Produkt: Gitarre & Bass Digital 07/2018
Gitarre & Bass Digital 07/2018
Guitar Summit: Alle Infos zur Gitarren-Show des Jahres! +++ Im Test: Fender Player Telecaster & Precision Bass +++ Analog-Delay-Dreifaltigkeit: MXR Carbon Copy
Form und Funktion

Test: Elyra Slapcool SC4

(Bild: Dieter Stork)

Eine ungewöhnliche Form, ein quasi durchgehendes Griffbrett, kein offensichtlicher Tonabnehmer – so präsentierte sich letztes Jahr der Slapcool SC5, und im Wesentlichen findet sich das im SC4 so wieder, in spartanisch-harmonischer Ausführung.

Auch das neue Bassmodell von Elyra wurde von Tilmann Fuchs erdacht und vom renommierten Bass-Bauer Günter Eyb kongenial umgesetzt.

Anzeige

SCHLICHT, ABER NICHT SIMPEL

Der Hals aus schönem Riegelahorn ragt tief in den Korpus hinein und ist auf voller Länge sechsfach verschraubt, Elyra nennt das halb-durchgehend. Ungewöhnlich ist auch die kleine, leicht nach hinten gewinkelte Kopfplatte, die dafür umso dicker ausgefallen ist und nicht nur auf der Vorderseite mehrlagig dreidimensional gearbeitet wurde, sondern auch hinten eine massive Volute hat, die die Stelle maximal stabilisiert.

Sechsfach-Verschraubung des Riegelahorn-Halses (Bild: Dieter Stork)

Hipshot Tuner sind montiert, für die tiefe Bohrungen im Headstock-Facing platziert wurden, um sie befestigen zu können und genug Platz auf den Wickelachsen zu haben. Der ausladende Korpus ist zweiteilig aus schwäbischer Kirsche zusammengesetzt und kommt mit geschwungener Form, aber zackigen, an B.C. Rich erinnernden Hörnern sehr eigen. Elegant setzt sich die Abschrägung im unteren Cutaway, die die hohen Lagen leichter zugänglich machen soll, im oberen Cutaway großflächig fort.

Hipshot-Ultralite-Mechaniken (Bild: Dieter Stork)

Das optisch dominanteste Merkmal des Slapcool ist aber zweifelsohne das Griffbrett. Das ist nicht nur mit fast 8 mm auffällig dick, es setzt sich auch über den gesamten Korpus fort. Zu bespielen sind 24 sauber abgerichtete und abgerundete Wagner-Medium-Jumbo-Bünde, einige Bundschlitze hätten etwas weniger tief gesägt werden können. Dots vorne und seitlich geben Orientierung in den Lagen, ein präzise gefertigter und gekerbter Knochensattel sorgt für leichtes Spiel in der Tiefe.

Unauffällig verschwindet der Tonabnehmer im Ebenholz, und auch die vier speziell gefertigten EBS Monorails sind bündig darin eingelassen. Damit in der so entstehenden Rampe Platz zum Anreißen der hohen Saiten ist, findet sich am Ende des bundierten Bereichs eine Slap-Kuhle. Hier ist auch der Zugang zum Stahlstab, der mit einem von einem Magneten gehaltenen Holzplättchen verdeckt wird. Die gleiche Technik wird auch bei der E-Fach-Abdeckung genutzt.

Die saubere Fräsung lässt Raum für mehr Ausstattung, auch ein Platz für eine Batterie ist schon vorgesehen. Die ist aktuell nicht nötig, denn der passive Häussel Triplebucker (Music-Man-Style-Humbucker plus Singlecoil) wird ebenfalls passiv verwaltet. Die MEC-Potis für Volume und Ton scheinen schon mal anderweitig eingebaut gewesen zu sein, funktionieren aber ebenso tadellos wie der satt rastende Dreiweg-Schalter. Beim Thema Gigbag oder Koffer hat der Käufer freie Wahl, der Bass kommt nämlich blank …

MEHR ALS COOLER SLAP

Gut eingestellt kommt der SC4 bei mir an, aber für mich persönlich darf’s noch etwas fluffiger sein. Alle nötigen Inbusschüssel kommen natürlich mit, also frisch ans Werk! Erstmal etwas weniger Halskrümmung, was dank des magnetgehaltenen Deckels und der entspannt drehenden Mutter gar kein Problem ist.

Das Einstellen der Saitenlage ist etwas aufwendiger. Bei den Böckchen, die einen sehr präzisen Auflagepunkt für die Saiten bieten, muss eine Schraube gelöst werden, um mit der anderen die Höhe zu justieren. Bei der E-Saite muss selbige entspannt und beiseitegeschoben werden, sonst ist das Schräubchen nicht zugänglich. Für eine Einstellung der Oktavreinheit, die beim Testbass nicht vonnöten war, muss die jeweilige Saite entspannt und das Böckchen freihändig verschoben werden, was schon mal zum Geduldsspiel werden kann – ein grundsätzliches Phänomen dieser Bauweise.

Nach diesem kurzen Boxenstopp liegt der Bass dann aber auch richtig gut in der Hand und das Vergnügen kann losgehen! Im Sitzen liegt der Bass bequem auf dem Oberschenkel, im Stehen ist die Balance schon extrem gut. Beim Gurt sind durch die Position des vorderen Pins die Security-Locks Pflicht, deren Gegenstücke schon am beiliegenden, von MSA eigens mit Elyra-Logo gefertigten Ledergurt montiert sind.

