Schwarzbraun ist die Walnuss

Test: Caparison Brocken FX-WM

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(Bild: Dieter Stork)

Es gab mal eine Zeit, da war Caparison die Marke der Stunde. Zumindest in der Metalcore- und Death-Metal-Szene war die flossenartige Kopfplatte zu Beginn des neuen Jahrtausends nicht mehr wegzudenken. Doch seit dem ist einiges passiert. Grund genug, sich das neue Brocken Modell mal genauer vorzunehmen.

Soilwork, Killswitch Engage, Arch Enemy oder auch The Haunted waren damals im Endorser-Roster des Edelherstellers. Nachdem die Marke 2011 verkauft wurde, begann es, etwas stiller um den Überflieger aus Japan zu werden. Nach einem Marken-Relaunch und einer dezenten Überarbeitung der Produktlinie, sind Caparison nun seit einigen Jahren wieder am Start. Dabei haben wir es nach wie vor mit absoluter Top-Qualität, Made in Japan zutun – wobei es mit der C2- Serie mittlerweile auch Gitarren für den etwas schmaler bemessenen Geldbeutel gibt. Zum Test liegt uns nun das Modell Brocken aus der regulären Produktreihe vor, welches mit verlängerter Mensur und sage und schreibe 27 Bünden schon mal für Staunen sorgt.

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richtig langer hals

Ja, da habe ich nicht schlecht gestaunt, als mich unsere Redaktion fragte, ob ich eine Caparison testen möchte. Schließlich ist es schon einige Jahre her, dass ich eine solche Gitarre spielen durfte und kurz davor war, mich massiv zu verschulden, um mir ein solches Trauminstrument leisten zu können. Das strenge Gesicht Peter Zwegerts – jener Tage bekannt aus Funk und Fernsehen – war dann aber doch zu furchteinflößend und so verließ ich das Musikgeschäft mit leeren Händen. Um so größer meine Freude, wieder eine Caparison in den Händen halten zu dürfen – schon beim Auspacken des Testinstrumentes war ich aufgeregt wie ein kleiner Bub an Heiligabend. Der wirklich solide Koffer und das hübsche Echtheitszertifikat steigerten meine Erwartungen, die aber um ein vielfaches übertroffen werden sollten – was soll ich groß drumrum reden?

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(Bild: Dieter Stork)

Diese Gitarre ist ein Erlebnis auf vielerlei Ebenen. Da wäre zunächst einmal der wunderhübsche Korpus, welcher aus zwei aufeinander geleimten Teilen aus Mahagoni (Rückseite) und Walnuss (Vorderseite) besteht. Dabei ist die Maserung des Holzes deutlich spürbar, da der Korpus nur von einer hauchdünnen Lackschicht überzogen ist. Der transparent-schwarzbraune Farbton gibt dem Instrument einen dezent-edlen Look, der seine Schönheit erst auf den zweiten Blick preisgibt.

Direkt in das Holz eingelassen sind zwei Caparison-Humbucker, welche exklusiv von Gotoh gefertigt werden. Für eine etwas markante Optik und ein interessantes Klangbild sorgt auf jeden Fall der – ganz im Geiste der 80er-Super-Strat – schräg eingebaute Hals-Tonabnehmer, welcher auf den hohen Saiten etwas in Richtung Brücke geneigt ist. Ebenfalls vom japanischen Hardware-Riesen kommt die schlichte aber sehr gut aussehende Fixed-Bridge, welche einen besonders weiten Spielraum für die einzelnen Saitenreiter aufweist. Gerade im Hinblick auf die Baritone-Mensur und die dicken Saiten ist diese Maßnahme zur Einstellung der Intonation sehr sinnvoll – allzuoft machen einem die fetten Drähte das Leben in dieser Hinsicht schwer.

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(Bild: Dieter Stork)

Auch im Maschinenraum der Brocken findet sich liebevollste Detail-Arbeit. Das E-Fach ist komplett mit einer dünnen Schicht Graphit-Lack zur Abschirmung versehen und der Deckel auf der Rückseite ist aus Aluminium gearbeitet. Neben dem unglaublich hochwertigen Schaller Mega Switch wurde ein schön rund laufendes Volume-Poti von CTS verbaut und auch sonst wurde an hochwertigen Bauteilen im Innenleben nicht gespart.

