Produkt: Gitarre & Bass 7/2019 Digital
Gitarre & Bass 7/2019 Digital
INTERVIEWS: Generation Axe – Vai, Bettencourt, Abasi +++ Phil X, Baroness, Lynyrd Skynyrd, Philipp van Endert, Scott Henderson, Aynsley Lister, DeWolff, Carl Carlton +++ TEST: Gibson Les Paul Tribute & Standard 50s, Fulltone Full-Drive 1, 2 & 3, Fame Baphomet II 4 & 5 Black Limba, Orange Pedal Baby 100, G&L Tribute JB
Mini Hendrix

Test: Dunlop Authentic Hendrix ’69 Psych Series

(Bild: Dieter Stork)

Auch fast 50 Jahre nach seinem Tod ist Jimi Hendrix multipräsent – und das nicht nur durch seine Musik und den Einfluss auf Generationen von Gitarristen. Es gilt auch für sein Equipment. Mit der „‘69 Psych Series“ stellt Dunlop vier weitere Inkarnationen seiner Effektriege vor. Neben dem kompakten Spezialdesign gibt es dabei auch ein paar technische Updates.

Seit 1987 arbeitet die Firma Dunlop nach eigener Angabe eng mit der Familie von Jimi Hendrix zusammen. Daraus entstand die „Authentic Hendrix“-Serie, die neben Wahs und anderen Effektpedalen auch Zubehör wie Gurte oder Plektren umfasst. Dabei flossen die Kenntnisse und Erfahrungen der Entwickler ebenso ein, wie die akkurate Analyse von Jimis Original-Komponenten dieser Zeit.

Anzeige

Ziel war es, die Zutaten seines Sounds möglichst detailgetreu zu reproduzieren und die Schaltungen exakt nachzubilden, um sie dann mit ein paar aktuellen Features wie True Bypass zu ergänzen. Damit sieht sich Dunlop als legitimer Konservator der Hendrix-Signalkette.

Um die Spannung hochzuhalten und den Pedalen eine erhöhte Exklusivität zu verleihen, werden einige der Modelle in limitierten Chargen angeboten, etwa die auslaufenden Ausführungen der Gered-Mankowitz-Serie mit Hendrix-Bild im kompakten Gehäuse eines MXR Phase 90. Doch nun geht es noch weiter, dem Trend zur Miniaturisierung entsprechend, legt die ‘69 Psych Series die Latte ein gutes Stück tiefer.

DESIGN & FORMAT

Die Mini-Serie kommt im Artwork des preisgekrönten englischen Designer-Kollektivs ilovedust, das unter anderem Nike oder Red Bull zu seinen Kunden zählt und auch für Dunlop bereits tätig war, als es MXRs Phase 90 und Carbon Copy Delay in neue Gewänder gepackt hat. Hier hat sich die Crew für psychedelische Designs mit Jimis Porträts entschieden, die das Quartett aus Fuzz Face, Octavio, Uni-Vibe und Band Of Gypsys Fuzz in verschiedenen Farbvarianten zieren.

Mit ihren ähnlichen, aber doch unterschiedlichen Ausführungen sorgen die einzelnen Komponenten für zwei Dinge: Zum einen erzeugen sie eine „Collect Them All“-Stimmung, zum anderen sehen sich die Pedale auf schummrigen Bühnen oder in düsteren Proberäumen zum Verwechseln ähnlich, sodass man bei unachtsamer Benutzung auch schon mal das Uni-Vibe statt des Octavio erwischen kann.

Und noch mal kommt hier die Dunlop-Sparte MXR ins Spiel. Von ihr hat die Linie die Kompakt-Gehäuse übernommen, die Freunde des Hauses schon von Geräten wie dem Carbon Copy Mini, dem Phase 95 oder dem Dyna Comp Mini kennen dürften. Je 2.500 Exemplare hat Dunlop von der neuen Serie produziert. Alle Teile sind ausgestattet mit einer True-Bypass-Schaltung, einer Netzbuchse an der Stirnseite und Betriebs-LEDs, die – wohl auch aus Platzgründen – unterhalb des Fußschalters angebracht sind.

GRUNDLAGEN

Neben Format und Design warten einige der Pedale auch mit technischen Updates auf. So hat das Fuzz Face eine schaltbare Buffer-Option sowie eine Umschaltung zwischen Germanium- und Silizium-Sound bekommen, beim Octavio lässt sich der „Octave Up“- Effekt ausschalten. Ob sich im Inneren ansonsten etwas geändert hat, wurde aus dem Hause Dunlop nicht verlautbart, gehen wir also davon aus, dass die Grundsounds denen der vorhergehenden Mankowitz-Serie entsprechen.

Bei der extrem reduzierten Größe ließ sich keine Batterie mehr unterbringen, es braucht also eine externe Stromversorgung, um den Vierer zum Leben zu erwecken. Und auch die Einund Ausgangsbuchsen sitzen versetzt montiert. Anders ist diese kompakte Bauform nicht zu realisieren. Die Preise liegen im Bereich der größeren Brüder, je € 169 werden für die Design-Objekte fällig, die Vorgänger gingen für € 164 über den Tresen.

