Produkt: Gitarre & Bass 4/2019 Digital
Gitarre & Bass 4/2019 Digital
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All Inclusive Recording

Test: Audient Sono

(Bild: Dieter Stork)

Ein Audio-Interface in Gitarre & Bass? Klar, denn hier sind ein Preamp mit 12AX7 Röhre und die Boxensimulationen von TwoNotes an Bord.

Audient ist in der Recording-Gemeinde ein wohlklingender Begriff und wird gerne empfohlen, wenn das erste brauchbare Interface gesucht wird. Um nun ohne Umwege durch eine DAW auch Gitarristen und Bassisten beglücken zu können, kooperieren die Briten beim Sono mit den Franzosen von TwoNotes. Letztere bringen ihr umfangreiches Wissen über die Simulation von Lautsprechern mit in diese wilde Ehe. Und so kann man mit dem Sono natürlich bestens recorden. Aber auch einfach ein wenig üben, ohne den PC hochfahren zu müssen, ist dank integrierten Preamps möglich. Gehen wir mal tiefer ins Detail.

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HARDWARE & ANSCHLÜSSE

Das Sono ist eine gekonnte Mischung aus Interface und Preamp mit Boxensimulation. Fangen wir also vorne an und konzentrieren uns zunächst auf die Recording-Möglichkeiten. Für seine Größe ist das Sono gut mit Anschlüssen ausgestattet und bietet hier zwei Mic/Line-Kombi-Buchsen, die XLR- oder Klinkenkabel aufnehmen. Beide können eine 48-V-Phantomspeisung abgeben. Die erste Buchse kann mittels „To Valve“ auch direkt an den internen Röhren-Preamp geschickt werden. Weiter geht es mit Klinkenausgängen für den linken und rechten Kanal, sowie einem optischen TOSlink-Input und einem USB-C-Anschluss. Unter diesem befindet sich eine Buchse für die Erdung (welche interessanterweise in der Abbildung der Bedienungsanleitung nicht existiert) und daneben geht es mit dem 12-V-Netzteilanschluss und einem An-/Aus-Schalter weiter.

Wer nur an den Funktionen für die Saitenfraktion interessiert ist, der braucht die Rückseite kaum zu beachten und stöpselt einfach die Gitarre vorne links und den Kopfhörer vorne rechts ein. Und wenn man dann noch zu einem echten Amp will, so gibt es auch dafür eine Klinkenbuchse. Auch die Oberseite des Gerätes widmet sich weitgehend der direkten Bedienung als Preamp. So finden sich Bass, Middle und Treble, sowie Input-, Drive- und Output-Regler mittig auf dem Sono. Daneben gibt es eine Statusanzeige für die Signalstärke und einen Button, welcher die drei auf dem Gerät gespeicherten Boxensimulationen aus dem Hause TwoNotes durchgeht.

Die obere Reihe an Reglern widmet sich wieder dem normalen Recording-Alltag und regelt die beiden Input-Signale, so wie das Output-Level des Kopfhörers und der Monitorboxen. Zuletzt gibt es noch den Monitor-Mix, mit dem stufenlos zwischen Input und DAW gemischt werden kann. Ein unglaublich praktisches Feature.

SONO- & TORPEDO REMOTE APP

Als ausgewachsenes Interface bringt das Audient natürlich auch seine eigene – schlicht „Sono“ genannte – App mit. Mittels dieser lassen sich am Rechner die wichtigsten Einstellungen treffen. Sie ist dabei performant, gut und übersichtlich designt und hält sich dezent im Hintergrund.

Schöne optische Umsetzung dessen, was man hören möchte

Deutlich spannender ist die Torpedo Remote App. Diese erlaubt die Verwaltung und Anpassung der Presets auf dem Gerät. Da der Preamp ja direkt als Hardware im Interface implementiert ist, geht es hier „nur“ um die Endstufe und die Boxen. Dabei kann man in der optisch ansprechenden App schnell und intuitiv die Cabinets, so wie auch die verwendeten Mikrofone und auch die Räume, in denen diese aufgenommen werden, ändern. Das reicht von einer 1×12er im Keller mit einem SM57 bis hin zu einer großen 4×12er in der Konzerthalle mit einem schönen Neumann.

