Der analog-Mann

Steve Lukather & Nathan East: Live-Equipment 2012

Nicht nur sein Spiel bei Toto, auf seinen Solo-Alben, bei diversen Projekten sowie auf unzähligen Sessions ist bis heute stilprägend, auch der Sound von Steve Lukather hat Rock- und Pop-Gitarristen auf der ganzen Welt inspiriert. Dabei hat sich Lukes Ansatz – genau wie sein berufliches und privates Leben – in den letzten Jahren stark verändert.

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(Bild: Christian Tolle)

Jahrelang war Steve Lukather mit großen Bradshaw-Racks auf Tour, seit einiger Zeit hat er eben diese Racks in Rente geschickt und vertraut auf einen direkteren Ansatz – der jetzt zum ersten Mal bei der aktuellen Europa-Tour von Toto in einer 2.0-Version begutachtet werden konnte. Aber nicht nur das: Mit der Music Man Luke III (Test in dieser Ausgabe!) liegt die mittlerweile dritte Version seiner Signature-Gitarre vor, die zum ersten Mal auf die aktiven Pickups von EMG verzichtet und stattdessen mit passiver Elektronik ausgestattet ist, „I am all analog now!“, sagt Luke lachend dazu.

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Ihm geht es gut: neues Leben, neues Equipment und Termine, Termine, Termine. „Mein neues Equipment ist wie eine Metapher für mein Leben“, erzählt Lukather. „Ich bin jetzt sauber, habe die Scheidung mit meiner Frau halbwegs verkraftet und starte musikalisch wieder voll durch. Da spiegelt sich dieser Wandel auch in meinem Sound-Verständnis nieder.“ Tatsächlich war Luke in den letzten Monaten beschäftigt wie lange nicht: Seine Solo-Tour, die Entwicklung der Music Man Luke III, die „Rock meets Classic“-Tour in Europa, die G3-Tour mit Steve Vai und Joe Satriani in Australien, seine Aufnahmen zur neuen Soloplatte, Einstieg in Ringo Starr’s All Star Band, inkl. Live-Shows, und die aktuelle Toto-Sommer-Tour füllen den Kalender prall aus.

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Die Toto-Setlist 2012 (Bild: Christian Tolle)

„Ich liebe das Tour-Leben, es ist jedoch Fluch und Segen zugleich, denn ich vermisse meine Kinder wahnsinnig. Aber zum Glück sind die Live-Phasen nicht mehr so lang wie früher, ich komme zwischendurch immer wieder mal nach Hause“, gibt Luke emotional zu. „Der Gig mit Ringo ist ein Traum! Als damals die Beatles groß rauskamen war das für mich wie das Erscheinen Außerirdischer. Jetzt mit Ringo auf der Bühne zu stehen ist Wahnsinn. Es ist eine fantastische Band mit Gregg Bissonette, Richard Page, Todd Rundgren, Gregg Rollie und einigen anderen. Im Grunde sind es vier Gigs in einem, denn das Repertoire ist so unterschiedlich.“

Zwischenzeitlich hat Lukather auch die Aufnahmen an seinem neuen Solo-Album so gut wie abgeschlossen. Was können die Fans erwarten? „Ich mache musikalisch da weiter, wo ,All’s Well That Ends Well‘ aufgehört hat. Ein, zwei Nummern haben eine etwas kommerziellere Färbung, aber es bleibt die Erzählung der Geschichte meines Lebens. Ich habe wieder viele Songs mit CJ Vanston geschrieben, einen mit meinem Sohn und wieder einen Haufen toller Leute im Studio versammelt: Meine Band ist dabei, Richard Page, Phil Collen, Nathan East spielt einen Song am Bass, Lee Sklar, CJ spielt Keyboards, Steve Weingart, Chad Smith, Gregg Bissonette, Tal Wilkenfeld, Toss Panos, Lenny Castro an der Percussion und John Pierce. Anfang 2013 kommt die Scheibe raus, dann geht es auch direkt wieder auf Tour.“ Außerdem sind weitere Shows mit Toto in Vorbereitung und auch mit Ringo-Starr sind Live-Aktivitäten für 2013 in Planung.

Gitarren

Schon im letzten Gespräch anlässlich seines Solo-Albums ,All’s Well That Ends Well‘ in Ausgabe 10/2010 hatte Luke eine neue Version seiner Signature Gitarre angekündigt. Mittlerweile ist die Music Man Luke III erhältlich. Selbstverständlich hat der Namensgeber davon einige Exemplare mit auf Tour: „Ich habe sehr viel experimentiert und mache das auch immer noch, verschiedene Hölzer, Pickups usw. Mit den Jungs von DiMarzio arbeite ich auch weiterhin an verschiedenen Pickup-Ideen“, ergänzt Luke beim Gang durch sein Gitarrenarsenal.

Neben dem Serienmodell in Olive Gold mit den von DiMarzio gewickelten Steg- und Hals-Humbuckern, Palisanderhals und -griffbrett, ist noch ein Prototyp mit dabei: Lukes Techniker Jim Lopez ergänzt: „Dieses schwarze Exemplar verfügt über einen 10db-Boost-Schalter und einen wunderschön gemaserten Ahornhals.“ – im Gegensatz zu einem Palisanderhals wie das Serienmodell. Auffallend, wie diese Gitarre später während des Konzertes einen hörbaren mittigeren Sound-Eindruck hinterlässt als beispielsweise die Luke II mit EMGs und HSS-Bestückung, die bei den Pop-Klassikern im Set erste Wahl ist. Als Reserve ist noch eine oliv-goldene Luke II mit passiver DiMarzio-HSS-Pickup-Bestückung dabei. Alle Gitarren in Lukes Tour-Arsenal haben ErlenKorpusse. Die BFR (Ball Family Reserve) Modelle mit Mahagoni-Tonblock, Erlen-Seiten und Ahorn-Top wurden für diese Tour zu Hause gelassen.

