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Fünf-Finger-Zackenbarsch

Test: B.C. Rich Chris Kael Signature Warlock Bass Satin White

(Bild: Dieter Stork)

B.C. Rich ist wieder da! Eine gute Nachricht für alle Fans der in den 70ern groß gewordenen Kultmarke – nach einem Eigentümerwechsel 2019 gibt es nun auch mit Warwick wieder einen Vertrieb in Deutschland. Unser Test-Tieftöner, das Signature-Modell des Five-Finger-Death-Punch-Bassisten Chris Kael, ist der momentan einzige Vertreter der „Extreme Basses“-Serie.

Außerdem gibt es noch die Legacy-Reihe mit drei Modellen, aber es kommt sicherlich noch mehr. Bei den Gitarren sind es schon fünf Reihen, unter anderem auch die Made in USA Handcrafted, und dazu noch der Custom Shop, bei dem der legendäre Neil Moser wie schon ‘74 bis ‘85 wieder Instrumente baut.

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GROSS IST ER GEWORDEN

Neben Schwarz ist auch Mattschwarz eine immer wieder gern genommene Farbe für Metalbässe. Mattweiß dagegen ist mal etwas wirklich anderes! Darunter verbirgt sich ein durchgehender Hals mit einer fünfteiligen Ahorn/Wenge-Konstruktion. Für die Korpusseitenteile findet sich oft die Angabe Mahagoni, B.C. Rich ist aber so ehrlich, in den Specs „Nyatah (sic!) Palaquium“ aufzuführen. Gemeint ist Nyatoh, ein südostasiatisches Holz, das als Nato seit Jahrzehnten Verwendung findet und Mahagoni-ähnliche Eigenschaften hat.

Die typische B.C.-Rich-Form ist wieder da! (Bild: Dieter Stork)

Der Decke des bis auf eine Fase um die Korpusrückseite ungeshapten Bodys wurde ein aufwendiges Binding verpasst, mehrlagig mit einem schönen Abalone-Streifen und einer schwarzen Außenlage. Eine identische Einfassung hat die ausladende Beast-Kopfplatte bekommen, eine Variante mit noch mehr Lagen ziert das Griffbrett. Das ist aus Indischem Ebenholz und vorne ohne Einlagen, die Punkte in der Flanke sind Luminlays, die, einmal mit Licht aufgeladen, eine Zeit lang nachleuchten. Bundiert ist der Warlock mit 24 Extrajumbo-Bünden, die sauberst abgerichtet sind, die Bundenden sind sehr schön abgerundet, eine reine Freude!

Der Sattel ist selbstschmierendes Graphtech. Für den nötigen Andruck der D‘Addario-NYXL45105-Saiten sorgt die abgewinkelte Kopfplatte. Die Mechaniken sind Grover, die Brücke soll laut B.C. Rich „fixed stop with locking saddles“ sein. Die kann ich nicht finden, stattdessen eine solide, gut verrundete Brücke, bei der die Saiten einfach eingehängt werden, über die Böckchen Oktavreinheit und Saitenlage justierbar sind, und an der auch ohne die versprochenen Locking-Sättel natürlich nichts verrutscht. Auf die bewährten EMGs setzt B.C. Rich bei Pickups und Elektronik. Das klassische, aktive PJ-Set ist mit zwei Volume-Reglern und einem 2-Band EQ kombiniert.

Auch die Kopfplatte ist mattweiß, eingefasst mit Abalone-Streifen. (Bild: Dieter Stork)

THE WAY OF THE BASS

Der Chris Kael Warlock hängt fantastisch ausgewogen am Gurt, bleibt ganz von selbst in jeder gewünschten Position … kaum ein Bass lässt sich über Stunden so leicht spielen … Nein, nur Spaß. Wer mit einem B.C. Rich liebäugelt, der weiß, dass es da nicht ohne Kompromisse geht. So balanciert er im Sitzen gut auf dem Oberschenkel, dafür liegt mein rechter Unterarm beim Zupfen unweigerlich auf der Zacke auf.

