Kam das bisherige Killer Wail Wah noch im eher konventionellen Gewand daher, hat Tech 21 dem neuen Modell nicht nur ein neues Outfit spendiert und damit Gewicht und Größe enorm reduziert, sondern auch die Technik komplett umgekrempelt. Ein Ritchie-Kotzen-Signature- und ein Bass-Modell komplettieren das Trio.
Der direkte Nachfolger des original Killer Wail ist das silberne Killer Wail V2. Abgesehen von den unterschiedlichen Farben der drei Pedale fällt zunächst das futuristisch anmutende geschmackvolle Design ins Auge. Gehäuse und Pedalwippe hat man jeweils aus massiven Aluminiumblöcken CNC-gefräst und mit einer stabilen Achsenschraube verbunden, über die die Gängigkeit des Pedals justiert werden kann.
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Die abschraubbaren Bodenbleche tragen die Deckel des Batteriefachs, und zwei großflächige Gummipads bieten sicheren Stand. Input, Output und Netzteilbuchse befinden sich jeweils auf der Stirnseite. Bei den neuen Killer Wails hat man gänzlich auf die konventionelle Effektsteuerung mittels Drehpoti und Zahnstange verzichtet, und setzt auf Optoelektronik.
Diese kommt bereits seit den 70er-Jahren bei Wahs zum Einsatz (Morley) und zeichnet sich durch Nebengeräuscharmut und Null Bauteilverschleiß aus. Dabei wird durch die Pedalbewegung ein schwarzer Blechstreifen zwischen zwei LEDs und zwei Fotozellen geführt und damit die EQ-Elektronik gesteuert. Alle drei Killer-Wail-Pedale werden mittels 9-Volt-Batterie oder Netzteil betrieben, punkten mit extrem geringem Stromverbrauch und sollen sich klanglich an originalen Vintage-Wah-Pedalen orientieren.
Statt simpler Bandpass- oder Tiefpassfilter kommt ein speziell entwickeltes Filter zum Einsatz, das nicht nur die Frequenz sondern auch die Güte (Q), also die Schärfe des Filters verändert. Interne High- (2,2 kHz) und Low-Trimmer (380 Hz), die werksseitig auf optimale Werte eingestellt und laut Tech 21 zumindest beim Ritchie Kotzen Modell möglichst nicht vom User justiert werden sollten, wurden auf den Platinen installiert. Die Trimmer ersetzen den Deep/Extended/High-Schalter des ursprünglichen Killer Wail Wahs.
KILLER WAIL V2
(Bild: Dieter Stork)
Im Grunde hätten die neuen Killer Wails schon fürs Design einen Award verdient. Optik, Haptik und Robustheit, einfach klasse! Als einziges der drei Wahs verfügt das silberne V2 zum Aktivieren über einen High-End-Fußtaster mit kurzem Hub. Er ragt nur 2,5 mm über die geschlossene Wippe hinaus und lässt sich komfortabel und sicher bedienen, indem man den Fuß beim Herunterdrücken des Pedals minimal zur Seite kippt.
Unterhalb des Tasters zeigt gut sichtbar eine zweifarbige LED den Status an: Blau > Bypass, Rot > Wah On. Klanglich orientiert sich das Killer Wail V2 ohne Frage am Vintage Cry Baby und liefert exzellente, sehr saubere, praxistaugliche Wah-Effekte à la ‚Shaft’ oder ‚Papa Was A Rolling Stone’. Allerdings lässt das Verhältnis von Effektwirkung und Pedalweg Fragen aufkommen.
Befindet sich nämlich bei aktiviertem Wah die Wippe vollständig in Fersenposition (Abstand Wippenoberkante bis Boden 90 mm), ist der typische dumpfe hohle Wah-Sound zu vernehmen. Drückt man das Pedal langsam herunter, startet der Wah-Effekt erst bei ca. 60 mm und endet bei 46 mm Wippenoberkante bis Boden. Ergo bleiben für die gesamte Wah-Range gerade mal 14 mm.
Zwar muss der Fuß für den Effekt nur wenig bewegt werden, andererseits lassen sich spezielle Sound-Varianten (wie beispielsweise Fixed-Wah) nur sehr schwer realisieren. Ich würde mir wünschen, den gesamten Pedalweg für den Wah-Effekt nutzen zu können. Praktisches Extra: Schließt man den Output des Wail per TRS-Patchkabel an den Input des Tech 21 Fly Rig 5 v2 bzw. des Richie Kotzen Signature RK5 v2 Fly Rig an, wird das Killer Wail V2 mit Phantompower gespeist, benötigt also weder Batterie noch Netzteil.
Steuerungsblech der Optoelektronik unter der Wippe (Bild: Dieter Stork)
RITCHIE KOTZEN KILLER WAIL
Blick auf die Feder unter dem Ritchie-Kotzen-Pedal (Bild: Dieter Stork)
Das rote Killer Wail wurde funktional und klanglich auf die Wünsche, die Gitarre und das Equipment des stilistisch breit aufgestellten Richie Kotzen abgestimmt. Eine Druckfeder bringt das Pedal nach dem Loslassen stets in die Fersenposition zurück. Ein Betätigen der Wippe nimmt das Wah automatisch in Betrieb (LED rot), und das Loslassen schaltet es aus (LED blau).
Bei vollständig heruntergedrückter Wippe tönt der Wah-Effekt insgesamt etwas wärmer und einen Hauch weniger scharf als beim V2. Die internen Trimmer hat man auf die Wünsche Ritchie Kotzens eingestellt und sollten daher möglichst nicht vom User nachjustiert werden. Der zusätzliche „Time”-Trimmer kontrolliert wie schnell die On/Off-Automatik auf die Pedalbewegung reagieren soll.
Hier ist zu beachten, dass eine zu hohe Einstellung das Wah während der Pedalbewegung ungewollt ein- und ausschalten kann. Die Verhältnisse von Pedalweg, Ein-/Ausschaltposition und Effektwirkung hat man hier praxistauglicher justiert. In Off-Position misst der Abstand von der Wippenoberkante zum Boden 84 mm, bei 78 mm wird das Pedal eingeschaltet, bei 68 mm startet der Wah-Effekt, der bei 46 mm voll ausschlägt.
Somit bleibt hier eine Wah-Range von einigermaßen komfortablen 22 mm. Das RK Killer Wail kann sowohl vom Tech 21 Fly Rig 5 v2 als auch vom Richie Kotzen Signature RK5 v2 Fly Rig via TRS-Patchkabel mit Stromspannung versorgt werden.
Unterseite mit Batteriefach (Bild: Dieter Stork)
KILLER BLUE WAIL BASS
Das Wah Wah unterscheidet sich optisch nicht nur durch seine blaue Eloxierung, sondern auch durch den Bass-Schlüssel auf der Wippe. Funktional ist es mit dem Ritchie Kotzen Signature Wail identisch: Auto-On/Off-Schaltung, eine Druckfeder bringt es nach dem Loslassen in die Fersenposition, zweifarbige Status-LED, interne Time-, High- und Low-Trimmer, letztere beiden auf die Frequenzen von Bässen abgestimmt.
Die Verhältnisse von Pedalweg und Effektwirkung entsprechen denen des V2. In Off-Position misst der Abstand von der Wippenoberkante zum Boden 90 mm, bei 80 mm wird das Pedal aktiv, bei 60 mm startet der Wah-Effekt, der sich bei 46 mm voll entfaltet. Somit stehen auch hier lediglich 14 mm für die komplette Wah-Range zur Verfügung.
Auch das Blue Wail Bass-Wah orientiert sich klanglich an Vintage-Pedalen und liefert dank optimierter Frequenzbereiche selbst in den Tiefbässen von 5-String-Modellen mit H1-Saite saubere, transparente Sounds. Sogar Akkorde zeigen präzise Saitentrennung. Neben Batterie und Netzteil lässt sich das Killer Blue Wail mittels TRS-Patchkabel über das Tech 21 Bass Fly Rig V2 mit Phantompower betreiben.
Bei allen drei Killer Wails ist beim Aufsetzen des Pedals auf das Gehäuse (Down Position) ein mechanisches Klacken zu hören, welches durch einen kleinen (relativ harten) Gummidämpfer unter der Wippe verursacht, aber nicht vom Amp übertragen wird. Wen das stört: Hier wäre ein weicher Filzdämpfer sicherlich vorteilhafter.
RESÜMEE
Nach dem Erfolg des original Tech-21-Killer-Wail-Wah-Wahs durfte man auf das umfassende Redesign und auf die Spezialisierung der Ritchie Kotzen Signature und Bass Wahs gespannt sein. Ergebnis: Tolles Design, Größe und Gewicht wurden erheblich reduziert, die Wah-Steuerung auf verschleiß- und geräuschfreie Optoelektronik umgestellt.
Während RK und Blue Wail Auto-On/Off-Schaltung bieten, wird das Killer Wail V2 per Fußtaster aktiviert, dessen „externe” Anordnung den Bedienkomfort in keiner Weise einschränkt. Zweifarb-LEDs zeigen die Status gut sichtbar an. Klanglich rangieren alle drei Killerwale jenseits von Gut und Böse und liefern exzellente vintage-orientierte Wah-Sounds ohne Schalt- und Nebengeräusche. Allein mit den recht begrenzten Regelbereichen der Wippen kann ich mich nicht wirklich anfreunden.
Plus
Wah-Sounds
optoelektronische Steuerung
Design / Optik / Haptik
High-End-Bauteile
verschleiß- und geräuschfreie Funktion
Auto On/Off (RK und Blue Wail)
komfortable Bedienung
Verarbeitung
Minus
eingeschränkte Regelbereiche der Pedalwippen (V2 und Blue Wail)