in der bekannten Suchmaschine nachschaut,wird dabei sehr schnell auf die Fender-Seite gelangen,auf dieser sogar bildlich der Querschnitt der jeweiligen Halsprofile bei Fender E.-Gitarren sehr sachlich und allgemein gut verständlich dargestellt wird!!!

        Die unterschiedlichsten Halsprofile sind dort allesamt aufgelistet.
        Mein regionaler Gitarrenbauer versteht z.B. sehr genau,was ich unter einem „V“-Halsprofil (Jimmy Vaughan Signature Fender Stratocaster) meine. Und der Begriff „halbierter Baseballschläger“ steht sinnbildlich für einen extrem fetten Hals a lá „Jeff Beck Signature Strat“.

        Allerdings kann ich leider auch sehr wenig mit so sehr abstrakten Äußerungen,wie „ungemein seriöser Hals“ wirklich etwas anfangen. Da wird gar keine konkret verständliche Aussage getroffen.
        Eine „blumige“ Sprache in allen Ehren,aber mit echten Fachbegriffen hat dies m.E. absolut nichts mehr zu tun.

        Generell mag ich vorrangig nur Gitarren,die ich in ihrer Haptik und Klangeigenschaft als sehr angenehm empfinde. Und deshalb vertraue ich auch zukünftig weiter auf meine persönlichen Vorlieben bei einer Gitarre direkt vor Ort,denn Gitarren aus dem Hochregallager eines Schnellversandgroßhandels interessierten mich noch nie besonders.

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    3. Außerdem gibt’s noch ne seriöse Verarbeitung, lol! Für ne zusätzliche Ahornfurnierdecke und veränderter Schalttechnik 900 Euronen mehr verlangen als für die normale Professionel 2! Die ist mit ca. 1800€ für ein Massenprodukt auch zu teuer.

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    4. Auch wenn ich selber gerade bei FH nicht immer mit jeder Formulierung einverstanden bin, kann ich die scharfe Kritik bezüglich der Bezeichnung”Deep C” nicht nachvollziehen. C-Profil ist kein “Quatsch”, sondern eine gebräuchliche Beschreibung eines eher gleichmäßig gerundeten Profils mit nicht zu fülligen Flanken in Abgrenzung zum “D”, das – wie das große D in vielen Schriftarten – in der Mitte der Rundung etwas flacher wird. Und wenn Fender (wohlgemerkt nicht Holtmann) das als “Deep” bezeichnet, ist es doch durchaus nachvollziehbar, dass das etwas dicker sein wird als die flachen D-Profile vieler Metal-Gitarren. Die genauen Maße finden sich übrigens im Datenkasten; ich persönlich finde allerdings, dass Messwerte ohne eine Beschreibung des Profils eher weniger aussagen als umgekehrt.

      Sprache ist immer von Konventionen abhängig, um verstanden zu werden. Und wenn man solche Tests schon länger liest, und speziell die des Autors, dann weiß man doch auch, was er mit “ungemein seriös” meint. Übrigens sollte man bei Kritik auch genau zitieren – hier steht nämlich gar nicht “Hals”, sondern “ungemein seriöses Spielgefühl”. Das beschreibt er also mit einem subjektiven Ausdruck, wie denn auch sonst?

      Haptik beschränkt sich halt nicht nur auf messbare Daten, es muss auch alles “zusammenpassen”. Und wenn sich die Oberfläche ebenso gut anfühlt wie die Bundkanten, Maße und Politur der Bünde und der Griffbrettradius, dann ergibt sich ein bestimmter Gesamteindruck. Und genau für den lese ich sowas, weil er mir erfahrungsgemäß mehr Information vermittelt als Datenblätter.

      Geometrisch betrachtet hat eine Mexico-Player heute einen ganz ähnlichen Hals wie die Pro II, und den finde ich auch richtig gut. Aber ich teile den Eindruck des Autors durchaus, dass sich die Ami-Strat (bei korrektem Setup) noch ein Stück stimmiger und erwachsener anfühlt. Ob man das unbedingt braucht, sei mal dahingestellt, aber mit “seriös” fand ich es eigentlich ganz gut umschrieben.

