Produkt: Treble Booster im Test
Treble Booster im Test
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Kompaktes Kraftpaket

Test: Becos FX CompIQ Mini

(Bild: Dieter Stork)

Die rumänische Effektschmiede Becos FX konnte mit ihren intelligenten Kompressoren bereits in der Vergangenheit überzeugen. Mit eingebauten Overdrives und diversen Filtern ließen sie beim Testen keine Wünsche offen. Trotz reduzierter Größe soll beim CompIQ Mini der wesentliche Aspekt seiner Geschwister, nämlich die saubere Kompression, übernommen worden sein. Und das ohne Abstriche.

Da die beiden Pedale Twain und Stella mich auf ganzer Linie begeistert haben (siehe Ausgabe 6/2020), war ich sehr erfreut, auch die kompakte Ausgabe, den CompIQ Mini, testen zu dürfen. Gerade bei Geräten, die man nicht oft verstellt, sind Miniaturversionen sehr praktisch: sie nehmen nicht viel Platz weg und lassen so mehr Raum für andere Effekte oder verkleinern das Reisegepäck. Oft geht damit auch ein reduzierter Preis im Vergleich zu den großen Varianten einher. Ob man mit den bauartbedingten Kompromissen leben kann, muss man einfach ausprobieren.

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DÉJÀ-VU

Gespannt hole ich also das in Handarbeit in Rumänien gebaute Pedal aus seiner schnörkellosen Verpackung. Schnell stellt sich heraus, dass die Verwandtschaft zu den großen Geräten nicht nur optischer Natur ist, auch in Sachen Verarbeitung zeigt sich die gleiche hohe Qualität. Das massive Gehäuse ist mit einem schwarzen Strukturlack überzogen und sauber bedruckt, die LEDs zur Anzeige der Pegelreduzierung sind eingelassen, ebenso die Kunststoffhülse, die einen Kurzschluss beim Einstecken des DC-Steckers verhindert.

Nicht nur optisch macht das Pedal einen guten Eindruck, auch haptisch wirkt alles sehr wertig. Die Regler drehen mit einem sehr angenehmen Widerstand und auch die kleinen Kippschalter wirken stabil. Anschlussseitig gibt es keine Überraschungen. Eingang rechts, Ausgang links, DC-Buchse stirnseitig, that’s it. Die maximale Versorgungsspannung darf 18VDC nicht übersteigen, wobei Werte zwischen 9 und 12 Volt empfohlen werden.

SPIELPRAXIS & KLANG

Und wie schlägt sich die kleine Kiste jetzt in der Praxis? Nach dem ersten Anschalten musste ich mich erst einmal vergewissern, dass der Blendregler auf Linksanschlag steht, denn der Kompressor fügt absolut keine Färbung oder Störgeräusche zum Klang hinzu. Erst bei absoluten Extremeinstellungen macht sich ein leichtes Rauschen bemerkbar, was in diesem Fall aber normal ist. Um ungeübten Ohren eine Starthilfe zu geben, ist im Handbuch festgehalten, welche Position des Ratio-Reglers welcher Ratio entspricht. Der Regelweg reicht von 1:1 bis 1:Unendlich, womit sich das Gerät auch als Limiter nutzen lässt. Etwas unglücklich platziert zwischen den oberen Potis ist der für das Knee zuständige Kippschalter. Mit diesem lässt sich das Ansprechverhalten (Knee) zwischen hart und weich schalten. Durch den kurzen Hebel sind hier etwas Fingerspitzengefühl oder ein Plektrum als Hilfsmittel gefragt.

Der Effekt ist jedoch sehr deutlich. Während die Kompression in der oberen Einstellung (Hard) sehr abrupt einsetzt und sich so insbesondere für perkussives Spiel eignet, macht die weiche Einstellung ihrem Namen alle Ehre: Das Signal wird sehr sanft und bei moderaten Einstellungen sehr unauffällig verdichtet. Mithilfe des Threshold-Reglers lässt sich der Pegel bestimmen, ab welchem die Kompression einsetzt, was sich auf der LED-Skala sehr gut ablesen lässt. Die bereits von den beiden großen Geschwistern bekannte „intelligente“ Kompression findet auch hier Anwendung und ist namensgebend für die Baureihe.

Auf rein analoge Art und Weise „erkennt“ das Gerät anhand der Eingangsdynamik, ob dem Spiel schnelle oder langsame Zeiten für Attack und Release zuträglich sind. In der Praxis bedeutet dies, dass der Kompressor bei leichtem Spiel langsamer zugreift als bei lautem und das funktioniert auch sehr gut! Nichtsdestotrotz lassen sich diese Parameter dennoch mittels des mit „Timing“ beschrifteten Kippschalters manuell beeinflussen. Die beiden Kürzel „S“ und „F“ stehen hierbei einfach für „slow“ und „fast“, womit dem Gerät jeweils einen ungefährer Bereich vorgegeben wird, in dem es arbeiten soll. Für perkussives Spiel empfiehlt sich die schnelle Einstellung, während langsamere Zeiten vor allem für das beliebte „Anfetten“ und zum Verlängern des Sustains geeignet sind.

FÜR JEDEN WAS DABEI

Weil das für ein Pedal in Miniaturformat aber scheinbar noch nicht genügend Einstellmöglichkeiten sind, lässt sich die Kompression zusätzlich noch mittels Sidechainfilter bearbeiten. Auch hierfür sind wieder zwei Einstellungen vorgesehen. Zum einen „normal“ (N) und zum anderen „deep“ (D). Steht der Schalter auf N, wird den tiefen Frequenzen bereits etwas mehr Luft gelassen, wodurch der Klang nie platt wirkt. Wer mehr Tiefgang wünscht oder sehr perkussiv spielt, kann durch das Schalten auf Stellung D verhindern, dass der Kompressor auf Frequenzen unterhalb von 130Hz anspricht. Die Folge ist, dass mehr Bässe durchgelassen werden und das Pedal verstärkt auf Spitzen im Attack reagiert. Der Klang ist voller und gerade am Bass bietet sich diese Einstellung an.

Sind alle Einstellungen am Klang vorgenommen, lässt sich noch die Gesamtlautstärke mittels Gain-Poti einstellen, um den durch Kompression reduzierten Pegel wieder aufzuholen. Und das mit ordentlich Reserven! Die Beschriftung ist jedoch etwas missverständlich, denn an einem voll ausgestatteten Kompressor gibt es für gewöhnlich zwei Gain-Regler: Einen für den Eingangspegel und einen für die Ausgangslautstärke. Hier ist letzteres gemeint, wodurch die Position des Reglers keinen Einfluss auf das Ansprechverhalten des Kompressors hat. Zu guter Letzt befindet sich rechts neben dem Fußschalter noch ein kleines Poti für den Wet/Dry-Mix. Dies erlaubt es, stufenlos zwischen komprimiertem und unbearbeitetem Signal zu blenden, um einem stark komprimierten Signal etwas von seiner natürlichen Dynamik und vor allem Spielgefühl zurückzugeben.

RESÜMEE

Und wieder einmal kann die kleine Effektschmiede aus Rumänien in allen Belangen punkten. Das Pedal macht genau das, was es tun soll. Nämlich ein voll ausgestatteter Kompressor im Kleinstformat sein. Mir fallen ad hoc keine Geräte ein, die ähnlich klein sind und annähernd so viel können bei studioreifer Klangqualität.

Von perkussiven Sounds für Tapping oder Funk über getragene Soli mit Volume-Boost bis hin zum pumpenden Bass kann das Gerät alles abdecken. Wer nicht nach einem charakterstarken Kompressor, sondern einem verlässlichen Werkzeug sucht, das den Eigenklang des Instruments nicht verfälscht, sollte sich die CompIQ mal genauer anschauen.

PLUS

  • hochwertige Verarbeitung
  • neutraler Klang
  • voller Funktionsumfang
  • kompakt

MINUS

  • teils nicht eindeutige Beschriftung

Internet: www.becosfx.com

Preis: ca. € 159

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2020)

Produkt: Treble Booster im Test
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