Produkt: Gitarre & Bass 6/2019 Digital
Gitarre & Bass 6/2019 Digital
Neoclassical Bluesrock: Yngwie Malmsteen+++Strat, Style, Strings, Sound: Jimmie Vaughan+++Glam-Metal 2019: Steel Panther+++Auf langer Abschieds-Tour: Rickey Medlocke & Lynyrd Skynyrd
Finnisches Schweizermesser

Test: Darkglass Harmonic Booster

(Bild: Dieter Stork)

Darkglass ist ein Industriestandard in Sachen Bass-Verzerrung. Ganze zwölf Pedale in dieser Richtung gibt es aktuell, vier Grundsounds in je drei Ausstattungen. Zur allerersten Modellpalette vor gut zehn Jahren gehörte aber auch ein ganz sauberes Pedal: der Harmonic Booster.

Jetzt ist er in einer neuen und gegenüber früheren Versionen deutlich überarbeiteten Ausführung wieder da. Damit auch ganz klar ist, dass hier nix zerrt, ist „Clean Bass Preamp“ als Untertitel auf dem Pedal vermerkt. So sind Missverständnisse schon mal ausgeschlossen.

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BAUWEISE

Das mattschwarze Metallgehäuse hat an der Oberseite eine umlaufende, spiegelblank polierte Fase und kommt insgesamt hochwertig und edel aus dem Karton, in dem sich noch ein Katalog, eine Anleitung, Plektren, Aufkleber, und Gummifüße finden. Nicht im Lieferumfang ist ein Netzteil, was man mit einplanen muss, da kein Batteriebetrieb vorgesehen ist. Die großen vier Regler sind Boost, Character, Mid Gain und Mid Freq., etwas versteckt darunter lassen sich noch Bass und Treble an Minipotis einstellen. Ein Taster schaltet den Effekt ein, eine sehr helle weiße LED lässt keinen Zweifel am Schaltzustand aufkommen. Klinkeneingang rechts, Ausgang rechts entspricht den Gepflogenheiten, während die 9V-Buchse unterhalb des Eingangs gerade auf einem Pedalboard etwas problematisch sein könnte, zumal sie so versenkt ist, dass dickere Stecker keinen festen Halt finden.

Was kann das Pedal nun, und was ist eigentlich ein Harmonic Booster? Drei Funktionen gibt es hier zu entdecken. Fangen wir mal mit dem Booster an. Per Boost-Regler kann das gesamte Signal um bis zu 20 dB verstärkt oder heruntergepegelt werden. Darunter findet sich ein EQ. Der Bass ist bei 80 Hz festgelegt, die Höhen bei 5 kHz, während die Mitten zwischen 250 Hz und 2,5 kHz stufenlos angewählt werden können. Anhebung und Absenkung sind jeweils satte 20 dB, wobei keins der Potis – wie Boost und Character auch – eine Mittenrastung hat. Für die neutrale Einstellung muss also optische Peilung und akustische Kontrolle bemüht werden.

Bleibt noch das Character-Poti. Etwas kryptisch spricht die knappe Anleitung hier davon, dass eine „tonformende Schaltung in perfekter Dosierung eingeblendet werden kann“, wobei der Frequenzgang ganz nach links gedreht weitestgehend neutral belassen wird. Alles klar? Schmeißen wir das Pedal mal an …

(Bild: Dieter Stork)

DAS SIND JA DREI DINGE AUF EINMAL!

Auch hier lege ich mit dem Booster los. Für sich genommen klingt er sauber, nimmt gleichmäßig das gesamte Frequenzbild mit, und funktioniert wunderbar, um einem Bass am Amp zu mehr Pegel zu verhelfen oder die Vorstufe anzublasen – ich habe einige alte Röhren-Amps ohne Gain/Master, bei denen das super klappt. Umgekehrt kann ein zu heißer Bass auch eingebremst werden, und last not least legt der Regler auch den Ausgangspegel fest, wenn EQ und Character ins Spiel kommen.

Beim EQ hat Darkglass offensichtlich den Mittenbereich für am wichtigsten erachtet. Das wäre jedenfalls meine Interpretation der Tatsache, dass sich die Miniregler für Bässe und Höhen im Livebetrieb einem schnellen Zugriff entziehen, während die Regler für Mittenfrequenz und Boost/Cut problemlos bedient werden können.

