Produkt: Gibson Guitars Special
Gibson Guitars Special
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Nordische Kombination

Test: Carl Martin PlexiRanger

(Bild: Dieter Stork)

Die dänische Effektschmiede Carl Martin hat sich mit seinen „Marshall in a box“-Pedalen einen sehr guten Ruf erarbeitet. Der neue PlexiRanger hat das Potential, seine Vorgänger in den Schatten zu stellen, denn die Entwickler haben ihm neben der Amp-Simulation auch eine üppige Boost-Sektion verpasst.

Schaut man sich die aktuelle Homepage von Carl Martin an, wird klar, wie wichtig derartige Geräte für die Firma sind: Oben auf der Produktseite finden sich bei den Overdrive-Pedalen gleich drei „PlexiTone“-Varianten: eine zweikanalige sowie zwei Einzeltreter mit verschiedenen Gain-Strukturen.

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Der PlexiRanger kommt nicht nur im neuen Design, er unterscheidet sich von seinen Kollegen auch hinsichtlich der Konzeption – worauf der zweite Teil des Namens deutliche Hinweise gibt, denn „Ranger“ führt bewusst in Richtung „Rangemaster“. Genau, hier kommt zum Plexi noch eine Treble-Boost-Sektion.

Diese Kombination aus einem britischen Amp und einem vorgeschaltetem Booster prägte die Rockmusik in ihren frühen Hochtagen vor rund 50 Jahren wie kaum eine zweite: Ob Ritchie Blackmore, Rory Gallagher, Brian May, Tony Iommi oder später Judas Priest – sie alle kitzelten aus ihren Marshall/Vox/Laney-Amps mit einem Dallas Rangemaster oder einem verwandten Pedal das entscheidende Plus an Gain und erschufen so einen ganz eigenen Sound.

Beim PlexiRanger besitzt jede der beiden Einheiten einen eigenen Fußschalter, sie können also auch einzeln oder in Kombination mit anderen Komponenten verwendet werden. Ein erstes Plus: Die Boost-Sektion ist ziemlich üppig ausgefallen und ermöglicht dadurch eine akkurate Soundformung.

AUFBAU

Der Plexi-Teil wurde links platziert und verfügt über Potis für Zerrmenge, Ton und Lautstärke. Gain liefert er übrigens reichlich – und das im Gegensatz zu seinem Vorbild auch bei Zimmerlautstärke. Für die Boost-Sektion haben sich die Designer ein paar kluge Dinge einfallen lassen. Denn genau genommen beherbergt sie zwei Boost-Einheiten, die unabhängig voneinander agieren und alleine oder gemeinsam eingesetzt werden können.

Der obere Boost-Regler ist ein breitbandiger Cleanboost mit bis zu 15 dB Signalverstärkung, die beiden Potis darunter steuern einen Frequenz-Boost, der von 250 Hertz bis 5 Kilohertz reicht, also das gesamte Mittenspektrum und darüber hinaus umfasst. Angewählt wird der gewünschte Boost-Punkt mit dem Freq-Regler, über das Range-Poti kann die Frequenz dann noch einmal um maximal 15 dB angeschoben werden.

Dazu gibt es noch eine weitere sinnvolle Option: Ein dreistufiger Bass-Cut beschneidet das Signal entweder gar nicht (0, Mitte), leicht (1, oben) oder stärker (2, unten). Damit ist diese Sektion deutlich flexibler als ein Original-Rangemaster mit seinem einzelnen Boost-Set-Regler.

Doch damit noch nicht genug, denn die Ausstattung wartet mit zwei weiteren Besonderheiten auf: An der Stirnseite sitzt neben den Buchsen für Input, Output und ein externes 9-Volt-Netzteil auch ein Anschluss namens „Remote“. Hier kann man einen passenden Fußschalter – im Test kam ein Boss FS-5L zum Einsatz – anschließen, der dann die Kontrolle über die Boost-Funktion übernimmt. Der Schalter am Pedal ist dann nicht mehr aktiv.

Einsatzmöglichkeit: Wenn man die Plexi-Sektion für seinen Grund-Sound hernimmt und nur beim Solo den Boost hinzugibt, kann man das Pedal an einem anderen Platz lagern und sich nur diesen einen Fußschalter auf die Bühne legen. Ein weiteres Feature ist weniger offensichtlich: Um Sound und Headroom zu optimieren, arbeitet der PlexiRanger mit einer internen Spannung von 12 Volt, die vom Netzteil eingegebene Menge von 9 Volt wird also gewandelt. Dieses externe Netzteil braucht man auch, denn mit Batterien lässt sich das Pedal nicht betreiben.

IN DER PRAXIS …

… erfreut der PlexiRanger zunächst einmal mit seinem straffen und bissigen Grundton, dessen Zerrpotential von leichtem Crunch bis in 80er-Metal-Gefilde reicht und auf diesem Weg auch die gesamte Palette klassischer Rocksounds abdeckt. Seine ganze Stärke spielt das Pedal dann in Kombination mit der äußerst vielseitigen Boost-Sektion aus, die aus einem knackigen, kompakten Rhythmussound einen singenden Leadton zaubert, der dank Bass Cut untenrum aufgeräumt werden kann und so bei allem Gain noch immer die Form hält. Der Boost reicht dabei von dezentem Anschieben bis hin zum Testosteron-haltigen Vollgas-Sound. Angenehm fällt dabei auch auf, dass sich die Nebengeräusche selbst bei hohen Gain-Einstellungen in einem sehr überschaubaren Rahmen halten.

RESÜMEE

Mit seiner Bandbreite und den zahlreichen Möglichkeiten sammelt das Pedal jede Menge Pluspunkte ein, dazu kommt, dass diese flexible Sound-Zentrale nur einen Anschluss eines Multi-Netzteils in Anspruch nimmt und mit weniger als zehn Zentimeter Breite auf dem Board zudem genügend Platz für weitere Pedale lässt.

Mit einem Ladenpreis von unter € 170 ist es zudem – vor allem an seiner Ausstattung gemessen – alles andere als hochpreisig. Wer auf klassische Rocksounds steht und die Vorteile von 2-in-1-Pedalen zu schätzen weiß, kann mit dem PlexiRanger eigentlich nichts falsch machen. Das neue Carl Martin überzeugt auf ganzer Linie und bestätigt eindrucksvoll den ohnehin schon guten Ruf der Company.

Internet: www.carlmartin.com
Preis (Street): ca. € 159

PLUS

● All-in-one-Lösung
● Sound
● Preis/Leistung
● flexible Boost-Sektion

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2021)

Produkt: Gitarre & Bass 8/2019 Digital
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