Produkt: 30 Jahre Gitarre & Bass – James Hetfield & Metallica
30 Jahre Gitarre & Bass – James Hetfield & Metallica
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Die Pyramiden von Ohio

Test: Earthquaker Devices Pyramids

(Bild: Dieter Stork)

Earthquaker Devices aus Akron, Ohio liefern mal wieder groß ab. Mit dem Pyramids haben sie einen Stereo Flanger auf den Markt gebracht, der die Latte ziemlich hoch legt.

Acht Potis, ein Switch, zwei Fußschalter und fünf Buchsen – das ist mal ne Ansage für einen Flanger. Earthquaker Devices verstehen es hier aber gekonnt, eine Balance aus Vielseitigkeit und Nutzerfreundlichkeit zu erhalten. Egal ob du Interesse an einem ganz klassischen „einfachen“ Flanger-Sound hast oder dich tiefer mit Barberpole-Flanging, startenden Jets oder dem manuellen Triggern des Flange-Cycles beschäftigen möchtest – alles an Bord.

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Verarbeitung, Konzept, Bedienung

Wie von EQD gewohnt, kommt der Flanger in einer schön bedruckten Verpackung, eingebettet in einen Jutebeutel und mit englischsprachiger Anleitung. Das Gerät an sich wirkt robust und sehr gut verarbeitet. Die Haptik von Potis und Switches gefällt mir sehr gut und auch die Buchsen machen einen guten Eindruck. Das ist das Niveau, welches man bei amerikanischer Fertigung erwarten kann.

Durch die Stereo-Ins und -Outs ist man sehr flexibel in den Anschlussmöglichkeiten und kann das Pyramids Mono, Stereo, Mono auf Stereo oder natürlich auch doppelt Mono mit zwei unterschiedlichen Quellen nutzen.

Als nettes Bonbon lässt diese Vielfalt auch ein Side Chain Flanging zu. Hierbei wird die Gitarre/Bass ganz normal rechts angeschlossen. An den linken Input hängt man eine Triggerquelle (wie beispielsweise eine Drum Machine). Nun wird der Flanger für die Gitarre von der Drum Machine getriggert und ist so automatisch im Takt.

Die beiden auffälligsten Potis auf dem Gehäuse sind „Presets“ und „Mode“. Presets schaltet erwartungsgemäß durch fünf Werks-Presets, welche geändert werden können. In der Live Einstellung hört man genau das, was man gerade an den Reglern eingestellt hat.

Das Mode-Poti wählt den Flanging-Algorithmus. Schon Classic bietet hier, in Kombination mit den weiteren Einstellungen, ein weites Feld von Sounds an.

Die Through-Zero-Einstellung bietet sich insbesondere im Stereo-Betrieb an und erinnert an Tape-Flanging. Barberpole bedient sich einer akustischen Illusion, sodass es für das Ohr nicht auszumachen ist, wo das Flanging anfängt oder aufhört.

Die Trigger-Modes bewirken ähnlich wie Barberpole ein auf- oder absteigendes Signal, welches jedoch durch den Fußschalter erneut getriggert werden kann.

Der Step-Modus erinnert stark an Sequencer-Sounds (genauer gesagt Sample and Hold). Hier geschieht alles geordnet in diskreten Soundabschnitten und nicht fließend. Random schließlich ist das gleiche wie Step, allerdings in zufälliger Reihenfolge. Die Anleitung beschreibt dies sehr schön mit den Worten „Some men just want to watch the world burn“.

Die weiteren Potis können nach Auswahl des Modus zum Feintuning des Effekts genutzt werden. „Manual“ regelt die Delay-Zeit des modulierten Signals und lässt sich auch mittels Expression-Pedal fernsteuern.

„Rate“ ist zuständig für die Geschwindigkeit des LFOs. „Width“ kontrolliert das Frequenzband des Sweeps und „Mix“ ist der Lautstärkeregler für die Modulation. Eine Reihe tiefer finden wir „Feedback“, welches die Regeneration-Kontrolle des modulierten Signals darstellt und über eine Mittenrasterung verfügt, in der kein Feedback hinzugefügt wird.

Der Modify-Regler ist, je nach Modus in dem man sich befindet, für ganz unterschiedliche Sachen zuständig. Das geht von der einfachen Tonkontrolle im Classic Modus über eine Delay Einstellung des unmodulierten Signals im Through-Zero-Mode bis hin zur Glide-Regelung bei den Step und Random Modi.

Mittig auf dem Gehäuse sitzt der Rate&Tap Mini Toggle, mit dem sich die Tap Subdivision einstellen lässt. Man kann also wählen, ob der Flanger grundsätzlich eher im langsamen, mittleren oder schnellen Bereich agieren soll.

Natürlich gibt es auch Fußschalter und hier derer gleich zwei. Der eine ist ein On-/Off-Switch. Doch dank der EQD-eigenen Flexi-Switch-Technologie merkt der Fußschalter, ob man ihn als Schalter (man drückt kurz und der Effekt geht an oder aus) oder als Taster (der Effekt ist aktiviert, so lange man den Schalter hält) nutzen möchte. Sehr cool. Der zweite Schalter ist je nach Modus ein Tap-Taster oder ein Trigger, startet also den Zyklus manuell neu.

Jets, Chorus, Doubling, Rotary!?

Fangen wir doch mal mit dem Classic Modus an. Dieser allein würde anderen Geräten schon zur Ehre gereichen. Mit ein bisschen Gefrickel findet man tatsächlich fast alle klassischen Flanger-Sounds wieder.