Und noch eins vorweg: Um den User möglichst genau vom Betriebs-Status der Geräte in Kenntnis zu setzen, wurden reichlich LEDs verbaut – im Klassiker Fuzz Face sind es derer vier, die zum Teil dauerhaft leuchten. Dadurch sieht man immer, welche Betriebsart aktuell aktiviert ist. Auf Füße hat Dunlop verzichtet, auch die Bedienungsanleitung ist nur online verfügbar, dafür wurden den beiliegenden Netzteilen vier verschiedene Stecker-Aufsätze für den Betrieb (fast) rund um die Welt spendiert. Gehen wir die Produkte jetzt mal der Reihe nach durch.

JHW1 FUZZ FACE

(Bild: Dieter Stork)

Die Mini-Inkarnation kombiniert die Sound-Charakteristik von Silizium-Transistoren (aggressiver und schärfer) mit der von Germanium-Versionen (weicher und runder). Jimi hat im Lauf seiner viel zu kurzen Karriere beide Varianten eingesetzt. Die Betriebsart lässt sich über einen Mini-Schalter anwählen. Im Silizium-Modus (Mini-Schalter nicht gedrückt) leuchtet die zugehörige LED in weißer Farbe, bei Germanium erstrahlt eine blaue Anzeige.

Für erhöhte Funktionalität sorgt auch die Auswahl zwischen zwei Betriebsarten: Das Pedal kann sowohl im Buffer- als auch im True-Bypass-Modus betrieben werden. Im Buffer-Modus wird die Eingangsimpedanz von 10 kOhm auf 800 kOhm erhöht, was den Betrieb mit einem vorgeschalteten Wah und dessen hochohmigem Ausgang deutlich verbessert.

Ab Werk befindet sich das Fuzz Face im Buffer-Modus, dann leuchtet auch die zugehörige LED. Will man in den True-Bypass-Modus wechseln, muss man den Mini-Schalter drücken. Die Potis beschränken sich auf das Wesentliche und kontrollieren den Zerranteil (Fuzz) und den Ausgangspegel (Volume). Für sie und auch ihre Kollegen gilt: Sie arbeiten relativ schwergängig, hier verstellt sich nichts so schnell.

JHW2 OCTAVIO FUZZ

(Bild: Dieter Stork)

Mit seiner zusätzlichen Oktave über dem gespielten Ton ist das Octavio eine spezielle und sehr prägnante Zerr-Variante, die nicht nur Hendrix-Songs wie ‚Purple Haze‘, ‚Fire‘ oder ‚Machine Gun‘ dereinst den besonderen Touch verliehen hat, es wird auch heute noch geschätzt. Im Original von Roger Mayer 1967 (seinerzeit noch mit Germanium-Transistoren) konstruiert und später dann von Tycobrahe auf den Markt gebracht, lebt die Kombination aus Fuzz und hinzugefügter Oktave heute in zahlreichen Versionen weiter und hat nach wie vor viele Fans, etwa aktuelle Bluesgrößen wie Gary Clark Jr. oder Kenny Wayne Shepherd.

Bei Dunlop besteht die Basis der Tradition seit Ende 1968 folgend aus einem Silizium Fuzz, das in diesem Fall aber auch als Einzeleffekt genutzt werden kann, denn der Oktav-Effekt lässt sich hier abschalten, was das Pedal deutlich flexibler und auch universeller einsetzbar macht. Auch hier lassen sich Zerrmenge (Fuzz) und Pegel (Level) regeln. Mit Oktave begibt man sich in ganz spezielle Gefilde, je nach Poti-Stellung lassen sich dabei abgefahrene bis kaputte Sounds erzeugen, ohne Oktave wird es dann deutlich milder.

JHW3 UNI-VIBE CHORUS/VIBRATO

(Bild: Dieter Stork)

Einst erfunden, um den Sound eines Leslies zu simulieren, ist das Uni-Vibe selbst ein echter Klassiker geworden – und dazu hat Jimi einen wesentlichen Teil beigetragen. Auch wenn die beiden Modi seit der Erfindung des Gerätes durch die japanische Company Shin-ei in den 1960er-Jahren als Chorus und Vibrato bezeichnet werden, hat das Pedal auch etwas von einem Phaser in und an sich.

Viel wichtiger ist jedoch, dass es hervorragend klingt. Vor allem die Chorus-Einstellung überzeugt auf ganzer Linie – und das nicht nur für Spät-60er- und Früh-70er-Sounds. Vielmehr bietet es sich als exzellenter Modulationseffekt für eine Vielzahl von Stilen an. Und auch wenn es nicht wirklich wie ein Leslie klingt, führte der Test im Proberaum unwillkürlich zu einer spontanen Version von Jimis Klassiker ‚Little Wing‘.

