Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Die Yamaha SG1801PX Phil X Signature im Test von Gitarre & Bass!
Sechs plus Vier

Test: B.C. Rich Rich B Legacy Perfect 10

(Bild: Dieter Stork)

Mitunter laufen einem alte E-Gitarren über den Weg, in deren Kopfplatten neben den Standard-Tunern verdübelte Bohrungen von früheren zusätzlichen Stimmmechaniken zu erkennen sind. In den 60er- und 70er-Jahren war die Verdoppelung der Melodiesaiten speziell unter Tanzmusikern beliebt, und Framus hatte sogar das 9-String-Modell 5/159 Strato Melody serienmäßig im Programm.

1977 kam der US-Hersteller B.C. Rich mit einer 10-saitigen Version seines Modells Bich (nicht Bitch!) an die Sonne, von der es nach wie vor 6-String-Pendants gibt, und zwar mit Floyd-Rose-Vibrato bzw. edlerer Optik. Heute hat man den Namen in „Rich B“ umgetauft.

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GUT AUSGESTATTET

Vor knapp elf Jahren hatten wir diese Koreanerin schon einmal vorgestellt. Um die Kosten in Grenzen zu halten, hat der Hersteller jedoch ein paar Modifikationen vorgenommen, die man gewissermaßen auch als Downgrades bezeichnen könnte. So besteht der durchgehende Hals nicht mehr aus fünf Ahorn/Walnuss-Schichten, sondern man hat es bei drei längs gesperrten Ahornstreifen belassen. Nach wie vor wurden die angesetzten Mahagoni-Korpusflügel über 10 mm breite Ebenholzbinder mit dem Hals verleimt.

Auch wurde auf die Quilted-Maple-Furnierung von Korpusdecke und Kopfplatte verzichtet, letztere statt dessen mit Ebenholz belegt. Dennoch bringt das spiegelglatt polierte Trans Red Finish die Maserungen der verschiedenen Hölzer sehr schön zur Geltung. Vorne wie hinten identisch facettierte Korpuskanten bieten einen gewissen Tragekomfort. Das mittels Grafitlack und Alufolie geschirmte und Oberkante bündig abgedeckte E-Fach beherbergt kleine Alpha-Potis, wertige Minischalter, einen soliden Toggle- und den fünfstufigen Varitone-Schalter. Ein Zargenblech trägt die Klinkenbuchse.

Linksdrehend: Vier Extra-Tuner (von hinten) (Bild: DIETER_STORK)

Zwei mit Filz unterlegte Security-Lock-Pins, deren Gurtstücke zum Lieferumfang zählen, verstecken sich hinter dem oberen Cutaway und dem linken Korpus-Horn. Die Tuner der Oktav- und Unison-Saiten hat man von unten an die Halsbasis montiert. Zusammen mit den vier Korpusspitzen und dem großzügigen Korpusausschnitt zählen sie zu den markantesten Design-Elementen der Zehnsaiterin.

Extrem ergonomischer Halsübergang (Bild: DIETER_STORK)

Für ergonomisch fließende Halsübergänge bei Neck-thru-Gitarren ist die Rich B 10 ein echtes Paradebeispiel. Hier lässt sich der um ca. acht Grad geneigte Hals problemlos und völlig ungehindert bis zum 24. Bund bespielen. Das wie die Kopfplatte weiß eingefasste Ebenholzgriffbrett bietet 24 vorbildlich abgerichteten und polierten Medium-Jumbo-Bünden Platz, deren Bundkanten zudem komfortabel verrundet wurden. Ein Lob also für den Fret-Job.

Wolkenförmige Perloid-Inlays und schwarze Sidedots markieren die Lagen. Nicht ganz dem hohen Verarbeitungsniveau der Gitarre entspricht die Kerbenaus- und -abrichtung des Sattels. Davon abgesehen, dass ich hier sehr unterschiedliche Saitenlagen vorfinde, hätte man diese insgesamt noch um einige Zehntelmillimeter optimieren können. Auch Optimierungsmöglichkeit sehe ich bei den nahezu identischen Abständen der unteren acht Saiten (E1 bis D8), die sauberes Greifen zur echten Herausforderung machen.

Hier hätte ich mir geringere Abstände der jeweiligen Saitenpaare gewünscht. Oberhalb des Sattels deckt ein Kunststoffplättchen den Zugang zum 2-Wege-Stahlstab ab. Zwischen den geschmeidig und präzise arbeitenden Tunern der sechs Standardsaiten nehmen vier rückseitig eingelassene Hülsen die Endringe der Oktav- und Unisonsaiten auf, die ja korpusseitig gestimmt werden – „Stringsthru-headstock“ gewissermaßen.