Egal ob man auf startende Jets steht, einen Flanger in Richtung Chorus bevorzugt oder vielleicht sogar ein gedoppeltes Signal nachahmen möchte. Hier kann man sich mal den Spaß erlauben und jeden Ausgang des Pyramids an einen eigenen Amp anschließen.

Im Betrieb wird einem zudem schnell klar, wie hilfreich so ein Mix-Poti auch bei einem Flanger sein kann. Damit ist EQD zwar nicht als erster auf dem Markt, aber vielen Flangern fehlt diese sinnvolle Erweiterung nach wie vor. Dreht man das Poti komplett zu, so hört man nur den Cleansound.

Hier kann man auch gut bewerten, wie das Pedal den Klang beeinflusst. Frequenzmäßig bleibt das volle Spektrum erhalten (meine tiefste Gitarre ist aktuell auf Drop A gestimmt), lediglich etwas Kompression wird hinzugefügt. Man hat das Gefühl, das Signal wird etwas „enger“, allerdings nicht in dramatischem Maße. Und da man wohl nur selten das Pedal bei zugedrehtem Mix aktiviert, widmen wir uns lieber den praxisnahen Fällen. Denn die beobachtete Kompression spielt kaum noch eine Rolle, wenn erst mal der Modulationssound hinzukommt.

Zunächst wundere ich mich, wie dezent der Effekt in vielen Einstellungen bleibt. Das liegt aber nur daran, dass ich den Feedback-Regler in seiner Mittenstellung belassen habe. Kaum bewegt man diesen geht es so richtig los. Im Uhrzeigersinn gedreht ergibt sich positives Feedback, welches für eher klassische Sounds sorgt und gute Stimmung verbreitet. Dreht man gegen den Uhrzeigersinn, so wird negatives Feedback produziert.

Dies klingt düsterer, ausgehöhlt und kann genau den einen spannenden Effekt im Song beisteuern – oder dafür sorgen, dass deine Gitarre im Mix untergeht. Beim eigenen Test also unbedingt diesen Regler im Auge behalten.

Ein weiterer Modus, welchen ich sehr spannend finde, ist der Random Mode. Durch sein unvorhersehbares Verhalten wirkt zwar alles zunächst etwas chaotisch, die Unordnung lässt sich aber dank der Potis gut einfangen und so kann man sicherstellen, dass man entweder völlig abgedrehte Sounds, oder einen dezenten Effekt im Hintergrund bedient, welcher sich dennoch vom Einheitsbrei abhebt.

Zu hören ist ein ähnlicher Effekt beispielsweise bei John Mayers ‚Heartbreak Warfare‘ (dafür habe ich mein Adrenalinn II geliebt).

Ebenso wie im Classic Modus fungiert hier der rechte Fußschalter als Tap-Tempo. Ziemlich praktisch, aber auch nicht so richtig neu. Besonders Spaß macht dieser Switch in den Modi Trigger Up und Trigger Down. Hier wird der Effekt bei Druck auf den Schalter manuell von vorne gestartet. Man kann so also seinen Startpunkt auch bei sehr konstantem Spiel immer wieder auf die 1 legen. Oder man möchte eben genau das nicht und nutzt die Möglichkeit, durch das Flanging eine andere Betonung in die Instrumentenspur zu bringen.

Die gespeicherten Presets sind allesamt gut, und demonstrieren schön die Möglichkeiten des Pedals. Auf Wunsch kann man sie natürlich jederzeit nach eigenem Gusto überschreiben. Umschalten muss man jedoch am Poti, hier kann man nicht – wie bei manchen Konkurrenten – per Fuß das nächste Preset wählen.

(Bild: Dieter Stork)

Resumee

Es hat schon seine Gründe, warum sich Earthquaker Devices über die letzten Jahre nach und nach als einer der beliebtesten Boutique-Hersteller etablieren konnte. Hier wurde die Produktpalette sinnvoll erweitert und endlich kommen auch die Flanger-Fans auf ihre Kosten.

Nicht nur durch den Stereo-Betrieb stellt sich das Pedal enorm vielfältig auf. Die vielen Potis sind hierbei nach kurzem Test alle sinnvoll und schnell zu bedienen, man muss keine Sorge haben, sich in der Soundsuche zu verlieren.

Durch die Flexi-Switches lässt sich ohne Umschalten zwischen Taster- und Schalter-Betrieb wechseln. Man kann das Flanging also entweder An/Aus schalten oder es so lange aktivieren, wie man den Fußschalter gedrückt hält.

Tatsächlich gibt es gar nicht so viel direkte Konkurrenz auf dem Markt, wie man zunächst annehmen könnte. Das Strymon Orbit liegt von Funktionen und Preis (ca. € 340) sehr ähnlich, unterscheidet sich aber doch in – je nach persönlichen Vorlieben – wichtigen Details.

Chase Bliss Audio hat unter anderem den Spectre Flanger im Angebot. Bei diesem lassen sich deutlich mehr Parameter per Expression Pedal steuern, er ist mit knapp € 400 aber auch noch mal teurer.

Wer sich schon in die Neuro-Welt von Source Audio eingekauft hat wird sicher am Mercury Flanger interessiert sein. Dieser ist auch Stereo ausgelegt und lässt sich per App umfangreich editieren – verfügt aber natürlich nicht über so viele Potis oder Modi im direkten Hardware-Zugriff wie das vorliegende EQD Pedal.

Die Entscheidung ist nicht einfach und so sollte man sich gut überlegen, welche Features einem besonders wichtig sind. Mit dem Pyramids werden sie aber fast mit Sicherheit zu erfüllen sein.

PLUS

  • Vielseitigkeit
  • Presets
  • Flexi-Switches

MINUS

  • leichte Kompression des Originalsignals
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