ELEKTRIK
Alle Ausfräsungen unter dem Pickguard und der Controlplate sind sorgfältig mit Kupferfolie abgeschirmt, und die Signale der beiden hauseigenen T-Style-Pickups werden wie gewohnt von einem Dreiwegschalter sowie Master-Volume- und -Tone-Regler verwaltet. Sowohl Schalter als auch die beiden 250k-Potis stammen vom Hersteller Alpha und stellen eine ordentliche Qualität dar.
Am Volume-Poti entdecke ich zudem ein Treblebleed-Netzwerk aus 680pF-Keramikkondensator und parallelem 150k-Ohm-Widerstand, während am Tone-Poti ein 0.047uF-Kondensator von Xicon („Greenie”) sitzt.
Die gesamte Verarbeitung macht sowohl außen als auch unter der Haube einen soliden Eindruck, da gibt es nichts zu meckern. Einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt die gehobene Ausstattung dieser Gitarre, die wir uns noch einmal gebündelt anschauen sollten:
- Locking-Tuner
- Roasted-Maple-Hals
- Palisander-Griffbrett
- Knochensattel
- Edelstahlbünde
- ergonomischer Hals-Korpus-Übergang
- Nitrolackierung
- gute Qualität der Elektrik-Komponenten
- Cut-down-Brückenplatte
- inklusive Strap Blocker
Diese Features-Offensive ist in der Preisklasse, in der die Fame Custom TL unterwegs ist, eine Besonderheit und zusammen mit der gelungenen Verarbeitung, die auch vor unsichtbaren Details nicht halt macht, ein starkes Pfand in der Gunst des Interessenten.
(Bild: Dieter Stork)
SPIELMANNSZUG
Die nicht leichte, aber auch nicht schwere Custom TL hängt angenehm am Gurt, und noch beeindruckender ist der erste Eindruck, den die linke Hand ans Zentralhirn meldet: Was für ein großartiges Spielgefühl! Das Halssystem – ein kräftiges C-Profil, eine Griffbrettbreite von etwas über 42 mm und Medium-Jumbo-Bünde – wirkt absolut stimmig und die Gitarre fühlt sich deutlich hochwertiger an, als es ihr Preis vermuten lässt.
Und so klingt sie auch, zumindest erst einmal akustisch: sehr erwachsen, ausgewogen, transparent und eher seidig als twangig. Dazu kommt ein langes, gleichmäßiges Sustain – rundum also eine Tonkultur, die hohe Erwartungen an den verstärkten Sound weckt.
Am Amp wird die Sachlage dann etwas diffuser: Der Hals-Pickup lässt sich zwar mit etwas Impetus sehr schön aus der Reserve locken, klingt jedoch weniger TL-like, sondern eher in Richtung Humbucker – voll und satt, mit einer angenehm abgerundeten Hochfrequenzkante. Jazz und cleaner Blues gelingen damit hervorragend, doch weil ihm das Crispe und Helle eines typischen TL-Halspickups fehlen, bleibt man unwillkürlich bei diesen Klangbildern.
Kommt der Amp in die erste Zerre, verschwimmt das Attack, und die unteren Mitten färben den Sound recht dunkel. Mit zunehmender Verzerrung hellt er sich dann wieder etwas auf und mündet schließlich in einen druckvollen, deutlich Humbucker-artigen Ton.
Der Steg-Pickup gehört eindeutig zur hemdsärmeligen Sorte und schießt gerne mit reichlich Druck aus der Hüfte, mit einem guten, kernigen Grundton. Eine typische Tele mit Esche-Body und One-Piece-Maple-Neck hat zwar mehr Höhen zu bieten, dafür klingt der Fame-Pickup zupackender und rockiger. Auffällig ist auch die sehr gute Ausgewogenheit der Lautstärke über alle Saiten hinweg.
Angecruncht steigt erwartungsgemäß der Druck, und es entfaltet sich ein schön hölzerner Honk-Sound – ganz ähnlich einer klassischen Tele, nur mit mehr Dampf. Im Distortion-Betrieb glänzt der Steg-Pickup dann regelrecht: Sein aggressiver, strahlender Ton liefert reichlich Futter, um sich satt solierend durchs Bandgefüge pflügen zu können. Ein klasse Sound, der richtig Spaß macht!
Die Kombinations-Sounds in der Mittelstellung des Dreiwegschalters haben alle ihre Berechtigung. Clean perlt es zwar weniger als bei einer typischen Tele, dafür entsteht ein voller, transparenter Klang, der genug Snap und Masse besitzt, um sich auch solistisch durchzusetzen.
Im Crunch-Betrieb tritt die beim Steg-Pickup beschriebene kernige, hölzerne Charakteristik zutage – voller und satter als bei einer klassischen Tele, und zugleich ein eigener Sound, der mir sehr gut gefallen hat, zu dem mir aber kein wirklich treffender Quervergleich einfallen will. Hört’s euch einfach selbst an, es lohnt sich!
Bei vollem Distortion wird es dann richtig dreckig: Der Klang ist nicht nur angedickt, sondern überzeugt mit einem schönen Edge-Sound, der im Frequenzgetümmel für Definition sorgt, ohne den Druck zu mindern. Ganz so, wie es ein guter Humbucker eben auch vermag.
RESÜMEE
Die Fame Custom TL ist eine der interessanteren Varianten im Geschäft mit den etablierten Fender-Designs. Sie bringt genug mit, um ihre Herkunft nicht zu leugnen, hat aber zugleich ausreichend Eigenständigkeit, um nicht als x-te Kopie durchzugehen. Zudem kann sie mit einer Reihe erstklassiger Features glänzen, die in dieser Preisklasse alles andere als selbstverständlich sind – ein klares Ausrufezeichen.
Mir persönlich hat vor allem das Spielgefühl gefallen, denn der Hals fühlt sich schlicht hervorragend an. Deshalb kann ich jedem, der eine F-Style-Gitarre sucht, die klanglich eher rockigere Gefilde abdeckt und optisch keine Kopie des Altbekannten sein soll, solch eine Fame Custom TL guten Gewissens ans Herz legen.
Und falls Lakritze nicht schmecken sollte, gibt es erfreuliche (und auch non-aged) Alternativen: Champagne Metallic, Strawberry, Worn Olive over Sunburst und Worn Vanilla over Sunburst.
Plus
- Rock-Sounds
- Spielgefühl
- Verarbeitung
- Ausstattung
Minus
- kein Gigbag
- Hals-Pickup wenig flexibel

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2026)