Angriff der Zombie-Bienen

Test: Beetronics Zzombee

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(Bild: Dieter Stork)

Die tierliebende Pedalschmiede Beetronics aus Kalifornien legt erneut ein Gerät vor, das klingt, als hätte man einen wütenden Bienenschwarm eingefangen – und nach noch viel mehr! Wir trauen uns ran und pieksen mal rein in das Nest …

Es war klar, dass das englische „Bee“ irgendwann mal als Endsilbe eines Zombie-Wortspiels herhalten musste. Vielleicht stand auch der trashige Film ‚Tsunambee – Angriff der Zombie-Bienen‘ bei der Namensgebung des neuen Zzombee Pate, in dem allerdings die von den Bienen Gestochenen sich in Untote verwandeln. Oder Ideengeber waren die fiesen Fliegenlarven, die tatsächlich Bienen in Zombies verwandeln … gruselig.

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Wenden wir uns lieber dem Gerät an sich zu. Seit einigen Jahren nun schon versorgt Beetronics die Pedal-Aficionados mit sehr cool gestalteten Bodentretern. Das Konzept der Firma dabei könnte sein: „Alles, was brummt & summt“, umfasst das Portfolio doch hauptsächlich Overdrives und Fuzzboxen. Auch das neue Teil macht da keine Ausnahme – kann aber dann auf den zweiten Blick doch noch viel mehr, als man denkt.

FILT(HT)REMULATOR

Wie immer bei Beetronics ist auch das Zzombee optisch ansprechend und auffällig gestaltet. An der unkaputtbaren Verarbeitung aus gebürstetem Stahl hat sich nichts geändert. Ebenfalls wie immer zeigt sich nach dem Öffnen im Innern eine cool gestaltete Platine, dieses Mal in Gestalt einer Zombie-Biene. Wer da nun ein weiteres Fuzz vermutet, liegt falsch. In der Kiste steckt viel mehr drin – nämlich ein Filter, ein Sub-Octaver, Overdrive, Fuzz und Tremolo. Beetronics bezeichnet es passend als „Filtremulator“.

Mit einer Übersicht über die Schalter und Potis erschließen sich die Funktionen: Der rechte Fußtaster ist einfach an/aus, der linke steuert einen „Ramp“-Modus, mit dem sich der Filter momentan einschalten und wieder loslassen lässt, dient aber in einem anderen Modus auch als Tap Tempo. Darüber schaltet man mittels eines kleinen 3-Wege-Toggles zwischen den drei Soundmodi Octave, Off und Honey. Der Verzerrungsgrad des eingebauten Fuzz wird mit einem weiteren Toggle geändert, der sich rechts oben befindet: Dry/BZ/BZZ sind die drei Ebenen, von quasiclean über Overdrive bis zur deutlichen Fuzz-Säge.

Das Poti darunter dient der Zumischung des Eingangssignals (eine wichtige Funktion für Bassisten und andere Instrumente), in den anderen Modi aber kontrolliert es Ramp Down oder die Geschwindigkeit des LFOs. In der Mitte befindet sich ein großes Poti namens Wingspan, das je nach Modus den Filtersweep einstellt oder als Tone-Poti für die Suboktave dient. Diese wiederum wird links daneben mit dem Parasite-Regler reingedreht. Damit nicht genug: Links oben befindet sich ein weiterer Toggle-Switch, der – sofern ein Filter angeschaltet ist – zwischen dem Ramp, LFO oder MAD-Modus schaltet. Bei ausgeschaltetem Filter wählt er die drei Modi Par, X und Bee an, dazu gleich mehr.

Das Zzombee erlaubt die Speicherung von fünf Presets (plus den Einstellungen im Live-Modus), für die Benutzung empfehle ich ein ausgiebiges und ruhiges Studium des Handbuchs – ist nämlich nicht so ganz einfach. Leider befinden sich alle Anschlüsse an den Seiten, was die Pedalboardfreundlichkeit etwas einschränkt. Das Zzombee ist ein analoger/digitaler Hybrid – das heißt, die Sounds werden analog erzeugt, viele Funktionen aber digital angesteuert.

(Bild: Dieter Stork)

PRAXIS

Uff – ehrlich gesagt, so viele Modi und Kombinationsoptionen überfordern mich zunächst etwas. Ich versuche, hier etwas Ordnung in das Schwarmchaos zu bringen. Stellen wir den Filter-Toggleswitch mal in die Mitte, also auf off. Nun kann man an dem anderen Toggle oben links auswählen, was ertönen soll: Entweder nur Overdrive/Fuzz (PAR), die ganze Nummer mit Tremolo (X) oder ausschließlich die cleane, monophone Suboktave (BEE). Diese ist, wie das bei derartigen analog erzeugten Suboktaven seit der MXR Blue Box eben so ist, recht instabil und glitcht chaotisch beim Spielen – darauf sollte man sich einstellen. Ansonsten röhrt sie herrlich tief und fleischig aus den Boxen. Das Tremolo wiederum klingt ebenfalls sehr kräftig, wie man es bei analogen Trems liebt. Einstellen lässt es sich mit den sekundären Funktionen der Potis.

