Drei Kraftpakete

Test: Amptweaker Tight Metal Pedale

(Bild: Dieter Stork)

Nur wenige Pedale versprühen einen derart robusten und soliden Charme wie die Geräte von Amptweaker. Hier möchte man glauben, dass selbst übelster Missbrauch diesen Tretern nichts anhaben kann. So wundert es wenig, dass bei der Entwicklung der Tight-Metal-Pedale Mark Kloeppel von Misery Index beteiligt war. Die intensiven Live-Shows der US-Death-Metal-Band verlangen durchaus nach entsprechend robustem Equipment. Schauen wir doch mal, wie sich die Teile in unserem Test schlagen.

Da staune ich nicht schlecht, als mein freundlicher UPS-Mann mir ein kleines, aber schweres Paket in die Hand drückt. Sind doch nur drei Pedale drin … ja aber bei Amptweaker wird schließlich alles aus dem Vollen gedengelt. Die drei Tight-Metal-Pedale – genauer gesagt das Tight Metal Jr, das Tight Metal ST sowie das Tight Metal Pro – machen absolut keine Gefangenen, wenn es um soliden Aufbau und Ausstattung geht. Hier wurden wirklich zahllose Features verbaut, die aber allesamt Sinn ergeben.

Anzeige

Von klein zu groß

Bevor ich auf die Unterschiede der drei Testgeräte eingehe, möchte ich ein paar Worte zur grundsätzlichen Konstruktion der Tight-Metal-Distortion-Pedale verlieren. Da wären zunächst die extrem robust wirkenden, pulverbeschichteten Gehäuse. Ebenfalls markant ist der dicke Schutzbügel, welcher sich kurz hinter den sehr solide wirkenden Aluminium-Poti-Kappen befindet.

Genial ist, dass jedes der drei Pedal eine Lösung für den schnellen Zugriff auf das Batteriefach bietet. Während die ST- und die Pro-Version mit einer im Gehäuse eingelassenen Schublade aufwarten, lässt sich bei der Jr-Variante das gesamte Pedal mittels einer großen Rändelschraube vom Gehäuseboden lösen, sodass man direkt auf das Innenleben zugreifen kann. Dort findet man in allen drei Pedalen im Übrigen das von Amptweaker gewohnt hohe Niveau. Die Platinen machen einen soliden Eindruck und sind sehr sauber bestückt und verlötet. Schauen wir uns nun die drei Pedale in ihrer Ausstattung mal etwas genauer an. Hier gibt es – wie nicht anders zu erwarten – gravierende Unterschiede.

(Bild: Dieter Stork)

Beim Tight Metal Jr geht es im Grunde noch recht bodenständig zu. Neben den drei üblichen Verdächtigen – den Reglern für Volume, Gain und Tone – findet sich ein weiteres Mini-Poti mit der Bezeichnung Gate. Dahinter verbirgt sich tatsächlich ein vollwertiges Noise Gate, worauf ich später im Test noch näher eingehen werde. Zusätzlich zu den vier Reglern finden wir noch zwei Mini-Schalter. Während der EQ-Switch für das generelle Voicing des Pedals zuständig ist, verändert der Tight-Schalter vor allem die Ansprache im Bassbereich des Tight-Metal-Jr-Pedals (ein zentrales Feature aller Pedale wie sich später zeigen wird).

(Bild: Dieter Stork)

Beim Tight Metal ST – welches der Nachfolger des ursprünglichen Tight-Metal-Pedals ist – sieht es dann mit der Ausstattung schon ein bisschen anders aus; der Wahnsinn nimmt seinen Lauf. Auch hier finden wir die üblichen Regler für Volume, Gain und Tone sowie ein weiteres Poti mit der Beschriftung „Tight“. Richtig: was eben noch als dreistufiger Schalter zu finden war, wurde bei der ST-Version als stufenloser Regler integriert. Unter den Potis platziert finden wir des Weiteren drei kleine Schiebeschalter, mit denen sich die Mittencharakteristik, die Funktionsweise des eingebauten Noise Gates (normale Funktion und „Chomp“ für radikale Stopps in Spielpausen) sowie die Zerrstruktur verstellen lassen. Als wäre das nicht schon genug, wurden dem Tight Metal ST nicht einer sondern gleich zwei Einschleifwege spendiert. Während der eine als reguläre FX-Loop (Pre- und Post-Gain schaltbar) fungiert, handelt es sich beim zweiten um eine sogenannte Side-Trak-Loop, welche erst aktiv wird, wenn man das Pedal ausschaltet. So lässt sich beispielsweise ein Clean-Sound mit einer Hand voll Effekten aktivieren, sobald das Tight Metal ST deaktiviert ist. Genial! Zu guter Letzt dürfen natürlich auch bei diesem Pedal die beleuchteten Potis und der große Batterie-Off-Switch nicht fehlen.