Das intensivere Vibrato-Setting tönt dann noch mal einen guten Hauch psychedelischer aus den Boxen und passt damit sehr gut zum Design des Pedals. Gesteuert wird das Uni-Vibe über Potis für Geschwindigkeit (Speed) und Intensität (Depth) des Effekts, Level regelt die Ausgangslautstärke. Wird der Mini-Schalter gedrückt, leuchtet die LED links oben am Gerät und das Octavio arbeitet im Vibrato-Modus.

JHW4 BAND OF GYPSYS FUZZ

(Bild: Dieter Stork)

Mit der Gründung der Band Of Gypsys Ende 1969 und dem gleichnamigen Album 1970 begann Jimi, das nächste Kapitel seiner Karriere zu schreiben. Dazu experimentierte er auch mit neuen, aggressiveren Fuzz-Sounds. Das entsprechend betitelte Pedal basiert auf einem speziellen Fuzz Face, das er zu dieser Zeit spielte. Da das Original später nicht mehr aufzufinden war, wurde sein Sound nach den Aufnahmen aus dieser Phase modelliert.

Als Basis dafür diente ein Octavio-Schaltkreis ohne „Octave Up“-Effekt. Wer nun aber denken mag, dass sich die beiden Pedale daher übermäßig ähneln, sollte sie nebeneinander hören. Ohne Oktave klingt das Octavio um einiges zahmer als das Band Of Gypsys. Dieses liefert mit seinem zusätzlichen Tone-Regler auch eine höhere Bandbreite an reinen Fuzz-Sounds, die aber allesamt noch musikalisch nutzbar sind. Selbst bei Rechtsanschlag und mit dem Steg-Pickup einer Telecaster beschickt, tönte es zwar scharf und schneidig, aber keineswegs krätzig und übermäßig harsch. Dazu gibt es wieder Potis für Level (Output) und Zerrintensität (Fuzz).

FUZZES IM VERGLEICH

Um das für sich passende Fuzz-Pedal der Serie zu finden, hier ein direkter Vergleich: Am eindringlichsten und speziellsten klingt – wenig überraschend – das Octavio mit „Octave Up“-Effekt. Ohne tönt es vergleichsweise dezent – auch wenn Dunlop seinen Sound in diesem Modus als „mächtig fauchende Sättigung“ beschreibt. Subjektiv empfunden, erscheint das klassische Fuzz Face selbst im Germanium-Modus mächtiger fauchend. Aber das nur als persönliche Einordnung.

Das Octavio bietet dank seiner zwei Modi ein breites Spektrum von fast sanft bis völlig abgedreht, das Fuzz Face deckt mit seinen Betriebsarten Germanium und Silizium ebenfalls einen weiten Bereich, wenn auch abseits dieser Extreme, ab. Das Band Of Gypsys liefert die schärfsten Fuzz-Töne der drei Minis und verfügt dabei als einziges über eine Klangregelung.

Dass die drei optisch so ähnlichen Pedale unterschiedliche Charaktere haben, zeigt auch ein weiterer Vergleich: Dreht man bei allen den Zerr-Anteil auf null und gleicht dann nur die Pegel an, zeigt das Output-Poti des Band Of Gypsys 9 Uhr an, während die anderen beiden etwa zu drei Vierteln aufgedreht werden müssen. Neben dieser Vielfalt und Bandbreite muss an dieser Stelle auch noch einmal explizit das Uni-Vibe erwähnt werden, das dem zerrenden Trio einen exzellenten Modulationseffekt an die Seite stellt – und das ganz ohne technisches Update zur Vorläufer-Serie.

RESÜMEE

Jimi jetzt auch in extraklein – mit der „Psych ’69 Series“ greift Dunlop den Trend zur Miniaturisierung auf und packt vier hendrixsche Lieblingseffekte dazu in ein außergewöhnliches Gewand. Optik und Größe sind wie immer Geschmackssache, in Sachen Sounds hingegen können alle vier überzeugen. Die technischen Updates wie die Buffer-Option beim Fuzz Face oder die abschaltbare Oktave beim Octavio erweitern dabei die Möglichkeiten zum Teil enorm.

Jede der drei Zerreinheiten deckt ein spezielles Spektrum an, das Uni-Vibe ergänzt das Trio mit exquisiten Modulationssounds, die weit über das Retro-Spektrum hinausgehen. Ein Sonderangebot sind die vier Pedale zwar wahrlich nicht, mit ihrem außergewöhnlichen Design und auch der limitierten Stückzahl dürften sie bei manch einem Hendrix-Fan dennoch weit oben auf dem Wunschzettel stehen.

PLUS

● Sounds
● erweiterte Optionen (Fuzz vFace, Octavio)
● außergewöhnliches Design
● kompakte Bauweise

MINUS

● Verwechslungsgefahr bei schlechtem Licht

(erschienen in Gitarre & Bass 03/2020)

Produkt: Treble Booster im Test
Treble Booster im Test
Der Treble Booster war in den 60er und 70er Jahren das Effektgerät schlechthin. Hol dir jetzt 4 Gratis-Testberichte zum Sound-Wunder!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren