Produkt: Gitarre & Bass Digital 10/2018
Gitarre & Bass Digital 10/2018
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Edler Stahl

Test: Beetronics FX Overhive

Beetronics FX Overhive(Bild: Dieter Stork)

Mehr Boutique geht kaum. Die Pedale von Beetronics sind echte Hingucker und unterscheiden sich von den meisten Kollegen durch ihr exklusives Design. Dass der Sound dabei nicht zu kurz kommt, zeigt das Overhive im Einsatz.

Normal ist anders – mit dem Overhive bietet die kalifornische Company einen Verzerrer der ganz besonderen Sorte an. Das fängt bei den ausladenden Abmessungen mit rund zehn Zentimetern Breite und fünfzehn Zentimetern Tiefe an, womit das Pedal sämtlichen Kompakt-, Mini- und Mikro-Tretern der aktuellen Effektmode diametral entgegensteht, auch das Gewicht der massiven StahlKonstruktion liegt mit mehr als 500 Gramm deutlich über dem der meisten Kollegen. Auf gut Deutsch: Hier hat man echt was in der Hand.

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konsequent boutique

Neben der Haptik schmeißt der handgefertigte Treter auch optisch einiges in die Waagschale. Laut Hersteller wurde „das Design vom retrofuturistischen Steam-Punk und postapokalyptischen Stilen inspiriert“ – machen wir es ein paar Nummern kleiner und konstatieren: Der Look ist außergewöhnlich, originell und sehr reizvoll. Neben dem dominierenden Hauptregler setzt auch der von einer Sechskantmutter eingefasste Power-Schalter optische Akzente.

Dazu kommen Details wie die beiden mit rotem Gummi überzogenen Schalter nebst darunter sitzenden Symbolen, die „Pilot Lamp“ an der rechten Gehäuseseite, die den Betrieb anzeigt, sowie das Paket abrundende Feinheiten wie das aufgeklebte Firmenlogo aus Metall oder die Inbusschrauben an den Seiten, die die beiden Gehäuseteile miteinander verbinden. Wer etwas Besonderes sucht, kann sich schon aufgrund der äußeren Werte in das Pedal verlieben.

Beetronics FX Overhive(Bild: Dieter Stork)

Doch damit nicht genug – die Exklusivität findet unter der Haube ihre Fortsetzung: Die Platine hat die Form einer Biene und greift damit die Firmen-CI auf, selbst wenn das von außen nicht ersichtlich ist. Konsequenter kann man den Boutique-Gedanken nicht umsetzen. So langsam sollte klar geworden sein, dass es sich hier um alles andere als ein gewöhnliches Overdrive-Pedal handelt – das Overhive ist eher fast so etwas wie ein spielbares Designer-Objekt. Durch die Individualität und die Fertigung von Hand spielt es allerdings auch in einer anderen Preisklasse: Rund € 275 sollte man einplanen, wenn man ein nummeriertes Exemplar erwerben möchte. Dafür bekommt man dann aber auch ein echtes Einzelstück.

Das bereits erwähnte zentrale Steuerelement auf der abgesenkten Front kontrolliert den Zerranteil, der hier mottogerecht als „Honey“ bezeichnet wird – je mehr, desto süßer wird wohl der Sound. Die beiden geriffelten Regler für Tone und Vol(ume) sitzen links bzw. rechts daneben und mussten entsprechend kleiner ausfallen. Durch ihre Größe und das Fehlen einer farbigen Markierung zur Anzeige der aktuellen Position sind sie vor allem auf der Bühne schlecht ablesbar; das ist aber auch schon die einzige kleine Einschränkung durch das Design.

Interessant sind die unter ihnen sitzenden Schalter – und ihre Symbole: links eine Wabe, rechts eine Biene. Die Wabe steht für „Hive“, was so viel wie Schwarm oder Bienenstock bedeutet, und beherbergt einen Tight-Switch. In der oberen Position tönt es klassisch-röhrig und etwas fetter, unten wird der Ton etwas straffer und, wenn man so will, moderner. Die Unterschiede sind nicht riesig, können aber das entscheidende Quäntchen ausmachen. Sagen wir es so: Er dient ebenso wie sein Pendant rechts zur Feinabstimmung auf das Equipment, die präferierte Stilistik und vor allem den persönlichen Geschmack.

Der rechte Schalter nennt sich „Body“ und kontrolliert das Low-End – oben gibt es mehr, unten weniger. Das True-Bypass-Pedal lässt sich ausschließlich mit einem Netzteil betreiben.

Beetronics FX Overhive(Bild: Dieter Stork)

gimme honey!

Soundmäßig reicht das Spektrum des Medium-Gain-Treters vom dezenten Crunch bis zum kernigen Rock. Als Erstes fällt auf, wie feinfühlig und dynamisch das Overhive auf das Attack und die Stellung des Volume-Potis der Gitarre reagiert. In niedrigeren Settings und vor einem cleanen Amp fettet das Pedal bis 9 Uhr und mit einer Singlecoil-Gitarre bespielt nur leicht an, ab etwa der Mittelstellung kippt der Ton in einen sehr schönen Crunch, im letzten Viertel setzt dann eine dynamische Rockzerre ein, selbst komplett aufgerissen bleibt der Sound natürlich.

Mit den drei Sound-Optionen lässt sich der Klang dabei detailliert feintunen – ob es eher straff und schlank oder fett und offen klingt, steuern die beiden Schalter, der Tone-Regler kann dann den finalen Akzent zum persönlichen Idealsound setzen. Mit einer Humbucker-bestückten Les Paul kommen dabei auch Classic Rock Fans voll auf ihre Kosten. Der Sound ist fett, satt und bleibt trotzdem stets dynamisch – die Gitarre und die Nuancen des Spiels kommen immer durch. Auch vor einem angezerrten Amp macht das Overhive eine äußerst gute Figur. So wünscht man sich seinen Overdrive.

Zum Ende noch mal ein paar Worte zum Design und dem Ansatz der Firma: Wem selbst dieses Pedal noch zu wenig individuell erscheint, hat bei Beetronics die Möglichkeit, das Overhive (ebenso wie aktuell seinen Kollegen, den „Swarm“ Fuzz Harmonizer) im Rahmen der „Custom Series“ auch in super-limitierten Spezial-Designs zu erstehen – oder er lässt es sich via Custom Order gleich nach persönlichen Wünschen zusammenstellen. Offenbar gibt es bei den Bienen-Fans nichts, das in Sachen Optik nicht machbar wäre – und damit stehen wir wieder am Anfang: Mehr Boutique geht kaum.

resümee

Wer ein Zerrpedal der außergewöhnlichen Art sucht, wird beim Overhive fündig. Der Designer-Drive imponiert mit seiner Optik und Haptik, der Liebe zum Detail und auch mit seinen Sound-Optionen, die von leichtem Crunch bis zu fetten Rocksounds reichen. Die handgefertigten Pedale der kalifornischen Bienenfreunde sprechen dabei vor allem Gitarristen mit der Freude am Besonderen an, allerdings muss man dafür auch tiefer in die Tasche greifen. Mit etwa € 279 Ladenpreis ist das Overhive im Vergleich zu optisch deutlich konventionelleren Tretern der „Handmade in USA“-Fraktion dennoch keineswegs überteuert. Dafür bekommt man einen erstklassigen Verzerrer in einem beeindruckenden Gehäuse.

PLUS
• außergewöhnliche Optik
• Sound
• Dynamik
• Möglichkeiten zum Finetuning
• hochwertige Komponenten
MINUS
• Exklusivität hat ihren Preis

Beetronics FX Overhive

Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
Jack Bruce 1943 – 2014
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