(Bild: Dieter Stork)

Wer jetzt vor lauter Features noch nicht völlig den Verstand verloren hat, den möchte ich mit dem Tight Metal Pro nun endgültig in den Wahnsinn treiben. Grundsätzlich finden wir hier einen vergleichbaren Aufbau wie beim Tight Metal ST, mit drei wesentlichen und einer Handvoll unwesentlichen Unterscheidungsmerkmalen. Da wäre zunächst das fast doppelt so große Gehäuse – hier benötigt man schon ein bisschen Platz, um diesen Koloss auf dem Pedalboard beherbergen zu können. Als zweites fällt die deutlich aufwendigere Klangregelung auf – anstatt des einzelnen Tone-Potis wurde hier ein Drei-Band-EQ verbaut, welcher außerdem durch je einen Schiebeschalter zur Veränderung der Mitten- sowie der Höhen-Charakteristik („Mid“ und „Edge“) ergänzt wird. Des Weiteren finden sich Schiebeschalter für einen separaten Mid-Boost, die Arbeitsweise des Noise Gates sowie eine Veränderung der Gain-Struktur.

Während der linke Fußschalter zwischen dem aktivierten Pedal und dem auch hier vorhandenen Side-Trak-Loop hin und her schaltet, aktiviert der rechte Schalter den zusätzlichen Boost, für den die beiden beleuchteten Regler (Boost Gain und Boost Volume) auf der Oberseite zuständig sind. Anders als beim Tight Metal ST wurden bei der Pro-Version nicht zwei, sondern sage und schreibe drei (!!!) Loops verbaut.

Neben der globalen FX-Loop und dem Side Trak, gibt es noch eine weitere Effektschleife, welche nur bei aktivierter Boost-Funktion arbeitet. Features wie die beleuchteten Potis und die schaltbare Reihenfolge der Loops (zu finden auf der Platine) dürfen selbstverständlich auch beim Tight Metal Pro nicht fehlen. Natürlich finden wir auch bei diesem Pedal die Möglichkeit, das Gerät im Batterie-Betrieb mittels des großen Schalters auf der Vorderseite komplett lahmzulegen, sodass die Batterie geschont wird. Ach ja: alle Pedale laufen übrigens wahlweise mit 9V oder 18V. Na? Wer hat bis hierher durchgehalten? Glückwunsch!

Tonnenschwerer Ton

Für den Praxistest arbeiten wir uns – um nicht völlig den Überblick zu verlieren – wieder von klein nach groß vor und starten mit dem Tight Metal Jr. Der Amp ist vollkommen clean eingestellt, um möglichst viel vom Sound der Amptweaker-Pedale zu hören. Schon das kleine Tight Metal Jr schlägt richtig Alarm und lässt keinerlei Zweifel aufkommen, wohin die Reise geht. Der Sound ist dicht, sehr kompakt und steht wie eine Wand! Schon ohne Benutzung der Schiebeschalter-Optionen hat man hier einen unheimlich brutalen und absolut ernstzunehmenden Metal-Sound, der sich vor nichts und niemandem verstecken muss.

Mit dem EQ-Switch lässt sich der Ton wahlweise in eine in den Mitten etwas zurückgeregelte („Thrash“) oder eine geboostete Richtung verschieben, was besonders in Verbindung mit dem Tight-Schalter richtig gut funktioniert. Hier wird speziell das Bassverhalten des Pedals wahlweise geboostet oder auf eine sehr musikalische Art beschnitten, was natürlich gerade bei tief gestimmten Gitarren richtig gut klingt. Die Gain-Reserven des Tight Metal Jr sind übrigens ziemlich beachtlich und so macht es nur Sinn, dem Pedal gleich ein Noise Gate zu spendieren. Dieses funktioniert überraschend gut und sorgt in den Spielpausen für Ruhe, was in Hardcore- und Metal-Bands nicht unwichtig ist. Als etwas feiner einstellbar und noch vielseitiger in den klanglichen Möglichkeiten zeigt sich das Tight Metal ST.