Strings-thru-Headstock & ungünstiges String Spacing am Sattel (Bild: Dieter Stork)

Als Steg und Saitenhalter zugleich dient die massive B.C. Rich Quad 10 Bridge, an der man Saitenlage und Oktave jeweils einzeln und/oder global justieren kann.

DiMarzio-D-Activator-Humbucker mit Keramikmagneten lösen die bisherigen Rockfield-Mafia-Pickups ab. Zunächst werden sie konventionell per Dreiwegschalter, Master-Tone- und zwei Volume-Potis kontrolliert. Darüber hinaus deaktivieren zwei kleine Kippschalter die Stegspulen der betreffenden Humbucker, der dritte kehrt die Phase des Hals-Pickups um. Zusätzlich hält der Varitone-Filter (mit dem Chickenhead-Knopf), der mithilfe verschiedener Kondensatoren und Widerstände bestimmte Mittenbereiche absenkt, vier zusätzliche Klangoptionen plus Bypass bereit. Zur Orientierung wäre eine U-Scheibe mit Zahlenskala hilfreich.

JINGLE-JANGLE AUF ZEHN SAITEN

Die Rich B Perfect 10 bringt gerade mal 3,29 kg auf die Waage, zeigt am Gurt leichte Kopflastikgeit, auf dem Bein jedoch Ausgewogenheit. Das recht flache Modern-C-Halsprofil, dessen Dicke über die Lagen nur unwesentlich variiert, ist ein echter Handschmeichler und lässt sich super komfortabel bespielen. Hier zahlt sich die sorgfältige Bearbeitung der Bundkanten aus. Da der Hals nicht wesentlich breiter als der konventioneller E-Gitarren ist, mussten die Extrasaiten irgendwie zwischen den normalen Platz finden.

Wie bereits erwähnt, ist das nicht sonderlich gut gelungen, was speziell in Sattelnähe sauberes Greifen erschwert. Die vier korpusseitigen Tuner müssen, möchte man deren Saiten aufwickeln oder höher stimmen, gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden. Rechtsdrehende Mechaniken sind aus Platzgründen nicht möglich, und so schafft allein entgegengesetztes Aufwickeln Abhilfe, wobei allerdings die D-Oktav-Saite am Steg recht stark geknickt wird. Möchte man die Gitarre nicht auf dem Boden abstellen und irgendwo anlehnen, ist ein Ständer mit Hängevorrichtung oder drehbarer Gabel unumgänglich. Empfehlen würde ich letzteren.

(Bild: Dieter Stork)

Deutlich an Hals und Korpus spürbar gibt sich die Neck-thru-Konstruktion ausgesprochen schwingfreudig, zeigt direkte, lebendige Ansprache, schnelle spontane Tonentfaltung und stabiles, gleichförmig abklingendes Sustain. Mit exzellenter Dynamik unterstützt sie Tonbildung und variables, ausdrucksstarkes Spiel. Im Trockenmodus präsentiert sich die 10-string Rich B vollmundig und ausgewogen, liefert knackige, definierte Bässe, warme Mitten, luftig brillante Höhen und Obertöne satt. Vor allem die Oktavsaiten prägen maßgeblich die Transparenz und Vitalität des Klangbildes.

Bei DiMarzio unter „High Power Humbucker“ gelistet, geben sich die D-Activators entsprechend leistungsstark. Angenehm fällt auf, dass die beiden Basssaiten trotz der zahlenmäßig überlegenen Diskantsaiten im Klangbild stets präsent sind und diesem ein stabiles Fundament verleihen, ohne dessen Transparenz zu beeinträchtigen. Am zerrfreien Amp liefern die beiden DiMarzios runde, transparente, lebendige Cleansounds. Der Hals-Humbucker punktet mit voluminösen, ausgewogenen Akkorden, warmen, präzise auflösenden Arpeggien und Singlenote-Linien (im Bereich der Melodiesaiten muss man wohl eher von Doublenote reden), der Stegnachbar gibt sich straff, knackig, mittig prägnant und höhen- wie auch obertonreich.