Ich habe mich schnell daran gewöhnt, die kleinen Potiknöpfe stehen ausreichend frei, um ran zu kommen, nur eben nicht ganz so easy. Mit sechs großen Reglern wäre es ein anderes Pedal geworden, so macht es einen aufgeräumten Eindruck. An der Wirkung gibt es rein gar nichts auszusetzen, höchstens dass 20 dB eine Menge sind und in der Regel deutlich weniger Anhebung oder Absenkung gefragt sind. Alles läuft sehr gleichmäßig, der Bass-Regler macht ordentlich Punch, der Höhen-Regler gibt sehr rauscharm Brillanzen drauf oder rundet vintage-mäßig ab, und der Mittenbereich kann präzise angewählt und bearbeitet werden, auch hier mit guten Ergebnissen im Plus- und Minus-Bereich.

Und was macht Character nun? Zwei Dinge kommen mir bei Betätigung dieses Reglers in den Sinn, der als einziger seine Nullstellung gegen den Uhrzeigersinn zugedreht hat: zum einen regelbare Preshape- oder Enhance-EQs, wo zunehmend die tiefen Mitten rausgezogen werden, um Bässe und Höhen zu betonen, zum anderen die vor allem seit den 80ern beliebten Exciter, die durch harmonische Synthese künstliche Obertöne hinzufügen und den Ton „frischer“ machen – in der Extremstellung aber auch recht künstlich klingen lassen. Das passiert hier auch, aber eben nur ganz aufgedreht, und vor allem: bis jetzt habe ich die drei Klangelemente Boost/ EQ/Character getrennt für sich betrachtet.

Das ist schon durchaus ergiebig, aber noch mehr Spaß macht es, mit allen dreien zu spielen! Da darf Character ruhig weit aufgedreht werden, die Mitten schiebe ich über den EQ wieder rein, wo ich sie haben will, runde die Höhen wieder etwas ab, passe mit Boost den Pegel an – fertig! In der Summe gibt das mit einer überschaubaren Regleranzahl einen sehr flexiblen Preamp, der mehr kann als andere Bass-EQs.

Eins kann er nicht, wie der Name ja klar macht: Er kann nicht nicht clean. Dafür hat Darkglass andere Pedale in reichlicher Auswahl. Zu denen wird der Harmonic Booster als perfekte Ergänzung gepriesen, also probiere ich auch das natürlich noch aus. Und was bin ich froh, das getan zu haben … ! Nicht nur mit Darkglass-Pedalen, auch mit etlichen anderen Zerrern und Preamps von zart bis hart – irgendwie schafft der Harmonic Booster vorgeschaltet immer, das gewisse Etwas mehr rauszuholen.

Nervfrequenzen können gezielt angegangen werden, Schwächen in Bass oder Höhen ausgebügelt, der Mittenbereich entweder mit den beiden Mid-Reglern oder mit Character aufgeräumt werden, auch hier lässt die Flexibilität nichts zu wünschen übrig. Schalte ich den Harmonic Booster aus, klingt es auf einmal weniger lebendig und etwas dröger als vorher. Hm. Und das bei eigentlich schon sehr guten Pedalen. Selbst beim Darkglass B7K Ultra, der nun wahrlich nicht mit Möglichkeiten geizt, auf den Klang Einfluss zu nehmen, kommt das kleine bisschen Extra-Würze zum Tragen. Diesen nachgeschaltet entfaltet sich der Booster deutlich weniger.

Neugierig geworden, habe ich noch versucht, den Effekt mit anderen vorgeschalteten Preamps und EQs hinzubekommen. Was soll ich sagen? Hat nicht funktioniert. Im Ansatz schon, aber die Qualitäten des Darkglass Boosters hat in der Summe keins meiner Pedale erreicht.

RESÜMEE

Ein famoses Pedal! Das kam jetzt irgendwie überraschend … also nicht, dass das Pedal gut ist. Bei Darkglass erwarte ich nicht weniger als feine, solide Bauweise und bestes Klang- und Nebengeräuschverhalten. Darf man bei den Preisen auch, die hoch, aber bei weitem nicht unanständig sind. Aber dass der Harmonic Booster neben der gelungenen Vorstellung als cleaner Preamp für alle Gelegenheiten – als Zweit-Sound, als Preamp für den zweiten Bass, als Reisebegleiter vor der gestellten Anlage auf der Festivalbühne – auch noch so gut zum Verfeinern von Zerrpedalen taugt, sodass einem immer etwas fehlt, wenn man ihn wieder ausmacht, aber ohne dass er nachgeschalteten Pedalen seinen Charakter oktroyiert, das hebt den Harmonic Booster über normale Pedal-Preamps und EQs hinaus. Feines Teil!

PLUS

  • Preamp-Möglichkeiten und Sound
  • Sound vor Zerrpedalen
  • Solide Bauweise

(erschienen in Gitarre & Bass 09/2020)

Produkt: Gitarre & Bass 12/2019 Digital
Gitarre & Bass 12/2019 Digital
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