Der Klangcharakter ist dem der kleineren Version schon sehr ähnlich, nur ist der Umfang der Klangpalette insofern größer, als dass sich dank des Tight-Potis eine sehr feine Abstimmung des Ansprechverhaltens auf die jeweilige benutzte Gitarre vornehmen lässt. So kann man sich stufenlos von einem Ton mit sattem Bassfundament bis hin zu einem drahtigen und enorm schnell reagierenden Metal-Sound vorarbeiten. Zusätzlich sorgt ein kleiner Schiebeschalter mit der Bezeichnung „Mid“ für eine Verschiebung der Mittencharakteristik hin zu einem an die Metallica-Alben der 80er-Jahre erinnernden Thrash-Metal-Sound.

Zusammen mit dem Wirkungsbereich des Tone-Potis ergibt sich so eine breite Palette unterschiedlichster High-Gain-Sounds. Auch bei der St-Version sind die Gain-Reserven so hoch, dass man froh ist, das hier ebenfalls fantastisch funktionierende Noise Gate an Bord zu haben, welches im Chomp-Modus für Ruhe im Karton sorgt. An dieser Stelle sei gesagt, dass bereits das St-Pedal mit seiner wirklich tollen Ausstattung so viele klangliche Möglichkeiten bietet, dass man in den allermeisten Situationen damit bestens klarkommen wird.

Wer trotzdem das Maximum an Flexibilität will, muss ganz klar zum Tight Metal Pro greifen. Hier finden wir vor allem zwei Merkmale, die einen klanglichen Unterschied zu den beiden anderen Varianten darstellen. Da wäre zum einen der schaltbare Booster, welcher bei Bedarf eine gehörige Portion Gain dazu packt und den ohnehin schon dichten Sound noch einmal komprimiert. Zum anderen wurde dem Tight Metal Pro mit der Drei-Band-Klangregelung die Möglichkeit gegeben, noch deutlich extremere Sounds zu erzeugen. Vom 80er-Hard-Rock, über das 90er-Jahre-Rammstein-Brett bis hin zu modernen Metal-Sounds ist wirklich alles machbar, was das Herz begehrt.

Hier sind in Bezug auf harte bis richtig harte Sounds wirklich keine Grenzen gesetzt und es ist erstaunlich, wie unheimlich souverän klingend Amptweaker dieses Klangpaket geschnürt hat. Dabei ist allen drei Pedalen gemein, dass selbst bei extremen Einstellungen mit sehr viel Gain immer eine gewisse Transparenz erhalten bleibt und die Pedale – je nach Einstellung des „Tight“-Parameters – eine drahtige bis extrem schnelle Ansprache im Bassbereich aufweisen; der Name ist hier definitiv Programm.

Wer den Sound des großen Tight Metal Pro noch weiter tweaken will, findet bei geöffnetem Batteriefach sage und schreibe fünf auf der Platine montierte Schiebeschalter. (Bild: Dieter Stork)

Resümee

Amptweaker liefert (mal wieder) völlig ab: Alle drei Pedale der Tight-Metal-Reihe sind für sich genommen stimmig designt und liefern alles was man braucht und noch viel mehr. Vor allem die ST-Version entpuppt sich als toller Kompromiss aus kompakter Gehäusegröße und vielseitiger Ausstattung. Wer einen vollwertigen Preamp braucht – beispielsweise für ein sehr leichtes Fly-In-Rig – wird mit der Pro-Variante mit Sicherheit glücklich werden. Hier kann im Endeffekt jeder das Pedal wählen, was in der Ausstattung seinen Ansprüchen gerecht wird.

Rein klanglich muss sich keines der Pedale vor den anderen verstecken – hier begegnen sich die Testgeräte allesamt auf Augenhöhe. Bleibt nur noch festzuhalten, dass die Preise der Tight-Metal-Reihe zwar nicht niedrig, für das, was der Hersteller hier liefert, jedoch absolut gerechtfertigt sind.

PLUS

  • Aufbau
  • Ausstattung
  • Sound
  • Side Trak Loop
  • Noise Gate
  • Tight Regler
  • beleuchtete Potis (Tight Metal Pro)

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2019)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.