Die aufwendige Schaltung ermöglicht zahlreiche Klangfarben, deren Potenzial primär, aber nicht ausschließlich, im Clean-Betrieb zur Geltung kommt. So liefern die Coilsplits geschmackvolle Singlecoil-Klänge, die naturgemäß bei Verzerrung von Brummen begleitet werden. Die Phasenumkehr zeigt erst dann Wirkung, wenn beide Pickups in Voll-, Singlecoil- oder Mix-Betrieb sind, wobei brillante, nasale, eigenständige Klänge ans Ohr dringen. Während Coilsplits und Phasenumkehr praktikabel sind und auch klanglich richtig was bewegen, könnte ich auf den Varitone-Filter durchaus verzichten, da er nicht nur Pegel schluckt, sondern sich auch klanglich substanzlos gibt. In jedem Fall aber zählen Jingle-Jangle-Sounds à la Beatles, Byrds, Tom Petty und Konsorten zu den Highlights der Rich B Perfect 10.

Der Hals-Humbucker tönt selbst bei starker Verzerrung druckvoll, direkt und transparent, legt bei intensivem Saitenanschlag aber auch eine gute Portion Aggressivität an den Tag. Bassriffs und Powerchords punchen so straff und definiert, und Akkorde bleiben selbst bei vollem Saiteneinsatz erkennbar.

Noch eine gute Portion mehr Biss hält der Steg-Humbucker bereit, tönt dabei jedoch rund und spritzig. Wie fett und gleichzeitig transparent doch 10-saitige Barré-Akkorde klingen können! Auch die Einzelspulen halten charaktervolle und durchsetzungsfreudige Crunch- bis High-Gain-Sounds bereit, während die nasalen Out-of-Phase-Klänge im Zerrbetrieb interessante Ergebnisse für Experimentierfreudige liefern. Lead-Sounds werden von Sustain getragen und kippen mit Vorliebe auf den G- und D-Saitenpaaren in ihre Obertöne. Aufgrund der unterschiedlichen Dehnung erzeugen doppelsaitige Finger-Bendings beim Solospiel Interferenzen. Das klingt keineswegs uninteressant und kann auch gezielt als Stilmittel genutzt werden.

Mit Unterstützung ihrer gerändelten Knöpfe lassen sich die leichtgängigen Regler komfortabel und präzise bedienen. Während die Volume-Potis im unteren Bereich gleichmäßige Regelcharakteristik zeigen, erzeugen sie auf den letzten Dritteln gewisse Pegel- bzw. Gain-Schübe. Im Gegensatz dazu filtert das Master-Tone-Poti zunächst kontinuierlich und nuanciert die Höhen, um sie im unteren Bereich förmlich abzuwürgen.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Neben der Rich B Doubleneck zählt unsere Rich B Legacy Perfect 10 schon optisch zu den beeindruckendsten B.C.-Rich-Gitarren. Ihre Trans-Red-Lackierung und die unterschiedlichen, durchscheinenden Hölzer bieten was fürs Auge, und mit den zusätzlichen Coilsplit-, Phasenumkehr- und Varitone-Schaltungen dürfen sich Sound-Tüftler austoben. Die 10-Saitige zeigt beste Schwing- und Klangeigenschaften und hält ein extrem breites Spektrum unterschiedlichster Clean-, Crunch- und High-Gain- und natürlich auch klassische Jingle-Jangle-Sounds bereit. Bis auf die sattelseitige Ausrichtung der Oktav- und Unisonsaiten und den Höhenabgleich der Sattelkerben wurde die Rich B Perfect 10 tadellos verarbeitet. Kurz, ein Exot unter den E-Gitarren mit extrem breiten Klangangebot. Trotz der Preissteigerung von etwa € 250 im Vergleich zur Vorgängerin möchte ich das Verhältnis von Preis und Leistung immer noch als ausgewogen bis gut bewerten.

PLUS

  • Sounds
  • Ansprache & Dynamik
  • Klangvielfalt/-angebot
  • Qualität Hölzer & Hardware
  • geringes Gewicht
  • Verarbeitung (Ausnahmen s.u.)
  • Preis/Leistung

MINUS

  • Sattel-Spacing E1- bis D8-Saiten

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2021)

Produkt: Fender Stratocaster
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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Für satte 1.249,-€ eine total abgespeckte B.C.Rich mit 10 Stahlsaiten zu ordern,fiele mir persönlich nie ein.Angefangen mit dem sehr einfach aufgedruckten Firmenlogo in Schreibschrift,-anstelle des obligaten „R“ Brand Logo aus Perlmutt,Namenlose Tuner,-statt Grover Stairstep Mechaniken,Synthetic Graphitsattel,-statt echtem Knochensattel u.s.w. kann ich mich für diese „günstige“ Bich Modellversion auf „Sparflamme“ wirklich nicht begeistern.

    Absoluter Stilbruch! Hier wurde zuviel eingespart! Schade.

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