Tief in den Korpus eingelassen und mit vier Schrauben befestigt finden wir einen überraschend massiven Ahorn-Hals mit stehenden Jahresringen – keine Angst, mit einem Prügel wie bei einer 50er-Jahre-Tele haben wir es hier freilich nicht zu tun. Zugunsten der Biegesteifheit wurde der Hals mit zwei Titan-Stäben verstärkt, was bei einer solch langen Mensur sicher sinnvoll sein dürfte. Das schwarze Griffbrett – welches keinerlei Inlays hat – trägt 27 sauber eingelassene Jumbo-Bünde deren Enden mit einem weißen Binding versiegelt sind. Was mir ausgesprochen gut gefällt, ist, dass trotz des langen Halses und der vielen Bünde das gesamte Instrument optisch vollkommen wohlproportioniert wirkt – gerade bei Baritone-Gitarren keine Selbstverständlichkeit.

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(Bild: Dieter Stork)

Die mit einem schwarzen Strukturlack beschichtete 2:4 Kopfplatte mit der markanten Form trägt sechs Locking-Mechaniken, welche ebenfalls von Gotoh kommen und wunderbar sahnig laufen. Alles in allem kann man mit Fug und Recht feststellen, dass die Caparison Brocken ein Paradebeispiel für japanische Wertarbeit ist – sowas habe ich bis dato selten gesehen!

fetter klangbrocken

Ich staune nicht schlecht, als das Stimmgerät auf der tiefsten Saite ein A anzeigt: die Gitarre wurde im Drop-A Tuning ausgeliefert – das will schon ein bisschen was heißen. Noch mehr staune ich, als sich, bereits trocken gespielt, ein so massiver und wuchtiger Ton entfaltet, dass es mich zunächst etwas sprachlos macht. Also hektisch meine Baritone-Telecaster aus dem Case geholt und als Referenz-Gitarre hinzugezogen. Hätte ich wohl besser gelassen – gegen unsere Test-Gitarre sieht meine Mexico-Tele wenig Land. Aber alles der Reihe nach.

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Die ab Werk installierten Rotosound Saiten lassen sich ganz bequem bis zum tiefen A herunterstimmen. (Bild: Dieter Stork)

Das Klangbild der Caparison Brocken ist schon akustisch gespielt insofern beeindruckend, als dass wirklich kein Frequenzbereich unterbelichtet zu sein scheint. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass von allem viel da ist und es trotzdem – besonders auf den tiefen Saiten – keinen unschönen Klang-Matsch gibt. Dabei war es sogar möglich, die Gitarre auf Drop-G zu stimmen – etwas, das ich bis jetzt nur mit sehr wenigen Baritone-Gitarren problemlos bewerkstelligen konnte. Das Sustain würde ich als kerngesund bezeichnen: der Ton schwingt schön kraftvoll und gleichmäßig aus, ohne im Obertonbereich an Strahlkraft zu verlieren.

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Im Vorfeld war ich offen gestanden etwas skeptisch ob der 27 Bünde und der langen Mensur; oft hat man ja bei solch langen Hälsen das Gefühl, die Gitarre etwas nach links verschoben zu bespielen. Caparison haben dieses Problem insofern clever gelöst, als dass der Hals sehr weit in den Korpus ragt, wodurch die Bespielbarkeit erstaunlich nahe an die einer Gitarre mit Standard-Mensur angeglichen wird. Das langgezogene obere Korpushorn und der leicht asymmetrisch verschobene Korpus begünstigen die gute Handhabung der Gitarre zusätzlich. So spielt sich die Brocken erstaunlich normal und der lange Hals mindert den Spielkomfort in keinster Weise.

