(Bild: Dieter Stork)
UNGLEICHE SCHWESTERN?
Gehen wir ins Detail und schauen neben allen offensichtlichen Gemeinsamkeiten nun vor allem auf die angelegten Unterschiede und natürlich auf die grundsätzliche Kompetenz in Sachen Klang und Handhabung: Die Gitarren spielen sich dank ihrer griffig gestalteten Hälse, perfekt entgrateten Griffbrettkanten und schlüssig daran angepassten Jumbo-Bundierung sowie ihrer jeweils gut tief eingerichteten Saitenlage einfach bestens. Akustisch angespielt erweisen sich beide Custom STs als ausgeglichen in der stimmlichen Staffelung und punkten mit offenem Schwingverhalten.
Klangfarblich bleiben sie recht eng beieinander, sodass es müßig ist, die kleinen Unterschiede in Worte fassen zu wollen. Interessant wird es dann bei der elektrischen Umsetzung: Die ‚Gold over Sunburst’-Variante ist mit zwei Fame-Humbuckern für die Hals- (konventionelle 7,4 kOhm) und Stegposition (etwas stärker gewickelte 12,9 kOhm) in verchromten Kappen ausgestattet, die sich mit einem recht weit vorn positionierten Dreiweg-Toggle-Switch in bekannter Weise anwählen lassen. Generelle Volume- und Tone-Regler stehen zur elektrischen Verwaltung bereit.
Beide Regler verfügen über eine Push/Pull-Funktion, über die sich die Humbucker jeweils in den Coil-Split-Modus schalten lassen. Das gibt uns neben den alternativen Sounds einzelner Spulen in der Mittelposition noch drei Kombi-Sounds an die Hand. Bemerkenswert: Das E-Fach mit den ordentlich verdrahteten Schaltpotis und sogar die Pickup-Fräsungen sind isolierend mit Kupferfolie ausgeschlagen.
Sound: Der Humbucker am Hals gibt ein für diesen Instrumententyp ungewohnt volles Tonbild heraus. Mittenstark, aber etwas indifferent in der Basstonumsetzung und leicht bedeckt in den Höhen. Natürlich sind damit immer noch griffige, kompakte Akkordumsetzungen möglich.
Im Zerrmodus erzielen wir dann einen unerwartet weichen Ton, der so gar nicht ahnen lässt, was wir da für einen Gitarrentyp in der Hand haben. Das Attack-Verhalten ist demgemäß nicht ganz so prägnant, aber über die Tonlänge gibt es keine Klagen. Ziehen wir den Regler, so nähern wir uns wieder den gewohnten Gefilden an, aber der Toncharakter könnte durchaus eindeutiger sein.
Die beschriebenen Eigenschaften werden mit dem Wechsel auf den Steg-Pickup erst so richtig deutlich. Nicht nur hellt das Klangbild deutlich auf, es lichtet sich sozusagen ein Schleier, der in der Halsposition den Ton trübt. Trotz deutlich herausgestelltem Mittenbereich geht jetzt das Licht an, nimmt die Präsenz stark zu.
Gut konturierte Bässe werden herausgestellt, mit bester Dynamik sind griffige Akkorde zu haben. Im Zerrmodus lassen sich kernige Powerchords inszenieren und perkussiv aufreißende Lead-Sounds drücken gut aus der Mitte heraus. Dieser Pickup ist ohne Frage das schlagende Herz der Gitarre! Alternative: Per Push-Pull teilen wir die Spulen und haben einen amtlichen Single-Coil-Sound an der Hand. Nicht das erwartete Skalpell, sondern ein drahtiger Ton mit geschmeidigem Timbre. Die zusammengeschalteten Pickups sind dann allerdings wieder vom Hals-Pickup beeinflusst, der auch die Single-Coil-Schaltungen dominiert, was ihnen einiges an Offenheit nimmt.
Das Aqua over Paisley-Modell verfügt über zwei Single-Coil-Pickups in Hals- (5,9 kOhm) und Mittelposition (6,0 kOhm) und einen Fame-Humbucker am Steg (11,7 kOhm) der sich optional über den Mini-Switch zwischen den Reglern auch teilen lässt (6,0 kOhm), was uns dann die traditionelle Auslegung dieses Instrumententyps mit drei gleichwertig starken Single-Coils beschert.