Des Weiteren lässt sich der Poweramp zwischen eher kühl bis hin zu hot (wahlweise auch ganz aus) regeln. Der Ton kann jeweils zwischen Dark und Bright sowie Vintage und Modern stufenlos übergeblendet werden. Auch der Mikro-Abstand ist einstellbar, sodass mal mehr, mal weniger Raum auf dem Sound ist. Die App kann dabei nur im „Arcade“ Modus betrieben werden. Das heißt: Nur eine Box und ein Mikro. Generell bietet der Hersteller hier mehr Optionen, die aber leider nicht mit der Sono-Lizenz mitgeliefert werden.

BEDIENUNG UND SOUNDS

Das Interface selber ist kinderleicht zu bedienen. Alle notwendigen Regler befinden sich gut zugreifbar direkt auf dem Gerät und dank der sechs Potis nur für den Preamp dürften sich auch alle Gitarreros direkt zu Hause fühlen. Dann schnell noch eine der drei voreingestellten Boxen auf das Signal legen und los geht’s. Cool, die Bedienung klappt auf Anhieb. Nur irgendwie höre ich keinen Unterschied bei den Boxensimulationen und so richtig gut klingt das auch noch nicht. Also die Software erkunden und siehe da: Erstmal steht ein Firmware Update für das Sono an, dann noch ein Update der Torpedo Firmware. Danach muss ich mich erst mal bei Torpedo registrieren, damit festgestellt werden kann, welche Boxen ich überhaupt besitze. Und nun endlich sehe ich auch den Grund für den komischen Sound: Im Auslieferungszustand waren die drei Boxen-Presets bei mir gar nicht gefüllt, sondern „Missing“. Das lässt sich zum Glück schnell korrigieren und so habe ich nun die Auswahl aus 20 Boxenmodellen.

Starten wir mit moderaten Einstellungen am Preamp und den EQ-Potis alle in Mittelstellung und wählen mal ein Fender-Cab. Das passt schon ziemlich gut. Es ergibt sich ein klarer, sparkelnder Sound der merklich davon profitiert, in der Software etwas mehr Raum mit ins Signal zu bekommen. So macht das Spaß. Drehen wir nun das Gain immer weiter auf, so ergeben sich auch ansatzweise die Charakteristiken eines übersteuerten amerikanischen Combos. Hier sollte man nicht vergessen, in der digitalen Endstufe nachzuregeln, da solche Amps ja selten nur in der Vorstufe gepusht werden. Das Sono hat ja hier nicht den Anspruch konkret einen Fender-Amp (oder etwas vergleichbares) nachzuahmen. Man hat einfach einen Preamp und die passende Endstufen- und Boxensimulation dazu. Aber das ist schon vielseitiger, als man zunächst vielleicht denken mag.

Wechseln wir doch mal zu mehr Gain und einer klassischen 4×12er. Auch das klingt wirklich überzeugend und macht jede Menge Spaß. Insbesondere die Boxen und die Räume zu wechseln ergibt natürlich drastische Sound-Änderungen, die sehr realistisch wirken. Für meinen persönlichen Geschmack dürfte der Preamp allerdings noch deutlich mehr Gain zur Verfügung stellen. Wenn man alles voll aufdreht und auch die Endstufensimulation auf „hot“ stellt, befindet man sich vom Gain-Niveau her dennoch höchstens im Classic-Rock-Sektor. Irgendwie auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass hier eine einzelne 12AX7 übersteuert wird. Dennoch sollte man das im Hinterkopf behalten, wenn einem andere Sounds mehr zusagen.

Was kann man nun also tun um mehr rauszuholen? Ganz klar: Pedale davor! Dank der analogen Schaltung nimmt das Sono sowohl die RAT, als auch den Tube Screamer super an. Die Pedale verhalten sich genau wie vor einem realen Amp, und so kann man doch wieder in alle gewünschten Sound-Gefilde vorstoßen.

In der Torpedo Remote Software finden sich auch Cabs für jeden Einsatzzweck. Allerdings werden mit der Lizenz nur 20 mitgeliefert. So kommt man recht schnell in die Situation, dass man Cabs auswählt, die man nicht besitzt und dann nur für kurze Augenblicke testen kann, bevor das Signal intermittierend stumm wird. Vielleicht immer noch besser, als sie erst gar nicht testen zu können, aber irgendwie auch ziemlich frustrierend.

Nach kurzer Zeit hat man sich dann für seine drei Lieblingsboxen entschieden und kann diese direkt auf dem Sono abspeichern. Da das Gerät über einen eigenen Soundprozessor für die Cabs verfügt, braucht man nun in Zukunft keine Verbindung zum Computer mehr, um zu spielen. Einfach nur den Preamp einstellen und eine der drei Boxen wählen. Das ist schon ziemlich cool. Und wenn man doch zu einem Backing-Track vom Rechner spielt, dann kommt der Gitarren-Sound ja immer noch direkt und ohne merkliche Latenz aus dem Sono, und man kann wunderbar mittels Monitor-Mix-Poti mischen, wie viel von welchem Signal man hören möchte.

Und als Interface? Da verhält sich das Sono wie erwartet im besten Sinne unspektakulär. Es färbt den Sound nicht merklich und rauscht nicht. Angeschlossene Mikros werden sauber wiedergegeben und so kann man getrost auch mal eine Gesangsspur und eine mikrofonierte Gitarre gleichzeitig aufnehmen.

Das umfangreiche Anschlussfeld lässt keine Wünsche offen. (Bild: Dieter Stork)

ALTERNATIVEN

Alternativen zu nennen fällt hier tatsächlich schwer. Es gibt jede Menge gute Interfaces und auch Audient selber hat natürlich einiges auf dem Markt, was für reines Recording entweder günstiger ist (bspw. das iD22) oder mehr kann (iD44). Nur der Preamp-Anteil und die TwoNotes-Integration fehlen natürlich.

Interessiert man sich wiederum nur für die Gitarristen-Funktionen, so könnte man über die TwoNotes Preamps (LeClean, LeCrunch, LeLead, LeBass) nachdenken, die für jeweils etwa € 250 etwas vielseitiger und günstiger sind. Hat man den Preamp schon am Start und ist am Cab-Modeling interessiert, so sollte man sich natürlich erst recht die weiteren TwoNotes Produkte anschauen. Beides ist dann aber doch etwas deutlich anderes als das Sono und so kann man Audient und TwoNotes nur zu dieser gelungenen Integration gratulieren.

RESÜMEE

Das Audient Sono richtet sich gekonnt an ein bestimmtes Klientel: Gitarristen und Bassisten, die mit möglichst wenig Aufwand und ohne viel zusätzliches Equipment einen guten Sound in den Rechner schicken oder einfach nur üben wollen. Als Interface arbeitet das Sono angenehm unauffällig und bietet seitens der Hardware, als auch softwareseitig eine übersichtliche Bedienung und einen guten Sound.

Das Highlight ist natürlich der interne Preamp, welcher durch den EQ auch stark im Sound verbogen werden kann. Durch die TwoNotes Cabs klingt dieser nahezu immer gut, und es sind vielseitige Sounds nutzbar. Die maximal erreichbare Verzerrung reicht für Classic Rock gut aus. Für alles darüber hinaus kann und sollte man sich weiterer Pedale bedienen.

Sowohl die Software für das Sono selber, als auch die Torpedo Remote App arbeiten zuverlässig und stellen einem weitere Optionen zur Verfügung. Und hat man erst mal seine Lieblings-Cabs gefunden, so landen sie einfach direkt auf dem Gerät und lassen sich dort jederzeit – auch ohne Rechner – spielen. Cooles Konzept, welches voll aufgeht.

PLUS

  • intuitive Bedienung
  • Sounds
  • Cab-Simulationen
  • Apps
  • Preis

MINUS

  • etwas wenig Gain

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2020)

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