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Der angeschrägte Hals-Humbucker – die Super-Strat lässt grüßen. (Bild: Dieter Stork)

Nun aber zum Moment der Wahrheit – schließlich muss sich unser Testinstrument auch am Verstärker behaupten. Nun läge ja die Vermutung nahe, dass wir es hier mit einer richtigen Metal-Keule und Super-High-Output-Pickups zu tun haben – die Brocken ist tatsächlich von gänzlich anderem Gepräge. Auf dem Hals-Tonabnehmer gespielt, klingt das Instrument schön warm und angenehm, ohne aber die nötige Brillanz in den Höhen vermissen zu lassen.

Richtig ins Staunen komme ich in der ersten Zwischenposition des Fünfwege-Schalters, bei der die beiden äußeren Spulen der Pickups parallel aktiviert sind. Normalerweise finde ich die Zwischenpositionen bei Gitarren mit zwei Humbuckern recht unspektakulär. Bei der Caparison Brocken verhält sich das gänzlich anders. Glasig und voll tönt die erste Zwischenstellung und für einen Moment vergesse ich, dass es sich hier um zwei gesplittete Humbucker handelt. Wo andere Tonabnehmer sonst eigenartig hart und steif klingen – oft begleitet von einer unangenehmen Mittenbeule – klingen die hauseigenen PH-Tonabnehmer wunderbar authentisch nach Singlecoils.

Noch besser gefällt mir die vorletzte Postion in der die beiden inneren Spulen parallel laufen und die Auslöschung der Mitten noch etwas markanter und der Klang dadurch noch ein wenig knackiger wird. Strat-Style-Sounds springen einen hier förmlich an und ich bin absolut begeistert, wie die von Gotoh produzierten Pickups diese Aufgabe meistern.

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(Bild: Dieter Stork)

Auf dem Steg-Tonabnehmer gespielt fliegt dann so richtig die Kuh – hier haben wir es mit einem durchaus kräftigen Kerl zu tun, der mich vom Spielgefühl ein wenig an den großartigen Vin+ von Häussel erinnert – allerdings mit einem etwas anderen Klangcharakter. Die Mitten sind ein wenig zurückgenommen, sodass Platz für ein richtig schönes, definiertes Attack frei wird. Nicht falsch verstehen: der am Steg verbaute PH-R ist bei Weitem kein gescoopter Metal-Pickup – ich würde hier eher von einem heißen PAF mit etwas modernerem Klang und einer ordentlichen Portion Dynamik sprechen.

Ich war jedenfalls mächtig beeindruckt, wie gewaltig fett, aber gleichzeitig kontrolliert die Caparison Brocken im Test klang. Selbst bei wirklich heftigen High-Gain-Sounds war dem Instrument eine gewisse Klarheit kaum auszutreiben und der eigene Klangcharakter der Gitarre blieb auch beim Einsatz unterschiedlicher Overdrive-Pedale erhalten. Was will man mehr?

alternativen

Natürlich steht die Caparison Brocken nicht ganz konkurrenzlos da. Da wären zunächst die diversen Baritone-Modelle des amerikanischen Herstellers Kiesel (ehemals Carvin), welche hier in Deutschland aber nicht so einfach zu bekommen sind. Geht es einem jedoch um die 27 Bünde und um die wirklich sagenhaft guten Caparison-Tonabnehmer, sind die Alternativen doch extrem überschaubar – so recht will mir dazu nichts Gescheites einfallen.

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(Bild: Dieter Stork)

resümee

Die Frage ist doch, ob ich nun Haus und Hof verpfänden und meinen alten Schutzpatron Peter Zwegert schon mal in Kenntnis vom Kauf der Caparison Brocken setzen muss. Nun, ganz so schlimm ist es dann doch nicht, aber ich gestehe gerne, dass ich beim Gedanken, dass mich dieses Instrument bald wieder verlassen wird, ein wenig feuchte Augen bekomme. Der nicht geringe Preis ist zwar zunächst etwas abschreckend; bedenkt man jedoch, dass einem hier eine schier unglaubliche Qualität in Verarbeitung und Klang geboten wird, finde ich das durchaus akzeptabel. Für alle Extend-Range-Gitarristen gibt es hiermit einen klaren Testbefehl! By the way – schönen Dank an Christian Wächtler vom Musikhaus Thomann, der uns die Gitarre für den Test geliehen hat. [1631]

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(Aus Gitarre&Bass 09/2017)

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