Die Halsform gibt die Webseite an mit „Shredzilla Ultra Slim Contour“. Klingt nach den Rennhälsen, wie sie in den 80ern beliebt waren, immer noch nen Millimeter runter, bis man fast nur noch Stahlstab und Bundstäbchen in der Hand hatte. Davon ist der Warlock zum Glück weit entfernt. Mit gut 23 mm Dicke am ersten Bund ist er nicht mal besonders dünn, mit 41,3 mm Breite am Sattel auch nicht sonderlich schmal (breiter als auf der Homepage angegeben). Trotzdem, oder gerade deswegen, liegt der Hals super in der Hand.

Die durchgehende Konstruktion ermöglicht einen sehr sanften Übergang in den Korpus, sodass es spielend durch die Lagen geht. Mit einem Gurt an den beiden konventionellen, großen Gurtpins, die hinten am Korpus sitzen, macht der Bass sofort klar: er will in die Waagerechte! Bei einer Kopfplatte dieser Größe und dem vorderen Gurtknopf am 17. Bund kann gar nichts anderes rauskommen. Trotzdem ist der Bass gar nicht so unhandlich spielbar, wie sich das vielleicht liest. Etwas Unterstützung links oder besser noch den Arm rechts auf dem Body ablegen, dann ist der Warlock gut beherrschbar.

An den Amp geht es ganz raffiniert mit einem Buchsenschiffchen à la Strat in der Zarge. Fester Bass, leichtes Knurren und feine Höhen sind da zu hören mit beiden Abnehmern voll auf, garniert mit einer schönen Piano-Note. Ganz wie man das von den EMGs erwartet, die ihrer PJ-Form und Einbauposition entsprechend klingen, ihre passiven Ahnen nicht verleugnen, aber modern wiedergeben, und das in jeder Einstellung völlig ohne Nebengeräusche.

Da die Pickups wie der EQ immer aktiv sind, ist keine Möglichkeit gegeben, ohne Batterie zu spielen. Der Batteriefachdeckel ist zwar mit Schrauben befestigt, aber immerhin sind das Gewindeschrauben, die nicht ausleiern. Zurück zum Sound: Etwas traditioneller klingt es, wenn die Höhen zurückgenommen werden. Auf der Platine am Regler gibt ein Mäuseklavier mit zwei DIP-Schaltern vier Einstellungen her für die Einsatzfrequenz und ob als Glockenkurve oder mit Kuhschwanzcharakteristik geregelt wird.

EMG schreibt aber selbst, dass der Effekt bei passiven Pickups größer ist, bei den eh sehr klaren aktiven ist der Unterschied subtil. Den Draht im Ton habe ich damit jedenfalls gut im Griff, man kann ihn zum Klingeln bringen oder entschärfen für balladeskere Töne, der gesamte Regelweg ist nutzbar und produziert keine unbrauchbaren Sounds.

Die Einzel-PUs machen exakt, was sie sollen. Der P kommt kehlig, der J mit mehr Tiefmitten, eine leichte Zugabe am Bassregler macht ihn noch tragfähiger. Außergewöhnlich gut steht der Warlock beim Sustain da, und dass jeder, aber auch wirklich jeder Ton gleichmäßig sauber und schnell anspricht und ausklingt, ist bemerkenswert.

Die Grundlage ist super, jetzt liegt es am Spieler herauszukitzeln was er oder sie braucht – von brachial bis dezent ist alles drin!

RESÜMEE

Wie bei ziemlich allen B.C.-Rich-Bässen ist auch der Chris Kael Warlock ein auffälliges Gerät, wobei die Kombination aus Gala-Band-Outfit mit schwermetallischer Form richtig gut gefällt – Edelmetall sozusagen. Der Warlock transportiert eine Attitüde, mit seinem leicht sperrigen Handling (und ich betone: leicht, denn da gibt es noch ganz andere Kaliber) muss man sich auf ihn einlassen. Dann wird man mit einer Hard’n‘Heavy-Ikone belohnt, die neben der geilen Optik auch die passende, akkurate Bauweise, eine gute Ausstattung und flexiblen Ton für jede Gelegenheit bietet.

Einzig eine Tasche würde dem Bass bei der ansonsten völlig angemessenen Preislage gut zu Gesicht stehen. Ein wirklich gelungener Einstand, willkommen zurück, B.C. Rich!

PLUS

● Optik
● Tonentfaltung
● Sound
● Verarbeitung

MINUS

● keine Tasche im Lieferumfang

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2020)

Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
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