      Ersetzt das jetzt das persönliche Antesten? Nein, aber das kann auch kein Video. Ich lasse mir aber ganz gerne ein paar Anregungen geben, ob es sich für mich lohnen könnte.

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  2. Das Teil gefällt mir sehr gut, sieht ähnlich aus wie meine ,, 73 – Strat.,,
    Das sind jetzt auch schon 51 Jahre ! für das Teil und noch mal 21 Jahre auf das Teil, dass dieses Teil noch immer spielt, mit gleichbleibender Begeisterung spielt !

    Leider sind mir meine Musik-Kumpels alle abhanden gekommen, verstorben, verschollen.

    R.I.P. Leo Fender der geniale Mann der uns Gitarristen und Gitarristinnen mit seinen Produkten die Grundlage erschaffen hat um Musik, Sounds und Songs zu erschaffen ob mit oder ohne musik-akademische Vorbildung !
    Beste Grüße
    Orange

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  3. Mir ist auch schleierhaft, warum es nicht einfach eine Abbildung des Querschnitts und Angaben in Millimetern gibt, damit man eine Vorstellung vom Halsprofil bekommt. Bei Warmoth geht das doch auch.

    Als jemand, der dicke Hälse mag, hatte ich lange das Problem, eine vergleichsweise „günstige“ Gitarre mit dickem Hals zu finden, weil es in den Besprechungen und auch bei den Onlinehändlern meistens keine exakten Angaben gibt (das gleiche gilt übrigens für die Lackierung). Stattdessen eher Wischiwaschi wie „nicht zu dick und nicht zu dünn“ etc. „Seröser Hals“ ist auf dieser Wischiwaschiskala jetzt noch eine Potenz höher.

    Habe dann im Geschäft eine PRS McCarty 594 SE Singlecut mit „Pattern Vintage“ Profil gespielt, obwohl ich mit dem Blingbling von PRS eigentlich so überhaupt nichts anfangen kann. Aber genau mein Hals, allerdings lackiert.

    Ob es in der Preisklasse noch andere Gitarren mit ähnlichen Hälsen (und ohne Blingbling) gibt? Keine Ahnung. In den Besprechungen in den einschlägigen Zeitschriften erfährt man es leider nicht, bei den Onlinehändlern kann man nicht nach Halsprofil oder Dicke (oder Lackierung) filtern. Also ab ins Musikgeschäft und ausprobieren, wie früher auch.

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    1. Hallo Olaf, schau mal in unserer Übersicht am Ende des Tests! 😉
      Wir geben die Halsdicke immer an drei Stellen gemessen an, damit man z.B. mit einem Messschieber zuhause vergleichen kann.
      Die Form des Halsprofils können unsere Autoren natürlich nur beschreiben, mit einem Querschnitt können wir leider nicht dienen.
      Grüße aus der Redaktion!

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      1. Hallo Lars,
        ja, stimmt, die Angaben gibt es inzwischen. Zu alten Fachblatt-Zeiten aber noch nicht, wenn ich mich richtig erinnere … 😅
        Und bei den meisten Händlern im Internet eben auch nicht. Bezüglich eines Querschnitts des Profils frage ich mich auch eher, warum die Hersteller so etwas nicht angeben / mitliefern. Wenn die Hälse ja vermutlich sowieso – jedenfalls die aus der Massenproduktion – cnc-gefräst sind, dürfte das doch eigentlich kein Aufwand sein.
        Beste Grüße

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  4. Interessant wäre es ja mal,über ältere Fender U.S.-Strats zu berichten,die heute leider (völlig zu Unrecht!) in Vergessenheit geraten sind.

    Da wären solche Stratocaster Modelle,wie z.B. die damalig sehr akkurat in den U.S.A. gefertigten,und mit der typischen FN-Serienkennzeichnung auf der Headstock-Rückseite versehenen Fender Classic Floyd Rose Stratocaster mit H.-S.-S. Pickup Bestückung und Sunburst-Lackierung sehr informativ! Der besagte,absolut top klingende Humbucker in der Bridge-Position stammte damals von DiMarzio,und nannte sich „The Fred“.

    Die Verarbeitung war wirklich super,und die Auflage anscheinend limitiert.
    Im voraus vielen Dank!

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