Produkt: B.B. King for free
B.B. King for free
Alles über den „King of Blues“ Meister B.B. King im großen Special!
Ist das Cuntz, oder kann das weg?

Test: Cuntz CWG23sH

(Bild: Dieter Stork)

Ja, das ist Cuntz! Und es ist Kunst. Und das kann auf keinen Fall weg! Dieses Meisterwerk verlangt eine genaue Betrachtung.

Dass Andreas Cuntz hochwertigste Gitarren baut, ist ja beileibe nichts Neues. Schon seine Prüfungsgitarre wurde 1996 mit Preisen bedacht – da hatte er noch gar keine eigene Werkstatt. Die bezog er erst ein Jahr später, und seine Vorstellung von einer optimalen Westerngitarre hat schon damals im Modell CWG23 Gestalt angenommen und bis heute Bestand. Es gibt dieses Modell in zahlreichen Ausführungen und Holz-Variationen – unsere Test-Gitarre besticht mit dem exotischen Tasmanian Blackwood als Korpusholz. Ein sehr interessanter Aspekt beim Design der CWG ist die Tatsache, dass an der einen Stelle die Funktion die Form bestimmt und woanders die Form einfach der Ästhetik dient.

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FORM …

Die Decke besteht aus zwei Teilen massiver deutscher Haselfichte, die – je nach Blickwinkel – bemerkenswerte Akzente in der Maserung zu bieten hat. Der Deckenrand ist blitzsauber und akkurat mit einem Purfling aus Ahorn und schwarzer Straffierung eingefasst. Zargen und zweiteiliger Boden sind aus 20 Jahre altem Tasmanian Blackwood, einem Holz aus der südöstlichen Ecke Australiens.

Das Bodenholz ist bookmatched aufgeschnitten und in Sachen Struktur, Farbenspiel und Maserung ein Highlight. Besondere Tiefe entsteht hierbei durch die perfekte Hochglanzlackierung. Wo die Korpusteile aufeinandertreffen, sorgt ein Binding aus Ahorn für optische Akzentuierung und Stabilität. An der spitzen Kante des Cutaways sieht man dann z. B. sehr gut, was für ein hohes Verarbeitungsniveau hier zugrunde liegt.

(Bild: Dieter Stork)

Zurück bei der Decke sehen wir zwei Elemente, bei denen sicher die Form über der Funktion steht, denn das Schallloch sieht einfach gut aus, ist geniales Erkennungszeichen einer Cuntz-Gitarre und hat sicher nur bedingt klangliche Hintergründe. Ähnliches würde ich auch bei dem herrlich ausgearbeiteten Steg aus Ebenholz vermuten, wobei aber die stattliche Breite von 21 cm sicher der Schwingungsübertragung besonders dienlich ist. Die Saiten sind hier standesgemäß mit Pins aus Ebenholz mit Perlmutt-Dot fixiert und laufen über eine Stegeinlage, die, wie der Sattel, aus Vintage Bone (Knochen) gefertigt ist.

Auch der Hals ist ein Leckerbissen: Er ist am 14. Bund angesetzt und in diesem Bereich fällt gleich die geschickte Ausformung des Halsfußes auf, wo der Daumen besonders gut Halt findet, wenn es in die höchsten Register geht. Der griffig mattierte Hals aus Khaya Mahagoni ist mit einem Ebenholzgriffbrett belegt, das sich an seinem Ende perfekt an die Form des Schalllochs anschmiegt.

(Bild: Dieter Stork)

Es zeigt 22 schlanke, top-polierte Bünde und keinerlei Inlays. Orientierung bieten aber die kleinen Dots in der Griffbrettkante. Die Einfassung des Fingerboards ist auch wieder ein Highlight, denn das Blackwood-Binding ist optisch so perfekt angeglichen, dass man meint, das Griffbrett sei im Halsholz eingelegt.

Über eine verstärkende Volute unterhalb des Sattels geht es zur Kopfplatte, die dann das perfekte Beispiel für ein Design ist, welches der Funktion untergeordnet ist. Die etwas exzentrische Form des Headstocks hat nämlich zum Ziel und zur Folge, dass die Saiten völlig gerade über den Sattel laufen, was natürlich die Stimmstabilität und die Ausgewogenheit des Saitenandrucks massiv erhöht. Mit einer Blackwood-Auflage, der Ahorn-Einfassung, dem Blackwood-Trussrod-Cover und den vergoldeten Gotoh-Mechanik ist die für Cuntz typische Kopfplatte aufs Feinste ausgearbeitet.