Live hat Luke auch Bedarf für eine NylonAkustik: Für den Song ,Lea‘ vom ,Fahrenheit‘-Album greift er zu einer Yamaha NTX700. Kein Wunder, seit einiger Zeit ist Steve Lukather auch Endorser von Yamaha-Instrumenten.

Verstärkung

Herzstück der Anlage sind zwei Bogner-Ecstasy-101B-Halfstacks. Dabei wird einer der beiden Ecstasys nur über den Effekt-Return angesteuert und fungiert so lediglich als Endstufe für das Stereo-Signal, welches vom Pedalboard kommt. Luke nutzt alle drei Kanäle des Ecstasy für seine Grund-Sounds: Clean, Crunch und Lead. Jim Lopez erklärt: „Der Verzerrungsgrad ist nicht mehr so hoch wie noch mit dem Custom-Audio-Preamp im alten Rack.“ Gilt die alte Weisheit, je älter man wird, desto weniger Gain verwendet man? Luke grinst: „Kann sein, ich habe auch auf dem Pedalboard zum jetzigen Zeitpunkt keinen Verzerrer mehr drauf, früher hatte ich noch einen Ibanez Tube Screamer dabei. Der Overdrive kommt ausschließlich aus dem Bogner.“ Die Speaker in den passenden 4×12- Boxen sind wie gehabt Celestion Vintage 30.

Pedalboard

Das nagelneue, überarbeitete Pedalboard wurde von Dave Friedman von Racksystems in North Hollywood gebaut und frisch für die Tour fertiggestellt. Das ist nach dem Abschied vom Rack bereits das zweite Board, welches Luke verwendet. Im Grunde verfügt es über die gleichen Effekttypen wie auch das Rack, aber eben in einem kompakteren, leichter zu transportierenden und modular einsetzbaren Format. Luke ergänzt: „Die Bogner Ecstasys sind meine Hauptverstärker. Aber hin und wieder bin ich unterwegs z.B. bei Sessions und muss auf einen geliehenen Amp zurückgreifen. Das Pedalboard ist so organisiert, dass es auch dann wunderbar funktioniert.“ Luke ist sichtlich zufrieden: „Jetzt habe ich einen organischeren Ton als je zuvor, es klingt viel dynamischer und ist frei von Störgeräuschen.“

Ebenfalls neu: Lukather hat mit dem grundlegenden Wechsel auch Abschied vom Sender genommen. „Ja, ich spiele jetzt wieder mit Kabel, das klingt einfach besser und es ist eine Quelle weniger für technische Probleme“.

Signalweg

Zunächst geht die Gitarre in einen RJM-Buffer, welcher das Signal an den Digitech-Hardwire-Tuner einerseits und zu den Effekten andererseits splittet: In der Effektkette folgen als nächstes:

  • Ernie Ball Volume-Pedal
  • Dunlop Joe Bonamassa Signature Wah
  • Grace-Kompressor
  • JAM Waterfall Chorus
  • Strymon Lex für den Leslie Effekt Das Signal geht weiter auf ein Custom-Interface, welches sich unter den Digitech-Hardwire-Delays befindet. Vom Interface geht das Signal weiter zum Eingang des Bogner Ecstasy. Nach der Vorstufe des Bogner Ecstasy kommt das Signal aus dem „Send“ des Effektweges wieder über das Interface zum Pedalboard zurück und durchläuft nun:
  • MXR Smart Gate zur Rauschunterdrückung
  • Ben Rod Electronics Wave Box, Tremolopedal
  • TC Flashback Delay für kurze Slapback-Echos
  • Strymon Blue Sky für dezente Halleffekte

Als nächstes läuft das Signal in einen RJM Mini-Line-Mixer, in dem die beiden Digitech Hardwire Delays (mit „Killdry“-Modifikation) parallel zum Signal zugemischt werden. Außerdem werden beide Delays mit dem zentralen Fußboard in den Signalweg ein- und ausgeschaltet. Nach den eingeschliffenen Delays geht das Signal zurück zu den beiden Bogner Ecstasys – nun in die Effektwege Returns. Folglich hat Luke mit den beiden Delays ein breit klingendes StereoSetup zur Verfügung.

Sein Techniker Jim schwärmt von den Hardwire Delays: „Die klingen wie alte Lexicons, Luke benutzt meistens beide Delays gleichzeitig und kann damit sehr gut seine LexiconPCM70-Delays aus dem alten Rack emulieren.“

Mit dem zentralen Fußboard steuert Luke die Kanäle des Bogner Ecstasy und die beiden Delays, zusätzlich ist noch eine weitere Kanalumschaltung „Marsh“ für eventuelle Leihgeräte vorhanden – Luke greift dann häufig auf ein Marshall-JCM2000-DSL-Top zurück. Lukather zum Effekteinsatz: „Ich nutze die verschiedenen Effekte sehr sparsam, den Chorus hauptsächlich bei unserer Version von ,Human Nature‘. Ab und zu kommt das Strymon Lex für die Leslie-Sounds zum Zuge, aber wirklich nur als kleine Färbung. Ich mag mittlerweile einen direkten Ton lieber, bei dem sich die Effekte unterordnen. Natürlich sind die Delays toll, um beispielsweise bei den Soli den Sound breit zu machen. Sie klingen aber sehr subtil und – wie gesagt – organisch! Hey Mann, ich bin jetzt wirklich voll analog! Hahahaha!!!!“

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