Die Basis-Sounds stimmen bei der SSH-Version einfach, überzeugen mit authentischen Farben. Die Single-Coils in Hals- und Mittelposition sorgen für richtig guten Strat-Appeal, drahtig und frisch. Der Humbucker am Steg liefert kompakt gerundete Akkorde mit guter Durchsicht und klar gegliedertem Ausdruck.
Er springt leicht vor, ohne zu übertreiben und zeigt eine saftige Präsenz mit leichter Ansprache und durchsetzungsfähiger Verdichtung im Overdrive. Effektiv im perkussiv markanten Attack-Verhalten und stringent im Ausdruck. Per Mini-Switch rufen wir alternativ den angelegten Single-Coil-Sound auf, der uns aber keineswegs mit der erwartet scharfen Bissigkeit dieser Position kommt.
Einerseits stellt er sich erstaunlich elegant zu den anderen Pickups in Reihe und andererseits punktet er mit guter Kraft und sogar feinem Timbre im Overdrive, ohne dir das Ohr abzubeißen. Solcherart gerundete Höhen sich ungewöhnlich für einen Einspuler an dieser Stelle. Möglich, dass das Mahagoni hier in der entschärften Darstellung eine nicht unwesentliche Rolle spielt.
Unerwartet gut tönen hier im Übrigen auch die einzeln geschalteten Single-Coils. Die kombinierten Pickups klingen dagegen dann wieder leicht bedeckt. Grundsätzlich aber: Hammer Sounds! Das recht stramm eingestellte Vintage-Tremolo beider Versionen funktioniert am Ende des Tages dann auch noch richtig ordentlich und ganz wie gewohnt.
RESÜMEE
Schon erstaunlich, was Fame im Rahmen seiner neuen Custom-Line-Serie da an modern gedachten und gut gemachten ST-Style-Gitarren an den Start bringt. Das beginnt grundsätzlich mit einem Mahagonibody, auf den ein gut geschnittener, bestens spielbarer Ahornhals mit sauber gesetzter Jumbo-Bundierung aus Edelstahl und weich abgeglichenem Hals-Korpus-Übergang aufgeschraubt wurde.
(Bild: Dieter Stork)
Abgerundet wird das Ganze durch nitrolackierte „Color over Color”-Relic-Finishes, ein gratfreies Vintage-Tremolo und Locking-Mechaniken. Nicht zu vergessen sind natürlich die modernen Pickup-Konfigurationen. Die Humbucker sind optional per Push-Pull (HH-Variante) oder Mini-Switch (HSS-Variante) auch zu teilen, was uns aber nur angelehnt ins klassische Ursprungsmilieu kalifornisch geprägter Sounds zurückführt.
Durch den Mahagonikorpus und die Pickup-Konfigurationen positioniert sich das Klangambiente dann doch bemerkenswert anders. Abgesehen vom jeweils sehr ähnlich und lobenswert kraftvoll tönenden Steg-Humbucker unterscheiden sich die Schwestern in der weiteren elektrischen Auslegung deutlich voneinander.
Dabei hat zumindest bei den vorliegenden Modellen die SSH-Version für mich die Nase vorne. Das bleibt natürlich wie immer persönlich abzuprüfen! Qual der Wahl? Nicht wirklich, wenn du sie einmal vergleichend in die Hand nimmst. Gut gemacht sind diese Fame Custom ST-Modelle auf jeden Fall. Ein Paket, das sich nicht nur vom Preis-Leistungsniveau her wirklich sehen lassen kann – Daumen hoch!
Plus
● klassisches Design – moderne Auslegung
● bestens bespielbare Hälse aus Quarter-Sawn-Maple
● abgerundeter Hals-Korpus-Übergang
● Pickup-Konfigurationen
● Push-Pull-Humbucker-Split
● Vintage-Tremolo mit glatten Saitenreitern
Minus
● Dem Hals-Humbucker der Custom ST HH fehlt es an Offenheit

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2025)
Da hat der MusicStore ja mal wieder tolle Instrumente im Sortiment der Hausmarke rausgetan ; und das zu einem klasse Preis! Die 2 Hingucker zum Preis von 2/3tel k€ sind einfach gelungen!