Die Stimmwirbel der Gotoh-Tuner sind aus Ebenholz, und mit der hohen Übersetzung von 1:18 lässt sich die Gitarre höchst präzise stimmen. Da Andreas Cuntz mit Überzeugung die Pickups von Schatten-Design aus Kanada vertreibt, ist natürlich auch ein solcher bei der CWG23 an Bord. Es ist der HFN Active VT. Der Tonabnehmer ist mit etwas Abstand innen an der Decke befestigt und soll für sehr natürliche, mikrofonartige Ergebnisse sorgen – und das ohne erhöhtes Feedback-Risiko. Auch perkussive Spielweisen soll er gut unterstützen. Werden wir sehen …

Es muss noch erwähnt werden, dass die Gitarre in einem superstabilen Hiscox-Koffer kommt und dass im Sinne eines Custom-Shops zahlreiche Optionen wie z. B. andere Halsmaße, Linkshänder-Version, Schlagbrett, oder eine Scratch-Plate für Percussion-Einlagen u.v.a.m. möglich sind.

… UND FUNKTION

Die Cuntz CWG23sH in die Hand zu nehmen ist zunächst mal ein haptisches Erlebnis. Der Hals fühlt sich großartig an, liegt perfekt in der Hand. Mit einer ordentlichen Griffbrettbreite von 46,4 mm am Sattel und dem fehlenden Schlagbrett (gibt’s auf Wunsch ohne Aufpreis) scheint sich die Gitarre besonders dem Fingerstyler zuzuwenden. Interessantes Detail: die tiefe E-Saite hat etwas mehr Abstand zur Griffbrettkante als die hohe E-Saite – so läuft man nicht Gefahr, mit der Basssaite über die Bundenden abzurutschen.

Die Ansprache ist sowas von quicklebendig und forsch, dass man fast das Gefühl hat, die Cuntz spielt sich von selbst. Sonore Bässe verbinden sich mit trocken-konkreten Mitten und ganz viel Licht in den Höhen. Bei so viel Dynamik und Klangfrische schadet es dann auch nicht, mit den Fingerkuppen zu zupfen – das setzt sich mit großer Lebendigkeit souverän durch. Geht man mit einem Plektrum ins Strumming, kommen zu Klangqualität, Sustain und Dynamik auch noch enorme Lautstärkereserven hinzu.

So wie diese Gitarre aus den Hufen kommt … da gehen einem als Tester so ein bisschen die Superlative aus. Aber wohlgemerkt: Genauso nuanciert, direkt, vielschichtig und sensibel die Cuntz des Spielers Input umsetzt, so gnadenlos deckt sie auch dessen Defizite auf. Einfach eine extrem ehrliche Gitarre.

Jetzt mit Spannung und Vorfreude das Kabel in den Klinke-Input: Das klingt wirklich besonders luftig und natürlich, wie mit Mikro abgenommen. Man muss aber alles ein wenig sorgfältiger und feiner einstellen als bei einem herkömmlichen Piezo-Tonabnehmer, sonst können da – vornehmlich auf der tiefen E-Saite – doch schon mal dröhnende Frequenzen stören. Hat man aber die Gitarre auf seinen Amp, die PA, und/oder den Raum eingestellt, wird man mit einem Erste-Sahne-Acoustic-Sound belohnt.

RESÜMEE

Was Andreas Cuntz hier auf die Beine gestellt hat, verdient einfach großen Respekt. So eigenständig, so hochwertig, so schön anzuschauen, so makellos gefertigt – das gibt dem Tester nur sehr sehr wenig Spielraum für Kritik. Man könnte vielleicht über den Preis … nein, eigentlich ist der auch selbsterklärend. Und es macht eben einfach so verdammt viel Spaß die Cuntz CWG23sH in die Hand zu nehmen, zu spielen, ihre Vielseitigkeit zu erforschen, ihre (und die eigenen) Möglichkeiten auszuloten. Ein höchst empfehlenswertes Masterpiece.

PLUS

  • Design, Konstruktion sehr eigenständig und stimmig
  • Hardware und Hölzer
  • Verarbeitung bis ins kleinste Detail perfekt
  • Haptik, Bespielbarkeit
  • Klang, Dynamik, Ansprache, Sustain auf höchstem Niveau
  • sehr natürlicher Pickup-Sound

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2020)

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