Besonders cool kommt das Tremolo in Verbund mit der Suboktave – da kann man das Drumset im Bandraum schon recht markerschütternd zum Vibrieren bringen. Overdrive/Fuzz (BZ/BZZ) sind einfach nur großartig: Der Overdrive ist ein leicht schmutziger, dabei sehr angenehm warmer Overdrive, der durchaus als „always on“-Basissound dienen kann. BZZ dagegen könnte als Lead- oder „Wall of Sound“-Fuzz allein ein Pedal füllen; da Beetronics Experten für diese Sound-Kulturen sind, habe ich hier nichts weniger als allererste Honig-Güteklasse erwartet. Die Kombo klingt ein wenig wie das Hudson Broadcast.

Nun schalten wir den mittleren Toggle mal nach Links auf Octave. In diesem Modus ist das Fuzz nicht aktiv, dafür aber der Filter mit den drei Modi Ramp/LFO/MAD. Im Ramp-Modus kann man einfach die Suboktave spielen, und den Filter per Drücken und Halten des linken Fußtasters „anknipsen“. Damit kann man einzelne Parts im Riff oder Song gezielt per Filter hervorheben. Im LFO-Modus wabert dann der Filter, gesteuert mit der mittleren Depth-Blende, auf und ab – man kennt es: Wie ein automatisch auf- und zuklappendes Wah-Wah.

Noch krasser wird es im MAD-Modus: Da steuert der Filter nämlich die Frequenzänderungen per Zufallsgenerator – Chaos pur! Und hier bekommt man tatsächlich die wirren Töne aus alten Horrorfilmen. Damit schließt sich eventuell auch der (gedachte) Kreis zur Namensgebung des Pedals. Übrigens lässt sich das Chaos auch mit etwas Gefiesel gezielt einstellen, ich erspare hier eine Wiederholung der Anweisungen des sehr ausführlichen, wenn auch englischen Handbuchs.

Schalten wir den mittleren Toggle wieder um, in den Honey-Modus. Wieder ist der Filter mit den drei Modi Ramp/LFO/MAD aktiv. Nun kann man ihn zum Beispiel auf das reine Clean-Signal anwenden (Toggle rechts oben auf DRY stellen, Suboktave ganz runterdrehen), und Overdrive, Fuzz völlig außen vor lassen – cool! Oder eben BZ/BZZ oben rechts anschalten und den Filter auf Overdrive und Fuzz wirken lassen. Kann man in diesem Modus auch die Suboktave reindrehen? Aber sicher doch – sie klingt hier aber anders, wie ein analoger Synth mit leicht angezerrtem Filter – das kommt sehr, sehr fett und ist auch stabiler als die cleane Suboktave im Octave-Modus.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Ich gebe es zu: Zu Beginn hat mich das Zzombee ähnlich überfordert wie das Beetronics Swarm, der vermutliche Vater. Wenn man sich aber mal eingearbeitet hat und nicht unbedingt noch in die Tiefen der Sekundärfunktionen einsteigt, liegt die Bedienung dann doch wie ein gut verständliches, offenes Buch vor einem. Klanglich ist das Zzombee über jeden Zweifel erhaben. Den Overdrive allein will ich gar nicht mehr hergeben, das Fuzz ist herrlich abgeschmeckt, das Tremolo wabert kräftig aus der Box – und der Filter liefert genau jenes Schmatzen, das die Kaugeräusche von Zombies (oder Zombie-Bienen?) so wundervoll emuliert.

Soundtüftler, die auf der Suche nach den knarzigen Sounds früher analoger Synths sind, werden hier voll bedient. Das Feature-Paket ist dabei recht umfangreich – Tap Tempo, Presets, viele Effektkombis und Einstellmöglichkeiten, Ramp-Modus und und und … Und auch, wenn mir beim Preis ein bisschen die Hosenbeine flattern: man bekommt einiges für sein Geld geboten.

PLUS

● tadellose Verarbeitung
● mitreißende Sounds
● wunderschönes Design
● Funktionsumfang
● relativ kurze Einarbeitzeit trotz vieler Funktionen

MINUS

● alle Anschlüsse an den Seiten
● Nicht alle Funktionen ganz einfach zu bedienen (z. B. Presets)

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2022)

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