Die Halsbreite am Sattel ist 40 mm, wobei die äußeren Kerben einen guten Abstand zur Griffbrettkante lassen. Liegt in Kombination mit dem D-Shaping und dem seidenmatten Lack bestens in der Hand, die flüssig durch die Lagen huschen kann. Die elegant abgerundete und abgeflachte Halstasche hilft, die höchsten Töne locker zu erreichen, wobei das Cutaway für die letzten beiden Bünde noch tiefer ausgeschnitten sein dürfte.

Das erste, was ich beim Test am Verstärker machen muss, ist, diesen weiter aufzudrehen als gewohnt – der Slapcool ist recht leise. Das dürfte an der speziellen Konstruktion mit dem versteckten Abnehmer liegen. In der vorderen Stellung des Dreiwegschalters sind die vorderen beiden Spulen des Tonabnehmers seriell verschaltet. Das gibt – mit entsprechender Gain-Anpassung – einen Ton, der sich hören lassen kann. Drückende Mitten sorgen für Durchsetzung im Bandgefüge. Wenn’s filigraner sein soll, bietet die Mittelstellung die beiden stegnäheren Spulen im parallelen Modus. Da kommt eine leichte Stingray-Note ins Spiel mit den typisch lispelnden Höhen. Das ist insgesamt breitbandiger, ausgeglichener, und nochmal etwas leiser.

Der Bassbereich ist eher schlank gehalten, da tut eine Zugabe am Verstärker ganz gut. Was dank der klaren Wiedergabe hier vor allem auffällt, ist eine leichte Unsauberkeit in den Saitenschwingungen in den hohen Lagen. Bei Gitarren kennt man das als Stratitis – starker magnetischer Zug, der die Saite nicht mehr frei schwingen lässt. Das sollte nochmal überarbeitet werden …

Zu guter Letzt steht, mit erneutem Leiserwerden, die stegnächste Spule solo zur Verfügung. Das klingt wieder mittiger und leicht nach J-Bass, trotz der anderen Bauweise. Mit der Tonblende geht es in die Jaco-Richtung, wobei sie bei allen drei Varianten eine gute Figur macht. Insgesamt muss ich sagen, dass mir der Ton gut gefällt und ein Anpassen der Eingangsempfindlichkeit ja auch kein großer Akt ist. Da die Lautstärkeunterschiede aber auch von einer Verschaltung zur nächsten erheblich sind, ist jedes Mal Nachregeln geboten (oder ein angepasstes Preset zu nutzen, z. B. am Helix), außer man bezieht den Boost/Cut bewusst ein. Unter der Griffbrettverlängerung finden sich bereits weitere Pickup-Fräsungen, die noch eine Erweiterung der Möglichkeiten zulassen. Wie bereits erwähnt, ist im E-Fach noch Platz, z. B. auch für einen pegelanpassenden Booster.

Ich muss zugeben, dass ich zunächst von der „Daumenstütze“ des SC4 gar nicht wirklich angetan war. Mit einer Rampe zu spielen finde ich durchaus angenehm, die zupfenden Finger tauchen nicht so tief ein, der Anschlag wird flüssiger, und das nicht nur über einem Pickup, sondern über das gesamte Spielfeld. Das funktioniert am besten, wenn die Pickup-Kappe, die es im Gegensatz zum SC5 ja gibt, bündig abschließt. Über die ganze Länge kann auf der Schräge der Daumen abgelegt werden, und die ist mir erstmal im Winkel zu flach – was sich aber nach kurzer Einspielzeit legt. Und plötzlich fange ich an, den Anschlagpunkt viel mehr zu variieren, als ich das bei konventionellen Bässen sonst tue, worauf der SC4 zudem sehr sensibel und ausdrucksstark reagiert. Sehr inspirierend!

Fast unsichtbar: Häussel Triplebucker (Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Als fast back-to-the-roots bezeichnet Tilmann Fuchs seine neue Basskreation, den Elyra Slapcool SC4, der die traditionellen Spieler und Spielerinnen ansprechen soll. Der Bass präsentiert sich denn auch auf seine Weise schlicht, mit sehr gradliniger Holzkomposition, bei der rückseitig spektakulärer Riegelahorn, auf der Front ein ebenso spektakulär scheinbar durchgehendes Griffbrett dominiert. Dennoch ist die Formgebung natürlich alles andere als traditionell und unauffällig.

Mir ist er während des Tests ans Herz gewachsen mit seiner enspanntleichten Bespielbarkeit und seinem inspirierenden Spielfeld für die Zupfhand. Als Wermutstropfen bleibt die leicht unsaubere Wiedergabe in den hohen Lagen, die sonst eigentlich mit schneller Ansprache und singendem Sustain glänzen können, während ich mich auf den relativ niedrigen Output und die nötige Anpassung beim Umschalten aus dem seriellen Betrieb einstellen könnte. Ein Bass für traditionelle Individualisten ohne Scheuklappen.

PLUS

● Konzept
● Optik
● Sound
● Bundbearbeitung
● Balance

MINUS

● unsaubere Wiedergabe hohe Lagen
● ohne Bag/Koffer

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2021)

Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
Jack Bruce 1943 – 2014
Hol dir Interviews, Workshops & Test zu Jack Bruce!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren