Edel, leicht, gut

Test: Darkglass DG112N

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(Bild: Dieter Stork)

Die Darkglass-Pedale sind schon lange moderne Klassiker, die Verstärker etabliert und mit den neuen Konzepten ganz weit vorne – da scheinen mir die Bass-Boxen aus gleichem Hause etwas unter dem Radar zu bleiben.

Dabei haben sie einiges zu bieten, nicht nur in Kombination mit den hauseigenen Topteilen. Was die kleinste Box im Portfolio draufhat, sehen und hören wir uns mal an.

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DIE BAUWEISE

Moderne Boxen dürfen gerne leicht sein, oder gar sehr leicht. Um ein möglichst geringes Gewicht zu erzielen, ist das Gehäuse der DG112N aus Paulownia gebaut. Diese schnell wachsende Nutzpflanze zeichnet sich durch relative Steifheit aus – vor allem aber ist das Holz fast so leicht wie Balsa, und deshalb auch als Korpusmaterial bei Gitarren und Bässen seit einiger Zeit im Kommen. Das Baffle Board, also die Schallwand, auf der der Speaker montiert ist, soll maximal stabil sein. Einerseits, um den Lautsprecher zu halten, andererseits, um möglichst schwingungsfrei arbeiten zu können.

Ergo wurde hier auf Multiplex aus Baltischer Birke zurückgegrifffen, einem Industriestandard, wenn es um Boxengehäuse geht. Unten wurde auf ganzer Breite ein Schlitz als Bassreflexöffnung freigelassen. Der robust wirkende Bezug wurde sauber aufgezogen und kommt mit seinem silbrig-grauen Tolex in Carbonfiber-Optik sehr edel rüber.

Der Lautsprecher-Frontbespannstoff in Salz-und-Pfeffer passt bestens dazu und kann samt des Rahmens dank Klettbefestigung abgezogen werden – zum Beispiel wenn man dem Lautsprecher zwecks Aufnahme mit einem Mikrofon näher kommen möchte als es die Frontbespannung sonst zulässt. Besagter Speaker ist ein Zwölfzöller, der nach Darkglass-Vorgaben von Eminence gefertigt wird. Im Sinne der Gewichtsersparnis kommt er mit leichtem Neodymmagneten. Ein Hochtonhorn sorgt für die Wiedergabe der höchsten Frequenzen und setzt bei 2 kHz an, der Anteil am Gesamtsound kann per Regler auf dem Anschlussfeld der Box stufenlos geregelt werden.

Für die Verbindung zum Amp stehen zwei Buchsen zur Verfügung, die Speakon- und Klinkenanschluss als Kombibuchse bieten. Dass sich hier gleich zwei Buchsen befinden (eine zum Weiterschleifen des Signals an eine weitere Box), ist überaus sinnvoll, da die kleineren Darkglass-Tops (und auch viele andere kompakte Verstärker) nur einen Lautsprecherausgang haben, mit nur einer 8-Ohm Box wie eben der DG112N aber nicht die volle Leistung abgerufen werden kann.

Die kompakteste 1×12″ unter der Sonne ist die Darkglass nicht, aber dank des geringen Gewichts von nur 12,5 kg ist der seitliche Ledergriff absolut ausreichend. Zum Abstellen finden sich auf der anderen Seite kleine Gummifüße, für den regulären Betrieb im Querformat, bei dem das große Logo in der rechten oberen Ecke prangt, gibt es noch ein Set größerer und dickerer Gummifüße an entsprechender Stelle. Der Blick ins Gehäuse zeigt keine weitere innere Bebalkung, dafür aber reichlich (gesundheitlich unbedenkliches) Dämmmaterial. Die Frequenzweiche ist sauber aufgebaut und großzügig dimensioniert, was auch für den zugehörigen Drehregler gilt. Überhaupt ist festzuhalten, dass es an der Verarbeitung und der Auswahl der Bauteile nichts auszusetzen gibt – die Box ist äußerst sauber aufgebaut.

Anschlussfeld mit High-Range-Regler (Bild: Dieter Stork)

DER SOUND

Zum Test schließe ich erstmal einen eher neutralen Amp an und drehe vorsichtig auf … und bin erstmal unterwältigt. Das Klangbild ist sehr nüchtern, der gesamte Eindruck ernüchternd. Okay, ich war vorher an einer 4-Ohm-Box, da kommt bei gleicher Einstellung einfach mehr Leistung an. Also den Master weiter auf, und je länger ich die Darkglass-Box spiele, desto mehr erschließt sich mir, welche Qualitäten sie zu bieten hat. In der erreichbaren Lautstärke bleibt es dabei, dass sie nicht die allerbeste Futterverwerterin ist, also mehr Leistung vom Amp braucht. Die wird aber klaglos umgesetzt, auch wenn ich ordentlich Watts auf das Cabinet loslasse, bleibt der Ton stabil.

Die anfängliche Ernüchterung kam auch daher, dass die vorher angeschlossene Box eher den traditionellen Vintage-Charakter von Zwölfzöller-Boxen bediente, also eine ausgeprägte mittige Wiedergabe an den Tag legte, die sie noch zusätzlich lauter wirken ließ. Das macht die DG112N eben nicht, die klangliche Prägung ist modern-ausgewogen und viel sauberer. Das gilt vor allem, wenn das unaufdringliche, sehr gut eingebundene Hochtonhorn stärker ins Spiel gebracht wird.

Am anderen Ende des Frequenzspektrums sind die Bässe stramm und trocken. Um Wummern zu provozieren, muss der Bassregler am Amp schon extrem bemüht werden, weit jenseits dessen, was im Band-Kontext gefragt ist. Auch die tiefe H-Saite eines aktiven Fünfsaiters kommt adäquat und mit reichlich Substanz rüber.

Die Mitten geben sich, wie schon beschrieben, eher neutral und zurückhaltend, ohne dass es der Box an Durchsetzungsfähigkeit oder Charakter mangeln würde. Auch die hochmittige Nöseligkeit mancher laut gefahrener Neodym-Speaker lässt die Darkglass-Box komplett außen vor.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Die Konkurrenz in diesem Boxensektor ist nicht eben klein, aber die Darkglass DG112N kann sich bestens behaupten. Sie sieht schick aus (finde ich, das ist ja immer auch Geschmackssache), ist sauber verarbeitet und hochwertig bestückt. Auch wenn es kleinere 1x12er gibt, ist die DG112N mit ihrem geringen Gewicht leicht tragbar und gut im Kofferraum oder auf dem Lastenrad zu verstauen. Der Trend geht mittlerweile eher zu leiseren Bühne, und da, aber auch darüber hinaus, macht schon eine dieser Boxen eine extrem gute Figur – mit einer sehr klaren und ausgewogenen Wiedergabe.

Das Fundament reicht dabei von Jazz und Pop bis in den Rockbereich, mit zwei dieser Boxen ist auch lauter Rock gut zu bedienen – und man schleppt immer noch gerade mal 25 kg … Mit einem aktuellen Streetpreis von knapp 700 Euro gehört sie schon zu den teureren Boxen mit dieser Speaker-Bestückung, aber das ist sie in meinen Augen auch unbedingt wert und damit zum persönlichen Check empfohlen!

PLUS

● Wiedergabe
● Bauweise
● Verarbeitung
● Gewicht

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2023)

Produkt: Gitarre & Bass 12/2023
Gitarre & Bass 12/2023
IM TEST: Nik Huber Piet +++ Jackson American Series Virtuoso +++ Guild Polara S-100 Kim Thayil +++ Squier Sonic Precision Bass +++ Fender Tone Master Pro +++ Blackstar HT Club 40 MK III +++ Aguilar SL 110 +++ Beetronics Seabee +++ 901SOUND Fulcrum EXP

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